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QZ 10/2018

Zeit zum Umdenken

Ist Deutschland noch Garant für hohe Qualität und Zuverlässigkeit?

Die nachfolgenden Gedanken sollen keine Person, keine Organisation oder Institution herabwürdigen, bloßstellen oder gar schädigen. Sie erheben nicht den Anspruch auf Vollständigkeit, auf wissenschaftliche Analyse oder gar auf Freiheit von Irrtümern. Gleichwohl möchte ich sie mit Ihnen teilen. Beginnen wir also mit einigen Fakten:

  • In seiner Sitzung im Juli 2018 hat der Aufsichtsrat des neuen Flughafens BER die Entscheidung über die Finanzierung seines notwendigen Ausbaus ein weiteres Mal vertagt. Auf die Inbetriebnahme wird indes weiter gewartet.
  • Diese Tatsache erlaubt es allerdings, große Flächen des Hauptstadtflughafens an einen deutschen Automobilkonzern zu vermieten. Fabrikneue, aber nicht zulassungsfähige Fahrzeuge werden dort zwischengelagert.
  • Zahlreiche in- und ausländische Strafverfahren gegen Manager großer Automobilkonzerne im Zusammenhang mit der Dieselaffäre lassen den Verdacht auf andauernde strafrechtlich relevante Verhaltensweisen und damit schwerwiegende und bereits seit Langem vorliegende Qualitäts(management)mängel zu.
  • Laut aktueller Statistik der Deutschen Bahn liegt die Pünktlichkeitsrate im Fernverkehr 2018 bei etwa 70 Prozent. Insider behaupten, dass diese Zahl auch nur durch geschickte Interpretation der Messkriterien haltbar sei. Persönliche Erlebnisse würden die Quote auf weniger als 50 Prozent drücken.
  • Die Deutsche Lufthansa vermeldet, dass die Zahl der Flugausfälle von 2017 bereits im ersten Halbjahr 2018 erreicht wurde, und entschuldigt sich bei den Kunden.
  • Bundesweit beklagen Lehrerverbände, Eltern und sogar Schulträger einen dramatischen Mangel an Lehrkräften und Unterrichtsräumen. Eine Vielzahl bestehender Einrichtungen sei dazu in einem desolaten Zustand. Dabei "beleben" die 2018 einzuschulenden Jahrgänge ja bereits seit sechs Jahren unsere Gesellschaft – und die amtlichen Statistiken.
  • Der Bedarf an Pflegekräften wird von Fachleuten – einschließlich des Gesundheitsministers – in den kommenden Jahren mit mindestens 50 000 beziffert.
  • Der Zustand der deutschen Bundeswehr kann mit den Worten: "Fliegt nicht, fährt nicht, schwimmt nicht!" beschrieben werden. Die Berichte der Verteidigungsministerin im Zusammenhang mit der aktuellen Haushaltsplanung lassen ein noch düstereres Bild erahnen.
© DGQ

© DGQ

Udo Hansen ist seit 2014 Präsident der Deutschen Gesellschaft für Qualität. Sein Engagement für die und mit der DGQ setzt insbesondere bei den Themen Digitalisierung in Industrie und Verwaltung an. Der Präsident eines Bundespolizeipräsidiums a. D. zeichnete unter anderem für die Einführung von QM-Methoden in großen Behörden verantwortlich.

Mangelt es an Moral und Regulierung?

Viel wichtiger als diese traurigen Beispiele erscheint mir jedoch die Frage nach den Ursachen, die einen derartigen Zustand zumindest erklären könnten. Zum einen offenbaren diese Fakten für mich in erschreckender Weise die Missachtung der elementaren Grundsätze von Qualitätsmanagement: die absolute Orientierung am Kunden und seinen Erwartungen bzw. die Einhaltung elementarer Leistungs- und Lieferversprechen. Die Beispiele schildern ja keine Folgen katastrophenähnlicher oder unvorhersehbarer Ereignisse. Vielmehr belegen sie andauerndes und systematisches Vorgaukeln von nicht haltbaren Leistungs- oder Lieferversprechen. Strafrechtler werten derartiges Verhalten möglicherweise als Betrug.

Damit wird aber etwas noch Schlimmeres offenbar: erstens ein Mangel an ethischen Überzeugungen und Grundeinstellungen von Führungskräften. Und zweitens das Fehlen oder die Unwirksamkeit interner Regulierungs- und Kontrollmechanismen. Die Defizite beim Führungspersonal lassen den Schluss zu, dass der Grundsatz "Qualität ist in erster Linie eine Frage der Einstellung" zumindest in einigen Führungsetagen nicht bekannt ist.

Daher lautet mein Fazit: Der Ruf Deutschlands und seiner Marke "Made in Germany" sind in höchster Gefahr! Die Beschädigung des deutschen Images würde erschreckende Auswirkungen auf unsere Wirtschaft, Gesellschaft und unser Ansehen in der Welt haben. Wollen wir dies als Kunden, Steuerzahler und Staatsbürger weiterhin akzeptieren?

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2 Kommentare
  • 05.11.2018 von 1+1=1

    Sehr geehrter Herr Hansen, Ihr Statement über Made in Germany und Herrn Schusters Ausformulierungen über Made in Europe sind zwei verschiedene Seiten der gleichen Medaille. Nur eine glaubwürdige, starke Marke "Made in Germany" kann das Zugpferd sein für eine Europäische Qualitäts-Marke. Beides wird dringend nötig sein, um im Wettbewerb mit den USA und China bestehen zu können.

  • 22.10.2018 von Weckruf des DGQ-Präsidenten

    Dieser Beitrag unseres DGQ-Präsidenten spricht mir aus der Seele. Auch ich selbst habe in einem großen deutschen Unternehmen bereits in den 90er Jahren erlebt, wie, teilweise auch seitens des Managements, Kundeninteressen, gesetzliche Rahmenbedingungen oder ethische Bedenken beiseite geschoben wurden. Glücklicherweise hat die oberste Leitung in den meisten Fällen letztlich eher zu Gunsten des Kunden entschieden. Leider war dafür jedoch immer eine deutliche Intervention des Q-Managements nötig.

    Ist es vor dem Hintergrund der von Herrn Hansen geschilderten Vorkommnisse aber wirklich sinnvoll, uns Qualitäts-Manager zum Hüter aller Gesetze und Moral zu machen? Muss ein Q-Manager zukünftig nicht nur ausgebildeter Volljurist, sondern auch IT-Spezialist sein, um seine Aufgaben erfüllen zu können? Ich habe meine Aufgaben damals eher in der Moderation zwischen den beteiligten Akteuren gesehen, um im Unternehmen einen wirksamen PDCA- und Verbesserungsprozess umzusetzen.
    Ich meine, auch hierüber sollte die DGQ im Rahmen der weiteren Diskussion zur Zukunft des Qualitätsmanagements nachdenken.

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