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QZ 06/2020

Kein schwarzer Schwan!

Warum wir die Coronakrise als Chance zur Systemverbesserung sehen sollten

Winzige, mit dem Auge nicht sichtbare Viren legen innerhalb kurzer Zeit die Weltwirtschaft lahm. Sie zeigen eindrucksvoll die Vulnerabilität unseres Wirtschaftssystems: DAX-Konzerne können keine Mieten mehr zahlen, die Automobilindustrie ruft nach weiteren Fördermilliarden. Die extreme Globalisierung führt zur Unterbrechung der Lieferketten in vielen Sektoren. Nach Jahrzehnten der Optimierung von Logistikprozessen gelingt es uns nicht, die Bevölkerung ausreichend mit Schutzmasken oder Desinfektionsmitteln zu versorgen. Die Verfügbarkeit lebenswichtiger Medikamente ist nicht gesichert, da viele Wirkstoffe nur noch in China produziert werden.

Wie konnte es dazu kommen? Die COVID-19-Pandemie ist kein „schwarzer Schwan“ (Nassim Taleb), keine unvorhersehbare Katastrophe, sondern ein erwartetes Ereignis. Ein 2012 im Auftrag der Bundesregierung erstellter Bericht zur Risikoanalyse im Bevölkerungsschutz beschreibt erschreckend genau die Auswirkungen einer Virus-Pandemie auf die medizinische Versorgung sowie das Versagen der Lieferketten.

COVID-19 ist nur der Auslöser einer Krise ...

© privat

© privat

Prof. Dr.-Ing. Thomas Rosenbaum ist seit 2014 Inhaber des Lehrstuhls Fertigungsmesstechnik und Qualitätsmanagement an der HTW Dresden. Zuvor war er über ein Jahrzehnt in verschiedenen Positionen bei der Robert Bosch GmbH tätig, zuletzt als Qualitätsleiter des Entwicklungsstandorts Budapest. Er ist als stellvertretender Regionalkreisleiter, Delegierter und Trainer in der DGQ aktiv.

Ein Schwachpunkt unseres Wirtschaftssystems ist die Geiz-ist-geil-Mentalität entlang der gesamten Wertschöpfungskette bis hin zum Verbraucher. Der systemimmanente Fokus auf den kurzfristigen Gewinn verhindert die von den meisten Marktteilnehmern gewünschte langfristige Orientierung. Wohlklingende, in Konzernstrategien, Normen und Qualitätsmanagementsystemen formulierte Ansprüche zu Nachhaltigkeit, Integrität, Verantwortung und partnerschaftlichen Beziehungen kommen im täglichen Handeln unter die Räder. Das Diktat des Preises führt zum fragilen Gebilde langer und verwundbarer Lieferketten, die auf maximale Effizienz unter optimalen Bedingungen ausgelegt sind. Da nur ungenügende Reserven (Kosten!) vorgesehen sind, führt jede größere Abweichung vom optimalen Zustand zu massiven Problemen – bis hin zum Zusammenbruch der Lieferketten.

Um diese Fragilität in den Griff zu bekommen, wird hauptsächlich auf ein Instrument gesetzt: Kontrolle. Detaillierte Vorgaben und strenge Überwachung sollen das Auftreten von Fehlern verhindern. Leider zeigt die Praxis, dass dieses Instrument nur eingeschränkt wirksam ist. Es treten neue, bisher unbekannte Fehler auf, die in den Vorgaben noch nicht berücksichtigt waren. Also werden die Vorgaben erweitert, der Umfang des Regelwerks wächst. Da durch die blühende Überregulierung ein effizientes Arbeiten erschwert wird und handelnde Akteure nicht mehr das gesamte Regelwerk überblicken, werden einige Regeln nicht eingehalten. In den Organisationen wird nach Auswegen gesucht, der Widerspruch zwischen formalen Regeln und informeller Praxis wächst. Die Einhaltung der Regeln muss nun mittels strenger Überwachung durchgesetzt werden. Da trotzdem immer wieder sowohl neue Fehler als auch schon bekannte, längst abgestellt gewähnte Wiederholfehler auftreten, dreht sich die Spirale aus Anschwellen des Regelwerks und Kontrollverschärfung immer weiter...

... und macht systematische Schwachpunkte sichtbar

Auf der anderen Seite sollen und wollen Organisationen agil handeln. Sie versprechen sich davon höhere Aktionsgeschwindigkeit und Anpassungsfähigkeit. Allerdings steht Agilität im krassen Widerspruch zu Regulierungsexzessen.

Wie können nun Organisationen agil handeln und gleichzeitig Fehler minimieren? Ein wichtiger Baustein ist partnerschaftliche Zusammenarbeit. sowohl zwischen als auch innerhalb der Unternehmen. Das schafft Freiraum für agiles und verantwortliches Handeln sowie für gegenseitiges Vertrauen. Aber auch der Aufbau partnerschaftlicher Beziehungen hat seinen Preis: Materielle und immaterielle Investitionen sowie den Verzicht auf kurzfristige Vorteile.

Langfristig überwiegen die Vorteile allerdings deutlich: Lieferanten, die proaktiv Risiken kommunizieren und Fehler benennen. Kunden, die auf Fehler verständnisvoll reagieren und (wenn gewünscht!) die Problemlösung unterstützen. Die Erfassung und Realisierung echter Kundenanforderungen statt Wortklaubereien um Spezifikationen. Und nicht zuletzt der Austausch von Lessons Learned.

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