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QZ 04/2016

Alphatiere gesucht!

Qualität zwischen Management und Führung

Für den langfristigen Erfolg braucht ein Unternehmen neben Management auch Führung. Den Mangel an Führungspersönlichkeiten im Qualitätswesen beklagt Hans Weber, Geschäftsführer der Münchner Weber Consulting Managementberatung GmbH. Die QZ sprach mit ihm über den Unterschied zwischen Management und Führung, die Folgen von zu viel Management und das Problem der "Edelsachbearbeiter".

© Hans Weber

Hans Weber ist Geschäftsführer der Münchner Weber Consulting Managementberatung GmbH. Er ist auf die Vermittlung von Führungskräften im Qualitätsmanagement spezialisiert.© Hans Weber

QZ Herr Weber, Sie sind der Meinung, dass es im Qualitätswesen zu wenige Führungspersönlichkeiten gibt. Wie würden Sie den Unterschied zwischen einem Manager und einer Führungspersönlichkeit beschreiben?

Hans Weber Kurz gesagt: Der Manager handelt ökonomisch, die Führungspersönlichkeit ethisch. Beim Management steht die materielle Sicht der Dinge im Vordergrund. Führung hat einen anderen Fokus: Hier geht es um Menschen und um ihr Verhalten innerhalb einer Gemeinschaft.

QZ Inwiefern handelt ein Manager ökonomisch?

Weber Im Management werden Ziele, Wege und Methoden klar systematisiert. Ein Manager verfügt über methodische und fachliche Kompetenzen. Zu den methodischen Kompetenzen gehören Aufgaben wie Planen, Delegation, Moderation, Entscheidungen oder Zeitmanagement.

QZ Welche sind im Qualitätswesen die fachlichen Kompetenzen für Führungskräfte?

Weber Zu den fachlichen Kompetenzen zählen Branchenwissen, Normenkenntnisse und die Vertrautheit mit den gängigen Qualitätsmanagementsystemen. Ein Qualitätsmanager hat in der Regel Ingenieurwissenschaften studiert oder ist ausgebildeter Techniker, hat Fortbildungen absolviert und ist mit den gängigen Qualitätsnormen, -werkzeugen und -methoden vertraut. Das ist alles sehr nützlich und auch notwendig. Aber das allein macht noch keine gute Führungskraft aus.

QZ Was dann?

Weber Eine gute Führungskraft ist nicht die, die irgendwelche festgelegten Anforderungen erfüllt. Sondern sie hat eine bestimmte Grundhaltung. Es geht dabei um soziale und ethische Kompetenzen: Werte, Verantwortung, ganzheitliches Denken und Visionen. Nur mit einem solchen moralischen Überbau kann eine Führungskraft bei ihren Mitarbeitern Vertrauen, Engagement und Motivation erreichen.

QZ Was genau macht eine Führungspersönlichkeit anders als ein Manager?

Weber Nur eine Führungskraft schafft es, eine Vision zu vermitteln. Nur wer seinen Mitarbeitern ein lebendiges Bild der Zukunft entwirft, sie begeistert, kann motivieren. So entsteht bei den Mitarbeitern der Wille, dieses Ziel mit vereinten Kräften zu erreichen. Diese Motivation durch ein gemeinsames Ziel führt zu besseren Ergebnissen als das Ausüben von Druck und ist langfristig auf jeden Fall erfolgreicher.

QZ Ist diese Erkenntnis auch schon in den Unternehmen angekommen?

Weber Ja, das hat man etwa seit der Jahrtausendwende auch in den Führungsetagen vieler Unternehmen registriert. Dort werden seitdem neue Fragen gestellt: Geht es eigentlich nur um Gewinnstreben, Kostenreduktion, Restrukturierungen und Arbeitsplatzverlagerungen? Nachhaltigkeit, Moral und Ethik sind die neuen Schlagwörter.

QZ Denken Sie, dass Qualitätsbeschäftigten in Führungspositionen der Unterschied zwischen Management und Leadership bewusst ist?

Weber Nein. Die Begriffe "Führung" und "Management" werden sehr häufig verwechselt oder synonym gebraucht. Dabei sind das zwei grundlegend unterschiedliche Disziplinen. Führung gibt es, seit sich Menschen in Gemeinschaften zusammengetan haben. Ob in einem Staat oder in der Politik – wenn eine Gemeinschaft funktionieren soll, muss sie geführt werden.

Das Management gibt es dagegen erst seit dem 20. Jahrhundert, als neue Unternehmensformen auch neue Formen von Leitung und Organisation erfordert haben. In den Achtzigern wurde das strategische Management dann zum Führungskonzept Nummer eins.

QZ Welche Eigenschaften muss eine Führungspersönlichkeit mitbringen?

Weber Oft heißt es: Wer nicht gleichzeitig belastbar, intelligent, urteilsfähig, integer, selbstbeherrscht, kreativ, überzeugend und verantwortungsbewusst ist, sei nicht führungskompetent. Das ist natürlich utopisch. Kein Mensch verfügt in gleichem Maße über all diese Eigenschaften. Außerdem wird oft vergessen, dass die Anforderungen von Unternehmen zu Unternehmen unterschiedlich sind. Es gibt nicht den einen, den besten Führungsstil oder die Persönlichkeit, die für Führungsaufgaben am besten geeignet ist.

QZ Warum ist Führung gerade im Qualitätswesen so wichtig?

