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Soft Skills - Methodische Kompetenz

Das Repertoire (Teil 3)

Abgerechnet wird zum Schluss – Feedback geben

Auszug aus
Helmut Wagner

Perfekt sprechen

Herausgeber: Anne Brunner
05/2007, € 4,99
ISBN: 978-3-446-41313-9
S. 40-46

Greifen wir die Aufzeichnung der Vorstellung aus dem zweiten Kapitel noch einmal auf:

Nachdem die Vorstellung live erlebt, im Playback noch mal erlebt und im Zeitraffer als Slapstick genossen wurde, ist es Zeit, die Eindrücke als Feedback wiederzugeben. Der Sprecherin mitzuteilen, wie sie auf mich gewirkt hat. Auch in diesen Rückmeldungen ist ein Stück Selbstoffenbarung (gerne gebe ich dir Bescheid), die mit einem Anteil Beziehungsfragen (du hast mir gut gefallen) und einer großen Portion Inhaltsanalyse verbunden ist (den Teil mit der Berufswahl habe ich nicht ganz verstanden). Diese Komponenten kann man zu trennen versuchen. Aber wichtig ist, dass die Sprecherin etwas aus den Rückmeldungen lernen kann.

Daher sind konkrete Hinweise den allgemeinen, diffusen und pauschalen unbedingt vorzuziehen. Nicht: Ich habe dich gut verstanden und dir mit Interesse zugehört. Sondern: Die kurzen, klaren Aussagen, die du gemacht hast, konnte ich sofort verstehen. Dass du sie lebendig betonst und mich dabei anschaust, fand ich interessant. Nicht: Irgendwie fand ich deine Äußerungen ermüdend. Sondern: Deine monotone Sprechweise hat es mir bald schwer gemacht, aufmerksam zu bleiben. Dabei hast du mehrmals mit den Schultern gezuckt und den Kopf geschüttelt. Das sah für mich aus, als wäre dir selbst nicht so wichtig, was du sagst.

Formulieren beziehungsweise verlangen Sie das Feedback so konkret wie möglich.

Wir neigen dazu, Aussagen über andere als sogenannte Du-Botschaften zu formulieren. Du bist großzügig. Du bist blöd. Du bist immer so nachtragend. Du bist ganz schön mutig. Du bist arrogant, unsicher, unpünktlich... gewissenhaft, einfallsreich, verständnisvoll.

Das geht schnell, ohne Umstände, eignet sich gut für Konflikte, in denen man ohne Umstände schnelle Punkte sammeln oder den anderen empfindlich treffen möchte. Aber bei genauerer Betrachtung erkennen wir, dass wir überhaupt nicht sicher wissen können, ob unser Gegenüber wirklich mutig oder arrogant, blöd oder einfallsreich, gewissenhaft oder knausrig ist. Wir wissen nur, welchen Eindruck es auf uns macht. Und wir können uns bemühen, die Besonderheiten des Verhaltens zu benennen, die diesen Eindruck in uns hervorrufen. Wenn uns das gelingt, ist es nicht wenig wert. Denn unser Gegenüber braucht von uns nicht zu erfahren, wie es wirklich ist (das weiß es meistens sowieso besser), sondern für das Gegenüber ist wichtig, wie es bei uns ankommt, auf uns wirkt.

„Wie du wirklich bist, weiß ich nicht. Ich weiß aber, wie du auf mich wirkst.“

Es nützt ihm nichts, wenn es seine Großzügigkeit kennt, aber für knausrig gehalten wird. Wenn es freundliche Empfindungen hegt, aber als arrogant wahrgenommen wird. Wenn es schlau ist, aber für blöd gehalten wird. Das Umgekehrte wäre zwar besser, aber auch verkehrt.

Wie wir auf andere wirken, das entscheiden nicht unsere wahren Eigenschaften. Das entscheiden die anderen. Anders gesagt: Der Empfänger hat immer recht. Solange er seine Eindrücke ehrlich wiedergibt. Daraus gewinnen wir eine wichtige Feedback-Regel:

Sagen Sie Ihrem Gegenüber nicht, wie es ist. Sagen Sie ihm, wie es wirkt.

