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Führung - Toyota Production System (TPS)

Toyota Production System (TPS)

Auszug aus
Gerd F. Kamiske, Jörg-Peter Brauer

Qualitätsmanagement von A - Z

09/2011, 404 Seiten, € 31,99
ISBN: 978-3-446-42812-6
S. 331-335

Als Toyota Production System wird das Organisations- und Produktionssystem der japanischen Toyota Motor Company, Ltd. bezeichnet, welches das gesamte Unternehmen umfaßt, dabei aber besonders auf die Fertigung ausgerichtet ist.

Dieses System wurde von dem Japaner Taiichi Ohno entwickelt, der auch das Just-in-Time-Prinzip bei Toyota einführte (vgl. Just-in-Time). In diesem Zusammenhang ist Just-in-Time dann ein Konzept zur flexiblen, zeitgenauen Fertigung und Anlieferung, welches in ein schlankes Produktionsmanagementsystem (Lean Production), eben das des Toyota Production System, eingebunden ist [Shingo 81]. Man kann das Toyota Production System als Referenzanwendung eines schlanken Produktionsmanagementsystems betrachten.

Der Begriff Lean Production wurde im Rahmen des International Motor Vehicle Program (IMVP) geprägt, einer in der Zeit von 1985 bis 1990 vom Massachusetts Institute of Technology (MIT) durchgeführten Studie in der Automobilindustrie [Womack et al. 90]. Dieses Organisations- und Produktionsmodell japanischer Herkunft unterstützt das Management eines Unternehmens im Hinblick auf Ziele wie Qualität, Produktivität, Flexibilität und Mitarbeitermotivation. Verschwendung aller Art (z. B. Zwischenlager, Überkapazitäten) wird vermieden und der Kunde rückt in den Mittelpunkt aller Bemühungen.

Die Idee der Lean Production muß allerdings in zwei Dimensionen betrachtet werden: In der organisatorisch-technischen und in der menschlichen. Vielfach wird im Westen lediglich die "sichtbare" technische Seite der Lean Production betrachtet, während die "unsichtbare" Seite, nämlich die Aspekte der Führung von Mitarbeitern und deren Verhalten, vernachlässigt wird. Die Technik stellt jedoch lediglich die Grundlage dar. Das Beherrschen von Prozessen, die Anstrengungen im Hinblick auf eine Null-Fehler-Produktion und die konsequente Anwendung von Qualitätsmanagement mit dem Ziel der Ständigen Verbesserung sind von unbestrittener Bedeutung. Die schlanke Produktion auf der Grundlage hoher Qualität erreicht ihre volle Funktionsfähigkeit zur Vermeidung von Verschwendung jedoch erst durch den Einsatz der speziellen menschlichen Eigenschaften Denken/Wissen und Wollen. Dabei werden andere Faktoren wie z. B. Kapital gewissermaßen substituiert. Der Erfolg von Lean Production beruht demnach auf der Mitarbeit von Menschen und wird somit zur Fragile/Lean Production. Dabei ist mit "fragile" das empfindliche, sogar zerbrechliche Vorgesetzten-Mitarbeiter-Verhältnis gemeint. Das Gegenteil davon wird entsprechend als Robust/Buffered Production bezeichnet [Womack et al. 90, Kamiske 90b]. Ein vertrauensvolles Verhältnis ist aber unumgängliche Voraussetzung für die nötige Ständige Verbesserung, die nur von den Mitarbeitern kommen kann. In diesem Sinne stellt die Technik einen Parameter dar, dessen Veränderung trotz hoher Investitionen nicht mehr zu proportionalen Verbesserungen führt. Es gilt folglich, den Faktor Mensch zu betrachten, der bei vertretbarem Einsatz deutliche Verbesserungen erlaubt.

Im Zuge der MIT-Studie wurde der Erfolg des Toyota Production System als Ausprägung der schlanken Produktionsmanagementmethode besonders deutlich. Als ein wichtiges, aber nicht mehr unbedingt überraschendes Ergebnis muß noch die eindeutige Feststellung einer starken Korrelation zwischen Qualität und Produktivität genannt werden [Krafcik 88]. Damit ist nachgewiesen, daß die praktische Umsetzung des Qualitätsgedankens in wirtschaftlich erfolgreicher Weise möglich ist bzw. mit dem Prozeßdenken überhaupt erst die Voraussetzung hierfür schafft.

Bei der Analyse des Toyota Production System stellt man fest, daß es im wesentlichen auf zwei Bestandteilen basiert. Zum einen steht der Produktionsprozeß im Mittelpunkt der Betrachtung. Daraus ergeben sich Unterschiede in den fertigungstechnischen und arbeitsablaufbezogenen Strukturen. Zum anderen ist der Produktionsprozeß in ein Managementkonzept integriert, wodurch das Toyota Production System erst zu seiner vollen Entfaltung gelangt.

