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Recht / Normen - EMAS

EMAS-Novelle 2017 – Die Änderungen im Überblick

Umweltmanagement

Die EMAS-Verordnung wurde so überarbeitet, dass sie zum Umweltmanagementsystem nach ISO 14001 kompatibel ist. Das sind die wichtigsten Neuerungen in den novellierten Anhängen der EMAS.

Gegenstand der EMAS-Novelle

Anhang I:
Die Vorgaben zur Umweltprüfung wurden um neue Themen der ISO 14001:2015 erweitert, darunter die Bestimmung des Kontextes und der interessierten Parteien sowie der Risiken und Chancen. Die Lebenswegbetrachtung wurde gestärkt. Nicht verändert wurde die grundsätzliche Systematik der Umweltprüfung.

Anhang II:
Die Anforderungen an das Umweltmanagementsystem wurden hinsichtlich der Spalten A und B überarbeitet. In Spalte A wurde der Normtext nach ISO 14001:2004 durch den Normtext der ISO 14001:2015 (Abschnitt 4 bis 10) ausgetauscht.
Wie bislang auch werden in Spalte B Anforderungen an ein Umweltmanagementsystem nach EMAS beschrieben, die über die Anforderungen der ISO 14001:2015 deutlich hinausgehen.

Anhang II:
In der Umweltbetriebsprüfung (Anhang III) liegt fortan ein stärkerer Akzent auf der Berichterstattung gegenüber der Organisationsleitung.
Organisationen müssen außerdem angeben, wie sie ihre gesetzten Ziele und Maßnahmen erreichen und ihre bindenden Verpflichtungen einhalten können.

Das bedeuten die Änderungen für Organisationen

Um die Anforderungen der geänderten EMAS-Verordnung zu übernehmen, sind neue Konzepte umzusetzen und gegebenenfalls bestehende Prozesse anzupassen. Neben dem Aufwand, den die Umsetzung der Änderungen bedeutet, eröffnet die Novelle auch Chancen für die Organisation.

Zum Beispiel können Organisationen die Beziehung zu ihren Anspruchsgruppen verbessern, wenn sie deren Interessen stärker berücksichtigen. Die Wirksamkeit des Managementsystems kann durch die stärkere Integration des Umweltmanagementsystems in Geschäftsprozesse erhöht werden.

In ihrer Gesamtheit bewirken die Veränderungen an der Verordnung, dass sich der Blick der Organisation und des Managementsystems weitet und gleichzeitig das Kerngeschäft der Organisation stärker in den Fokus rückt. Dies schafft neue Potenziale für die Verbesserung der Umweltleistung.

Wer daher nur den Aufwand für die formale Anpassung im Blick hat, übersieht unter Umständen die Chancen und Potenziale.

Wesentliche Änderungen EMAS: Bestimmung des organisatorischen Kontextes

Die Berücksichtigung externer und interner Kontextthemen ist Bestandteil jeder Organisationsstrategie und daher für Organisationen nicht grundsätzlich neu. Neu ist die systematische Betrachtung dieser Themen im Rahmen des Umweltmanagementsystems.

Was ist neu?

Indem Organisationen die internen und externen Themen und deren beiderseitigen Wechselwirkungen mit dem Umweltmanagement bestimmen, entwickeln sie ein Verständnis für ihr Umfeld, ihre Abhängigkeiten und Spielräume. Dies ermöglicht eine stärkere Verknüpfung von Umweltmanagement und Organisationsstrategie.

((Zwischenüberschrift)) Wie ist die Herangehensweise?
Die Analyse des Kontextes beinhaltet die Berücksichtigung der Umweltzustände sowie externer und interner Themen, die für die Organisation von Relevanz sind. Einen ersten Anhaltspunkt für interne und externe Themen bieten die in Anhang I, Nr. 1 und im Detail auch die in Anhang A.4.1 der ISO 14001:2015 aufgelisteten Themenfelder. Werden diese einzeln betrachtet und z.B. in einer Sitzung gemeinsam diskutiert, können die relevanten Themen rasch identifiziert werden. Diese Themen bilden die Grundlage u.a. für die Bestimmung von Risiken und Chancen, die Bestimmung und Bewertung von Umweltaspekten und die Festlegung von Umweltzielen.

