nach oben
Meine Merkliste
Ihre Merklisteneinträge speichern
Wenn Sie weitere Inhalte zu Ihrer Merkliste hinzufügen möchten, melden Sie sich bitte an. Wenn Sie noch kein Benutzerkonto haben, registrieren Sie sich bitte im Hanser Kundencenter.

» Sie haben schon ein Benutzerkonto? Melden Sie sich bitte hier an.
» Noch kein Benutzerkonto? Registrieren Sie sich bitte hier.
Ihre Merklisten
Wenn Sie Ihre Merklisten bei Ihrem nächsten Besuch wieder verwenden möchten, melden Sie sich bitte an oder registrieren Sie sich im Hanser Kundencenter.
» Sie haben schon ein Benutzerkonto? Melden Sie sich bitte hier an.
» Noch kein Benutzerkonto? Registrieren Sie sich bitte hier.

« Zurück

Ihre Vorteile im Überblick

  • Ein Login für alle Hanser Fachportale
  • Individuelle Startseite und damit schneller Zugriff auf bevorzugte Inhalte
  • Exklusiver Zugriff auf ausgewählte Inhalte
  • Persönliche Merklisten über alle Hanser Fachportale
  • Zentrale Verwaltung Ihrer persönlichen Daten und Newsletter-Abonnements

Jetzt registrieren
Merken Gemerkt
Recht / Normen - Branchenspezifische Anforderungen an QM-Systeme

Besondere Merkmale im Qualitätsmanagement

Besondere Merkmale sollen Produkte in Branchen wie der Automobil- und Luftfahrtindustrie seit Jahrzehnten sicherer machen. Das leisten Besondere Merkmale, wenn klar ist, was sie von normalen Merkmalen unterscheidet. Aber auch zwischen Besonderen Merkmalen gibt es Unterschiede. Ein Verfahren, diese Unterschiede sinnvoll und normgerecht festzulegen, hat ein Zulieferer der Automobilbranche entwickelt.

Lösungsansatz: Technologieverständnis bestimmt BMs

Um die Überlegungen zu den technologischen Aspekten zu verdeutlichen, soll ein Beispiel betrachtet werden.

Die Breite eines Bauteils ergibt sich aus den Breiten der zusammengefügten Einzelteile. Einige Einzelteile werden sehr präzise gefertigt, andere benötigen größere Toleranzen. Die Gesamtbreite wird von allen Einzelteilen als Kettenmaß beeinflusst. Deren Einzelmaße sind gleichrangig im Funktionsbaum der FMEA verknüpft. Ziel der Betrachtung ist, dass die Gesamtbreite innerhalb der Spezifikation, innerhalb der gegebenen Toleranz gefertigt wird.

Unabhängig von der Breite der Einzelteile (Nominalwerte) entsteht der Anteil an der Zielerreichung, der Funktion darin, welche(s) der Einzelteile mit welcher Toleranz beiträgt. Große Toleranzen haben deutlich größeren Einfluss auf das Gesamtergebnis, als hochpräzise Einzelteile mit engen Toleranzen.


Technologisch kommt es daher auf Toleranzen an und es erscheint sinnvoll, den Einzelteilen mit vergleichsweise großen Toleranzen eine erhöhte Aufmerksamkeit zukommen zu lassen.

Im Beispiel addieren sich die Einflüsse einfach. Das ist der denkbar einfachste Fall. Einzelteiltoleranzen wirken sich 1:1 auf das Gesamtergebnis aus.

In anderen Zusammenhängen wirken sich Toleranzen der beteiligten Merkmale ganz unterschiedlich aus. Für eine Entscheidung zu BM liegt es nahe, den Zusammenhang zwischen Einflussparameter und Funktion in einer allgemeingültigen Form zu betrachten.

Wie ändert sich ihr Ergebnis, ihre Funktion, wenn sie den Einflussparameter von einer Grenze der Toleranz zur anderen durchlaufen?

Einfluss
Wie stark beeinflusst ein ursächliches Merkmal die Wirkung im funktionalen Zusammenhang? Hierbei geht es darum, welcher Wertebereich für die Funktion „überstrichen“ wird, wenn man den Parameter in den erlaubten Grenzen variiert. Sowohl für die Toleranz der Funktion, die ggf. der Kunde vorgibt, als auch für die Toleranz im Einzelteil oder Prozessparameter wird eine Vorgabe der Grenze benötigt.

Bei mehreren Einflussgrößen sind zumindest diejenigen zu betrachten, die einen starken Einfluss haben oder deren Einfluss nicht wirklich bekannt ist. Eine Übersicht über alle Einflüsse gibt z.B. ein P-Diagramm.

Wenn der Toleranzbereich der Kundenfunktion vergrößert oder die zulässige Toleranz des Parameters verkleinert wird, dann verändert das auch den relativen Einfluss.

Abhängigkeit
Der zweite Faktor ist die Abhängigkeit von Ursache und Wirkung. Wie stark sind beide miteinander korreliert? Wenn die Wirkung irgendwie von der Ursache beeinflusst wird (Abb.6 links), wieso soll das dann besonders sein?

