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16.10.2018

Leidenschaft für Präzision

Interview zum Studiengang „Fertigungsmesstechnik und QM“

Kaum bekannt, jedoch für die industrielle Produktion immens bedeutend ist der Studiengang „Fertigungsmesstechnik und Qualitätsmanagement“ (FQ). Üblicherweise eine Vertiefungsrichtung des herkömmlichen Maschinenbaustudiums, bietet die Duale Hochschule Gera Eisenach (DHGE) nach eigener Angabe FQ als einzige deutsche Hochschule im Rahmen der dualen Ausbildung als eigenständige Studienrichtung an.

Im Hörsaal der DHGE in Eisenach: Laura Meusel, Dr. Veit Stockmann, Prof. Jana Hadler und Nils Blondin (v.l.n.r.) (© Feinmess Suhl)

Warum FQ gerade in der globalisierten Welt an Bedeutung gewinnt, was die Ausbildung und den Beruf so spannend macht und welche Eigenschaften die Studenten mitbringen sollten, darüber sprachen wir mit Prof. Jana Hadler, Leiterin der Studienrichtung FQ an der DHGE, Nils Blondin, Geschäftsführer der Feinmess Suhl GmbH, Dr. Veit Stockmann, geschäftsführender Gesellschafter der Stockmann Prüf- und Qualitätszentrum GmbH sowie der Studentin Laura Meusel.

Interview

QZ Spezialisten für Fertigungsmesstechnik und Qualitätsmanagement sind gesucht. Warum braucht die Industrie diese Fachleute?
Nils Blondin Gäbe es die Fertigungsmesstechnik und das Qualitätsmanagement nicht, würde im Maschinenbau im wahrsten Sinne des Wortes nichts rund laufen. Wären die einzelnen Komponenten einer Maschine nicht µ-genau auf einander und ihre jeweilige Funktion abgestimmt, verbrauchte die Maschine mehr Energie, wäre nicht sehr langlebig oder würde im schlimmsten Fall gar nicht funktionieren. FQ ist damit eine Grundfeste des Maschinenbaus. Dabei war die Fertigungsmesstechnik bislang eher ein Lehrberuf. Doch die Komplexität der messtechnischen Aufgaben und die Anforderungen an das betriebliche Qualitätsmanagement steigen. Damit sind zunehmend akademische Spezialisten gefordert. Schließlich muss der Ausbildungsstand mit der Komplexität Schritt halten.

QZ Welche Fähigkeiten und Eigenschaften sollte ein Absolvent der Studienrichtung FQ mitbringen?
Veit Stockmann  Abgesehen von einem grundsätzlichen Interesse an Naturwissenschaften und Technik sollte er oder sie sich absolut für Präzision begeistern und danach streben, immer besser werden zu wollen. Täglicher Ansporn für höchstes, messtechnisches Niveau sollte sein, das Beste aus sich und den Geräten herauszuholen. Leider fällt es zunehmend schwer, geeignete Bewerber für unsere Lehrstellen und die duale Ausbildung zu finden. In vielen Fällen mangelt es den Schulabgängern an Grundkenntnissen in Mathematik und Physik.
Jana Hadler  Als Fertigungsmesstechniker und Qualitätsmanager nehme ich nicht einfach nur Messungen vor. Ich muss aus diesen Messungen auch entsprechende Schlüsse ziehen und Erkenntnisse erlangen, die ich dann im Betrieb umsetze. Dazu muss ich gegebenenfalls in bestehende Prozesse eingreifen. Interessierte sollten also auch übergreifend denken können und sich für maschinenbauliche Produktionsprozesse und deren Optimierung begeistern können.

QZ Was sind die entscheidenden Vorteile des dualen Studiums gegenüber einem herkömmlichen Studium?
Hadler Fachlich spezialisierte Professoren und aus der Praxis stammende Lehrbeauftragte beziehen aktuelle Entwicklungen in Wirtschaft, Technik und Gesellschaft in die Ausbildung ein. Das in der Theorie Gelernte kann sofort in der Praxis umgesetzt, angewendet oder ausprobiert werden. Dadurch entsteht ein intensiver Lerneffekt. Zudem lernen die Studierenden praktisch nebenbei die betrieblichen Abläufe kennen. Doch das duale Studium funktioniert auch dank der Ausbildungsvergütung so gut. Die Studierenden müssen nicht nebenbei für die Finanzierung des Studiums arbeiten, sondern können ihre ganze Energie in das Studium stecken und die Ausbildung in der Regelzeit abschließen. Also kurz gesagt: Das duale Studium geht schnell, ist sehr nah an der Praxis, wird bezahlt und bietet beste Chancen auf beruflichen Erfolg. Das zeigen auch die Abschlusszahlen: Wir konnten in den vergangenen drei Jahren bei 20 erfolgreichen Absolventen lediglich zwei leistungsbedingte Exmatrikulationen verzeichnen.

