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QZ 02/2019

Raus aus der Schockstarre!

Geschwindigkeit als Erfolgsfaktor im Zeitalter von Industrie 4.0

Nie war die Stellung von vermeintlichen Marktführern unsicherer als im Zeitalter der Digitalisierung. Die neuen technischen Möglichkeiten, in innovativen Geschäftsmodellen Wert aus der explodierenden Datenmenge zu schöpfen, wirbeln den Markt durcheinander. Wer den technischen Wandel nicht mitgeht, riskiert, rasch abgehängt zu werden. Die gute Nachricht: Der Weg zur Industrie 4.0 ist ein Weg der kleinen Schritte. Überschaubare Maßnahmen heute sind allemal besser als der ganz große Wurf übermorgen.

© FIR e.V. an der RWTH Aachen

© FIR e.V. an der RWTH Aachen

Prof. Dr.-Ing. Volker Stich hat an der RWTH Aachen mit dem Themenschwerpunkt Betriebsorganisation im Bereich Logistik promoviert. Seit Januar 1997 ist er Geschäftsführer des FIR e.V. an der RWTH Aachen. Zudem leitet Professor Stich seit 2009 das Cluster Smart Logistik auf dem RWTH Aachen Campus und koordiniert die Zusammenarbeit von Forschungseinrichtungen, Verbänden und Unternehmen rund um Themen des betrieblichen Waren- und Informationsflusses. Im Jahr 2010 wurde Volker Stich durch die Fakultät Maschinenbau der RWTH Aachen der Titel "Außerplanmäßiger Professor" verliehen.

Wenn ein Verbraucher im Zeitalter der Digitalisierung wissen will, wo in seiner Nähe das beste Restaurant zu finden ist, bekommt er diese Information innerhalb von Sekunden. Will aber der Manager eines mittelständischen Unternehmens erfahren, wie viele Ersatzteile eines bestimmten Typs ein Kunde angefragt hat, muss er zum Teil Tage auf diese Auskunft warten. Beides sind Phänomene von Industrie 4.0 – oder ihres Fehlens. Denn Industrie 4.0 steht für die flächendeckende Vernetzung von Informations- und Kommunikationstechnologien mit der Produktion. Und genau hier stecken die Potenziale der Produktionseffizienz und Qualität, die es zu erschließen gilt. Auf Basis von oder zumindest mit Unterstützung von smarten Daten schneller die bessere Entscheidung zu treffen, entscheidet heute und vor allem zukünftig über den Unternehmenserfolg. Das bedeutet im Umkehrschluss: Je länger Unternehmen zögern, an Industrie 4.0 teilzunehmen, desto größer werden die Lücken gegenüber dem Wettbewerb – bis ein Aufholen im schlimmsten Fall nicht mehr möglich ist.

Wie Nokia sein – oder wie Pokémon Go?

Dieses Phänomen beobachten wir in vielen B2C-Branchen wie dem Handel oder der Telekommunikation. Hier lässt der dynamische Wandel einzelne Pionier-Unternehmen nach oben schießen wie Kometen. So avancierte Apple als vorher branchenfremdes IT-Unternehmen innerhalb kürzester Zeit zum Innovationsführer der Branche und zum wertvollsten Unternehmen der Welt. Google bestimmt mit seinem Smartphone-Betriebssystem Android und über 80 % Marktanteil weltweit die Art und Weise, wie Menschen kommunizieren und sich informieren. Der einstige Weltmarkt- und Innovationsführer Nokia hingegen hat den Wandel verkannt und ist innerhalb weniger Jahre fast vollständig vom Markt der Mobiltelefonanbieter verschwunden.

Diese Beispiele spiegeln einen Trend wider: Plattformen wachsen rasend schnell und dominieren ganze Wirtschaftszweige. Etablierte Geschäftsmodelle sind oft nicht mehr konkurrenzfähig. Auf Basis vernetzter Infrastrukturen wachsen digitale Geschäftsmodelle in bisher nicht gekannter Geschwindigkeit. Brauchte es beim Telefon beispielsweise noch rund 75 Jahre bis zur Erreichung von 50 Millionen Nutzern, erreichte der PC dies schon in 16 Jahren, das Internet brauchte dafür nur noch vier Jahre, und Facebook schaffte es in einem Jahr. Und das Augmented-Reality-Game Pokémon Go knackte die 50-Millionen-Nutzer-Marke nach nur fünf Tagen auf dem Markt.

