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QZ 06/2015

Statistische Methoden künftig ohne Norm?

Braucht Deutschland keine genormten statistischen Methoden?

Die Arbeit des deutschen DIN-Arbeitsausschusses "Angewandte Statistik" ist infrage gestellt. Industrievertreter sind kaum noch beteiligt, die Finanzierung ist nicht mehr sichergestellt. Damit stellt sich eine sensible Frage: Braucht Deutschland künftig keine Normung mehr zur Anwendung statistischer Methoden?

Dr. Wolfgang Schultz

Dr. Wolfgang Schultz

Dr. Wolfgang Schultz,

geb. 1954, war von 1998 bis 2008 Leiter der Abteilung Weiterbildung der DGQ in Frankfurt. Seit 2008 ist er Geschäftsführer der TEQ Training & Consulting GmbH in Weinheim, einer Tochterfirma von Q-DAS. 2011 wurde er zum Obmann des Arbeitsausschusses NA 147-00-02 AA "Angewandte Statistik" beim DIN berufen.

Die Anwendung statistischer Methoden ist in der industriellen Produktion ein zentrales Element der Qualitätssicherung. Bereits in den 20er-Jahren des letzten Jahrhunderts hat Walter A. Shewhart mit seinen Beiträgen zur statistischen Prozessregelung (SPC) einen wichtigen Impuls hierfür gegeben.

In Deutschland sind ab den 70er-Jahren DIN-Normen zur Anwendung statistischer Methoden entstanden, die eine hohe Akzeptanz und Verbreitung gefunden haben. Darunter finden sich auch DIN 40080 "Stichprobenprüfung nach AQL" oder DIN 55350 "Begriffe der Qualitätssicherung und Statistik". Die Deutsche Gesellschaft für Qualität (DGQ) hat maßgeblich zur praxisorientierten Vermittlung und Anwendung statistischer Methoden beigetragen und sich für ein einheitliches Verständnis derselben eingesetzt.

Der Autohersteller Daimler hat 1997 eine Studie zur Untersuchung statistischer Methoden in Auftrag gegeben. Auslöser waren zahlreiche Diskrepanzen zwischen Kunden und Lieferanten bei der Anwendung statistischer Methoden. 1999 hat derselbe Konzern eine international besetzte Arbeitstagung "SPC auf dem Prüfstand" organisiert, bei der die Ergebnisse dieser Studie eine zentrale Rolle spielten.

Die Ergebnisse der Tagung wurden in ein neues Normungsprojekt eingebracht. Im März 2002 wurde daraufhin die DIN 55319 "Qualitätsfähigkeitskenngrößen" veröffentlicht. 2006 wurden die Inhalte mit nur geringen Änderungen als ISO 21747 herausgegeben. Diese Norm fand international – nicht nur in der Automobilindustrie – große Anerkennung und hat die SPC-Welt revolutioniert. Aktuell werden diese sowie weitere Normen zu Fähigkeitskenngrößen überarbeitet und in die neue Normenreihe ISO 22514 überführt. Offensichtlich ist die Anwendung dieser Normen aus der industriellen Praxis nicht mehr wegzudenken.

Die ISO 9001 in der Version 2015 entwickelt sich indes zur statistikfreien Zone – zumindest werden die statistischen Methoden nicht mehr namentlich erwähnt. Und auch in der deutschen Normungsarbeit ist seit mehreren Jahren ein ähnlicher Trend zu beobachten. Nach und nach sind viele Firmenvertreter aus dem Ausschuss ausgeschieden und wurden nicht nachbesetzt. Aufrufe des Ausschusses zur Mitarbeit stießen bei Unternehmen auf wenig Resonanz. Nur Vertreter von Hochschulen, Verbänden und Delegierte anderer Normungsgremien folgten diesen Aufrufen.