QZ Welche Zulassungsvoraussetzungen gibt es für das duale Studium?
Hadler Interessierte Unternehmen müssen die in der Praxispartnersatzung festgelegten Anforderungen an die fachliche Betreuung und die Ausbildungsinhalte erfüllen. Die Studierenden müssen Abitur oder Fachhochschulreife mitbringen. In Ausnahmefällen gibt es auch die Möglichkeit, seine Eignung durch ein Probestudium oder das Ablegen einer Eingangsprüfung zu beweisen.

QZ  Herr Blondin, Herr Dr. Stockmann, was hat Sie bewogen mit der DHGE zu kooperieren und wie profitieren Sie von dem dualen Studium?
Blondin Ich finde das Konzept extrem charmant und die Studienrichtung Fertigungsmesstechnik und Qualitätsmanagement ist „unsere“ Studienrichtung schlechthin. Absolventen und Unternehmen haben drei Jahre Zeit, sich kennenzulernen und aneinander zu gewöhnen. Am Ende der Ausbildung wissen beide Seiten, ob sie gemeinsam weitermachen wollen.
Stockmann Darüber hinaus sind die Absolventen nach Abschluss des Studiums ohne Probezeit einsetzbar. Sie kennen die Kollegen und die Abläufe und fühlen sich im Idealfall im Unternehmen zuhause.

QZ Wie viele Absolventen beschäftigen Sie zurzeit?
Stockmann Aktuell haben wir leider keinen Studenten aus den drei für uns relevanten Studienrichtungen FQ, Konstruktion und Elektrotechnik.
Blondin Aktuell beschäftigen wir fünf Absolventen der DHGE. Darunter Laura Meusel in der Studienrichtung FQ sowie zwei Studentinnen im Bereich Wirtschaftsingenieur/Technischer Vertrieb und eine Studentin in der Produktionstechnik. Ein weiterer Student wird im Herbst 2018 die Studienrichtung „Mittelständische Industrie“ abschließen. Die Zusammenarbeit in der Studienrichtung Konstruktion an der DHGE wird im Herbst beginnen. Seit Beginn der Kooperation im Jahr 2013 gibt es bei uns immer mindestens zwei Studenten der DHGE. Zuletzt beendete Marius Wulff im Herbst 2017 erfolgreich sein duales Studium FQ mit dem Bachelor of Engineering.

QZ  Frau Meusel, wie kamen Sie zum Studienrichtung FQ und zu Feinmess Suhl?
Laura Meusel Ich habe mich schon immer für technische Abläufe interessiert. Und da ich vor der Entscheidung für das Studium bereits eine Ausbildung begonnen und damit ein eigenes kleines Einkommen hatte, auf das ich nicht verzichten wollte, kam für mich nur ein duales Studium infrage. Feinmess Suhl habe ich auf der Seite der DHGE-Praxispartner gefunden. Zunächst bewarb ich mich dort für den Bereich Konstruktion. Doch im Gespräch mit Herrn Blondin stellte sich dann schnell heraus, dass FQ viel besser zu mir passt.

QZ Was sind Ihrer Ansicht nach – neben der Ausbildungsvergütung – die Vorteile des dualen Studiums?
Meusel Auf jeden Fall der Bezug zur Praxis. Zudem sind wir nur rund 30 Studenten pro Semester. Da kann man während einer Vorlesung gezielt Fragen stellen. Auch die Betreuung durch Feinmess Suhl schätze ich sehr. Selbst während der Theoriephasen sind meine Betreuer immer für mich da.

QZ Und was gefällt Ihnen an der Studienrichtung FQ besonders?
Meusel Mir gefallen die abwechslungsreichen Aufgaben und die unterschiedlichen Teilgebiete. Es geht ja nicht nur um das Überprüfen der fertigen Teile, sondern auch um die Planung der Prüfprozesse und um Managementaufgaben. Ich kann mir gut vorstellen, nach meinem Studium im Kalibrierlabor von Feinmess Suhl zu arbeiten.
Blondin Das sollte klappen!

