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In drei Schritten zum Energiemanagement

Teil 21: 100.000 gute Argumente für ein Energiemanagementsystem

Mit der staatlichen Förderung von zertifizierten Energiemanagementsystemen in Deutschland erlebt das Energiesparen eine Renaissance. Auch Pottbäcker & Partner, ein klassischer Fertigungsbetrieb mit hohem Energiebedarf, lässt sich von der Energiewelle mitreißen. Das Energiemanagmentsystems bei Pottbäcker konnte zudem mühelos in das bestehende Prozessmodell integriert werden.

© fotomek - Fotolia.de

„Sag mal, neulich hast Du so flapsig gesagt: Es gibt 100.000 gute Argumente für ein Energiemanagementsystem. Was hast Du denn damit gemeint?“ fragt Frau Maigret aus dem Marketing.

„Das bedeutet, dass das Energiemanagement boomt, weil Vater Staat sonst weder Entlastungen über den Spitzenausgleich bei der Energie- und Stromsteuer gewährt noch uns eine Reduktion bei den Abgaben zur Förderung erneuerbarer Energien ermöglicht. Die 100.000 guten Argumente sind jährlich 100.000 schöne Euros für uns.“ erklärt Herr Wiese, der Energiemanagementbeauftragte bei Pottbäcker.

„Also machen wir das nur, weil wir faktisch dazu gezwungen sind?“ hakt Maigret nach.

„Nein, Du kennst doch unseren Chef, Paul Pottbäcker, der Umweltschutz ist ihm ein persönliches Anliegen. Beispielsweise ist unser neues Verwaltungsgebäude energetisch so optimiert, dass der Energieverbrauch um 58 Prozent gesenkt werden konnte. Damit haben wir sogar einen Preis für energieeffizientes Bauen gewonnen.“

Diese positive Erfahrung hat alle motiviert, auf dem Thema weiter aufzubauen. Doch die Gründe für die Einführung eines Energiemanagementsystems sind vielfältig:

  1. Unser Unternehmen leistet einen Beitrag zum globalen Ressourcen- und Klimaschutz.
  2. Unser Unternehmen reduziert Energiekosten.
  3. Unser Unternehmen reduziert seine Steuer- und Abgabenlast.
  4. Unser Unternehmen wird positiv am Markt wahrgenommen.
  5. Unser Unternehmen betreibt Risikovorsorge und wird so zukunftsfähig: schon jetzt stellen wir uns auf knapper werdende Ressourcen und steigende Energiepreise ein.

„Aber wir haben doch immer schon Energie gespart. Warum denn jetzt der Aufwand mit dem Managementsystem?“ wirft Frau Maigret ein. „Ist das nicht eigentlich einer der üblichen zahnlosen Papiertiger?“

Was bringt Energiemanagement in der Fertigung?

„Komm, lass uns mal in die Produktion gehen und mit Herrn Brenner reden. Der ist nicht parteiisch und wird Dir die ungeschminkte Wahrheit sagen.“ erwidert Herr Wiese.

Herr Brenner erklärt: „Ja, mein erster Gedanke war: Warum muss ich das jetzt auch noch machen? Aber Du weißt doch, wir sind sehr energieintensiv, weil das Brennen bei sehr hohen Temperaturen von bis zu 2000°C und das Trocknen wesentliche Bestandteile des Produktionsprozesses sind. Und im Arbeitsalltag war bisher einfach keine Zeit, die Energiesparpotenziale systematisch zu erschließen. Am besten finde ich, dass wir jetzt endlich genau wissen, welche Anlage und welche Prozesse wieviel Energie verbrauchen.“

Frau Maigret: „Hab ich das richtig verstanden, es geht um ZDF - Zahlen, Daten, Fakten?“

„Ja, genau“, erwidert Brenner. „Und diese Tatsachen sind die Basis, um Paul Pottbäcker zu überzeugen, die richtigen Dinge im Haus zu veranlassen und dafür auch Geld in die Hand zu nehmen.“

„Also, lasst den Zahlen und Worten nun Taten folgen!“ lacht Maigret.

In drei Schritten zum Energiemanagement

Schritt 1: Zahlen – Daten – Fakten

Verbraucher identifizieren und ihre Verbräuche messen und bewerten.

