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02.07.2012

Projekte, Bauten, Feinheiten

Interview mit Friedhelm Bösser (2.Teil): Bauliche Besonderheiten und Kosten von Messräumen

Den 1. Teil des Interviews lesen Sie in QZ 7/2012

Friedhelm Bösser im Interview

Friedhelm Bösser im Interview

Friedhelm Bösser
Ursprünglich gelernter Modellschlosser und Feinwerktechniker, hat Friedhelm Bösser in leitender Position für mehrere Messtechnik-Unternehmen, darunter Leitz und Werth, gearbeitet und ist seit 2004 selbständiger Unternehmensberater mit dem Schwerpunkt Messräume und Koordinatenmesstechnik. Bösser arbeitet zum Teil seit langer Zeit in den Fachausschüssen "Aufbau und Zertifizierung von Messräumen", "Koordinatenmesstechnik" und "Computertomographie in der dimensionellen Messtechnik" der Gesellschaft Mess- und Automatisierungstechnik GMA des VDI/VDE mit (Verband Deutscher Ingenieure VDI/Verband der Elektrotechnik, Elektronik, Informationstechnik VDE).


QZ: Wie viel Zeit muss man von der ersten Bedarfsfeststellung bis zur Abnahme des fertigen Messraums veranschlagen?

FB: Sprechen wir vom Projektleiter, der die Fäden in der Hand hält. Diese Person braucht in der Regel viele Zuarbeiter mit speziellen Kenntnissen. Lassen Sie es mich an einem aktuellen Fall schildern. Nach dem dritten Versuch, den optimalen Standort für einen neuen Messraum zu finden - jeder wurde mit Skizzen der Bestückung hinterlegt - kam es zur Entscheidung. Dann erfolgte die Planung mit verschiedensten Abteilungen, externen Büros und der Einholung von bestimmten Papieren. Anfragen wurden formuliert und weggeschickt. Vor der Abgabe der Angebote wurde zumeist eine Vor-Ort-Besprechung angesetzt. Danach kam es zu Rückfragen. Angebote wurden verglichen, alle notwendigen Papiere für den Bau eingeholt. Es folgte der Einkauf und die Auftragsvergabe und - nach kurzem Luftholen - die Vorbereitung des Stellplatzes und der Messraumaufbau. Fünf Wochen Probebetrieb schlossen sich an. Insgesamt kommen leicht etwa zwei bis drei Mannmonate für den Projektleiter zusammen.

QZ: Gut, das ist die Zeit, die der Projektleiter benötigt. Doch wie lange dauert das Projekt?

FB: Bei guter Organisation lassen sich in drei bis fünf Monaten alle Vorarbeiten und Abklärungen bis hin zur Einkaufsverhandlung durchführen. Die Lieferzeit beträgt für einen mittelgroßen Messraum von 150 Quadratmetern nach Messraumklasse 3 der VDI/VDE 2627 etwa zwei bis drei Monate ab Auftragsbestätigung durch den Messraumbauer. Anschließend erfolgt der Aufbau der Kabine mit der Einbringung der Messgeräte, Möbel, Elektro- und Klimainstallation. Das nimmt etwa ein bis zwei Wochen in Anspruch. Danach sind drei bis fünf Wochen Probebetrieb unter Last erforderlich. Hier können schon erste Optimierungsarbeiten an der Klimatechnik vorgenommen werden. Meist dauert dies aber noch etwas länger. Ziehen wir alles zusammen, kommen vom Start eines Projekts bis zum verantwortlichen Messen im neuen Messraum gut und gerne 25 bis 35 Wochen zusammen.

QZ: Etliche Anbieter bieten Räume aus zusammensetzbaren Trennwänden, Container oder dergleichen. Sie kommen eigentlich aus einem anderen Aufgabenspektrum (Innenausbau für Firmen) und fühlen sich auch qualifiziert für den Bau von Messräumen. Sind das geeignete Lieferanten?

FB: Nein! Der Messraum ist ein System, bestehend aus Raum und Klima. Ob das Klima mittels einer Klimaanlage oder auf andere Weise erzeugt wird, ist zweitrangig, es muss stabil sein. Die von Ihnen beschriebenen Anbieter offerieren in der Regel Stellwände aus eigener Herstellung an und kaufen das "Klima" zu. An den Schnittstellen entstehen meist Probleme, die ein erfahrener Systemanbieter bereits mehrfach hinter sich gelassen hat. Daher ist Vorsicht geboten. Die Stellwände mit Klimatisierung sind meist preiswerter als die Messräume von Systemanbietern. Man sollte genau wissen, was man tut!!!

