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QZ 07/2016

Welche Zukunft hat die FMEA?

Neue Horizonte für eine bewährte Qualitätsmethode

Auf dem 11. Osnabrücker FMEA-Forum haben FMEA-Moderatoren und Wissenschaftler unter der Leitung von Unternehmensberater Winfried Dietz Zukunftsvisionen für die FMEA entworfen. Das klare Ergebnis: So, wie sie ist, wird die Methode nicht bleiben. Die unklare Zukunft: Viele, durchaus sehr verschiedene Einflüsse erfordern es gleichzeitig, berücksichtigt zu werden, wenn es um eine Neuausrichtung der Methode geht.

Winfried Dietz begrüßt die Teilnehmer des 11. Osnabrücker FMEA-Forums. (© Jette Golz/Dietz Consultants)

Heute sprechen wir über Produkte. Sprechen morgen die Produkte über uns? Diese Frage stellte Annika Neumann vom Aachener Werkzeugmaschinenlabor den Teilnehmern des FMEA-Forums. Sie lieferte auch gleich die Antwort: Höchstwahrscheinlich werden sie das tun. Sogenannte smarte Produkte, die nicht nur viele Funktionen haben und eine bequeme Bedienung ermöglichen, sondern auch viele Daten sammeln, erlauben es demjenigen, der diese Daten sammelt, Informatione abzurufen über denjenigen, der die Daten generiert – also den Nutzer und Verbraucher. Ein bereits bekanntes Beispiel hierfür sind die Assistenzsysteme von Autos, die Daten über das Fahrverhalten von Fahrern sammeln. Sie ermöglichen es den Versicherungen theoretisch schon heute, ihre Tarife an den Fahrstil des Versicherungsnehmers anzupassen.

Diese neue Art von Produkten erfordert auch neue Vorgehensweisen für ihre Entstehung und Entwicklung. Bewährte Methoden stur weiter anzuwenden erscheint angesichts der rasanten Veränderungen in der Produktentwicklung nicht sinnvoll. Auch eine so anerkannte Methode wie die FMEA gehört in diesem Fall hinterfragt, waren sich die Teilnehmer in Osnabrück einig. Sie diskutierten an zwei Tagen die Zukunftsfähigkeit der FMEA. Dass die Methode sich verändern muss und wird, stellte das Plenum dabei nicht infrage. Die Diskussion drehte sich im Wesentlichen darum, wie diese Veränderungen aussehen könnten und welchen Einfluss die Teilnehmer als FMEA-Moderatoren in ihren Unternehmen darauf nehmen könnten.

(© Jette Golz/Dietz Consultants)

(© Jette Golz/Dietz Consultants)

In ihren Überlegungen zur FMEA im Kontext von Industrie 4.0 stellte Neumann vor allem zwei Veränderungen in der Produktion heraus, die Einfluss auf die FMEA in Unternehmen haben: Produkte, die das Unternehmen verlassen, seien heute nicht mehr zwingend fertig entwickelt, sondern veränderten sich weiter, auch wenn sie bereits am Markt sind. Beispielsweise gibt es elektrische Zahnbürsten, die per Bluetooth mit Smartphones kommunizieren. Für diese sind wiederum Apps verfügbar, die dem Anwender helfen sollen, seine Zahnputzgewohnheiten zu optimieren. Die Apps sind veränderlich, und somit ist auch die Software auf der Zahnbürste nicht abschließend entwickelt, wenn sie das Werk verlässt.

