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Soft Skills - Methodische Kompetenz

Das Repertoire (Teil 2)

Körpersprache

Auszug aus
Helmut Wagner

Perfekt sprechen

Herausgeber: Anne Brunner
05/2007, € 4,99
ISBN: 978-3-446-41313-9
S. 30-39

Wohin mit den Händen? Die Frage wird häufig gestellt. Sie könnte auch lauten: Wohin mit dem Körper? Was tun mit dem Kopf? Dass von den Händen die Rede ist, liegt an ihrer auffälligen Beweglichkeit. Positiv gesprochen an der Fülle ihrer ausdrucksstarken Gesten. Nicht umsonst wird die Ersatzsprache der Taubstummen mit den Händen dargestellt. Aber auch die anderen Körperteile sind beweglich. Der Kopf kann wackeln, sich neigen und drehen. Der Rumpf sich aufrichten, zurücklehnen oder vorbeugen. Die Beine verteilen das Gewicht, teilen sich die Arbeit als Stand- und Spielbein, stehen verwurzelt wie ein Baum oder tänzeln wie ein Boxer, treten steif oder tigern elastisch auf und ab.

Die Aufzählung könnte endlos fortgesponnen werden. Die Antwort fällt dementsprechend lang aus. Versuchen wir es trotzdem:

Mit dem Sprechen entsteht ein gewisser Bewegungsdrang, der sich gewohnheitsmäßig über den Körper verteilt. Auffällig sind die Gestikulierer und Armschwenker, die ihre Schultern heben oder senken, den Kopf als Taktgeber nutzen, mit Körpereinsatz oder Beinarbeit agieren. Der Versuch, die Bewegungen zu blockieren, geht meistens schief, weil der Bewegungsdrang dadurch nicht verschwindet. Stattdessen fließt er in andere Kanäle und kommt an unerwarteten und unerwünschten Stellen wieder zum Vorschein. Wer die Gestik reduzieren möchte, indem er die Hände hinter dem Rücken festhält, könnte stattdessen unversehens mit den Knien wippen oder pickende Kopfbewegungen ausführen. Wer seine Mimik vereist, wackelt vielleicht stattdessen mit den Hüften oder verzieht die Schultern. Dann ist es schon besser, wenn die gewohnten und daher flüssigen, gut eingepassten Bewegungen zugelassen werden. Die Zuhörer stören sich daran – wenn überhaupt – viel weniger.

Lassen Sie den gewohnten Bewegungen ihren Lauf. Das Unterdrückte befreit sich gern an unpassender Stelle.

Der Wechsel von Spannung und Entspannung ist nicht zufällig. Der Bezug zur Mitteilung ist eng. Zeitlich eng: Der Moment der verbalen und der Moment der körpersprachlichen Aussage fallen normalerweise zusammen. Das Timing passt. Und auch die Intensität stimmt. Kleine Mitteilungen werden von kleinen Bewegungsakzenten unterstützt, große Mitteilungen von großen Gesten oder Veränderungen der Körperposition. So entsteht ein natürlicher Rhythmus, in dem das Gesagte im richtigen Moment von passenden Gesten akzentuiert, verdeutlicht, unterstützt wird. Besonders auffällig ist das Auflaufen der Bewegungsintensität, wenn die sprachliche Mitteilung ins Stocken gerät. Etwa das Rudern der Hände, um die baldige Fortsetzung der Rede zu signalisieren und anzuregen.

Die individuellen Unterschiede sind sehr ausgeprägt. Manche Menschen bewegen sich beim Sprechen kaum. Aber auch bei den Bewegungsknausern liegen die (wenigen kleinen) Bewegungen dort, wo die Mitteilungen groß und stark sind – bei den kleinen Mitteilungen schrumpfen ihre Begleitbewegungen auf kaum wahrnehmbare Andeutungen. Aber ob der Bewegungsdrang auf hohem oder auf niedrigem Level liegt, die Synchronisation von Wort und Bewegung läuft ziemlich perfekt und ohne dass wir uns darum kümmern müssten. Das zugrunde liegende Programm ist kompliziert, aber es funktioniert vollautomatisch wie viele komplizierte Programme. Solange wir nicht störend eingreifen.

Vertrauen Sie der automatischen Koppelung von Wort und Bewegung. Jeder Eingriff stört die Feinabstimmung.

