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Recht / Normen - Automotive SPICE

Automotive SPICE für Einsteiger - Prozesse bewerten und verbessern

Der Artikel schildert die aktuellen Herausforderungen in der Systementwicklung und erklärt, warum das Modell Automotive SPICE eine Möglichkeit bietet, Ihnen zu begegnen. Er beschreibt die Begrifflichkeiten des Modells im Detail und soll ein Grundverständnis des Modells und seiner Anwendung schaffen sowie den Nutzen des Modells in der Entwicklung softwarebasierter Systeme darstellen

Der Assessmentprozess

Will ein Unternehmen seine Prozesse tatsächlich bewerten, führt es ein sogenanntes Assessment durch. Im Rahmen eines solchen Assessments wird in einem konkreten Entwicklungsprojekt untersucht, inwieweit dort die Anforderungen von Automotive SPICE (siehe Prozessdefinitionen und Capability Levels) bei der Umsetzung der Tätigkeiten erfüllt werden. Das Assessment folgt dabei einem festgelegten Ablauf, der sich in fünf Phasen aufteilt: Planung, Datenerhebung, Datenverifikation, Bewertung, Reporting.

Bild 8: Assessmentprozess

  • Planung: Während der Planung stimmt der Auftraggeber des Assessments (Sponsor) mit dem leitenden Assessor (Lead Assessor) den Umfang und die Rahmenbedingungen des Assessments ab. Es gibt vonseiten des Standards keine Vorgabe, welche Prozesse bis zu welchem Level assessiert werden müssen. Der Sponsor kann also frei entscheiden, wie umfangreich das Assessment werden soll. Am Ende der Planung liegen ein Assessmentplan und ein Zeitplan vor.
  • Datenerhebung: Bei der Datenerhebung suchen die Assessoren nach Nachweisen, dass die Prozesse im Projekt umgesetzt werden. Sie sehen sich Projekt- und Prozessdokumente an, besichtigen gegebenenfalls Arbeitsplätze und führen Interviews mit den Projektmitgliedern durch. Letztere sind das wichtigste Element der Datenerhebung. Hierbei werden für jeden Prozess ein oder mehrere Personen aus dem Projekt befragt, die die im Prozess beschriebenen Tätigkeiten tatsächlich im Projekt durchführen. In den Interviews gehen die Assessoren in der Regel Level für Level vor, beginnend mit Level 1.
  • Datenverifikation: Die Assessoren ziehen sich regelmäßig für eine gewisse Zeit zurück und konsolidieren die gesammelten Informationen. Sie müssen sicherstellen, dass sie ausreichende und nicht widersprüchliche Informationen zu jedem Prozess und Capability Level erhalten haben. Finden sie Widersprüche in den Informationen, werden auch Nachinterviews durchgeführt, um diese Inkonsistenzen aufzulösen.
  • Bewertung: In der Bewertung betrachten die Assessoren dann alle gesammelten Informationen, gleichen sie mit den Anforderungen von Automotive SPICE ab und kommen auf dieser Basis zu einer Bewertung. Zunächst werden die Base Practices und Generic Practices bewertet. Davon leitet sich die Bewertung der Prozessattribute und schließlich die Bewertung des Capability Levels ab.
  • Reporting: Zum Abschluss des Assessments werden die Ergebnisse dem Sponsor und den Mitarbeitern aus dem assessierten Projekt vorgestellt. Üblicherweise erfolgt dies in Form einer Präsentation, in der Stärken und Lücken der betrachteten Prozesse aufgezeigt werden.

Die Bewertung erfolgt auf Basis einer festgelegten Skala, die aus vier Stufen besteht. Sie nennt sich „NPLF-Skala“ und sieht für jeden Buchstaben eine prozentuale Verteilung vor. Nach diesem Schema werden sowohl die Base und Generic Practices als auch die Prozessattribute bewertet.

  • N = Not achieved, nicht erreicht (0% bis 15%): Es sind keine oder nur minimale Nachweise vorhanden, dass eine Practice oder ein Prozessattribut umgesetzt werden.
  • P = Partially achieved, teilweise erreicht (<15% bis 50%): Nur Wenige Nachweise zur Umsetzung der Practices oder Prozessattribute sind erkennbar, aber es gibt noch signifikante Risiken, dass die Anforderungen trotzdem nicht erfüllt werden.
  • L = Largely achieved, größtenteils erreicht (50% bis 85%): Es existieren viele Nachweise zur Umsetzung der Practices oder Prozessattribute. Nur wenige Risiken bestehen, dass die Anforderungen an den Prozess nicht erfüllt werden.
  • F = Fully achieved, vollständig erreicht (<85% bis 100%): Nachweise zur vollständigen Umsetzung der Practices und Prozessattribute wurden gefunden. Es können minimal Lücken existieren, diese stellen aber kein Risiko bezüglich Erfüllung der Anforderungen dar.

