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Recht / Normen - Branchenspezifische Anforderungen an QM-Systeme

CQI 11 und CQI 12: Qualität bei Oberflächenbeschichtungen optimal managen

CQI ist nicht nur ein Titel der AIAG sondern auch Programm und steht für „Continuous Quality Improvement“ also für die kontinuierliche Qualitätsverbesserung. Die beiden Standards CQI 11 und CQI 12 sind von Praktikern entwickelt und mit der Version 3 nochmals deutlich konkreter und praxisnäher gestaltet worden. Sie stellen Best-Practice im Hinblick auf die spezifischen Qualitätsanforderungen für die unterschiedlichen Oberflächenbeschichtungsverfahren dar.

Problemstellung:

Es gibt viele Unternehmen als Dienstleister im Bereich der Oberflächenbeschichtungen. Alle Unternehmen haben das gemeinsame Problem, dass die Kundenanforderungen immer weiter steigen und es eine Vielzahl von täglichen Probleme mit Oberflächenbeschichtungen gibt, die zu einem sehr hohen Umfang von Reklamationen führen.
Dabei gibt es natürlich am häufigsten Probleme mit dem Verkratzen und Abplatzen von Lackierungen durch Stöße und Scheuern beim Transport und beim Handling, was der Kunde sehr schnell bemerkt und entsprechend ärgerlich reagiert. Dass man dazu selber gar nichts kann und dennoch verantwortlich gemacht wird, ist leider vielfach gegeben.
Auf der anderen Seite gibt es auch viele andere hausgemachte, aus dem Prozess resultierende Reklamationen bei denen die Beschichtungsgüte (z.B. Rauheit) und die Beschichtungserscheinungsform (z.B. Farbunterschiede) nicht dem Kundenwunsch entsprechen. Auch durch Reinigungsmittel matt werdende Oberflächen im Laufe des Lebenszyklus des Produktes können bei entsprechenden Produkten (z.B. Armaturen) eine Reklamation verursachen.
Heute wird dann nicht mehr akzeptiert, dass man auf die Besonderheit der eigenen Prozesse hinweist und dass solche geringfügigen Abweichungen halt eben hingenommen werden müssen vom Kunden.
Weiterhin kommen auch von immer mehr Kunden die Anforderungen an Zertifizierungen, die ISO 9001:2015 aber auch neuerdings die Konformität der CQI 11 oder auch der CQI 12.

Zielsetzung des Beitrags

Zielsetzung des Beitrags ist es, bei Unternehmen ein Bewusstsein für die Vorteile der Nutzung der neuen AIAG-Standards CQI 11 bzw. CQI 12 zu schaffen, um diese dann zukünftig offensiv zur eigenen Qualitätsverbesserung und kontinuierlichen Qualitätsreflektion zu nutzen.
Auch wird mit beiden Branchenstandards für langjährig erfolgreich ISO 9001:2015-zertifizierte Unternehmen eine Perspektive zur weiteren Verbesserung geboten. CQI ist nicht nur ein Titel der AIAG sondern auch Programm und steht für „Continuous Quality Improvement“ also für die kontinuierliche Qualitätsverbesserung.
Daneben soll der Artikel die Skepsis vor diesen beiden Standards nehmen, die ja wirklich passgenau auf die Oberflächentechnik ausgerichtet sind und versuchen optimal die entsprechende Sprache zu treffen (auch durch eine entsprechend passende Übersetzung in die deutsche Sprache).
Beide Standards sind von Praktikern entwickelt worden und mit der Version 3 nochmals deutlich konkreter und damit praxisnäher und nutzbarer gestaltet worden und stellen Best-Practice im Hinblick auf die spezifischen Qualitätsanforderungen für die unterschiedlichen Oberflächenbeschichtungsverfahren dar.

CQI 11 und CQI 12 als Standards

Die CQI 11 Plating = Plattierung (Verzinken, mechanische Beschichtungstechnik, galvanisches Beschichten, Elektropolitur und Chrome-Flash-Beschichtung, Hartchrombeschichtung, stromlose Nickelbeschichtung, Wasserstoffversprödung Entspannungsausheizprozess) sowie die CQI 12 Coating mit sonstigen Beschichtungsverfahren (insbesondere Umwandlungsbeschichtung, Pulverbeschichtung und Sprühbeschichtung / Lackierung mit der vorherigen Reinigung und mechanischen Vorbehandlung) bieten hier eine detaillierte technologiespezifische Methodik für die Durchführung von technisch tiefgehenden Self-Assessments bzw. auch Lieferantenaudis. Darüber kann bei den Unternehmen der Oberflächentechnik ein klares Verständnis geschaffen werden für die notwendigen präventiven Maßnahmen zur Verbesserung der eigenen technischen Prozesse, weit über das meist „oberflächliche“ ISO 9001:2015-Audit hinaus.

