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28.05.2020

Entwicklung des Qualitätsmanagements in Brandenburg

Die Bekanntheit von Six Sigma in Brandenburger Kleinst- und Kleinunternehmen ist gestiegen. Jedoch werden diese und weitere QM-Methoden kaum angewandt. Das zeigt eine Studie der BTU Cottbus-Senftenberg, die auch die Ursache dafür herausfand.

Viele Unternehmen haben sich in den letzten Jahren für den Zukunftsstandort Brandenburg ent-schieden. Sie nutzen die vorhandenen Standortvorteile und stärken zeitgleich die vielfältige Kompetenz des Wirtschaftsstandortes [1]. Die Digitalisierung hat längst alle Lebensbereiche erfasst und verändert die Wirtschaft des Landes tiefgreifend. Sie ist durch eine enorme Dynamik gekennzeichnet und hat Auswirkungen auf sämtliche Produktions- und Wertschöpfungsprozesse, aber auch auf die Arbeitswelt der Mitarbeitenden [2]. Aufgaben sollen in immer kürzerer Zeit erfolgreich umgesetzt werden – jedoch ohne Qualitätsverluste einzufahren. Doch können Unternehmen dieser Forderung überhaupt noch gerecht werden?

Ziele der Studie

Mit dem Ziel die Entwicklung des Qualitätsmanagements in Brandenburg zu analysieren, werden regelmäßige Unternehmensbefragungen in dem Bundesland durchgeführt. In der vorliegenden Studie wird die Entwicklung des Qualtiätsmanagements in den letzten vier Jahren betrachtet. Dabei wurden folgende Fragen untersucht:

  1. Wie hat sich die Bekanntheit von Six Sigma innerhalb der Brandenburgischen Unternehmenslandschaft entwickelt und wie häufig kommt es zur Anwendung?
  2. Wie gestalten sich die Aufgabenwahrnehmung und die Nutzung der QM Tools und Methoden durch QMBs?
  3. Wie ist der Stand der Digitalisierung aus Sicht der QMBs in Brandenburger Unternehmen und wo sehen sie Schwierigkeiten?

Vorgehensweise bei der Datenerhebung

Die Erhebungen wurden in den Jahren 2015 und 2019 durchgeführt. Qualitätsbeauftragte oder die Geschäftsleitung Brandenburger Unternehmen wurden gebeten an einer Onlinebefragung teilzu-nehmen. Direkt kontaktiert wurden Personen, die eine Qualitätsauszeichnung erhalten haben und Netzwerkpartner des Forschungsinstituts. Weiterhin wurden Verteiler, z. B. der IHK Cottbus, genutzt.

Im Jahr 2015 wurden in fünf Wochen 1.569 Unternehmen kontaktiert. 123 Unternehmen (7,8 %) nahmen an der Befragung teil. Im Jahr 2019 wurden in sieben Wochen 1.371 Unternehmen kontaktiert. 129 Unternehmen (9,4 %) nahmen an der Befragung teil.

Zusammensetzung der Stichprobe nach demografischen Merkmalen

2015 waren von den teilnehmenden Unternehmen 64 % und in 2019 insgesamt 65,8 % zur/zum Qualitätsmanagementbeauftragten (QMB) qualifiziert. Das Durchschnittsalter der Befragten lag je-weils bei 46 Jahren. Der Anteil der weiblichen Teilnehmenden lag 2015 bei rund 38 % und 2019 bei rund 40,8 %. Der Anteil der männlichen Befragten betrug in 2015 rund 61 % und in 2019 rund 59,2 %.

Zusammensetzung der Stichprobe nach Regionen

An der Befragung nahmen überwiegend Unternehmen aus dem Süden Brandenburgs teil. Am zweithäufigsten vertreten waren Unternehmen aus dem östlichen Teil Brandenburgs (Barnim, Märkisch-Oderland, Oder-Spree und der Kreisfreien Stadt Frankfurt Oder). Gering vertreten waren Unternehmen aus Nord- und Westbrandenburg. Unternehmen aus dem Landkreis Ostprignitz-Ruppin waren nicht vertreten. Es ist zu vermuten, dass die Teilnahmebereitschaft bei Unternehmen aus dem Netzwerk des Forschungsinstituts besonders hoch war.
Zusammensetzung der Stichprobe nach Beschäftigtengrößenklassen

90,2 % der Brandenburgischen Unternehmenslandschaft sind Kleinstunternehmen, vorwiegend aus den Branchen Baugewerbe, Handel und Dienstleistungen. An der Befragung nahmen etwa 15 % Kleinstunternehmen vorwiegend aus den Bereichen Dienstleistungen, Ernährungswirtschaft und Tourismus teil.

Kleinstunternehmen sahen sich häufig nicht als Zielgruppe der Befragung, da sie keine QMB im Unternehmen haben.

