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Recht / Normen - REACh-Verordnung

Wie hängen REACh und Managementsysteme zusammen?

QMS-Normkapitel beschreiben Aufgaben der Chemikalienrichtlinie

Die europäische Chemikalien-Richtlinie REACh hängt eng mit den Norm-Kapiteln von Qualitätsmanagementsystemen und Umweltmanagementsystemen (QMS/UMS) zusammen. Unternehmen, die die Anforderungen der QMS/UMS-Norm-Kapitel einhalten, laufen keine Gefahr, gegen die Richtlinie zu verstoßen.

Sanktionen bei Verstoß gegen Chemikalien-Richtlinie

Die deutsche Industrie und der Handel informieren seit 2008 gewerbliche und private Kunden über besonders besorgniserregende chemische Stoffe in ihren Produkten und Erzeugnissen, auch gerade in festen. Diese Pflicht besteht in der EU seit Oktober 2008 nach der EU-Chemikalien-Verordnung „REACh“ und deren "Kandidatenliste". Letztere wird halbjährlich erweitert. Seit Mai 2013 gibt es jedoch die deutsche Chemikaliensanktionsverordnung, die nun nach nationalem Recht schärfer definiert, welche Kosten sich verantwortungsbewusste Unternehmen sparen können, wenn sie nicht gegen das EU-Recht verstoßen. Bei einem Verstoß drohen dagegen Geldbußen von bis zu 50.000 Euro. Die Richlinie einzuhalten, fällt vor allem Unternehmen leichter, die nach Qualitäts- bzw. Umweltmanagementsystem-Norm zertifiziert sind. Denn die Managementsysteme helfen den Verantwortlichen, klare Aufgaben, Kompetenzen und Verantwortlichkeiten in ihrem Betrieb zu definieren (siehe Tabelle unten).

Das Umweltbundesamt (UBA) hat ein eigenes Logo für REACh entworfen. Quelle: UBA

Durch diese Aufgabenverteilung können die rechtlichen Produktanforderungen gewährleistet werden. Zudem verteilt sich das Produkthaftungsrisiko auf mehrere Schultern und wird gesenkt. Im Umkehrschluss drohen zertifizierten Unternehmen bei Verstoß gegen die Richtlinie nicht nur das Bußgeld, sondern auch der Verlust ihrer Managementsystem-Zertifikate. Unternehmen sollten demnach die REACh-Verordnung kennen und ermitteln, ob sie von der Richtlinie betroffen sind. Falls ja, sollten sie überprüfen, ob sie ihre Qualitäts- bzw. Umweltmanagementsysteme (QMS/UMS) sachgemäß implementiert haben und ausführen. Denn fachgerecht ausgeführte Managementsysteme beinhalten auch ein REACh-konformes Handeln.

REACh im Überblick

Der Begriff REACh steht für Registration, Evaluation, Authorisation and Restriction of Chemicals, also für die Registrierung, Bewertung, Zulassung und Beschränkung von Chemikalien. Das REACh-System basiert auf dem Grundsatz der Eigenverantwortung der Industrie. Getreu dem Prinzip „no data – no market“ (keine Daten – kein Markt) müssen seit 2007 chemische Stoffe, die in den Geltungsbereich von REACh fallen und in der EU bzw. der europäischen Freihandelszone Efta auf den Markt gebracht oder gehandelt werden, registriert sein. Die Verordnung soll laut Bundesumweltamt (UBA) „ein hohes Schutzniveau für die menschliche Gesundheit und die Umwelt sicherstellen.“

Daher fordert REACh eine Zulassungspflicht für besonders besorgniserregende Stoffe – sogenannte SVHC (Substances of very high concern). Diese Stoffe werden nach bestimmten Kriterien in eine Kandidatenliste aufgenommen, siehe http://www.reach-clp-biozid-helpdesk.de/de/Themen/Kandidatenliste/Kandidatenliste.html . Die technischen, wissenschaftlichen und administrativen Aspekte bei der Registrierung, Bewertung und Zulassung der Chemikalien regelt die Europäische Chemikalienagentur (ECHA). Ihr Sitz ist in Helsinki, Finnland. Sinn und Zweck der befristeten Registrierung ist, die SVHC langfristig durch weniger besorgniserregende zu ersetzen.