Vorteile für die Organisation

• Die Kenntnis des eigenen Umfelds und der damit verbundenen Chancen und Herausforderungen verbessern
• Neue Impulse für Ziele und Maßnahmen des Umweltmanagementsystems erhalten
• Neue Perspektiven für die strategische Ausrichtung des Unternehmens gewinnen

Wesentliche Änderungen EMAS – Interessierte Parteien und ihre Erwartungen

Zu dem Umfeld jeder Organisation gehören unter anderem die interessierten Parteien, auch Anspruchsgruppen oder Stakeholder genannt. Interessierte Parteien treten sowohl intern (z.B. Beschäftigte oder Dienstleister vor Ort) wie auch extern (z.B. Behörden oder Kunden und Kundinnen) auf. Sie haben Erwartungen und Erfordernisse in Bezug auf die Organisation, die auch die Umweltaspekte und -auswirkungen betreffen und gegebenenfalls in Risiken oder Chancen für die Organisation und das Umweltmanagementsystem münden. Deshalb sind die interessierten Parteien mit ihren Bedürfnissen im Rahmen des Umweltmanagements zu berücksichtigen.

Was ist neu?

Der Dialog mit interessierten Parteien und die Einbindung der Beschäftigten waren auch bislang schon essentielle Bestandteile von EMAS.
Neu ist die systematische Erfassung und Berücksichtigung der interessierten Parteien und ihren Erwartungen im Rahmen des Umweltmanagementsystems.
Wenn eine Organisation darüber hinaus freiwillig eine Verpflichtung eingeht, um die Interessen und Erwartungen Dritter zu erfüllen, zählt die Vereinbarung zu den sogenannten bindenden Verpflichtungen.

Wie ist die Herangehensweise?

Von der Organisation wird erwartet, dass sie die für ihr Umweltmanagement relevanten interessierten Parteien und deren bedeutsamen Erwartungen und Erfordernisse ermittelt. Im nächsten Schritt legt die Organisation fest, welchen Erwartungen und Erfordernissen sie (freiwillig) nachkommen möchte bzw. bereits nachkommt, z.B. im Rahmen einer Vertragsbeziehung, eines Code of Conduct oder einer freiwilligen Berichterstattung.
Daraus ergeben sich dann – zusammen mit den geltenden Rechtsvorschriften – bindende Verpflichtungen, die im Umweltmanagementsystem berücksichtigt werden müssen und deren Einhaltung im Rahmen von Umweltbetriebsprüfung und Begutachtung durch die Umweltgutachter und Umweltgutachterinnen geprüft wird.

Vorteile für Organisationen

• Die Kommunikation mit interessierten Parteien verbessern
• Gegenseitiges Verständnis und Vertrauen vertiefen, Konflikte vermeiden
• Neue Gestaltungsanstöße für das Umweltmanagement generieren

Wesentliche Änderungen EMAS 2017 – Lebensweg der Produkte und Dienstleistungen

Die Lebenswegbetrachtung hat zum Ziel, dass eine EMAS-Organisation auch diejenigen relevanten Umweltauswirkungen berücksichtigt, die in vor- bzw. nachgelagerten Abschnitten des Lebensweges ihrer Produkte und Dienstleistungen entstehen.

Die Organisation übernimmt dadurch Verantwortung für die von ihr nur indirekt beeinflussbaren Umweltauswirkungen (z.B. durch den Abbau von Rohstoffen oder den Energiebedarf bei der Nutzung ihrer Produkte).

Was ist neu?

Auch bisher mussten Organisationen bei der Bewertung der indirekten Umweltaspekte „produktlebenszyklusbezogene Aspekte“ in Erwägung ziehen. Mit der Überarbeitung der Anhänge wird diese Forderung lediglich gestärkt.