Ca. 35 % der Befragten sind kleine und mittelständische Unternehmen und etwa 14 % Großunter-nehmen. Kleine und mittlere Unternehmen waren vorwiegend aus den Bereichen Metall und Mechatronik, Holzverarbeitende Wirtschaft, Energiewirtschaft und Energietechnologie sowie aus dem Automotivbereich vorzufinden. Große Unternehmen stammten überwiegend aus dem Finanzsektor, aus dem Bereich der Dienstleistungen und der Schienenverkehrstechnik.

Die Unternehmensverteilung nach Beschäftigtengrößenklassen war in beiden Erhebungszeiträumen (2015 und 2019) annähernd gleich.

Bekanntheit von Six Sigma

Die erste Forschungsfrage befasste sich mit der Bekanntheit des Six-Sigma-Konzeptes und dessen Anwendungshäufigkeit in Brandenburger Unternehmen.

Die Umfrage ergab, dass in 2015 rund 33 % und in 2019 rund 49 % der Befragten das Six Sigma Konzept bekannt ist. Von den 33 % in 2015 besaßen 18 % einen Belt, in 2019 besaßen von den 49 % der Befragten rund 24 % einen Belt. Bei der Frage nach den durchgeführten Six Sigma Projekten gaben in 2015 rund 15 % an Projekte durchzuführen. In 2019 führten nur rund 14 % Verbesserungsprojekte durch.

Damit lässt sich sagen, dass zwar die Bekanntheit des Six-Sigma-Konzeptes und die Ausbildung gestiegen ist, allerdings werden im Vergleich zu 2015 nicht mehr Projekte durchgeführt, obwohl mehr Personen mit dem Konzept vertraut sind.

Aufgabenwahrnehmung und der Nutzen der QM Tools und Methoden durch QMBs

Die zweite Forschungsfrage befasste sich mit der Aufgabenwahrnehmung und der Nutzung der QM Tools und Methoden durch die Qualitätsmanagementbeauftragten.

Abbildung 1 stellt dar, welchen Anteil QM Tätigkeiten im Jahr 2019 im Arbeitsaltag der Beschäftigten einnehmen. 6 von 10 Befragten stehen maximal 20 % der Arbeitszeit für QM Aufgaben zur Verfügung. 2 von 10 Befragten stehen maximal 50 % der Arbeitszeit für QM Aufgaben zur Verfügung. 1 von 10 Befragten stehen zwischen 50 % und 99 % der Arbeitszeit für QM Aufgaben zur Verfügung. 1 von 10 Befragten arbeitet Vollzeit in dem Bereich.

Abb. 1: Anteil QM-Tätigkeiten im Arbeitsalltag (2019)

Die Befragten wurden gebeten den Nutzen, die Schwierigkeit und die Häufigkeit anfallender QM-Aufgaben zu bewerten. Das abgebildete Portfolio in Abbildung 2 stellt die Umfrageergebnisse (2019) dar. Die Aufgabenschwierigkeit wird durch die Kreisgröße visualisiert (d.h. je größer der Kreis, umso schwieriger die Aufgabe; zur besseren Nachvollziehbarkeit stellen alle schwarz umrandeten Kreise diejenigen Aufgaben dar die am schwierigsten beurteilt wurden).

Abb. 2: QMB Aufgabenwahrnehmung (2019)

Die Aufgabe der „Fehleranalyse und Prozessverbesserung” wurde mit dem höchsten Nutzen bewertet und wird durch die befragten Unternehmen auch am häufigsten durchgeführt. Den geringsten Nutzen bergen „Berichterstattung an die Unternehmensleitung über Stand und Effektivität des QMs“ und die „Planung und Durchführung von Audits“. Die blau gekennzeichneten Aufgaben, sind die Aufgaben die zwar relativ häufig durchgeführt werden, aber nicht mit einem so hohen Nutzen bewertet werden. Seltener durchgeführt wurden die violett markierten Aufgaben „Weiterentwicklung der Qualitätsziele und -politik“, „Planung und Durchführung von Schulungs- und Motivationsmaßnahmen zum QM“, sowie „Berichterstattung an die Unternehmensleitung über Stand und Effektivität des QMs“ (violette Kreise).

Die Abbildung 3 zeigt die Bekanntheit der QM Tools und QM-Methoden in 2015 und in 2019. Daraus geht hervor, dass alle QM Tools in ihrer Bekanntheit unter den Befragten von 2015 bis 2019 gestiegen sind, teilweise um ein Vielfaches. Besonders auffallend sind z. B.: VOC-CTQ-Matrix, SIPOC-Analyse, Hypothesentests, Verteilungstest und Versuchsmethodik.

Abb. 3: Bekanntheit der QM-Tools und -Methoden (2015 und 2019)

Die Befragten wurden gebeten den Nutzen, die Schwierigkeit und die Einsatzhäufigkeit der QM-Tools zu bewerten. Das abgebildete Portfolio stellt die Umfrageergebnisse (2019) dar. Die Kreisgröße visualisiert wieder die Schwierigkeit (d.h. je größer der Kreis, umso schwieriger die Anwendung des Tools; zur besseren Nachvollziehbarkeit stellen alle schwarz umrandeten Kreise diejenigen Tools dar die am schwierigsten beurteilt wurden).