Herr Wiese erinnert sich: „Ganz wesentlich ist es, in einem ersten Schritt alle Energieverbraucher zu ermitteln. Wir haben dazu eine Komplettaufnahme aller, wirklich aller, nicht nur der großen Verbraucher gemacht. Wir haben jede Maschine, jede Pumpe usw. analysiert nach Leistungsaufnahme, Laufzeiten etc. Hauszähler pro Gebäudeteil waren vorhanden, aber wir wollen ja mehr. Zusätzliche Zähler, die wir alle zentral auslesen können, haben wir dort installiert, wo relevantes Optimierungspotenzial ist. Die zukünftige Messung aller Stellen ist geplant.“

„Was hat denn dieser Mords-Aufwand gebracht?“ fragt skeptisch Frau Maigret.

„Na, dass wir gesehen haben, wo unsere Hauptverbraucher sind. Und dass wir erkannt haben: Kleinvieh macht auch Mist (z.B. die Beleuchtung). Und dass wir jetzt eine Prioritätenliste haben mit bewerteten Einsparpotenzialen. Und weil ein Bild mehr sagt als tausend Worte haben wir die Hauptverbraucher und Ströme als Sankey-Diagramm dargestellt.“

  • Siehe Datei: Energieverbrauch Pottbäcker
  • Siehe Datei: Messstellen_Energiemanagement
  • Siehe Datei: Sankey-Diagramm (vielleicht in Text integrieren?)

Schritt 2: Die Mitarbeiter aktivieren

Nur wer die Kolleginnen und Kollegen mitnimmt, kann auf Dauer erfolgreich sein.

Herr Wiese erläutert auch diesen Schritt: „Nachdem klar war, dass wir das Energiemanagementsystem gleichzeitig für beide Standorte einführen und ich vom Chef zum Energiemanagementbeauftragten ernannt wurde, haben wir unser Energieteam eingerichtet, das alle wesentlichen Fäden in der Hand hält. Zum Energieteam gehören neben mir ein Mitarbeiter aus dem Facility Management, ein Mitarbeiter aus der Produktion, der Ansprechpartner für das Dokumentenmanagement (Herr Grabowski) und Herr Spesa aus dem Einkauf. Das Team trifft sich zwei Mal im Jahr zur Abstimmung und Priorisierung der Aktivitäten und zur Planung neuer Aktivitäten zur Einbeziehung der Mitarbeitenden. Da gilt „steter Tropfen hölt den Stein“. Die Abteilungen bekommen Kennzahlen an die Hand, mit denen sie Ihren Bereich steuern können. Das schafft Bewusstsein und die Leute werden aktiviert.“

  • Siehe Datei: Energiemanagementteam

Schritt 3: Die Dokumentation

Nur mit einer sauberen Dokumentation lässt sich der kontinuierliche Verbesserungsprozess absichern

Prozesse:

„Ich kann es mir ja schon denken“, wirft Frau Maigret ein, „unser Prozessmodell war die ideale Ausgangslage, in die das Energiemanagement integriert wurde. Der größte Teil der Aufgaben findet ja im Arbeitsalltag der Bereiche statt bzw. hat nur geringe Anpassungen bei bestehenden Prozessen erfordert. Wenige spezifische Aufgaben habt Ihr neu definiert und in das System integriert. Man kann sagen: Vom Managementsystem her war das ein Klacks. Aber natürlich nur, weil wir unser Prozessmodell schon hatten!“

Dokumente:

„Ja und bei den Dokumenten war es auch nicht viel Arbeit“ ergänzt Herr Grabowski. „Es gibt ein überschaubares Konzentrat wichtiger Dokumente, die wir auch in unsere Managementsystemdokumentation integriert haben.“

  • Die Aufgabenteilung der „Mitspieler“ vom Energiemanagementbeauftragten über das Energieteam bis zum Einkauf haben wir dokumentiert
  • Die Messstellen sind sauber beschrieben: Was wird wo von wem wie oft mit welchem Gerät und welcher Genauigkeit gemessen?
  • Die energetische Ausgangsbasis dokumentiert unseren Startpunkt vor Beginn der Optimierungen.
  • Energie-Performance-Indicators (z.B. Gas in MWh zu produzierter Ware in t) helfen uns, die Entwicklung der Verbräuche sauber zu analysieren und zu bewerten.

Audits:

„Wir haben die Energieaudits natürlich sofort in unser Auditmodul integriert. Diese werden vorerst getrennt von den internen Audits zum Qualitätsmanagement durchgeführt. Ausgangslage war aber wieder, dass die für das Energiemanagement relevanten Prozesse dokumentiert sind und in einem zweiten Schritt alle Forderungen der DIN EN ISO 50001 mit den Prozessen verknüpft wurden. Das ist die Basis für Planung, Durchführung und Dokumentation der Audits und die Verfolgung der daraus resultierenden Maßnahmen.“ schließt Herr Wiese ab.