Wenn ich der Feedback-Empfängerin sage, wie sie ist, begebe ich mich auf unsicheren Grund und provoziere Widerspruch. Vor allem negative Äußerungen wird sie als Eingriff in ihre Intimsphäre, als Angriff auf ihre Person empfinden und mit der Botschaft nicht einverstanden sein. Dann ist der nächste Streit nicht mehr weit. (Du sagst, ich bin muffig, aber tatsächlich bin ich lustig. Du bist ein Trottel, wenn du das nicht erkennst.) Wenn ich meine Eindrücke schildere, kann die Feedback-Empfängerin das eher akzeptieren (Du findest mich muffig, das ärgert mich, wo ich doch eigentlich lustig bin. Was ist denn da schiefgegangen, wie kann ich das ändern?) und die Chance auf einen konstruktiven Dialog ist erheblich größer.

Noch aufschlussreicher wird das Feedback natürlich, wenn mehrere Beobachter im Spiel sind. Wenn das allgemeine Urteil einhellig in eine bestimmte Richtung geht (muffig, lustig, lebendig), sind die Signale, Zeichen, Botschaften vermutlich ziemlich deutlich und eindeutig. Es kommt aber oft genug vor, dass die Wirkung auf verschiedene Beobachter ganz unterschiedlich ausfällt. Die einen finden Stefan Raab witzig und frech, die anderen unverschämt und ordinär, wieder andere vielleicht platt und laut. Eine gute Methode, das Meinungsbild verschiedener Beobachter schnell zusammenzutragen, besteht darin, dass alle auf einem Zettelchen mit einem einzigen Wort ihren vorherrschenden Eindruck festhalten. Nachdem reihum abgefragt wurde, kann man herauszufinden versuchen, welche konkreten Ver haltensweisen den Eindruck hinterlassen haben. Wenn die Aussagen stark streuen, sind die Signale meist uneindeutig oder widersprüchlich. Auch das ist eine wichtige Information für die Empfängerin, dass sie von den Beobachtern auf sehr unterschiedliche Weise wahrgenommen wurde.

Die Zettelchen eignen sich auch sehr gut, um Wünsche zu äußern. Ein Hauptwunsch genügt: Lebendigkeit. Klarheit. Entschlossenheit. Ruhe. Bewegung. Engagement. Die Wünsche der verschiedenen Zuhörer geben die Richtung vor, in die man sich nach Möglichkeit bewegen sollte.

Noch destruktiver als die reinen Du-Aussagen sind die deutenden Du-Aussagen. Hier erreicht das Eindringen in die vermutete Psyche des anderen seinen Tiefpunkt. Du verschränkst deine Arme, weil du dich gegen mich abschotten willst. Du hast eben zur Decke geblickt, weil du den Kontakt vermeidest. Du lächelst, weil du deine Unsicherheit zu kaschieren versuchst. Du reibst deine Nase, weil dir sexuelle Nebengedanken durch den Kopf gegangen sind. Du sprichst leise, weil du gehemmt und verklemmt bist.

Solche Übergriffe belasten die Atmosphäre und provozieren Widersprüche und Rechtfertigungen. Damit kommen wir nicht voran. Dürfen solche Eindrücke nicht angesprochen werden? Doch, aber nicht als enthüllende Behauptungen, sondern als Eindrücke und ohne abwertende Vokabeln: Du hast zur Decke geblickt und ich kam mir etwas vernachlässigt vor. Du sprichst so leise, das wirkt auf mich sehr gehemmt. Und die Nasenberührung? Eine Selbstoffenbarung dessen, der sie anspricht? Manche Gedanken sollte man vielleicht besser für sich behalten.

Vermeiden Sie Du-Botschaften, diese können leicht verletzend wirken.

Hilfreich für die Sprecherin ist auch die Rückmeldung über besonders gelungene Momente. Diese Stelle hat mir besonders gut gefallen, weil du ganz konzentriert gewirkt hast. Oder weil der wesentliche Punkt durch Betonung und Gestik hervorgehoben wurde. Hier hast du meine Aufmerksamkeit durch einen Haltungswechsel im richtigen Moment erregt, dort schien mir, dass du deiner Sache sehr sicher warst und diese Sicherheit auch durch Kopfnicken und intensiven Blickkontakt bei mir ankam.

