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Methoden - Managementwerkzeuge

Repertory Grid

Eine Technik zur Erhebung impliziten Wissens

Auszug aus
Christian Stary, Monika Maroscher

Wissensmanagement in der Praxis

11/2012, 256 Seiten, € 31,99
ISBN: 978-3-446-43276-5

Wenn Mitarbeiter routiniert arbeiten - und oft bereits viele Jahre mit einer Aufgabe betraut sind - bauen sie zwar viel Wissen auf, können dies aber aufgrund des verinnerlichten Ablaufs nur schwer artikulieren. Auch erfahrene Experten wie Ärzte oder technische Diagnosekräfte haben ihre Lösungskompetenz meist verinnerlicht, sodass eine explizite Weitergabe dieses Wissens nur mittels spezieller Techniken möglich ist. Die Anwendung der Repertory Grid Technik hilft dabei, noch nicht präzises, aber bewusstes Wissen zu heben und strukturiert darzustellen.

Die Erhebungstechnik Repertory Grid nutzt beschreibbare Merkmale von Personen, Sachverhalten oder Gegenständen. Sie ermöglicht es, mit einem bestimmen Thema verbundene Wertesysteme einer Person explizit aufzuspannen. Das entstandene Repertory Grid kann zur weiteren qualitativen Bearbeitung des Themas, beispielsweise dem Umgang mit komplexen Produktionsstörungen, genutzt werden.

Repertory Grids zeigen das Weltbild einer Person anhand von charakteristischen Eigenschaften involvierter Gegenstände bzw. Inhalte. In den durchzuführenden Interview werden seitens des Interviewers keine Vorgaben bezüglich Bezugspunkten und Ausprägungen von Merkmalen gemacht. Die befragten Personen entscheiden unbeeinflusst, mit welchen Eigenschaften und Ausprägungen sie die Gegenstände, Personen oder Sachverhalte ihrer Wahl zum festgelegten Thema beschreiben. Daraus ergibt sich gegebenenfalls ein neuartiges Verständnis eines Themas. Es ist möglich, bislang unbekannte Strukturen und Zusammenhänge zu erkennen und neue Ansätze zur Lösung (komplexer) Probleme daraus abzuleiten. Durch die Verknüpfung von Ausprägungen können Profile, wie etwa die ideale Shop-Gestaltung für Kundengruppen (Bild 1), erarbeitet werden, die bislang nicht beachtete Elemente, in dem Fall die Authentizität des Verkaufspersonals, berücksichtigen.

Bild 1: Beispielhaftes Repertory Grid

Vorgehensweise

Das zu bearbeitende Thema wird zu Beginn abgeklärt und verständlich beschrieben. Danach werden mit der interviewten Person im Schnitt bis zu acht Gegenstände, Sachverhalte oder Personen (in Bild 1 "shop locations") benannt, welche als Bezugspunkte für die folgende Befragung dienen. In mehreren Runden (Bild 1: fünf in den Zeilen der Tabelle) werden zunächst zwei oder drei Bezugspunkte ausgewählt und nach Ähnlichkeiten bzw. Unterscheidungsmerkmalen der Bezugspunkte gefragt. Diese werden als Konstrukt bzw. Kontraste im Grid gesammelt und schließlich anhand einer Skala für jeden Bezugspunkt bewertet (Zelleinträge Bild 1). Beispielsweise +3, +2, +1, -1, -2, -3, bedeutet besonders stark ausgeprägt, +/- erlaubt Konstrukte und Kontraste zunächst getrennt zu bewerten.

Bild 1 zeigt ein Repertory Grid einer Kundin im Auftrag einer Bekleidungskette die versucht, ihre Shops für ihr Zielpublikum attraktiv zu gestalten. Die Organisationsverantwortlichen sind bislang davon ausgegangen, dass eine zielgruppengerechte Platzierung der Produkte in den Schaufenstern, in unserem Fall aufstrebende weibliche Führungskräfte, den erforderlichen Attraktor für hohe Kundenfrequenz darstellt. Nachdem nun die erwartete Kundenfrequenz ausgeblieben ist, und auch Kundenbefragungen kein Verbesserungspotenzial mit sich brachten, wurde die Repertory Grid Technik eingesetzt. Das Grid zeigt Merkmale, die für die angesprochene Kundengruppe relevant und ausschlaggebend für einen Shop-Besuch sind. Diese können nun mit den bisherigen Attraktoren in Beziehung gesetzt werden, und gegebenenfalls den Handlungsspielraum des Verkaufs erweitern.

Auszug aus
Christian Stary, Monika Maroscher

Wissensmanagement in der Praxis

11/2012, 256 Seiten, € 31,99
ISBN: 978-3-446-43276-5

Christian Stary ist seit 1995 Professor für Wirtschaftsinformatik an der Universität Linz. Er studierte Informatik an der TU Wien, wo er auch seine Dissertation (1988) und Habilitation (1993) abschloss. Darüber hinaus studierte er Philosophie, Psychologie und Pädagogik an der Universität Wien, um sich den interdisziplinären Fragestellungen des Communications Engineering und Wissensmanagements methodisch wie inhaltlich widmen zu können. Im Mittelpunkt seiner bisherigen Lehr- und Forschungstätigkeit steht die Gestaltung lernfähiger sozio-technischer Systeme unter Berücksichtigung kognitiver und emotionaler Faktoren.

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