Der Mühe Lohn

„Jetzt sagt mir aber doch bitte: Welche handfesten Erfolge haben wir erreicht und was ist für die Zukunft geplant?“ will Frau Maigret wissen.

„Schon in der Vergangenheit hatten wir vor allem die Brennöfen und Trockner thermisch in vielerlei Hinsicht verbessert und den Ausschuss kontinuierlich verringert, um damit auch Energie und natürlich auch Geld zu sparen. Und unser Maßnahmenplan zeigt die Schwerpunkte für die nächsten drei Jahre.“ Der Plan sieht so aus:

Die Energienutzung optimieren

  • Blockheizkraftwerk: Wir planen die Inbetriebnahme eines gasbetriebenen Blockheizkraftwerkes. Dieses arbeitet mit hoher Energieeffizienz, da neben dem erzeugten Strom auch die anfallende Wärme genutzt werden kann.
  • Abwärme: Die Vermeidung von Wärmeverlusten durch bessere Isolierung und die Wärmerückgewinnung der Brennöfen sind bei uns ein Riesenthema. Wir eruieren weitere Möglichkeiten der Nutzung von Abwärme. Neuere Wärmetauscher ermöglichen die Rückgewinnung eines erheblichen Anteils der Abwärme aus der Produktion.
  • Drucklufteinsatz: Druck, Dichtigkeit und Laufzeiten werden dem Bedarf besser angepasst und die Wärme der Druckluftkompressoren über Wärmetauscher zur Brauchwassererwärmung werden genutzt
  • Lichttechnik: Hier stellen wir um auf Energiesparlampen und z.T. LEDs
  • IT: Die Virtualisierung wird weiter vorangetrieben
  • Lüftung: Luftwechselrate, Geschwindigkeiten, Temperatur und Feuchtigkeit optimieren wir zur Senkung des Energieverbrauchs

Die Prozesse zur Beschaffung von Energie, Geräten und Anlagen verfeinern

  • Die Verhandlung mit unserem Energielieferanten zu Tarifen, Verträgen, Leistungspreis, Nachtstrom, … werden weiter intensiviert. Wir optimieren den Lastgang und Phasen schwacherer Nutzung nachts und an Wochenenden um tarifliche Optionen optimal nutzen zu können.
  • Bei der Beschaffung von Geräten und Anlagen wird deren energetische Bewertung vor Kauf intensiviert

„Ein weiterer Ansatz ist, bei der Entwicklung neuer Produkte den Energiebedarf bei ihrer Herstellung stärker zu beachten. Uns werden die Ideen so schnell nicht ausgehen.“ fügt Herr Wiese hinzu.

Management-Bewertung

Beim ersten Management-Review nach Einführung des Systems zeigt sich Paul Pottbäcker zufrieden:

„Durch das Energiemanagement ist uns noch einmal ganz klar geworden: Erstens gibt es eindeutig identifizierte Schwerpunkte, bei denen wir mit relativ geringem Aufwand hohe Energieeinsparungen erreichen werden. Ein Beispiel ist die Produktion.

Zweitens lassen sich substanzielle Energieeinsparungen durch harte, technisch-investive Maßnahmen erreichen, aber auch durch weiche, wie organisatorische Änderungen und die Förderung des Bewusstseins und der Kompetenz der Mitarbeitenden.“

Das Energiemanagement hat bei den Mitarbeitenden in Richtung auf sparsamen Umgang mit Ressourcen allgemein einen richtigen Schub gebracht. Das Energiemanagement in das bestehende prozessorientierte Managementsystem zu integrieren, erwies sich einfach.

In Anlehnung an den Ausspruch von Friedrich von Schlegel „Tugend ist zur Energie gewordene Vernunft.“ könnte man sagen: Energiemanagement ist zu Geld und Umweltschutz gewordene Vernunft.“


Eine Prozesswelt für alle

Viele Mitarbeiter rufen lieber bei den Verantwortlichen für das Prozessmanagement an, anstatt selbst in das System zu gucken. Häufig liegt es daran, dass die Prozesswelt noch nicht genügend kommuniziert oder nicht für alle Mitarbeiter zugänglich ist. Lesen Sie jetzt, wie Sie ihr Prozessmanagement-System alltagstauglich integrieren.  mehr


Autor
Frank Decker ist Director QM | Quality Management bei Endress+Hauser Conducta GmbH + Co. KG

Weiterführende Information
  • Prozessorientiertes QM-System für KMU

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    Lesen Sie in dieser Expertenserie, wie ein fiktives mittelständisches Unternehmen Schritt für Schritt ein prozessorientiertes integriertes Managementsystem aufbaut.   mehr

Weitere Informationen

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Über das Projekt "Pottbäcker"

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