Weber Immer mehr Menschen sind an der Sicherstellung der Qualität beteiligt. Die Qualitätsabteilungen haben in den vergangenen Jahren kontinuierlich Personal aufgestockt, auch die externen Kontakte von Qualitätsmanagern nehmen zu. Viele Unternehmen verringern ihre Produktionstiefen, immer mehr Lieferanten sind am Produktionsprozess beteiligt.

QZ Welche Folgen hat das?

Weber Qualitätsmanager sehen sich vor die Aufgabe gestellt, intern wie extern die verschiedensten Interessen auf einen Nenner zu bringen und zu koordinieren. Ob nun die eigenen Mitarbeiter, Kunden oder Lieferanten – im Umgang mit all diesen Personengruppen sind Fingerspitzengefühl und soziale Kompetenz gefragt.

QZ Was passiert, wenn in Qualitätsabteilungen nur gemanagt wird?

Weber Im Management wird oft der Wald vor lauter Bäumen, der einzelne Mensch vor lauter Theorie nicht mehr gesehen. So kann es passieren, dass falsche oder unrealistische Ziele umgesetzt werden. Das Management zeigt hier manchmal Auswüchse, die nur noch wenig mit Effektivität zu tun haben. Die Gefahr besteht darin, Ergebnisse mit Zielen zu verwechseln.

Aber im Qualitätswesen geht es um mehr als nur um Normen und Zielerreichung. Qualitätsmanager müssen mit Menschen zusammenarbeiten, die verschiedenste Erfahrungen, Sichtweisen und Einstellungen mitbringen. Dafür braucht man Führungseigenschaften wie Einfühlungsvermögen, Kommunikationsstärke, Durchsetzungskraft und natürliche Autorität. Managementmethoden greifen oftmals zu kurz.

QZ Worin besteht nun die Hauptaufgabe einer Führungskraft im Qualitätswesen?

Weber Das ist im Qualitätswesen nicht anders als in anderen Führungspositionen. Die Aufgabe einer Führungskraft ist mit der Tätigkeit eines Fußballtrainers vergleichbar. Die Aufgabe eines Trainers ist es, den richtigen Spieler auszuwählen, ihn auf den richtigen Platz zu stellen, ihn zu trainieren, für ein Ziel zu sorgen und den Spieler vom Platz zu stellen, wenn er nicht die richtige Leistung bringt. Es ist nicht die Aufgabe des Trainers, selbst im Tor zu stehen oder selbst Tore zu schießen.

QZ Was heißt das für das Qualitätswesen?

Weber Übertragen auf das Qualitätswesen bedeutet das: Es ist nicht die Aufgabe einer Führungspersönlichkeit im Qualitätswesen, selbst alle Reklamationen zu bearbeiten, FMEAs zu moderieren, zu auditieren oder Produkte zu messen. Das verstehen manche Qualitätsmanager falsch. Viele Qualitätsmanager, die zur Führungskraft befördert werden, sind keine Führungskräfte, sondern "Edelsachbearbeiter".

QZ Was verstehen Sie darunter?

Weber Diese Qualitätsmanager beziehen zwar das Gehalt einer Führungskraft, übernehmen allerdings Sachbearbeitertätigkeiten. Dafür werden sie nicht bezahlt. Diese Qualitätsmanager haben ihre Aufgabe falsch verstanden.

Hier liegt nach meiner Auffassung das größte Missverständnis zwischen Führung und Management. Eine Führungskraft hat in 60 bis 70 Prozent ihrer Zeit Führungsaufgaben zu erledigen und keine Tätigkeiten im Tagesgeschäft.

QZ Berücksichtigen Unternehmen Führungseigenschaften im Bewerbungsprozess?

Weber Die Persönlichkeit von Bewerbern hat bei Unternehmen, die nach Qualitätsmanagern suchen, neben Fach- und Branchenkenntnissen höchste Priorität. Früher wurde bei der Personalauswahl vor allem Wert auf Durchsetzungskraft und Autorität gelegt.

QZ Ist das heute anders?

Weber Ja, heute sind vor allem Eigenschaften wie Einfühlungsvermögen oder Problemlösungskompetenz gefragt. Autorität ja, aber "natürlich" soll sie sein. Die Führung soll also eher unauffällig statt dominant sein.

QZ Kann ein Qualitätsmanager lernen, eine gute Führungskraft zu sein?

Weber Es ist schwierig, sich Führungseigenschaften anzueignen, die meisten sind wohl einfach Veranlagung. Trainierbar sind sie schon. Hierbei helfen einige Jahre Berufserfahrung, in denen man selbst geführt wurde. So ist man ausreichend für die Mitarbeiterführung sensibilisiert. Zudem vermitteln spezielle Seminare verschiedene Führungsmodelle.

QZ Sind also Manager im Qualitätswesen überflüssig?

Weber Nein. Das enorme Potenzial von richtig angewandten Führungseigenschaften bedeutet nicht, dass auf das Management verzichtet werden kann. Insgesamt wurde in den vergangenen zehn Jahren allerdings zu viel gemanagt und zu wenig geführt.

Aber nur eine gut geführte Qualitätsabteilung hat ein gesundes Arbeitsklima, in dem motivierte Mitarbeiter sich ernst genommen, wertgeschätzt und umfassend gefördert fühlen. Nur vor einem solchen Hintergrund kann wirklich gute Arbeit geleistet werden. Insgesamt braucht Qualität beides: Manager und Führungskräfte.

Das Gespräch führte Doris Beck, QZ

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