Auf diese Weise werden ganz gezielt die Verhaltenselemente herausgehoben und verstärkt, die positiv auf die Empfänger wirken. Wie gesagt, die Kunst besteht darin, das Beste aus dem Vorrat der Möglichkeiten herauszuholen. Und so wird sie eingesetzt.

Die anerkannten Momente gesteigerten Gelingens ermutigen die Sprecherin. Sie erlebt, dass sie über die notwendigen Fähigkeiten verfügt. Sie kann sich an die Selbstwahrnehmung in diesem Moment erinnern und versuchen, öfter in diesen Zustand zu gelangen. „Mach’s noch mal“ ist ein guter Vorsatz, wenn er sich auf die gelungenen Produktionen bezieht.

Es gibt ein stabiles Kriterium für den Erfolg eines Auftritts. Selbst wenn die Zuhörer meine Wirkung, den Eindruck, den sie von mir gewonnen haben, übereinstimmend als arrogant, blöd, unsicher benennen. Nämlich dann, wenn ich arrogant oder blöd oder unsicher wirken wollte. Der bewusste Einsatz der Mittel, der den angestrebten Zweck erfüllt, kann nur als gelungen bezeichnet werden. Aber das führt dann schon in die Schauspielkunst hinüber und dieses Spielfeld wollen wir nicht betreten.

Die Härten der Selbstkonfrontation

Wer seine Stimme zum ersten Mal als Tonaufzeichnung hört, ist zunächst unangenehm berührt, womöglich sogar erschrocken. Da können die anderen sagen: Eine schöne Stimme hast du. Sie kennen es nicht anders. Aber die eigene Stimme von außen hört sich befremdlich anders an, als man sie aus dem eigenen Kopf gewöhnt ist. Die Differenz von außen und innen mag akustisch bedingt sein, psychologisch muss sie erst einmal verarbeitet werden. Dass ich anders klinge, als ich bisher dachte, wird anfangs negativ, als Beschädigung des Selbstbilds erlebt.

Ein vergleichbarer Effekt stellt sich bei der ersten Konfrontation mit dem eigenen Abbild auf dem Bildschirm ein. Die Person dort sieht zwar so ähnlich aus wie ich, aber sie spricht anders, bewegt sich anders, macht komische Sachen. Für manche ist die Selbstkonfrontation anfänglich so unerträglich, dass sie überhaupt nicht hinschauen.

Hilfreich ist dabei die Fokussierung der Aufmerksamkeit auf konkrete Einzelheiten: Sie erinnern sich an die Anspannung, die Sie eben beim Sprechen noch spürten? Woran können Sie die Anspannung, von außen betrachtet, erkennen? Wo erkennen Sie Besonderheiten des Sprechens, wie steht es mit Lautstärke, Deutlichkeit, Betonung? Hätten Sie gedacht, dass Sie so schnell/langsam, lebhaft/gedämpft, laut/leise sprechen? Welche körpersprachlichen Mittel setzen Sie bevorzugt ein: Mimik, Gestik, Kopfbewegungen? Wie steht es mit dem Blickkontakt? Die Konzentration auf wichtige Einzelheiten neutralisiert die emotionale Betroffenheit gegenüber dem Ganzen.

Entspannend wirkt der Umstand, dass das Feedback-Urteil der anderen normalerweise freundlicher und toleranter ist als das eigene. Wenn die anderen mit mir und meinen Absonderlichkeiten zufrieden sind, dann kann ich mich auch leichter damit arrangieren.

Allen, die das Fremdeln vor dem Video-Ich noch vor sich haben, sei gesagt: Man gewöhnt sich erstaunlich schnell an sich selbst. Der Überraschungseffekt ist rasch verbraucht. So sieht das also aus, wenn ich spreche, wenn ich mich verhasple, wenn ich gut vorankomme, in Stress gerate und wieder herausfinde. Das kenne ich jetzt. Darum brauche ich mich nicht mehr groß zu kümmern. Die Kamera als Stressfaktor verliert ihre Bedeutung und damit wird wieder Kapazität frei für die inhaltlichen Aspekte des Sprechens.

Auszug aus
Helmut Wagner

Perfekt sprechen

Herausgeber: Anne Brunner
05/2007, € 4,99
ISBN: 978-3-446-41313-9
S. 40-46
DIN EN ISO 9001:2015

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