Keine Datenerhebung "zu Fuß"

Was hat aber nun ein Industrieunternehmen mit Pokémon Go gemeinsam? Eines ist sicher: Mithilfe von digital vernetzten Technologien lassen sich Daten und Informationen in einem rasanten Tempo verarbeiten – unanhängig von der Branche. Heutzutage schicken noch viele Unternehmen für die Datenerfassung im Rahmen eines klassischen Six-Sigma-Projekts einen Studenten für Wochen durch die Produktion. Doch schon in nicht allzu ferner Zukunft liegen dem Produktionsleiter oder Qualitätsmanager Echtzeit-Daten verständlich aufbereitet vor. Heute erhebt man qualitätsrelevante Daten aus der Nutzung des Produkts mühsam aus Serviceberichten oder über indirekte Kundenbefragungen. Im schlimmsten Fall müssen die Informationen dann auch noch händisch ausgewertet werden. Die Produkte der Zukunft hingegen sind so intelligent vernetzt, dass sie dem Hersteller diese Informationen ohne viel Aufwand bereitstellen und so die Weiterentwicklung erleichtern.

Werkzeugkasten der Industrie 4.0

Insgesamt verkürzen die Treiber von Industrie 4.0 drastisch die sogenannten Latenzzeiten, also Verzögerungen zwischen einem Ereignis und der adäquaten Reaktion darauf. Zu diesen Treibern zählen technologische Elemente, die zahlreiche Innovationspotenziale für kleine und mittlere Unternehmen nicht nur in der Produktion, sondern auch im Service, im Vertrieb oder im Qualitätsmanagement bieten:

  • Echtzeitfähigkeit und Integration von Cyber-physischen Systemen,
  • Big Data Analytics, Machine Learning und Künstliche Intelligenz,
  • Entscheidungsunterstützungssysteme bis hin zur automatischen Entscheidungsfindung,
  • vertikale und horizontale Integration von Prozessen und Systemen.

Aus diesen Möglichkeiten ergeben sich zahlreiche neue Service- und Geschäftsmodelle. Plattformmodelle werden zukünftig proprietäre System verdrängen und die Wertschöpfung nicht mehr linear entlang einer Kette, sondern in vernetzten Ökosystemen stattfinden.

Erfolgsfaktor Smart Data

Das Ziel jedes Unternehmens muss es also sein, diese digitale Transformation aktiv mitzugestalten und sich zum agilen und lernenden Unternehmen zu entwickeln. Denn nur ein solches Unternehmen kann sich zukünftig schnell an die Veränderungen und Einflüsse des Marktes anpassen. Der Erfolg einer Unternehmung wird maßgeblich durch die schnelle, iterative Annäherung an den idealen Betriebszustand bestimmt. Das heißt, auf dem Weg zur Industrie 4.0 müssen große Datenmengen zu Smart Data veredelt werden. Erst dann werden aus Daten nutzbringende Informationen.

Dazu müssen sich all jene, die mit diesen Daten hantieren, erst mal einige Fragen stellen:

  • Woher stammen die Daten?
  • Wie aktuell sind die Daten?
  • Wie stehen die Daten in Korrelation zueinander?
  • Lassen sich wiederkehrende Muster erkennen?
  • Welche Schlüsse lassen sich aus den Daten ziehen?

Es empfiehlt sich, strukturiert vorzugehen und zunächst einmal überschaubare Schritte in einer sinnvollen Reihenfolge zu definieren. Dabei steigert jede kleine Maßnahme, die heute ergriffen wird, den Mehrwert besser als ein großes Maßnahmenpaket, das erst nach Monaten oder Jahren greift.

Es gibt noch Aufholchancen

Das Fazit, das uns alle anspornen und nicht lähmen sollte, lautet daher: Die vernetzte Digitalisierung als Treiber hinter Industrie 4.0 entwickelt sich mit rasanter Geschwindigkeit. Industrie 4.0 und Smart Services sind in aller Munde – werden aber in der Breite noch recht zögerlich angegangen. Eine allgemeine Unsicherheit à la "Wir warten mal ab …" herrscht zurzeit noch vor, weil man hohe Investitionskosten bei unklarem wirtschaftlichen Nutzen fürchtet. Entscheidend ist daher, zunächst die Position des eigenen Unternehmens auf dem Weg zu Industrie 4.0 zu überdenken. Wo stehen wir heute? Welche Schritte sind als Nächstes notwendig? Wer diese Fragen realistisch beantwortet, kann bereits heute Konzepte realisieren, deren Aufwand und Nutzen relativ einfach zu quantifizieren sind.

Volker Stich

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Literaturhinweis

Heutmann, T.; Schmitt, R.: Im Dreischritt zur Qualität 4.0. QZ 8/2018, S. 36–39

Optehostert, F.: Daten hamstern reicht nicht mehr. QZ 6/2018, S. 36–38

Elser, H.; Heutmann, T.; Lindemann, M.; Schmitt, R.: Hellsehen in vier Schritten. QZ 2/2018, S. 31–33

Volker Stich
T 0241 4 77 05-100
volker.stich <AT> fir.rwth-aachen.de

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