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Recht / Normen - Automotive SPICE

Automotive SPICE für Einsteiger - Prozesse bewerten und verbessern

Der Artikel schildert die aktuellen Herausforderungen in der Systementwicklung und erklärt, warum das Modell Automotive SPICE eine Möglichkeit bietet, Ihnen zu begegnen. Er beschreibt die Begrifflichkeiten des Modells im Detail und soll ein Grundverständnis des Modells und seiner Anwendung schaffen sowie den Nutzen des Modells in der Entwicklung softwarebasierter Systeme darstellen

Prozessmodelle für die Entwicklung können in dieser Situation helfen, solche Herausforderungen in den Griff zu bekommen. Automotive SPICE ist ein solches Modell. Es basiert auf der Normenreihe ISO/IEC 330xx, die wiederum Nachfolger der Norm ISO/IEC 15504 ist. Automotive SPICE ist international anerkannt und spielt in der Automobilindustrie weltweit eine immer größere Rolle. Bereits seit 2006 empfiehlt der Verband der Automobilindustrie (VDA) seinen Mitgliedern dieses Modell als Entwicklungsgrundlage.

Das Prozessmodell Automotive SPICE

Entstehung und Entwicklung von Automotive SPICE
Der Begriff „SPICE“ ist eine Abkürzung, die sich aus dem Titel „System Process Improvement and Capability Determinition“ ableitet. Häufig wird das „S“ in SPICE auch mit „Software“ übersetzt, aber das Modell umfasst seit jeher auch Systemprozesse. Diese Übersetzung geht auf die Quelle der Prozessdefinition aus den Anfangszeiten des Standards zurück, in dem nur Software-Prozesse definiert waren, der ISO/IEC 12207 (Software Life Cycle Processes).

Bild 3: Historie von Automotive SPICE

Seinen Ausgangpunkt hat SPICE in den 1990er Jahren, damals noch ohne die automobilspezifischen Anpassungen. Es wurde als europäisches Projekt gestartet, um die Ideen und Konzepte der verschiedenen Reifegradmodelle zu harmonisieren. Ziel war es, einen europäischen Standard zu schaffen, der die strukturierte Entwicklung von Software unterstützt. 1998 war dann die erste Version des aus dem Projekt resultierenden Standards, die ISO/IEC 15504, als Technical Draft (TR) verfügbar.

Dieser Draft wurde weiterentwickelt, bis 2003 die erste offizielle Version als International Standard (IS) veröffentlicht wurde. In dieser Zeit begann auch die Automobilindustrie einen genaueren Blick auf das Modell zu werfen und startete die Entwicklung von Automotive SPICE, einem Ableger des Standards mit automobilspezifischen Ausprägungen. Seit 2005 wird Automotive SPICE regelmäßig überarbeitet. Der Verband der Automobilindustrie (VDA) hat seit 2012 die Rechte an dem Standard übernommen und mittlerweile die aktuelle Version 3.1 veröffentlicht.

Das Modell besteht aus zwei Dimensionen: der sogenannten Prozessdimension und der Capability Dimension. Die Prozessdimension beschreibt die im Modell definierten Prozesse mit ihren Anforderungen; die Capability Dimension beschreibt die sogenannten „Capability Level“ (CL) zur Messung der Fähigkeit eines Prozesses.
Prozessdimension
Die Prozessdimension umfasst 32 Prozesse. In ihnen ist beschrieben, welche Aktivitäten grundsätzlich in einem Projekt durchgeführt werden sollten.

Bild 4: Prozesse in Automotive SPICE

Die Nummerierung der Prozesse lehnt sich an den ursprünglichen Standard (ISO/IEC 12207) an, der als erste Quelle für die Prozessdefinitionen gedient hat. Um die Konsistenz zu den Ursprüngen nicht zu verletzen, wurde die bestehenden Prozessnummern nicht verändert. Es wurden nicht alle Prozesse aus dem alten Standard für das SPICE-Projekt ausgewählt; im Rahmen der kontinuierlichen Überarbeitung entstanden auch zusätzliche Prozesse. Aus diesem Grund ergeben sich in der Nummerierung Lücken. Trotzdem ist das Modell Automotive SPICE vollständig.
Die Prozesse sind in drei Kategorien unterteilt, in denen die Prozesse in Gruppen sortiert sind.