Durch die weltweite Einmaligkeit im Hinblick auf die Definition von Anforderungen an die Technologien für spezielle Prozesse, also Prozesse, die umfassend nur zerstörend geprüft werden können, haben sich die CQI-Standards im letzten Jahrzehnt weltweit verbreitet. Dazu gehört insbesondere auch die Oberflächentechnik, die hier dargestellt wird. Die CQI-Standards werden gesetzt und laufend verfeinert und erweitert von der AIAG, der amerikanischen Automotive Industry Action Group, sind inzwischen weltweit in der Automobilindustrie gesetzt und auch in der aktuellen IATF16949 als mögliche, mitgeltende kundenspezifischen Anforderungen angezogen.

Die neue CQI 11, erschienen als 3. Auflage im September 2019 in englischer Sprache und die neue CQI 12, erschienen als 3. Auflage im Juli 2020, haben hier einen weiteren wesentlichen positiven Schritt vollzogen durch die deutliche Detaillierung und Konkretisierung der Anforderungen und auch die klare Vorgabe zur Umsetzung eines konkreten Job-Audits, was für die Anwendung einen großen Schritt darstellt.

Die CQI 11 und die CQI 12 sind vorgesehen für das Self-Assessment, also die Selbstbewertung von Unternehmen der Oberflächentechnik. Aber praktisch werden diese Standards und die darin erhobenen Forderungen verpflichtend, weil diese inzwischen in vielen Lieferantenbedingungen der Automobilindustrie gefordert werden. Damit sind diese einzuhalten und ein Verstoß dagegen führt als Pflichtverletzung bei Qualitätsproblemen zu einer groben Fahrlässigkeit mit entsprechend erweiterten Schadensersatzpflichten.

Aufbau der CQI 11 und 12

Die beiden CQI-Standards sind jeweils aufgebaut aus einer Konkretisierung der Anforderungen der ISO 9001:2015 im Hinblick auf das Managementsystem im Kapitel 1 der Hauptfragen, gefolgt von spezifischeren Fragen zum Materialhandling sowie dann jetzt neu den ganz wichtigen Fragen zur Pyrometrie, der (Hoch-) Temperaturmessung, welche vielfach eine zentrale Rolle spielt für die Güte des Prozessergebnisses. Dann kommt eine Checkliste für das Job-Audit, wo ein Prozess- und Produktaudit vorgenommen werden muss bevor dann die spezifischen Prozesstabellen die wirkliche technologische Konkretisierung vornehmen und einen wesentlichen Nutzen für die Unternehmen darstellt als Eigen- bzw. Fremdbewertungsinstrument für die konkreten Prozesse.

© TopQM-Systems

In der neuen Version sind zuerst einmal die allgemeinen Managementfragen nochmals deutlich operationalisiert ausgefallen wie es das Bild 2 zeigt.

© TopQM-Systems & AIAG CQI-11

Ganz neu dazugekommen sind die Fragen zum Bereich der Temperaturmessung, welche einen zentralen Schlüssel darstellen, weil bei bestimmten Temperaturpunkten bzw. –kurven der Prozess validiert wurde und damit die Einhaltung über eine entsprechende Überwachung von Prozessparametern von zentraler Bedeutung ist, dass ein entsprechendes positives Prozessergebnis entsteht.

© Quelle AIAG CQI-12

Die entsprechenden Hauptfragebereiche werden dann weiter konkretisiert in Detailfragen.

© AIAG CQI12

Wie in dieser neu formulierten Anforderung der Frage 1.4 zu erkennen ist, rücken die beschichtungsrelevanten Prozessparameter (auch Key-Parameter genannt) noch deutlicher in den Fokus der neuen CQI 11 und CQI 12. Diese Prozessparameter müssen zunächst in einer Prozess FMEA ermittelt werden und resultierend daraus in den Produktionslenkungsplänen definiert und entsprechend überwacht werden. Nur über die Überwachung der Prozessparameter lässt sich bei den speziellen Prozessen zusammen mit einer entsprechenden Prozessvalidierung die gewünschte Qualität sichern.

Das sich anschließende Job-Audit ist ein Prozess- und Produktaudit, welches sich konkret einen Kundenauftrag herausnimmt und diesen systematisch umfassend bewertet. Darüber kann bei einem Lieferantenaudit einer der eigenen Aufträge systematisch reflektiert werden, bei einem Self-Assessment können regelmäßig einzelne Kundenaufträge analysiert werden.

© AIAG CQI-11

Die Krönung stellen die spezifischen Prozesstabellen dar, welche die spezifischen technischen Prozesse detailliert betrachten und dafür entsprechende Anforderungen definieren.

© AIAG CQI-11

Vorgehensweise Oberflächentechnik-Unternehmen:

Jedem Unternehmen der Oberflächentechnik ist dringend anzuraten sich mit den beiden Normen CQI 11 und CQI 12 nunmehr deutlich praxisgerechteren Versionen zu beschäftigen, um

  • daraus den möglichen Nutzen zur Verbesserung der eigenen Prozesse und Strukturen zu ziehen.
  • bei entsprechend auftauchenden Kundenforderungen entsprechend fachkompetent reagieren zu können.
  • den „Stand der Technik“ bei Produkthaftungsfragen abzubilden.