Um einen Capability Level für einen Prozess zu erreichen, müssen die Prozessattribute des zu erreichenden Levels mindestens mit einem L und alle darunter liegenden Prozessattribute mit F bewertet sein.

Bild 9: Bewertungsschema

Teil des Reports sind die formalen Ergebnisprofile. In ihnen wird für jeden Prozess separat dargestellt, wie gut die Anforderungen des Standards erfüllt wurden. Darin werden die Bewertungen der Prozessattribute eines jeden Prozesses (Prozessprofile) und der erreichte Capability Level für jeden Prozess (Capability Profil) aufgezeigt.

Bild 10: Prozessprofile

Bild 11: Capability Profil

Wer darf Assessments durchführen

Um ein offizielles Assessment durchführen zu dürfen, benötigt man eine entsprechende Ausbildung und Zertifizierung als Assessor. Hierbei wird unterschieden zwischen Assessoren, die ein Assessment leiten dürfen (Lead Assessor) und denen, die als zweiter oder dritter Assessor teilnehmen dürfen (Co-Assessor). Der VDA als Autor und Besitzer von Automotive SPICE hat sich auf das Ausbildungschema des „international assessor certification scheme“ (intacs™) festgelegt. Das intacs™ ist eine non-profit Organisation, die die Lehrpläne für die Assessorenausbildung, die Zertifizierungsanforderungen und Anforderungen an die Trainer festlegt. Hier wird zwischen drei Assessoren-Stufen und zwei Trainer-Stufen unterschieden:

  • intacs™ certified Provisional Assessor: muss eine Schulung besuchen und die Prüfung bestehen, benötigt aber keine Assessment-Erfahrung und darf nur als Co-Assessor am Assessment teilnehmen
  • intacs™ certified Competent Assessor: muss bereits eine Zertifizierung als Provisional Assessor haben, eine Schulung besuchen und die Prüfung bestehen; muss außerdem regelmäßig praktische Assessment-Erfahrung nachweisen und darf als Lead Assessor ein Assessment leiten
  • intacs™ certified Principal Assessor: muss bereits eine Zertifizierung als Competent Assessor haben und regelmäßig praktische Assessment-Erfahrung nachweisen sowie aktive Mitwirkung in der Assessoren Community (z.B. durch Mitarbeit in den Gremien des intacs™ oder durch das Halten von Vorträgem und Schulungen); darf als Lead Assessor ein Assessment leiten
  • intacs™ certified Instructor (Provisional Level): muss bereits eine Zertifizierung als Principal Assessor haben und regelmäßig dessen Anforderungen erfüllen sowie zusätzlich praktische Schulungserfahrung nachweisen; darf als Lead Assessor ein Assessment leiten und die Ausbildung zum „intacs™ certified Provisional Assessor“ halten
  • intacs™ certified Instructor (Competent Level): muss bereits eine Zertifizierung als Principal Assessor haben und regelmäßig dessen Anforderungen erfüllen sowie zusätzlich praktische Schulungserfahrung nachweisen; darf als Lead Assessor ein Assessment leiten und die Ausbildung zum „intacs™ certified Competent Assessor“ halten

Bild 12: Assessorenstufen

Was macht man mit einem Assessmentergebnis

Mit dem Assessmentergebnis erhält das Unternehmen zunächst eine Standortbestimmung. Es kann feststellen, wie gut die Prozesse bereits umgesetzt sind und wo noch Lücken erkennbar sind. Im Grunde ist dies bereits der erste Schritt in einem Verbesserungsvorhaben. Die Standortbestimmung ist notwendig, um ein Verbesserungsprojekt aufzusetzen und gezielt Verbesserungen zu erarbeiten und umzusetzen, die die erkannten Lücken schließen. Ein möglicher Ablauf für ein solches Verbesserungsprogramm könnte der folgende sein:

Bild 13: Ablauf eines Verbesserungsprogramms


Inhaltsverzeichnis

Volker Lehmann

Method Park Holding AG
Wetterkreuz 19a
91058 Erlangen
volker.lehmann@methodpark.de
www.methodpark.de

Unternehmensinformation

Method Park Holding AG

Wetterkreuz 19a
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