Im Gespräch

Nils Blondin ist Geschäftsführer der Feinmess Suhl GmbH. Der Hersteller von Systemen zur Prüfmittelüberwachung und Prüfmitteln zur Produktmessung betreibt auch ein unabhängiges Prüflabor und kooperiert seit 2013 mit der DHGE.
Prof. Dr.-Ing. Jana Hadler ist Professorin für Wirtschaftsingenieurwesen mit Schwerpunkt Maschinenbau und seit Oktober 2017 Leiterin der Studienrichtung FQ an der DHGE.
Laura Meusel schloss zunächst eine Ausbildung zur Rechtsanwaltsgehilfin ab. Seit 2016 lebt sie als Studentin der dualen Studienrichtung FQ an der DHGE ihre Technikleidenschaft aus. Sie konnte Feinmess Suhl als Praxispartner gewinnen und wird ihre Ausbildung 2019 beenden.
Dr. Veit Stockmann ist geschäftsführender Gesellschafter der Stockmann Prüf- und Qualitätszentrum GmbH. Zum Dienstleistungsangebot des Familienunternehmens zählen EMV-Prüfungen, Kalibrierdienste, Längenmesstechnik, Lehren- und Prüfvorrichtungsbau sowie Konstruktionen.

Die Studienrichtung Fertigungsmesstechnik und Qualitätsmanagement

Eine einwandfreie Produktion und das damit verbundene, professionelle Qualitätsmanagement spielen in den Unternehmen der Industrie eine entscheidende Rolle zur Sicherung der Wettbewerbsfähigkeit.

Zu den Aufgaben der Fertigungsmesstechnik zählen die Feststellung von Abweichungen zu den gestellten Anforderungen an die erzeugten Produkte, die Erkennung der Ursachen dieser Abweichungen und eine Lösungsfindung.

Wer sich für die Studienrichtung FQ entscheidet sollte vielseitig naturwissenschaftlich und technisch interessiert sein. Denn in der Ausbildung werden neben den Grundlagenfächern wie Konstruktionslehre, Fertigungs- und Elektrotechnik, Werkstoffkunde, Ingenieurmathematik und Physik spezifische Inhalte und vertiefte Kenntnisse u. a. in den Bereichen Qualitätsplanung und -sicherung, Zertifizierungsmanagement, Werkstoffprüfung, Sensorik, Arbeitsgestaltung und Toleranzsysteme vermittelt.

Ergänzt wird das Studium durch betriebswirtschaftliche Fächer, Informatik und Fachenglisch. Die theoretische Wissensvermittlung wird durch fachspezifische und fachübergreifende Laborarbeiten gefestigt.

Hochschule DGHE

Die DHGE ist eine staatliche Hochschule des Freistaates Thüringen, die auf duale, praxisintegrierende Studiengänge spezialisiert ist. An ihren beiden Standorten bietet die DHGE in Kooperation mit über 1.600 Unternehmen und Einrichtungen eine Vielzahl von akkreditierten Bachelor-Studiengängen in den Bereichen Wirtschaft, Technik und Soziales an. Auch berufsbegleitende Masterstudiengänge in Kooperation mit der Hochschule Schmalkalden gehören zum Angebotsspektrum.

Die Partnerunternehmen wählen die Studierenden selbst aus, schließen mit ihnen eine dreijährigen Vertrag und zahlen über die gesamte Studiendauer hinweg eine monatliche Vergütung. Durch den Wechsel zwischen dreimonatigen Theorie- und Praxisphasen erwerben die Studierenden neben fachlichem und methodischem Wissen praktisches Erfahrungswissen sowie die im Berufsalltag erforderlichen Kompetenzen. Die Inhalte der Theorie- und Praxisphasen sind dabei miteinander verzahnt.

Allgemeine Informationen zum dualen Studium an der DHGE

  • Zulassungsvoraussetzungen: Allgemeine Hochschulreife oder Fachhochschulreife oder fachgebundene Hochschulreife und Ausbildungsvertrag mit einem Praxispartner (kooperierende Unternehmen/Institutionen/Träger)
  • Studienbeginn: 1. Oktober
  • Abschluss: Bachelor of Engineering
  • ECTS-Punkte: 180
  • Studiendauer: 3 Jahre bzw. 6 Semester mit wechselnden Theorie- und Praxisphasen
  • Sprache: Deutsch
  • Bewerbung: Immer beim Praxispartner (das können kooperierende Unternehmen, Institutionen oder Träger sein)
  • Kontakt: Telefon: +49 3691 6294-74 / E-Mail: fq@dhge.de

Köhler & Partner
Feinmess Suhl

Unternehmensinformation

Feinmess Suhl GmbH

Pfütschbergstraße 11
DE 98527 Suhl
Tel.: 03681 381-0
Fax: 03681 381-105

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