Die primären Prozesse (Primary Life Cycle Processes) befassen sich mit der Software- und Systementwicklung sowie mit Akquisitions- und Auslieferungsaktivitäten. Diese Kategorie besteht aus den Untergruppen

  • Acquisition Process Group (ACQ): Prozesse, die vom Kunden (OEM oder Lieferant mit Unterlieferanten) mit Blick auf den Lieferanten umgesetzt werden sollten. Sie sollen helfen, das Lastenheft zu erstellen und das Lieferantenmanagement zu etablieren.
  • Supply Process Group (SPL): Prozesse, die vom Lieferanten mit Blick auf den Kunden umgesetzt werden sollten. Hier geht es darum, den Angebotsprozess und die Auslieferung des Produktes zu unterstützen.
  • System Engineering Process Group (SYS): Hier finden sich die Engineering-Prozesse für die Erstellung der Systemspezifikation und -architektur sowie die dazugehörigen Testprozesse. In Automotive SPICE ist ein System üblicherweise so definiert, dass es immer mindestens die Elemente Software und Hardware/Elektronik beinhaltet.
  • Software Engineering Process Group (SWE): Hier finden sich analog zur Systemebene die Engineering-Prozesse zur Erstellung der Software. Das umfasst alle Prozesse von der Analyse der Anforderungen über die Architektur- und Code-Erstellung bis zu den jeweiligen Testprozessen.

Die unterstützenden Prozesse (Supporting Life Cycle Processes) sollen die gesamten Entwicklungstätigkeiten unterstützen und sind so definiert, dass sie auch die Umsetzung der anderen Prozesse unterstützen. Diese Kategorie besteht nur aus einer Untergruppe, der

  • Supporting Process Group (SUP): Diese Prozesse befassen sich mit den Themen Qualitätssicherung in verschiedenen Formen, Dokumentation sowie Konfigurations-, Problem- und Änderungsmanagement.

Die organisatorischen Prozesse (Organizational Life Cycle Process Group) schließlich beschreiben Management- und Prozess-Verbesserungstätigkeiten. Diese Kategorie besteht aus den Untergruppen

  • Management Process Group (MAN): Diese Prozesse beschreiben das Projekt- und Risikomanagement sowie die Prozesse zum Messen von Projekten.
  • Reuse Process Group (REU): Hier ist nur ein Prozess definiert, der sich mit dem institutionalisierten Wiederverwenden von Projektergebnissen befasst.
  • Process Improvement Process Group (PIM): Auch hier ist nur ein Prozess definiert, der dabei helfen soll, Prozess-Verbesserungsprogramme sinnvoll zu planen und umzusetzen.

Der VDA-Scope
Da das Modell mit 32 möglichen Prozesse sehr umfangreich ist, hat der VDA eine Auswahl von 16 Prozessen festgelegt, die aus Sicht des VDA als die wichtigsten Prozesse für die Entwicklung softwarebasierter Systeme gelten. Diese Auswahl nennt sich „VDA-Scope“ und wird in der Regel als Minimalset in Assessments untersucht.
Oft wird auch noch vom sogenannten HIS-Scope gesprochen. Dieser Vorläufer des VDA-Scopes wurde von der „Herstellerinitiative Software“ (HIS) definiert und hatte den gleichen Umfang wie der VDA-Scope. Da die HIS 2016 aus rechtlichen Gründen aufgelöst wurde, hat der VDA diese Definition übernommen.
Prozessbeschreibung
Die Prozesse in Automotive SPICE sind immer mit Process ID, Process Name, Process Purpose, Process Outcomes, Base Practices und Output Work Products beschrieben.

Bild 5: Aufbau eines Prozesses

Die Elemente der Prozessbeschreibung bedeuten Folgendes:

  • Process ID und Process Name dienen der eindeutigen Identifikation des Prozesses.
  • Der Process Purpose soll in wenigen Worten den Zweck des Prozesses beschreiben und verständlich machen, worum es eigentlich geht.
  • Process Outcomes definieren das erwartete Ergebnis, wenn der Prozess korrekt ausgeführt wird. Dabei muss nicht zwingend ein Dokument entstehen, ein Ergebnis kann auch die Veränderung eines Zustandes sein, eine getroffene Entscheidung oder ähnliches
  • Base Practices beschreiben die durchzuführenden Aktivitäten. Sie sind das Kernstück der Prozessbeschreibungen und werden auch für die Bewertung der Prozesse herangezogen.
  • Output Work Products beschreiben die möglichen Dokumente (Work Products), die bei der Durchführung des Prozesses entstehen. Da Automotive SPICE nicht vorgibt, WIE genau man etwas machen soll, ist diese Auflistung nicht verbindlich. Die Inhalte der definierten Output Work Products können sich auf verschiedene Dokumente verteilen.

Inhaltsverzeichnis

Volker Lehmann

Method Park Holding AG
Wetterkreuz 19a
91058 Erlangen
volker.lehmann@methodpark.de
www.methodpark.de

Unternehmensinformation

Method Park Holding AG

Wetterkreuz 19a
DE 91058 Erlangen
Tel.: 09131 97206-0
Fax: 09131 97206-280

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