Wenden wir uns den persönlichen Eigenheiten zu: besondere Gesten, besondere Betonungen, besondere Bewegungsmuster. Manche Teilnehmer kommen kaum damit zurecht; sie wären lieber unauffällig. Zum Trost sei gesagt: Gerade das Auffällige macht uns unverwechselbar, gibt uns die persönliche Note. Und das meiste, was auffällt, stört die Beobachter nicht. Zwischen zu leise und zu laut, zwischen zu langsam und zu schnell, zwischen zu statisch und zu bewegt, zwischen zu monoton und zu exaltiert erstreckt sich ein weiter Bereich der Normalität, ein breites Band der Toleranz.

Die meisten Verhaltensweisen liegen in der breiten Zone des Normalen.

Selbst das fast extreme Verhalten wirkt nach einer gewissen Gewöhnungszeit schon wieder normal. Das Gute daran ist, dass man einen Kontrast erzeugt, sobald man sich aus den extremeren Bereichen zurückzieht. Vom dauernden lauten Sprechen ins leise ausweichen, das ist ein Kontrast. Vom Schnellen ins Langsame zurückgehen, ein Kontrast. Die starken Bewegungen reduzieren, ein Kontrast. Einen Kontrast zu setzen verlangt nicht, die Sendeleistung zu erhöhen. Es ist ein verbreiteter Irrtum, dass nur die starken Effekte ankommen. Wo alles dröhnt, fällt das Ruhige auf, wo alles bunt ist, das einfarbig Schwarze, wo alles aufsteigt, das Sinkende. Die Änderung zählt. Warum das wichtig ist? Weil die Aufmerksamkeit der Zuhörer durch Kontraste erregt wird. Was gleich bleibt, ob laut oder leise, schnell oder langsam, bewegt oder statisch, gibt der Aufmerksamkeit keine Nahrung. Aber jede Veränderung wird mit verstärkter Aufmerksamkeit registriert. Und von der Aufmerksamkeit der Zuhörer lebt der Erfolg der Sendung. Schon kleine Abweichungen vom gewohnten Erscheinungsbild bringen wertvolle Aufmerksamkeitspunkte ein.

Aufmerksamkeit ist die Basis des Erfolgs. Aufmerksamkeit entsteht dort, wo Veränderungen auftreten. Bieten Sie Veränderungen an.

Die Körpersprache (auch nonverbale Kommunikation genannt) ist der entwicklungsgeschichtlich älteste Teil der Verständigung. Mit ihm tauschen die Tiere ihre Botschaften aus. Untereinander und mit unsereinem. Frauchen sagt: Mein Hund versteht mich. Das heißt, der Hund ist geübt darin, die Körpersignale seines Frauchens zu entschlüsseln. Ihre schwungvolle Wendung zur Tür versteht er als Anzeichen zum Gassigehen, den Griff zum Büchsenöffner als Anzeichen der bevorstehenden Fütterung.

Auf den körpersprachlichen Kanälen wird simultan und in Überlagerung mitgeteilt:

  • die Befindlichkeit des Senders (Selbstoffenbarung), zum Beispiel das strahlende Lächeln, das die gute Stimmung ausdrückt,
  • die Handlungsabsichten, das heißt der Beziehungsaspekt, der auf den Empfänger gerichtet ist, zum Beispiel das strahlende Lächeln, das der freundlichen Anrede unmittelbar vorausgeht,
  • ein Teil des Inhalts, zum Beispiel das strahlende Lächeln, das eine gute Nachricht begleitet.

Eine dreifache Botschaft mit unterschiedlichen Akzenten.

Dasselbe gilt für die Gesten, die das Gesagte unterstreichen, verdeutlichen und verstärken. Versuchen Sie einmal, jemandem den Weg nach da vorne, dann rechts um die Ecke, ein Stück geradeaus und dann links eine Treppe hinunter ganz ohne Handbewegungen zu erklären. Die Hände deuten wie von selbst nach vorne, biegen nach rechts ab, zeigen geradeaus, schwenken dann links nach unten. Selbst dann, wenn die Beschreibung per Telefon geliefert wird, der Hörer die hilfreichen Winke garantiert nicht sehen kann, ist die Körpersprache aktiv.

Die drei Aspekte von Selbstoffenbarung, Handlungsabsicht und Inhaltsverstärkung stecken in Gesten, Haltungen, Kopfbewegungen, Blicken, mimischen Signalen. Da ist es nicht einfach, diese Komponenten auseinanderzuhalten.

Ein kurzes ärgerliches Verziehen der Mundwinkel kann bedeuten, dass der Sprecher gerade mit sich selbst nicht zufrieden ist, oder auch, dass er sich über die Unaufmerksamkeit seines Zuhörers erregt, oder auch, dass der Inhalt des Gesagten ihm gegen den Strich geht.