Wichtige Punkte bei REACh

Ein zentraler Punkt des REACh-Systems ist die Informationsweitergabe in der Lieferkette von Produkten bei jedem Besitzerwechsel, gleich ob gegen Entgelt oder unentgeltlich. Entscheidend ist dabei, dass Unternehmen bereits vor dem erstmaligen Inverkehrbringen Informationen gerade zu Gefahrstoffen in festen Werkstoffen in Form von Materialdatenblättern von ihren Lieferanten einfordern sollten. Nur das Wissen über die eigenen Produkte befähigt zu fristgemäßen Auskünften. Mittlerweile gibt es auch branchenspezifische bzw. branchenübergreifende Materialdatensysteme, die aus der Lieferkette die entsprechenden Informationen erfassen. Dies erspart Unternehmen teure, zeitaufwändige Prüfungen ihrer festen Produkte im Labor.

Flüssige und gasförmige Chemikalien

Daten zu den gefährlichsten flüssigen und gasförmigen Chemikalien und Gemischen müssen wie bisher auf Sicherheitsdatenblättern dokumentiert sein, und diese Dokumente sollen die Lieferkette ebenfalls automatisch durchlaufen. Ausgehend vom Hersteller oder Importeur über Weiterverarbeiter und Zwischenhändler bis hin zum endgültigen Verkäufer müssen alle zur sicheren Verwendung der chemischen Stoffe verfügbaren Informationen weitergegeben werden. Enthält ein Erzeugnis einen besonders besorgniserregenden Stoff (SVHC) in einer Konzentration über 0,1 Gewichts-Prozent, dann muss diese Information automatisch von jedem Lieferanten an seinen Abnehmer (B2B) in der Lieferkette weitergegeben werden. Die gefährlichsten Stoffe müssen auf Sicherheitsdatenblättern dokumentiert sein, und diese Dokumente müssen die Lieferkette ebenfalls durchlaufen.

Überblick der REACh-Pflichten von EU Unternehemen. Quelle: TÜV Süd

Auskunftspflicht an Endverbraucher

Ein weiterer wichtiger Punkt ist das Auskunftsrecht der privaten Endverbraucher. Demnach sind Unternehmen laut REACh (Artikel 33/2) verpflichtet, Endverbraucher auf deren Verlangen innerhalb von 45 Tagen über besonders besorgniserregende Stoffe zu informieren. Verbraucher können sich beispielsweise beim BUND über gefährliche Chemikalien in Produkten informieren. Kommen Unternehmen in der EU dieser Forderung nicht nach, drohen Geldbußen von 50.000 Euro oder mehr bzw. in einigen Fällen Haftstrafen. Zudem verstoßen die Betriebe gegen die Gesetzesverpflichtungen ihrer EMAS-Validierung. Da ihre Produkte nicht REACh-konform sind, ist auch berechtigter Zweifel an dem die Qualitäts- bzw. Umweltmanagementsystem des Betriebes angesagt. Im Ernstfall setzen Unternehmen ihre ISO-Managementzertifizierung aufs Spiel.

Überblick der REACh-Pflichten für außerhalb der EU angesiedelte Unternehmen sobald sie in die EU liefern. Quelle: TÜV Süd

Nicht EU-Märkte

Zu beachten ist zudem, dass sich die gesetzlichen Anforderungen auf den verschiedenen Märkten weltweit unterscheiden. Ein Unternehmen in Brasilien, Russland, Indien oder China kann zwar nach der Umweltmanagementsysteme Norm ISO 14001 zertifiziert sein, sich aber dennoch nicht an REACh halten. Sobald dieses Unternehmen aber Produkte oder Werkstoffe in die EU liefert, sollte es die REACh-Verordnung zwingend einhalten, z.B. über einen alleinigen Vertreter in der EU. Ansonsten haftet der Importeur bzw. Distributor, der in der EU seinen Sitz hat.