Wenn hingegen eine starke oder sogar eindeutige Abhängigkeit vorliegt, dann ist das zugleich eine gute Begründung für etwas Besonderes in diesem funktionalen Zusammenhang.

Der Verlauf zeigt die Art der Abhängigkeit, links mehrdeutig oder unkorreliert, rechts eindeutig

Wenn sowohl ein großer Einfluss als auch eine starke Abhängigkeit zwischen Ursache und Wirkung besteht, dann sprechen wir bei dem verursachenden Merkmal von einem Hauptmerkmal.

Nicht für jede Ursache – Wirkungsbeziehung in einem Design oder einer Prozessplanung wird es möglich und sinnvoll sein, solche Funktionsabhängigkeiten zu analysieren.

Plausible Bewertungen durch Experten

Meist sind Betrachtungen der Experten im Team ausreichend, um plausible Bewertungen zu nutzen. Darüber hinaus sind viele Zusammenhänge technologisch durchdrungen und die wesentlichen Einflüsse und Abhängigkeiten sind in der einschlägigen Literatur beschrieben. Dieses Wissen soll verwendet werden, um zu einer unstrittigen Festlegung der BM zu kommen.

Leider werden unterschiedliche Interessenlagen zu voneinander abweichenden Bewertungen führen. Daher sind Kriterien wichtig, um im Zweifelsfall oder beim Betreten von Neuland zu einer fundierten Entscheidung zu kommen. Dies kann vor allem die Auseinandersetzung zwischen Kunde und Lieferant versachlichen.

Bei der Entwicklung des Verfahrens war es daher wichtig, sowohl das bestehende „Ingenieurwissen“ abzuholen, als auch messbare Größen zu haben, die im Streitfall herangezogen werden können. In Anwenderteams musste zunächst das Eis gebrochen werden, sich mit dem neuen Vorgehen zu befassen. Mit einem kurzen Video konnten die Unterschiede Alt gegen Neu und die Vorteile des Verfahrens eingeführt werden. In Piloten wurden dann erste Gehversuche gemacht. Dabei war es hilfreich, die Zusammenhänge von Ursachen und Wirkungen grafisch darzustellen und anschließend mit dem Erfahrungswissen des Teams zu bewerten.

Die Grenzwerte sind bei Benteler derzeit mit einem Startwert gesetzt. An konkreten Beispielen aus laufenden Projekten muss dies überprüft und ggf. nachgeschärft werden.
Die Annahme ist, dass ein besonderes Merkmal eine signifikante Wirkung haben muss. Das kann bedeuten, dass die Funktion über dem Wertebereich des Parameters um beispielsweise 50 % der zulässigen Toleranz verändert wird. Ein ähnlicher Fall tritt auf, wenn eine Parameter einen Umschlagpunkt durchläuft.

Abb.7 : Hauptmerkmale zeigen den technologischen Aspekt von Besonderen Merkmalen auf.

Für die Bemessung der Abhängigkeit muss in vergleichbarer Weise Art und Höhe einer Korrelation festgelegt werden. Welche Korrelation wird als signifikant angesehen? Welche nicht mehr?

Die Grenzwerte für Einfluss und Abhängigkeit werden unmittelbar die Anzahl der Hauptmerkmale und damit auch die Anzahl der Besonderen Merkmale beeinflussen.


Inhaltsverzeichnis

Dr. Uwe-Klaus Jarosch

Literaturhinweis

[9001] ISO 9001-2015
[IATF] IATF 16949-2016,
[9100] https://advisera.com/9100academy/blog/2017/05/01/five-special-aerospace-terms-in-as9100-rev-d/
[Wintzer] Peter Wintzer , http://www.pwmp.de/files/131024-B4-AA-02-Merkmale.pdf
[VDA BM] Verband der Automobilindustrie e.V., Qualitäts Management Center (QMC) Das gemeinsame Qualitätsmanagement in der Lieferkette, Produktentstehung - Prozessbeschreibung Besondere Merkmale, 1.Auflage, Berlin, 2011
[VDA RP] Verband der Automobilindustrie e.V., Qualitäts Management Center (QMC) Das gemeinsame Qualitätsmanagement in der Lieferkette, Produktherstellung und -lieferung Robuster Produktionsprozess, 1. Auflage, Berlin 2007
[VDA-AIAG] FMEA Handbuch, Gelbband 11-2017, Verband der Automobilindustrie e.V., Qualitäts Management Center (QMC
[QZ 2012] Das Besondere und die FMEA, Nenad Bartolic, QZ 57 (2012) 9 S26ff

DIN EN ISO 9001:2015

Zum ISO 9001:2015 Special

Prozesswelt

Serie zum Thema Prozesse, veröffentlicht von QM-Experten deutscher Unternehmen gemeinsam mit der N5 GmbH und der Fachzeitschrift QZ

Zur Prozesswelt