Auf ISO-Ebene ist festzustellen, dass allen voran China, Indien, Japan, die USA und Großbritannien sich sehr stark in der Normungsarbeit zu statistischen Methoden engagieren – zu einem Großteil mit massiver finanzieller Unterstützung durch den Staat. Diese Länder bestimmen in zunehmendem Maß den Inhalt internationaler Normen. Der DIN-Ausschuss "Angewandte Statistik" (NA 147-00-02 AA) konnte in den letzten Jahren erreichen, dass alle Sub Committees des ISO/TC 69 "Applications of statistical methods" mit deutschen Vertretern besetzt sind. Die Vertreter der anwendenden Firmen aber fehlen.

Ist der Arbeitsausschuss für statistische Methoden obsolet?

Wiederholt wurde im Ausschuss die Frage diskutiert, wie sich die Abwesenheit der betroffenen Firmen erklärt. Aktuell fragt man sich, ob die Arbeit des deutschen Arbeitssausschusses "Angewandte Statistik" eingestellt werden soll. Das Konzept des DIN sieht vor, dass mindestens die direkten Kosten der Normungsarbeit durch Projektmittel der interessierten Kreise zu decken sind, während das DIN die Finanzierung der Gemeinkosten übernimmt. Dies gelingt beim Arbeitsausschuss "Angewandte Statistik" mittlerweile nicht mehr. Vertreter der öffentlichen Hand einschließlich der Hochschullehrer, Vertreter der öffentlich-rechtlich verfassten Forschungseinrichtungen sowie Delegierte anderer Normenausschüsse sind von den Kostenbeiträgen befreit, Förder- oder Mitgliedsbeiträge von Unternehmen bzw. der entsandten Vertreter sind eher die Ausnahme als die Regel.

In der Sitzung des NQSZ-Beirats im März 2015 in Berlin wurden unter anderem der Haushalt und die Finanzierung des Normenausschusses Qualitätsmanagement, Statistik und Zertifizierungsgrundlagen (NQSZ) und seiner Arbeitsausschüsse überprüft. Im Gegensatz zu den Ausschüssen, die ISO 9001, Zertifizierungs- und Akkreditierungsgrundlagen (u. a. ISO 17025 für Prüflabore) bearbeiten, ist der Haushalt des NA 147-00-02 AA defizitär.

Wie soll die Arbeit des NQSZ künftig finanziert werden?

Eine Querfinanzierung innerhalb des NQSZ durch andere Ausschüsse wird strikt abgelehnt. Somit bestehen derzeit folgende Szenarien:

  • Szenario 1: Erhöhung der Einnahmen. Dies bedeutet eine zusätzliche Mitwirkung von Personen, die im Zuge ihrer Arbeit einen Förderbeitrag an das Deutsche Institut für Normung (DIN) zahlen, oder die Bereitstellung von Förderbeiträgen oder Spenden für diesen Ausschuss an das DIN. Aus den bisherigen Reaktionen der Industrieunternehmen war hierzu keine Bereitschaft zu erkennen.
  • Szenario 2: Reduzierung der Kosten. Das würde insbesondere den Verzicht auf die Übersetzung zahlreicher relevanter Normen bedeuten. Weiterhin könnte die Zahl der Arbeitssitzungen (derzeit national zwei pro Jahr und international mindestens zwei pro Jahr) reduziert werden. Dies würde letztlich auf Szenario 3 hinauslaufen.
  • Szenario 3: Einstellung der Arbeit des NA 147-00-02 AA. Diese hätte zur Folge, dass Normen zur Anwendung statistischer Methoden künftig ohne deutsche Mitwirkung entstünden. Sie würden dann nur noch in englischer Sprache und ausschließlich als ISO-Norm erscheinen.

Umfrage unter Anwendern soll Klarheit schaffen

Mittels Umfrage soll nun festgestellt werden, ob seitens der Nutzer überhaupt Bedarf an diesen Normen und deren Verfügbarkeit in deutscher Sprache besteht. Im NQSZ-Beirat wurde teilweise die Auffassung vertreten, dass man über ausreichend Fachliteratur zu statistischen Methoden verfüge, sodass Normen zu diesem Thema nicht erforderlich seien.

