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QZ 03/2013

Gemeinsam effizienter

Gewährleistungsmanagement und Funktionale Sicherheit

Scheinbar haben Funktionale Sicherheit und Gewährleistungsmanagement im Unternehmen nur eines gemeinsam: Beide Disziplinen binden beträchtliche Ressourcen. Aus durchaus nachvollziehbaren Gründen werden sie deswegen meist gänzlich unabhängig behandelt. Doch ein Blick beider Disziplinen über ihre Tellerränder – bis hin zu einer Kooperation – kann für beide Seiten gewinnbringend sein.

© Gunnar Pippel - Fotolia.com

© Gunnar Pippel - Fotolia.com

Gewährleistungsmanagement (Warranty Management) und Funktionale Sicherheit (FuSi) umspannen jeweils umfassende Fachgebiete, für die Unternehmen enorme menschliche, technische und auch finanzielle Ressourcen aufwenden. Wirft man einen Blick auf die Strukturen heutiger Unternehmen, so lässt sich meist keine direkte Beziehung zwischen den entsprechenden Abteilungen erkennen. Beide Fachgebiete arbeiten in der Regel für sich – sowohl organisatorisch als auch methodisch. Dies hat mehrere Gründe.

Sicher heißt nicht zuverlässig – und umgekehrt

Zunächst ist festzustellen, dass sich die Merkmale Sicherheit und Zuverlässigkeit komplexer technischer Produkte oder Prozesse oftmals gegenseitig negativ beeinflussen. Das sichere Produkt – versehen mit komplexen Strukturen, aufwendigen Überwachungsroutinen und ausgeklügelten Abschaltstrategien – folgt nicht immer dem Ziel des Zuverlässigkeitstechnikers, der im Sinne des Gewährleistungsmanagements die Vertragserfüllung aufgrund maximaler Verfügbarkeit des versprochenen Leistungsumfangs garantieren möchte. Beispielsweise verspricht ein 1v4-System (also eines, bei dem eine von vier verfügbaren Komponenten funktionieren muss, damit auch das Gesamtsystem funktioniert) aufgrund von Redundanz hohe Zuverlässigkeit, da drei von vier Komponenten ausfallen können und das System immer noch seine Funktion erfüllt. Erkauft wird dies mit ei­nem eingeschränkten Sicherheitsniveau. Ein 4v4-System liegt bei gleichen Komponenten auf einem viel höheren Sicherheitsniveau, ist jedoch um ein Vielfaches unzuverlässiger. Warranty Management und Funktionale Sicherheit scheinen auf den ersten Blick also unterschiedliche Ziele zu verfolgen.

Qualitätsmanagement versus 
Entwicklung

Ein weiterer Grund für die unabhängige ­Arbeit von Gewährleistungsmanagement und Funktionaler Sicherheit liegt im orga­nisatorischen Bereich. Das Gewährleistungsmanagement wird oftmals als eine Disziplin des Qualitätsmanagements verstanden. Dieses ist in der Regel als entwicklungs- und produktionsübergreifende Disziplin angeordnet und so auch häufig organisatorisch in den Unternehmen als zentrales Element umgesetzt. Betroffen sind sämtliche Bereiche des Produktprozesses, von der Designphase über die Vorserie und die Serienfertigung bis hin zur Nachlaufphase. Gewährleistungsmanagement ist somit allgegenwärtig, beinhaltet zahlreiche Methoden zur Datenerfassung und -analyse sowie zur Prozesssteuerung und liefert wertvolle Informationen für die Optimierung der entsprechenden Produkt­lebenszyklusphase.

Der Bereich Funktionale Sicherheit hingegen hat eine sehr entwicklungsorientierte Ausrichtung. Viele Unternehmen arbeiten mit dezentralen FuSi-Teams, die den entsprechenden Entwicklungsabteilungen zugeordnet sind. Diese werden – je nach Größe des Unternehmens – von Zentralabteilungen unterstützt, die etwa das erforderliche Methoden-Know-how bereitstellen oder die Projektkoordination bei komplexen Systemen übernehmen. Funktionale Sicherheit wird zudem hauptsächlich im Produktentstehungsprozess verfolgt, sodass auch hier die entwicklungsorientierte Ausrichtung unterstrichen wird.