Wie ist die Herangehensweise

Im Rahmen der Bestimmung der Umweltaspekte bezieht die Organisation insbesondere das Produkt- und Dienstleistungsdesign, die Beschaffung und ausgelagerte Prozesse ein.
Hierbei berücksichtigt sie u.a. auch die Umweltauswirkungen bei der Nutzung und Entsorgung ihrer Produkte sowie solche, die bei Lieferanten, Unterlieferanten und Unterauftragnehmern entstehen. Je nach Erfordernis legt die Organisation Maßnahmen fest und passt Verfahrensweisen an, um negative Umweltauswirkungen im Lebensweg zu reduzieren und positive zu stärken.

Vorteile für die Organisation

Transparenz bzgl. der Umweltauswirkungen entlang der vor- und nachgelagerten Wertschöpfungsstufen der Organisation schaffen
• Ansatzpunkte für Maßnahmen identifizieren, die Ressourcenverbrauch, Umweltauswirkungen und Kosten reduzieren
• Reputations- oder Haftungsrisiken vorbeugen, die aufgrund von negativen Umweltauswirkungen z.B. bei Rohstoffgewinnung, Herstellung von Vorprodukten oder der Nutzung und Entsorgung auftreten können

Wesentliche Änderungen EMAS 2017 – Bestimmung von Risiken und Chancen

Ein risikobasierter Ansatz ist zukunftsgerichtet und unterstützt die Organisation dabei, die Wirksamkeit des Umweltmanagementsystems zu erhöhen und dessen beabsichtigte Ergebnisse zu erreichen. Nachteilige Auswirkungen für die Organisation und die Umwelt sollen frühzeitig erkannt und über entsprechende Maßnahmen vermieden werden.
Das Umweltmanagementsystem soll jedoch nicht nur negative Auswirkungen berücksichtigen, sondern gleichermaßen positive Auswirkungen auf Organisation und Umwelt befördern.
Solche Chancen zeigen sich beispielsweise in Kosteneinsparungen durch den Einsatz neuer Technologien, in Ansätzen für ein umweltfreundliches Produktdesign oder in der verbesserten Zusammenarbeit mit interessierten Parteien. In der Summe können die Chancen zur Verbesserung der Umweltleistung oder der erleichterten Einhaltung bindender Verpflichtungen führen.

Was ist neu?

Im Rahmen des Umweltmanagementsystems sind die Risiken und Chancen, die z.B. mit dem Kontext, den Umweltaspekten und bindenden Verpflichtungen in Zusammenhang stehen, nun systematisch zu erfassen, zu dokumentieren und bei der Maßnahmenplanung zu berücksichtigen. Ein formelles Risikomanagement ist jedoch nicht gefordert.

Wie ist die Herangehensweise?

Organisationen müssen die Risiken und Chancen bestimmen, die mit ihren Umweltaspekten, bindenden Verpflichtungen, internen und externen Themen (s. „Bestimmung des organisatorischen Kontextes“) und den Erwartungen der interessierten Parteien zusammenhängen. Die identifizierten Risiken und Chancen sind bei der Zielsetzung und Maßnahmenfindung ebenso wie bei der Festlegung von Betriebsabläufen und Steuerungsmaßnahmen, insbesondere im Rahmen der Notfallvorsorge, zu berücksichtigen.

Vorteile für die Organisation

• Langfristige Trends erkennen, Handlungsspielräume identifizieren und Fehlentwicklungen vermeiden
• Die Zukunftsfähigkeit der Organisation durch ein vorausschauendes Management unterstützen
• Die Reaktionsfähigkeit und Toleranz gegenüber möglichen Umweltereignissen, sich ändernden Umweltzuständen und damit verbundnen negativen Auswirkungen

Wesentliche Änderungen EMAS 2017 – Stärkere Integration des Umweltmanagements in Führung und Geschäftsprozesse

Generell muss die oberste Leitung eine Führungsfunktion im Umweltmanagement wahrnehmen und die fortlaufende Verbesserung der Umweltleistung fördern. Dies beinhaltet die Bereitstellung personeller und finanzieller Ressourcen sowie der nötigen Infrastruktur, aber auch die gezielte Einbindung von Führungskräften aus den verschiedenen Bereichen und Ebenen der Organisation. Durch die stärkere Integration des Umweltmanagementsystems in die Geschäftsprozesse rückt die Umweltrelevanz des Kerngeschäfts der Organisation in den Fokus. Dadurch kann die Umweltleistung der Organisation weiter verbessert werden.