Der Zusammenhang von REACh und QMS bzw. UMS

Neben der Einhaltung der REACh-Anforderung ist es wichtig, dass Unternehmen und Handelsorganisationen den Zusammenhang zwischen EU Chemikalienverordnung und ihren Qualitäts- (OMS) bzw. Umweltmanagementsystemen (UMS) erkennen. Wie aus der nachstehenden Tabelle ersichtlich, überlappen sich die Anforderungen der Norm-Kapitel von QMS/UMS mit den Pflichten der Chemikalienkontrolle im eigenen Unternehmen. Das bedeutet, die Anforderungen des jeweiligen Managementsystems erlauben dem Verantwortlichen auch klare Aufgaben, Kompetenzen und Verantwortlichkeiten bezüglich REACh in seinem Betrieb festzulegen. So können die rechtlichen Anforderungen an das Produkt gewährleistet werden. Und zwar schon bevor dieses auf den Markt kommt. Kurz: ein fachgerecht implementiertes und gelebtes QMS/UMS bedeutet gleichzeitig REACh-konformes unternehmerisches Handeln. Im Umkehrschluss gefährdet ein Verstoß gegen die REACh-Richtlinien auch die Management-Zertifikate.

Klare Aufgabenverteilung senkt Produkthaftungsrisiko

Bei Unternehmen, die keine entsprechenden Aufgaben, Kompetenzen und Verantwortlichkeiten festlegen und die produktbezogenen Anforderungen nicht erfüllen, haftet der Geschäftsführer bzw. das Management. Wird die REACh-Verordnung dagegen mit Hilfe der Managementsysteme in einem Unternehmen umgesetzt, sinken demnach auch die Produkthaftungsrisiken. Denn in den internen und externen Management-System-Audits wird u.a. überprüft, wer für welche Aufgaben wie vorgesehen ist und wie die Schulungsstände der Verantwortlichen sind. Kommen die Prüfer zu dem Schluss, dass niemand für REACh verantwortlich ist, so kann dies gerichtsrelevant sein. Die folgende Tabelle zeigt, an welchen Punkten sich Aufgaben, Kompetenzen und Verantwortlichkeiten von Qualitäts- (QMS) und Umweltmanagementsystemen (UMS) mit den Vorgaben von REACh überschneiden.


Zum Download der Tabelle QMS_REACh [PDF, 22 KB] Die UMS bzw. QMS enthalten zahlreiche Hinweise darauf, wie Unternehmen die Chemikalienkontrolle umsetzen können und müssen. Quelle: Carsten Dietsche


Carsten Dietsche ist als Umweltbetriebsprüfer in der Automobilindustrie tätig. Er beschäftigt sich seit in Kraft treten der Chemikalien-Verordnung REACh mit dieser. Seit 2012 prüft Carsten Dietsche Werkstoffausweise für die Freigabe von Pkw-Serienbauteilen und schult Interessierte zum Thema REACh.

Literaturhinweis

Literatur zu REACh und Managementsystemen:

Alexander A.W. Scheibeler, Florian Scheibeler Easy ISO 9001 für kleine Unternehmen Hanser Fachbuch

Peter Lachenmeir, Franz Schreiber; Arbeitssicherheit und Umweltmanagement für QM-Systeme; Handbuch für die Praxis , Hanser Fachbuch

Saner, Dominik;Walser, Tobia; Vadenbo Carl O. „End-of-life and waste management in life cycle assessment. Zurich, 6 December 2011“, in The International Journal of Life Cycle Assessment , Int J Life Cycle Assess (2012)

Die Zulassung unter REACh, 2012 Bundesanstalt für Arbeitsschutz und Arbeitsmedizin (BAuA)

DIN EN ISO 9001:2015

Zum ISO 9001:2015 Special

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Serie zum Thema Prozesse, veröffentlicht von QM-Experten deutscher Unternehmen gemeinsam mit der N5 GmbH und der Fachzeitschrift QZ

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