Die folgenden Unterschiede zum traditionellen System von Fertigung und Management sind besonders hervorzuheben [Shingo 81]:

  • Betrachtung des Produktionsprozesses als Ort der Wertschöpfung und Quelle des Gewinns (vgl. Gemba).
  • Gewinn wird definiert als Verkaufspreis minus Kosten, wobei sich der Verkaufspreis durch den Markt ergibt und der Gewinn also in erster Linie von den Kosten des Unternehmens abhängig ist, die es zu senken gilt.
  • Identifizierung und Eliminierung der sieben Arten der Verschwendung (Sieben Muda), die im Unternehmen auftreten: Überproduktion, Wartezeit, überflüssiger Transport, ungünstiger Herstellungsprozeß, überhöhte Lagerhaltung, unnötige Bewegung, Herstellung fehlerhafter Teile (vgl. Muda, Mura, Muri – Die drei Mu).
  • Ausrichtung des Unternehmens an den Kundenanforderungen, die den Qualitätsmaßstab festlegen.
  • Verständnis der auf Qualität abzielenden Unternehmenspolitik bei sämtlichen Mitarbeitern.
  • Qualitätszirkel auf allen Ebenen und Hierarchiestufen des Unternehmens (vgl. Qualitätszirkel).
  • Mehrfachbedienung von Maschinen durch einen einzelnen Mitarbeiter.
  • Jidoka (Autonomation) – Selbststeuernde Fehlererkennungssysteme, die den Prozeß bei Unregelmäßigkeiten sofort unterbrechen (vgl. Jidoka).
  • Poka Yoke – Einrichtungen und Vorkehrungen zur Vermeidung unbeabsichtigter Fehler (vgl. Poka Yoke).
  • Just-in-Time (JiT) und Kanban – Reduzierung der Lagerbestände, Verkürzung der Durchlaufzeiten und Umkehr des Informationsflusses in der Fertigung (vgl. Just-in-Time, Kanban).
  • Einbeziehung der Lieferanten zur Produktion und Anlieferung nach dem Just-in-Time-Konzept.
  • Total Productive Maintenance (TPM) – Instandhaltung der Produktionsanlagen durch das Bedienungspersonal, um Maschinenausfälle zu vermeiden (vgl. Total Productive Maintenance).
  • Single Minute Exchange of Die (SMED) – Entwicklung eines Systems zur Verkürzung der Werkzeugwechselzeiten, um geringere Losgrößen wirtschaftlich produzieren zu können (vgl. Single Minute Exchange of Die).

Die Inhalte des Toyota Production System stimmen in einem weiten Ausmaß mit den Elementen der Total Quality Management-Strategie (TQM) überein (vgl. Total Quality Management). Bei näherer Betrachtung wird deutlich, daß auch in dieser Hinsicht das Toyota Production System als gelungene Umsetzung wesentlicher Bestandteile dieser Strategie angesehen werden kann. Dabei sind jedoch gewisse Unterschiede im Umfang zu berücksichtigen. Während das Toyota Production System schwerpunktmäßig auf die Produktion ausgerichtet ist, geht Total Quality Management noch darüber hinaus und integriert neben dem gesamten Unternehmen auch dessen Umfeld. Eine detaillierte Untersuchung des Toyota Production System kann an dieser Stelle nicht vorgenommen werden. Es ist jedoch auf das Vorhandensein von zwei grundsätzlichen Betrachtungsebenen hinzuweisen. Dabei handelt es sich einerseits um den Herstellungsprozeß (Process), der die Transformation der Objekte im Produktionsfluß vom Material bis zum fertigen Endprodukt analysiert. Andererseits werden im Handhabungsprozeß (Operation) die Verhaltensstrukturen der Menschen und Maschinen untersucht, die den Herstellungsprozeß erst ermöglichen. Es wird also die Transformation der Subjekte im Produktionsfluß betrachtet. Aus dieser Sichtweise heraus kann ein Fertigungsunternehmen als ein Netzwerk von Herstellungs- und Handhabungsprozessen verstanden werden [Shingo 81].

Auszug aus
Gerd F. Kamiske, Jörg-Peter Brauer

Qualitätsmanagement von A - Z

09/2011, 404 Seiten, € 31,99
ISBN: 978-3-446-42812-6
S. 331-335
Literaturhinweis

Ohno, T.: Toyota Production System: Beyond Large-Scale Production. Cambridge/Mass./USA: Productivity Press 1988.

Shingo, S.: Study of 'Toyota' Production System from Industrial Engineering Viewpoint. Tokyo/Japan: Japan Management Association 1981.

Monden, Y.: Toyota Production System – Practical Approach to Production Management. Atlanta/Ga./USA: 1983.

Womack, J. P.; Jones, D. T.; Roos, D.: The Machine that changed the World. Englewood Cliffs/NJ/USA: Prentice Hall 1990.

Toyota Production System (TPS). In: Gerd F. Kamiske, Jörg-Peter Brauer (Hrsg.). Qualitätsmanagement von A bis Z . Erläuterungen moderner Begriffe des Qualitätsmanagements. 5. aktualisierte Auflage. Hanser 2005, S. 331-335.

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