QZ: Gibt es schwarze Schafe oder gar eine ganze Herde schwarzer Schafe mit einem weißen Schaf?

FB: Auch ein klares "NEIN". Jeder Anbieter tut sein Bestes. Es ist die Aufgabe des Auftraggebers, die Firma herauszufinden, die den geforderten Messraum am wirtschaftlichsten bauen kann.

QZ: Gibt es den billigen Jakob und den Ferrari-Verkäufer?

FB: Solange der zukünftige Betreiber eines Messraumes weiß, was er braucht und will, wird es diese extremen "Typen" zwar geben, diese werden aber bei einer seriösen Planung auch nur das anbieten können, was ausgeschrieben ist. Sollte die eine Technik preiswerter, aber gleich gut oder gar besser sein, spart der zukünftige Kunde Geld und bekommt doch seinen Raum in die Spezifikation. Macht mir ein "Ferrari-Verkäufer" klar, dass zu dieser Anlage eine bestimmte Wasser-Vorlauftemperatur nötig ist, die ich entweder durch einen zusätzlichen Kühlturm (in den ich investieren müsste) oder durch Stadtwasser bekommen kann, muss ich entscheiden. Vielleicht setzt der zweite Anbieter Stadtwasser voraus, das Angebot ist um die Kühlturmanlage "billiger". Wenn der zweite Anbieter den Zuschlag erhält und dann zusätzlich zum angebotenen Messraum ein Kühlturm gebaut werden muss, werden die Folgekosten deutlich steigen.

QZ: Bei der Planung berücksichtigt man sinnvollerweise den aktuellen Bedarf, aber auch mögliche künftige Bedarfe. Wie weit sollte man in die Zukunft schauen?

FB: Soweit, wie es sinnvoll ist und man dies auch noch verantworten kann. Wir arbeiten heute schon an Elementsystemen, die sowohl im Klima- als auch im Raumbereich erweiterbar sind. Natürlich muss der Platz für eine Erweiterung vorhanden oder nachträglich bebaubar sein.

QZ: Wie kann man als Auftraggeber die Spreu vom Weizen trennen?

FB: Durch Wissen - gleich wo dieses herkommt!

QZ: Sind Festpreis-Vereinbarungen, fixe Termine und Konventionalstrafen üblich?

FB: Ja, bei größeren Konzernen sowieso. Es setzt sich aber auch bei kleineren Firmen immer mehr durch.

QZ: Sollte man einen Generalunternehmer beauftragen oder selbst die Koordination diverser Auftragnehmer in Angriff nehmen?

FB: Beides habe ich schon erlebt. Beides hat individuelle Vor- und Nachteile.

QZ: Kommen wir zum Fundament. Das beste Fundament zur Herstellung von erschütterungsfreien Messräumen besteht aus Beton, der von anderen Betonflächen isoliert ist. Muss man da bestehende Betondecken abtragen, um die Isolierung und starke Decken hinzubekommen?

FB: Nein! Meist reicht schon eine Trennfuge (Beton und Bewehrung). Bevor dies veranlasst wird, sollte man eine Schwingungsmessung durchführen lassen. Faustformel: Meist sind Schwingungen mit einer Frequenz von mehr als 50 Hz weniger problematisch und mit Standard-Schwingungsdämpfern zu dämpfen. Schwingungen bis 10 Hz können mit aktiven Systemen gedämpft werden. Schwingungen kleiner 10 Hz sind nicht dämpfbar. Ein schwerer Kran in der Halle, Straßenbahnen und Züge in der Nähe, Schiffe auf einem Fluss mit Spundwänden - Schwingungen, die von großen und schweren Fahrzeugen ausgehen, sind mit "Standardmitteln" nicht zu dämmen.

QZ: Welche Art Außenhülle sollte man wählen?

FB: Das ist Geschmackssache und vom Portmonee abhängig. Eingebürgert hat sich die Ständertrockenbauweise. Sie ist leicht, wärmedämmbar, leicht montier- und demontierbar und preislich attraktiv.

QZ: Was ist von einem mit Steinwolle gedämmten Ziegelbau auf Betonsockel zu halten?

FB: Bei entsprechender Dämmung nach unten, warum nicht!

QZ: Was ist von Glaswänden zu halten?

FB: Teuer, sehen schick aus, passen in aller Regel nicht zur Produktion und zum Image eines Messraumes. Ausnahmen bestätigen die Regel. Die Wände müssen Glasanteile besitzen, genau wie die Türen auch einen Glasausschnitt haben sollten, das reicht.