Die zentrale Frage ist nun, ob in den Unternehmen tatsächlich kein Bedarf mehr an Normen zur Anwendung statistischer Methoden besteht oder ob den Unternehmen vielleicht einfach nicht bewusst ist, welche Folgen die Einstellung der deutschen Normungsarbeit auf diesem Gebiet hätte. Die QZ informiert weiterhin und ruft zur Teilnahme an der Umfrage auf.

Ihr Kommentar!

  • Brauchen die deutschen Unternehmen keine Normen zur Anwendung statistischer Methoden?
  • Sind sie bereit zu übernehmen, was andere Nationen in den Regelwerken festlegen?
  • Genügen ihnen englischsprachige ISO-Normen?

Kommentieren Sie online oder mailen Sie direkt: nqsz <AT> din.de

Autor
Wolfgang Schultz, Weinheim

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Literaturhinweis

Bünting, F.; Schultz, W.: Sind statistische Methoden überflüssig? QZ 7/2014, S. 16-17

Unternehmensinformation

Q-DAS GmbH

Eisleber Str. 2
DE 69469 Weinheim
Tel.: 06201 3941-215
Fax: 06201 3941-7228

2 Kommentare
  • 18.06.2015 von Antwort auf: Statistik "ja" - neue Normen "nein"

    Lieber Dr. Czabon,

    vielen Dank für Ihre Stellungnahme. Ihre Wahrnehmung und Bewertung deckt sich zu 90 % mit der meinen. Bezüglich Ihrer Aussage, vorhandene Normen sind ok., neue Normen aber nicht erforderlich, müsste man allerdings die Verfahren der internationalen und nationalen Normungsarbeit etwas ausführlicher erläutern. Ich möchte noch meine Vermutung äußern, dass viele der relevanten Normen direkt nicht bekannt sind, weil sie indirekt in Sekundärdokumente und/oder Softwareanwendungen umgesetzt sind. Das ist aber nur möglich, wenn die nationale Normungsarbeit stattfindet.

  • 17.06.2015 von Statistik "ja" - neue Normen "nein"

    Mit Ausnahme eines kleinen Kreises von Unternehmen, die das bisherige Statistikwissen kennen und zu nutzen wissen, gibt es bei den mir bekannten Unternehmen wenig Interesse an und allerdings auch wenig Wissen über die statistischen Methoden. Dies mag wohl daran liegen, dass das Erlernen dieser "schwierigen" Materie nicht sehr beliebt ist. So sinkt der Statistik-Anteil bei den Bildungsangeboten für Qualitätsfachkräfte (Qualitätsbeauftragte, Qualitätsmanager).
    Dabei können statistische Methoden bei der Entscheidungsfindung auf Basis von Fakten helfen. Statistik ist besser als Nichts - aber manchmal nicht ausreichend, um Entscheidung mit dem entsprechenden Anspruch hinsichtlich Präzision und Sicherheit zu treffen.
    Das bislang national wie international vorliegende Statistik-Wissen reicht in den allermeisten Fällen zur Unterstützung von Entscheidungen aus. Dieses Wissen ist ausreichend - auch in Normen - veröffentlicht. Weitere mathematische Verfeinerungen oder aber auch Verallgemeinerungen bringen aus meiner Sicht keinen Nutzen. In der Praxis wird man den Unterschied zwischen den "klassischen" und den "neuen" Methoden kaum erkennen; er wird auch kaum relevant sein. Dies liegt zum einen daran, dass für die jeweils vorliegende Fragestellung entweder kein ausreichend validiertes mathematisches (statistisches) Verteilungsmodell vorliegt, oder die zu betrachtenden Ergebnisse (Ereignisse) nicht aus einer Grundgesamtheit stammen. Letzteres rührt oft daher, dass keine ausreichende Stückzahl unter den wirklich gleichen Bedingungen gefertigt werden.
    Fazit: Statistikwissen sollte wieder in die jungen Köpfe hinein, weitere Normen sind dazu nicht erforderlich. Der NQSZ sollte seine Rolle, Aufgaben und Position überdenken.

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