Weil das so ist, sind die Ratgeberbücher irreführend, die bestimmte Gesten konstant mit bestimmten Bedeutungen übersetzen: die verschränkten Arme als Barriere der Ablehnung, die überkreuzten Beine als defensive Schranke, die Kopfwendung als Desinteresse, die hochgezogene Stirn als Überraschung und so weiter. Das kann alles schon mal zutreffen. Aber es kann auch andere Bedeutungsakzente vermitteln. Die genaue Zuordnung ist kaum möglich. Das heißt aber nicht, dass überhaupt keine Deutung möglich wäre.

Das strahlende Lächeln steht für positive entspannte Stimmung. Die hochgezogene Stirn für momentan angestiegene Anspannung. Eine Vielzahl kleiner schneller Bewegungen für innere Unruhe und Nervosität, hoher Muskeltonus signalisiert chronische Anspannung, gebeugte, schlaffe Haltung korrespondiert mit Niedergeschlagenheit. Die körpersprachlichen Signale bezeichnen die Richtung der Mitteilung (positiv – negativ, gespannt – entspannt), nicht ihre punktuelle Information.

Eine Sonderstellung nimmt das Blickverhalten ein. Information wird von dort bezogen, wohin der Blick gerichtet ist. Wer mich anschaut, für den bin ich momentan von Interesse, der erfährt momentan etwas über mich. Der Blickkontakt der Sprecherin signalisiert den Zuhörern, dass sie wahrgenommen werden und als Adressaten gemeint sind. Der Blickkontakt ist eines der wichtigsten Mittel, um die Aufmerksamkeit der Zuhörer zu gewinnen und zu erhalten. Außerdem bemerkt die Sprecherin dann sofort, wenn die Zuhörer nichts verstehen oder sich langweilen, und kann umgehend darauf reagieren. Aber auch die Abwendungen des Blicks sind nicht zufällig verteilt. Sie treten vorzugsweise dann auf, wenn gerade intensiv nachgedacht oder nach der Fortsetzung der Formulierung gesucht wird. Aussagekräftig sind auch Selbstberührungen; die Hand an der Nase reibend, den Kopf kratzend, die Haare streichend, am Ohr zupfend, über Wange und Kinn streichend. Solche Episoden treten bevorzugt dann auf, wenn Verlegenheit, Ungewissheit, Selbstzweifel sich ausbreiten. Zwar kann von außen nicht festgestellt werden, was genau der Anlass ist. Aber auf den Beobachter wirken die Selbstberührungen doch als Zeichen momentaner Unsicherheit oder Schwäche. Wer einen dominanten, selbstsicheren Eindruck hinterlassen möchte, sollte Selbstberührungen aus seinem Repertoire herausnehmen. Aber selbstverständlich können Selbstberührungen auch gezielt eingesetzt werden. Zum Beispiel, wenn ich meinen Zuhörern signalisieren möchte, dass ich gerade voller Zweifel bin und keine glatte Fortsetzung kenne. Und es gibt oft genug Gelegenheiten, genau diese Botschaft, die zum gemeinsamen Nachdenken und zur offenen Diskussion einlädt, auszusenden.

Achten Sie auf Ihre Körpersprache:

  • Versuchen Sie, sicher und gerade zu stehen.
  • Suchen Sie Blickkontakt zu Ihren Zuhörern.
  • Setzen Sie Ihrer natürlichen Gestik keine Grenzen.
  • Vermeiden Sie aber, sich selbst zu berühren.

Wenn visuelle Aufzeichnungen als Anschauungsmaterial greifbar sind, sollte man sich unbedingt einmal seinen Auftritt im schnellen Vorlauf und ohne Ton betrachten. Die persönlichen Eigenarten, die typischen Bewegungsmuster werden oft erst im Zeitraffer richtig deutlich. Außerdem ist es lustig und entspannt die gesamte Arbeitsatmosphäre. Hinweis: Wer im Zeitraffer nicht ein bisschen hektisch oder clownesk aussieht, muss sich fragen, ob er in Echtzeit womöglich zu langsam und bewegungsarm agiert.

Auszug aus
Helmut Wagner

Perfekt sprechen

Herausgeber: Anne Brunner
05/2007, € 4,99
ISBN: 978-3-446-41313-9
S. 30-39
DIN EN ISO 9001:2015

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Serie zum Thema Prozesse, veröffentlicht von QM-Experten deutscher Unternehmen gemeinsam mit der N5 GmbH und der Fachzeitschrift QZ

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