Daten bleiben ungenutzt

Außerdem gelte es, so Neumann weiter, die vielen Daten, die in einer vernetzten und hochgradig digitalisierten Produktion anfallen, auch zu nutzen. Sie müssten ausgewertet werden und die Auswertung sinnvoll in die FMEA einfließen. Eine Chance sei, dass es dank der Möglichkeit, auf Daten zuzugreifen und diese zu analysieren, genauere und frühere Aussagemöglichkeiten über Fehler- und Verbesserungspotenzial gebe. Gleichzeitig seien jedoch automatisierte und sich selbst regulierende Produktionsmöglichkeiten schwerer nachvollziehbar und nur bedingt isoliert zu betrachten – eine Schwierigkeit für die Erstellung einer Produkt-FMEA, die klassischerweise einzelne Komponenten untersucht. Ein Teilnehmer wagte angesichts dieser Entwicklung gar die Prognose, dass es in absehbarer Zeit keine FMEA mehr geben werde: Infolge der Verkürzung von Entwicklungszyklen sei es gar nicht mehr machbar, FMEA in langwierigen Meetings zu erstellen. Die Erstellung einer FMEA müsse künftig ebenfalls automatisiert werden.

Beim World Café diskutierten die Teilnehmer ihre Ideen zur Zukunft der FMEA. (© Jette Golz/Dietz Consultants)

Auch Adam Schnellbach, Magna Powertrain, sieht für die FMEA in ihrer heutigen Form keine Zukunft. "Die FMEA ist eine Methode aus der Steinzeit", so Schnellbach. Er stellte fest, dass die zunehmende Komplexität von Produkten und Organisationen die Fähigkeiten des Menschen, kognitive Komplexität zu beherrschen, übersteige. Mit anderen Worten: Die Produkte werden immer komplizierter, was komplizierte Prozesse nach sich zieht und es wiederum erschwert, die Produkte überhaupt umfassend zu verstehen, für die eine FMEA erstellt werden soll. Eine größere Variantenvielfalt und immer mehr Schnittstellen erschweren FMEA zusätzlich. Entwickler müssten akzeptieren, dass ein vollumfängliches Produktverständnis nicht mehr möglich sei und dass eine Abstraktion notwendig werden könne.

Neben der Digitalisierung und der steigenden Komplexität der Produkte existieren auch kulturelle Einflüsse auf die FMEA, die berücksichtigt werden müssen. Univ.-Prof. Jürgen Beneke erläuterte, dass Menschen aus verschiedenen Kulturkreisen unterschiedliche Denkweisen haben und Probleme unterschiedlich erörtern. Erstellen beispielsweise Entwickler aus Japan und Deutschland gemeinsam eine FMEA, so sollten die deutschen Entwickler stets berücksichtigen, dass es in Japan nicht üblich ist, seinem Vorgesetzten zu widersprechen. Dieses Verhalten ist dem deutschen Entwickler fremd, erwartet doch sein Vorgesetzter, dass der Mitarbeiter Probleme beim Namen nennt und so Fehler vermeiden hilft.

Internationales Qualitätsverständnis

Annika Neumann entwirft eine Zukunftsvision der Auswirkungen von Industrie 4.0 auf die FMEA. (© Jette Golz/Dietz Consultants)

Je internationaler also ein Unternehmen aufgestellt sei, desto mehr müssten seine Mitarbeiter diese Unterschiede kennen und danach handeln. Dabei geht es nach Beneke nicht nur um verschiedenes Verhalten und Hierarchieempfinden, sondern auch um gänzlich konträre Weltanschauungen, die zu berücksichtigen seien. Als Beispiel dafür brachte er die Risikobereitschaft von Menschen aus unterschiedlichen Kulturen vor. Während Amerikaner generell sehr viel mehr Risiken eingingen als die meist überversicherten und übervorsichtigen Deutschen, schlüge das Pendel in islamischen Ländern wiederum in eine andere Richtung aus: Da der eigene Tod vorherbestimmt sei, seien Sicherheitsmaßnahmen unnötig.

Aus diesen sehr unterschiedlichen Sichtweisen resultiere ein jeweils unterschiedliches Empfinden für Qualität, was den Mitarbeitern bewusst sein müsse, wenn sie mit Kollegen aus den jeweiligen Kulturen zusammenarbeiteten.

Doris Beck, QZ

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