Ungenutzte Potenziale gemeinsamer Datenbanken

Wird der Fokus jedoch ein wenig genauer auf die beiden Fachbereiche gerichtet, so lässt sich feststellen, dass es zahlreiche Aspekte gibt, in denen eine intensive Zusammenarbeit als zielführend angesehen werden kann. Als erstes Beispiel lässt sich der Bedarf an validen Daten nennen, um in einem frühen Stadium des Entwicklungsprozesses sowohl Zuverlässigkeitsabschätzungen als auch Funktionssicherheitsanalysen durchführen zu können. Dabei kann z. B. die Funktionale Sicherheit auf Daten zurückgreifen, die im Rahmen des Gewährleistungsmanagements gewonnen werden. Gegebenenfalls müssen dazu entsprechende (Ausfall-) Datenbanken angepasst oder gar aufgebaut werden, um eine zusätzliche Anwendbarkeit in der Funktionssicherheitsanalyse zu ermöglichen. Ist dies der Fall, kann mit einer Ausfallratendatenbank – gewonnen aus eigenen Feldausfalldaten – sowohl eine frühzeitige Zuverlässigkeitsabschätzung als auch der Nachweis der Funktionalen Sicherheit erbracht werden. Derartige Ansätze sind derzeit nur bei wenigen Unternehmen zu erkennen, sodass das Potenzial einer gemeinsamen Datenerfassung und -aufbereitung derzeit noch nicht ausgeschöpft wird.

Zwei Disziplinen mit denselben 
Methoden

Weiterhin besteht ein hoher Deckungsgrad bei den angewandten Methoden. Fehlermöglichkeits- und -einflussanalyse (FMEA), Fehlerbaumanalyse, Markov-Prozesse oder Systemsimulationen können sowohl zuverlässigkeits- als auch sicherheitsbezogen durchgeführt werden. Oftmals enthält die umfangreiche Zuverlässigkeitsanalyse bereits Ausfallzustände, die zu einem sicherheitskritischen Ausfall führen können. Auf der anderen Seite werden bei der sicherheitsorientierten Failure Modes, Effects and Diagnostic Coverage Analysis (FMEDA) häufig Ausfälle ermittelt, die nicht unmittelbar sicherheitskritisch sind, jedoch einen zuverlässigkeitstechnischen Einfluss haben.

Ein strukturierter Informationsfluss zwischen den Disziplinen Gewährleistungsmanagement und Funktionale Sicherheit kann somit redundante Analysen vermeiden und dabei helfen, wertvolle Ressourcen an Personal, Zeit und Finanzen zu sparen.

Dr.-Ing. Andreas Braasch, geb. 1979, studierte Sicherheitstechnik und promovierte am Lehrstuhl für Sicherheitstheorie und Verkehrstechnik der Bergischen Universität Wuppertal (BUW) über  Zuver­lässigkeitsprognosemodelle und ihren wirtschaftlichen Nutzen im Warranty Management. Er leitete zahlreiche Forschungsprojekte in der Wirtschaft und der Grundlagenforschung. Daneben war er als freier Berater zur Sicherheits- und Zuverlässigkeitstechnik unterwegs. Er ist Geschäftsführer am Institut für Qualitäts- und Zuverlässigkeitsmanagement (IQZ), Wuppertal, sowie Lehrbeauftragter der BUW und leitet den Arbeitskreis „Risikomanagement und Zuverlässigkeit“ im VDI.

Andreas Braasch, Wuppertal

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Literaturhinweis

Braasch, A.; Althaus, D.; Schlummer, M.: Garantiezeiterweiterung im Warranty Management. QZ 10/2012, S. 32-35; www.qz-online.de/397626

Braasch, A.; Althaus, D.; Meyna, A.; Hübner, H. J.: Modell zur Zuverlässigkeitsprognose über fünf Jahre verifiziert. QZ 6/2011, S. 24-29; www.qz-online.de/337207

Andreas Braasch
T 0202 515616-92
braasch <AT> iqz-wuppertal.de

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