Zu den am häufigsten eingesetzten Tools zählen Flussdiagramme, Projektauftrag und Prozessfähigkeitsanalyse (blau markiert). Zu den am schwierigsten bewerteten Tools gehören Prozessfähigkeitsanalyse, FMEA, Messgrößenmatrix, Versuchsmethodik, Implementierungsplan und VOC-CTQ-Matrix (schwarz umrandet). Ein Großteil der Tools wurde als weniger nutzbringend bewertet und demzufolge auch seltener angewendet (grau markiert). Dazu zählen u.a. Histogramm, SIPOC-Analyse, VOC-CTQ-Matrix, Korrelationsdiagramm und Verteilungstests.

Abb. 4: QMB Toolwahrnehmung (2019)

Das Wissen um QM Tools und Methoden steigt und auch der Nutzen der Aufgaben wird durch die Unternehmen wahrgenommen. Demgegenüber steht jedoch die gering verfügbare Zeit zur Umsetzung.

Stand der Digitalisierung aus Sicht der QMBs

Die letzte Forschungsfrage beschäftigt sich mit dem derzeitigen Stand der Digitalisierung in den Brandenburger Unternehmen und thematisiert in welchen Bereichen die Unternehmen Schwierigkeiten bei der Umsetzung von Digitalsierungsmaßnahmen sehen.

25 % der Befragten haben bisher noch keine Maßnahmen zur Digitalisierung ergriffen. 22 % der Befragten befinden sich in der Planungsphase, 32 % der Befragten befassen sich mit der Umsetzung entsprechender Digitalisierungsmaßnahmen und bei 22 % der Befragten ist die Digitalisierung weitestgehend abgeschlossen bzw. soweit angepasst das aktuell keine Maßnahmen erforderlich sind.

Brandenburger Unternehmen finden sich in allen Phasen der Digitalisierung wieder. Dieses Ergebnis ähnelt einer im Jahr 2018 durch die IHK durchgeführten Studie [3].

Unternehmen sehen sich mit zahlreichen Hemmnissen konfrontiert. Ca. ein Viertel der Befragten sehen Hemmnisse bei der Finanzierung von Digitalisierungsmaßnahmen und Unsicherheiten hinsichtlich zukünftiger Technologien und Standards. 42 % der Befragten sehen Hemnisse bei mangelnder Internetverbindung. 47 % der Befragten sehen Schwierigkeiten bei der Umstellung ihrer IT-Systeme und IT-Kompetenzen der Mitarbeitenden. Ca. 50 % aller Befragten sehen Hemnisse hinsichtlich der Datenschutzanforderungen und bei der Anpassung/Umstellung ihrer Arbeitsorganisation. Lediglich 5 % der Befragten sehen keine Hemnisse bei der Digitalisierung.

Fazit

Die Bekanntheit von Six Sigma in Brandenburger Unternehmen, vor allem bei Kleinst- und Kleinunternehmen, ist gestiegen; findet jedoch kaum Anwendung. Für das Betreiben eines effektiven Qualitätsmanagements, steht den QMBs nicht ausreichend Arbeitszeit zur Verfügung.

Insgesamt hat sich der Bekanntheitsgrad der QM Tools und Methoden vergrößert. QM Tools welche eine aufwendige Aufarbeit von gesammelten Informationen erfordern, werden wenig genutzt. Unternehmen setzen daher vorwiegend reine Qualitätsprüfungs- und einfache Qualitätslenkungskonzepte ein.

Brandenburger Unternehmen nehmen sich der Herausforderung der Digitalen Transformation an und versuchen diese umzusetzen (75% der Unternehmen befinden sich in einer Phase der Digitalisierung).

Autoren

Wirsig, Madlen, ist wissenschaftliche Hilfskraft an der BTU Cottbus-Senftenberg, Six Sigma Yellow Belt und Certified Junior Project Manager.

Worlitz, Jane, ist akademische Mitarbeiterin am Lehrstuhl Qualittäsmangement der BTU Cottbus-Senftenberg, Six Sigma Black Belt und Certified Project Manager.

Woll, Ralf, leitet den Lehrstuhl Qualitätsmanagement der BTU Cottbus-Senftenberg, Lean Six Sigma Black Belt und Certified Project Manager.

[1] Land Brandenburg: Wirtschaftsstandort Brandenburg. Potsdam, 2019 (https://www.brandenburg.de/de/standort-brandenurg/bb1.c.476217.de)

[2] Ministerium für Wirtschaft, Arbeit und Energie des Landes Brandenburg: Digitalisierung. Potsdam, 2019 (https://mwae.brandenburg.de/de/digitalisierung/bb1.c.606348.de)

[3] Industrie und Handelskammer Ostbrandenburg (IHK): „Digitalisierung in Unternehmen“ - Umfra-geergebnisse 2018. Frankfurt (Oder), 2018 (https://www.ihk-ostbrandenburg.de/zielgruppeneinstieg-unternehmer/digitalisierung-und-innovationen/umfrage-2018-digitalisierung-in-unternehmen-4299340)

Ralf Woll
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fg-qualitaetsmanagement <AT> b-tu.de

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