Schritt 1: Beschaffung der jeweils relevanten Norm (und ggf. entsprechende Schulung der Mitarbeiter) (CQI 11 und/oder CQI 12)

Die Normen sind in englischer Sprache über die AIAG beziehbar. Wenn entsprechend qualifiziertes QM-Personal zur Verfügung steht, kann dieses sich damit entsprechend beschäftigen und anschließend den CQI-Standard im Unternehmen umsetzen.
Wenn ein entsprechender qualifizierter englischsprachiger Mitarbeiter nicht verfügbar ist, bietet es sich an eine entsprechende Schulung in deutscher Sprache mit dem Erhalt einer deutschen Übersetzung zum Know-how-Erwerb zu nutzen (z.B. cqi-support.de)

Schritt 2: Bewertung der Umsetzung der Normforderungen zum Erkennen der aktuellen Defizite

Die CQI-Standards sind für das Self-Assessment ausgerichtet, also die Eigenbewertung. Dazu sollten zuerst einmal die allgemeinen Anforderungen gesichtet werden, um zu sehen, inwieweit die Forderungen bereits erfüllt werden und wo noch entsprechende Abweichungen vorliegen.

Schritt 3: Festlegung des gewünschten Erfüllungsgrades (für einzelne bzw. für alle Bereiche und Produkte) (ggf. auch über die Zeit hinweg)

Die Abweichungen können dann bewertet werden. Wenn man die Erfüllung der Anforderungen durch die Kunden bereits vorgegeben hat bzw. bereits dementsprechend angefragt wurde, dann gilt es eine 100% Umsetzung sicher zu erreichen.
Ansonsten macht es Sinn sich klare Ziele zu setzen, was in welchen Schritten bis zu welchem Zeitpunkt sinnvollerweise die vorhandenen Abweichungen als Chance zur Verbesserung genutzt werden soll. Dabei sind die eigenen Gegebenheiten und das eigene Produkt- und Kundenspektrum natürlich angemessen zu berücksichtigen.

Schritt 4: Durchführung der notwendigen Verbesserungen zur Beseitigung der Abweichungen

Die gefassten Maßnahmen und Ziele der Verbesserungen sind umzusetzen.

Schritt 5: Durchführung eines vollständigen Self-Assessment (mit Job-Audit am zufällig herausgegriffenen oder auch am anspruchsvollsten Auftragsbeispiel / Kundenprojekt).

Mit der Durchführung eines vollständigen Self-Assessment kommt man dann zur Eigenerklärung der Konformität, welche man dann auf Anforderung dem Kunden zukommen lassen kann. Auch auf der Homepage kann man dann entsprechend auf die Umsetzung der CQI-Standards hinweisen.

© AIAG CQI-11

© AIAG CQI-11

Schritt 6: Durchführung regelmäßiger Self-Assessments bzw. auch Durchführung von externen qualifizierten Fremd-Assessments zum Nachweis gegenüber anspruchsvollen Kunden.


Zusammenfassung:

Für Unternehmen der Oberflächentechnik sind die CQI-Standards 11 und 12 die Basis für ihre Zukunftsfähigkeit und sollten im eigenen Interesse mindestens als Checkliste zur Eigenreflektion angewandt werden, aber in der Praxis eigentlich soweit es irgend geht umgesetzt werden um die eigene Qualität zu optimieren und präventiv zu sichern. Es ist davon auszugehen, dass immer stärker die CQI-Standards Eingang finden werden in die Beauftragung durch die Kunden. Aber noch wichtiger sind die Erkenntnisse zur Verbesserung, welche man aus der Durchführung von systematischen Self-Assessments und ggf. qualifizierten Fremd-Assessments (z.B. durch TopQM-Systems angeboten) ziehen kann und welche das Unternehmen weiter bringen im Hinblick auf eine zuverlässige präventive und nachgelagerte über Messungen und Prüfungen erreichte Qualität.

Autoren:
Andreas Redaoui ist Mitgesellschafter und Senior Automotive Consultant bei der Unternehmensberatung TopQM-Systems.
Prof. Dr. Alexander Neumann ist Studiengangsleiter Internationaler Technischer Handel an der DHBW Mosbach, Zertifzierungsauditor u.a. für DEKRA Certification und Mitarbeiter im NQSZ-1.

Andreas Redaoui
TopQM-Systems GmbH & Co. KG
Senior Consultant
Technical Cleanliness Expert VDA19 / ISO16232
VDA6.3 / IATF16949 / AIAG CQI / NATO AQAP Auditor & Trainer
Global Sales Manager
andreas.redaoui <AT> topqm.com

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