nach oben
Meine Merkliste
Ihre Merklisteneinträge speichern
Wenn Sie weitere Inhalte zu Ihrer Merkliste hinzufügen möchten, melden Sie sich bitte an. Wenn Sie noch kein Benutzerkonto haben, registrieren Sie sich bitte im Hanser Kundencenter.

» Sie haben schon ein Benutzerkonto? Melden Sie sich bitte hier an.
» Noch kein Benutzerkonto? Registrieren Sie sich bitte hier.
Ihre Merklisten
Wenn Sie Ihre Merklisten bei Ihrem nächsten Besuch wieder verwenden möchten, melden Sie sich bitte an oder registrieren Sie sich im Hanser Kundencenter.
» Sie haben schon ein Benutzerkonto? Melden Sie sich bitte hier an.
» Noch kein Benutzerkonto? Registrieren Sie sich bitte hier.

« Zurück

Ihre Vorteile im Überblick

  • Ein Login für alle Hanser Fachportale
  • Individuelle Startseite und damit schneller Zugriff auf bevorzugte Inhalte
  • Exklusiver Zugriff auf ausgewählte Inhalte
  • Persönliche Merklisten über alle Hanser Fachportale
  • Zentrale Verwaltung Ihrer persönlichen Daten und Newsletter-Abonnements

Jetzt registrieren
Merken Gemerkt
Methoden - Managementwerkzeuge

Lean Project Management - Ein Ordnungsrahmen zur Steigerung der Qualität in Projekten

Wir leben in einer „VUKA-Welt“: Volatilität, Unsicherheit, Komplexität und Ambiguität kennzeichnen nicht zuletzt die Anforderungen an das Management in und die Steuerung von Unternehmen. Eine Reihe nationaler und globaler Trends und Megatrends, die sich herausgebildet haben, [1] charakterisieren und verursachen VUKA. Megatrends, welche einen unmittelbaren Einfluss auf die Projektwirtschaft haben, sind Globalisierung und Digitalisierung.

Globalisierung in der Projektwirtschaft bedeutet verstärkte internationale Kooperation und damit Zusammenarbeit unter den Rahmenbedingungen verteilter Standorte und verschiedene (Arbeits-)Kulturen. Nicht zuletzt werden Projektteams instabiler, da mehr Mitarbeiter involviert sind, ggf. im Laufe eines Projektes ausgetauscht werden oder erst später zu einem (Groß-)Projekt hinzukommen.

Der zweite Megatrend, die Digitalisierung, scheint derzeit die Aufmerksamkeit in der Wirtschaft zu dominieren. Digitalisierung bedeutet IT-getriebene Innovation. Und die Entwicklung der IT verläuft nicht linear (vgl. Moore’s Law) und in nie dagewesener Geschwindigkeit.

Als Folge steigt die Komplexität der Prozesse und Projekte im Unternehmen signifikant an und der Umgang mit Unsicherheit wird zu einem zentralen Management-Thema. Auf der anderen Seite implizieren diese Trends auch einen Anstieg der Projektwirtschaft, sodass zunehmend mehr Wertschöpfung in Form von Projekten stattfindet.

Projektmanagement-Standards

Um diese Herausforderungen zu bewältigen, muss das Projektmanagement (PM) auf die entsprechenden Situationen und konkreten Projekte angepasst werden. Jedoch haben sich im Bereich des PMs eine Reihe von Frameworks (im Folgenden vereinfacht „Standards“) etabliert. Diese Standards haben alle einen in wesentlichen Bereichen gemeinsamen Betrachtungsgegenstand – nämlich das Managen von Projekten bzw. Produktentwicklungsprozessen (Scrum) – aber unterscheiden sich u.a. in der fachlichen Schwerpunktsetzung, im Wording, im Grad der Operationalisierung oder in der Managementphilosophie. Man kann wohl sagen: „Es ist immer derselbe Wein in unterschiedlichen Schläuchen.“

Diese Vielzahl an PM-Standards wird teilweise kritisiert und teilt die PM-Community vielfach in entsprechende Lager. Während einige Standards zu umfangreich sind, sind andere zu fokussiert, um als vollwertiges PM-System zu dienen. Daher wurde das Lean Project Management entwickelt, welches eine Vereinigung aller PM-Ansätze mit deren Vorteilen darstellt, um „das Beste aus allen Welten“ zu generieren. Lean PM bezeichnet die operative Adaption von Lean Management-Prinzipien, -Methoden und –Werkzeugen auf die Prozesse des Projektmanagements und die fachlich-fortschreitende Projektbearbeitung.