Messraum

QZ: Sind Kunststoff-Paneele mit Stahlkonstruktion und -einfassung eine gute Option?

FB: Ich würde sie nicht wählen, da zum einen ein großer Alpha-Wert-Unterschied der beiden Materialien für unnötige und unterschiedliche Ausdehnung sorgen*. Zum anderen kann ich mir eine großflächige Wand aus Kunststoff nicht wirklich "schön" vorstellen. Aber das ist reine Geschmackssache.

QZ: Was ist bei der Anordnung und Größe von Öffnungen für das Einbringen und Hinausfahren von Messgeräten und Probanden zu beachten?

FB: Diese geben das Tür- oder Tormaß vor. Sind die Messgeräte zu groß, sollte eine Wand demontierbar sein. In einem solchen Fall wäre eine aus Ziegel gemauerte Wand von Nachteil!

QZ: Ist in jedem Fall eine Schleuse von Nöten?

FB: Ohne Wenn und Aber: JA!!!

QZ: Sollte man gleichzeitig Decken und Tore öffnen können, damit schwere und große Teile an einem Kran in den Messraum transportiert werden können?

FB: Das gibt es, aber man sollte derart große Öffnungen bei großen Temperaturunterschieden zwischen drinnen und draußen vermeiden. Meist bedeuten große Bauteile auch große Messgeräte. Diese stehen meist auf eigenen Fundamenten und besitzen keinen integrierten Messtisch. In diesen Fällen sollte man überlegen, ob das zu messende Bauteil nicht über Schienen oder Luftpolster in den Messraum gelangen kann.

QZ: Ist das "Sparen, sparen, Häusle bauen" mit Ziegeln und Mörtel eine Option in der Fertigungshalle?

FB: Ja, es gab und gibt immer wieder meist aus wirtschaftlichen Überlegungen diese Option.

QZ: Kommen wir zur Ausstattung. Klimaanlage ist wichtig. Kann man da auf Billigprodukte setzen oder braucht man einen Mercedes?

FB: Nein, wir brauchen genau das, was nötig ist. Natürlich baut ein Kompressorhersteller "A" vielleicht gerade einen Kompressor, der in die ausgelegte Anlage des Klimabauers "A" passt. Der Klimabauer "B" muss bei seinem Lieferant entweder auf einen gerade ausreichenden oder einen sehr überdimensionierten Kompressor mit entsprechenden Kosten zurückgreifen. Hier ist "teuer" mit einem nicht dem Leistungsspektrum entsprechenden, oder wenn sie wollen, mit genügend Leistungsreserve vorhaltendem Aggregat beschrieben. Wenn aber der Klimabauer "B" - also der teurere,-der "Haus- und Hofklimabauer" ist oder ich mir eine klimatechnische Erweiterung nicht verbauen möchte, würde ich diesen Anbieter wählen.

QZ: Läuft denn der Betrieb von Messräumen nach der Abnahme unproblematisch?

FB: Ich kenne keinen Messraum, der nach der Abnahme oder Annahme und auch später im Betrieb ohne behebbare oder voraussehbare weitere Kontrollen reibungslos betrieben wird.

QZ: Welche Probleme tauchen häufig auf?

FB: Ich vermeide gerne das Wort "Problem". Wir reden beim Messraum nicht von einer Maschine oder einem Gerät. Er kann nicht von der Stange, sozusagen als Standard, gebaut werden. Der Messraum ist und bleibt eine meist einmalige und angepasste Systemlösung. Demnach muss mit der Anlage "gelernt" werden. Sowohl die Langzeitstabilität (Frühjahr, Sommer, Herbst, Winter), als auch die Kurzzeitstabilität ist zu beobachten und zu optimieren. Diese Optimierung kann nur während des Betriebes der Anlage "Messraum" erfolgen. Einzelne Herausforderungen, die zu Problemen führen können, lassen sich durch ein ausgereiftes Monitoring aufdecken.

QZ: Welche Mittel gibt es zur Behebung einzelner Probleme?

FB: Die Aufdeckung erfolgt mit einem Monitoring-System, die Fehlerbehebung oder Optimierung meist in Zusammenarbeit mit dem Klimabauer oder Messraumersteller.

* Stahl ca. 11 * 10-6 , Kunststoff ca. 120 - 180 * 10-6

Das Gespräch führte Johannes Kelch

zusätzliche Links

Den 1. Teil des Interviews lesen Sie im QZ-Beitrag Neubau meist besser als Modernisierung , QZ 7/2012, S. 36-39

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