Was ist neu?

Die oberste Leitung wird dazu verpflichtet, ihrer Führungsfunktion verstärkt nachzukommen, sich intensiver in das Umweltmanagement einzubringen und dessen Sichtbarkeit zu erhöhen. Das Umweltmanagementsystem ist zusätzlich stärker an dem Zweck der Organisation auszurichten und muss dazu in erhöhtem Maße in die Geschäftsprozesse integriert werden.

Wie ist die Herangehensweise?

Eine stärkere Integration des Umweltmanagements in Führungsstrukturen kann z.B. durch die Verankerung von umweltrelevanten Themen in Führungszirkeln erfolgen.
Die oberste Leitung kann ihre Führungskräfte zudem gezielt in das Umweltmanagement einbinden, indem diese z.B. an der Erfassung und Bewertung der Umweltaspekte und der Planung langfristiger Ziele mitarbeiten.
Die stärkere Integration des Umweltmanagements in Geschäftsprozesse kann zum Beispiel bedeuten, dass Umweltaspekte in Produktentwicklungs- oder Beschaffungsprozessen verankert, umweltrelevante Kriterien für Abläufe festgelegt und Beschäftigte geschult werden.
Welche Geschäftsprozesse im Einzelnen wie geregelt werden müssen, ergibt sich unter anderem aus der Bewertung der Umweltaspekte, der bindenden Verpflichtungen und der Risiken und Chancen und hängt entscheidend mit dem Tätigkeitsfeld der Organisation zusammen.
Für einen Industriebetrieb können die Materialbeschaffung sowie das Produktdesign stärker in den Fokus rücken, während Organisationen aus dem Dienstleistungssektor in ihren Angebotsund Beratungsleistungen nach Gestaltungsmöglichkeiten suchen sollten.

Vorteile für Organisationen

• Mitarbeitermotivation durch Sichtbarkeit und Engagement der Führung im Umweltmanagementsystem erhöhen
• Identifikation der Führung mit der Umweltpolitik, den festgelegten Zielen und Maß- nahmen stärken
• Die eigene Position im Wettbewerb durch eine umweltorientierte Ausrichtung der Geschäftsprozesse stärken

Weitere Änderungen EMAS 2017

Neben den genannten wesentlichen Änderungen sind mehrere kleine Anpassungen in den Anhängen der EMAS-Verordnung vorgenommen worden. Diese erhöhen die Anwenderfreundlichkeit und erzeugen keinen großen Anpassungsbedarf für die EMAS-Organisationen.

Beispielsweise wurden in der Praxis bereits übliche Verfahren nun formal festgeschrieben und die Verständlichkeit durch strukturelle Änderungen zusätzlich verbessert. Diese Änderungen sind im Folgenden zusammengefasst (Übersicht ohne Anspruch auf Vollständigkeit):

1. Die Anforderungen an die Erfassung und Bewertung der Umweltaspekte wurden überarbeitet. Unter anderem sind auch positive Umweltaspekte und der Nutzen für die Umwelt zu erfassen und zu bewerten.

2. Die formalen Anforderungen an die Dokumentation wurden reduziert. Die Unterscheidung zwischen Dokumenten und Aufzeichnungen wurde aufgehoben zugunsten der „dokumentierten Information“.

3. In der Umweltbetriebsprüfung wird der Fokus auf die Berichterstattung gegenüber der Organisationsleitung gestärkt. Außerdem muss die Organisation Rechenschaft darüber ablegen, wie die gesetzten Ziele und Maßnahmen erreicht und die Verpflichtungen eingehalten werden.

Umweltbundesamt und Umweltgutachterausschuss

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Christoph Töpfer
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Serie zum Thema Prozesse, veröffentlicht von QM-Experten deutscher Unternehmen gemeinsam mit der N5 GmbH und der Fachzeitschrift QZ

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