Ordnungsrahmen für das Projektmanagement

Aufgrund der Universalität der Aufgabenstellung PM sowie dem Bedürfnis, im Sinne eines Lean PM, Methoden jeweils auch projektspezifisch ausprägen zu können (sog. Tailoring), bietet es sich an, ein universell einsetzbares, wissenschaftlich fundiertes und praktikables Rahmenwerk zu nutzen bzw. zu schaffen. Ein Unified Project Management Framework (UPMF) ist ein Referenzmodell, das im Kern die Prozesse, Subdomänen und Rollen des PM umfasst und in diesem Sinne einen Ordnungsrahmen für die kontextuell zielgerichtete Ausgestaltung von PM-Systemen darstellt. Mit einem solchen UPMF kann es dann gelingen, Lean PM systematisch und universell zu operationalisieren, um neben der durch das Lean PM gegebenen grundsätzlichen Sicht auf das Projektmanagement eine operative Anwendung von Lean PM zu ermöglichen.

Bei der Ausgestaltung des UPMF lag der Schwerpunkt auf folgenden Merkmalen:

  • Universelle, projekttyp-unabhängige Gültigkeit
  • Ausgleich der Schwächen, die bekannte Frameworks haben
  • Anwendbarkeit bei klassischen und agilen PM-Ansätzen
  • Möglichkeit des Tailoring (Anpassung an den jeweiligen Projektkontext)

Kern des UPMF ist ein prozessorientierter Ansatz, in dem die Aktivitäten des PM im Verlaufe des Projektes im Allgemeinen wiederkehrend beschrieben werden. Dazu gehören:

  • die Prozesse der „Initialisierung & Vorbereitung“ des Projektes mit dem zentralen Output des Projektauftrags im Vorlauf eines Projektes sowie
  • wiederkehrend während des Projektablaufs die Prozesse der „Ausplanung & Operationalisierung“ und
  • begleitend zur Ausführung der fachlichen Arbeiten der „Überwachung & Steuerung“ sowie schließlich
  • die „Überleitung & Abschluss“, welche die Phasenübergänge innerhalb der fortschreitenden Projektbearbeitung sowie auch den Betriebsübergang fokussiert.
  • Komplementär zu den PM-Prozessen erfolgt die Ausführung der fachlich fortschreitenden Projektarbeiten, welche unmittelbar dem Projektzweck dienen und damit von den PM-Prozessen abzugrenzen sind.

Den Betrachtungsfokus für die o.g. Prozesse geben die Sub-Domänen des PM, zu denen bspw. das Management der Risiken, der Stakeholder, des Projektumfangs etc. gehören. Diese PM-Disziplinen werden in den bekannten PM-Standards unterschiedlich bezeichnet (z.B. Wissensgebiete bei PMI, Themen bei PRINCE2) und strukturiert. Gleichsam als „gemeinsamer Nenner“ lässt sich folgendes Framework ableiten (Abbildung 1):

Einer allgemeinen Systematik zur Klassifizierung von Prozessen im Unternehmen folgend, werden die PM-Prozesse unterteilt in strategische Prozesse, Kernprozesse und Befähiger-/Enabler-Prozesse. In der Ausgestaltung ergibt sich damit eine Matrix [Disziplinen x Prozessgruppen], in denen die Aktivitäten je nach Lage unterschiedlich intensiv bearbeitet werden. Dabei ist anzumerken, dass die Prozesse in Abbildung 1 zwar prozessual sequenziell angeordnet sind, um den wesentlichen Strom der Wertschöpfung zu charakterisieren, aber selbstverständlich auch parallel und wiederkehrend und nicht zuletzt im Sinne eines „Plan-Do-Check-Act“-Zyklus (Deming-Kreis [2]) gehandhabt werden. [3]

Folgender Nutzen kann mit einem solchen Framework assoziiert werden:

  • Klare, einfach nachvollziehbare Struktur
  • Ordnungsrahmen zur systematischen Ableitung von Lean-Potenzialen und Zuordnung von Lean-Elementen (Prinzipien, Methoden, Tools)
  • Universell einsetzbar und verfügbar − ein Framework für alle Projekte im Unternehmen, z.B. ohne Richtungsstreit „Klassisch vs. Agil“
  • Alle wichtigen Aspekte zusammen, z.B. Prozessorientierung, agile Elemente, Wissensgebiete, Business-Orientierung, etc. − durch Vermeidung der Schwächen einzelner Standards
  • Operativer Leitfaden und „Werkzeugkoffer“ – ohne Vernachlässigung des übergeordneten Gesamtbildes

Das nun vorliegende UPMF hat den Anspruch, bei möglichst geringem Aufwand das passende PM-System eines Projekts zu liefern. Ein besonderer Fokus liegt hierbei auf der Projekttypisierung, die schon vor Projektbeginn nicht benötigte Prozessschritte, Tools, Dokumente etc. eliminieren soll (analog zum zentralen Lean Thinking-Prinzip „Vermeidung von Verschwendung“). Es soll kein theoretisches Konstrukt bleiben, sondern ist so leichtgewichtig und verständlich aufgebaut, dass Anwenderunternehmen ihren PM-Reifegrad durch die Umsetzung von Lean PM mit Hilfe des UPMF steigern können, ohne dabei an großen Eintrittsbarrieren zu scheitern.

Resümee

Beschäftigt man sich näher mit dem Projektmanagement, kann festgestellt werden, dass es eine Reihe verschiedener Ansätze gibt. Aus jahrelanger Projekterfahrung hat sich eine gewisse Unzufriedenheit mit den bekannten PM-Standards entwickelt. Sind die einen Standards zu umfangreich, sind andere zu fokussiert, um als vollwertiges PM-System zu dienen. Um die bestehenden Ansätze mit deren Vorteilen zu vereinen und den Unternehmen die Auswahl eines geeigneten PM-Ansatzes zu erleichtern, wurde das Lean Project Management entwickelt.

Dazu wurde ein universell einsatzbarer, wissenschaftlich fundierter und praktikabler Ordnungsrahmen entwickelt, welcher dabei unterstützen soll Lean PM zu operationalisieren. Der hier dargestellte Ordnungsrahmen für das Lean PM stellt ein erstes Fundament dar, welches allerdings noch Optimierungspotenzial besitzt. In Folge wird daher der Lean PM Ansatz weiter operationalisiert und das UPMF weiter ausgestaltet und konkretisiert, um in der Zukunft neben der durch das Lean PM gegebenen, strategischen Sicht auf das Thema Projektmanagement ein operatives „Rezept“ zur Umsetzung von Lean PM im Unternehmen bereitzustellen. Ein Booklet zum Thema UPMF ist im April erschienen.


Literaturhinweis

[1] s. Scheller, 2017, S. 16 ff.
[2] Vgl. Deming, 2018.
[3] Anm.: Das entspricht der im PMBoK Guide beschriebenen prozessorientierten Philosophie des PM, vgl. PMI, 2017, S. 50ff.

Deming, W. E. (2018):Out of the Crisis, MIT-Press, Cambridge.
Project Management Institute (Hrsg.) (2017): A guide to the project management body of knowledge. PMBOK® Gguide, 6. Auflage, Project Management Institut, Newtown Square (PA).
Scheller, T. (2017): Auf dem Weg zur agilen Organisation. Wie Sie Ihr Unternehmen dynamischer, flexibler und leistungsfähiger gestalten, Vahlen Verlag, München.

Prof. Dr. Bert Leyendecker
Forschungsprofessur Produktionsmanagement & Business Excellence
Hochschule Koblenz
Fachbereich Wirtschaftswissenschaften
Konrad-Zuse-Straße 1, D-56075 Koblenz
Tel.: +49 261 9528 161
Mob.: +49 163 830 7580
Mail: leyendecker@hs-koblenz.de

Diese Beiträge könnten Sie auch interessieren
DIN EN ISO 9001:2015

Zum ISO 9001:2015 Special

Prozesswelt

Serie zum Thema Prozesse, veröffentlicht von QM-Experten deutscher Unternehmen gemeinsam mit der N5 GmbH und der Fachzeitschrift QZ

Zur Prozesswelt