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Führung - Qualitätspreise

Qualitätsauszeichnungen / Quality Awards

Auszug aus
Gerd F. Kamiske, Jörg-Peter Brauer

Qualitätsmanagement von A - Z

09/2011, 404 Seiten, € 31,99
ISBN: 978-3-446-42812-6
S. 170-186

Zur Förderung und Anerkennung der Bemühungen um Qualität sind in Japan, den USA und schließlich auch in Europa Qualitätsauszeichnungen (Quality Awards) geschaffen worden. Die Auszeichnungen stellen eine Anerkennung für hervorragende Leistungen bei der Umsetzung umfassender Qualitätskonzepte im Sinne von Total Quality Management dar und sind mit erheblichem Prestige für das jeweilige Unternehmen verbunden. Gleichzeitig dienen die Beurteilungskriterien, nach denen die Bewerber begutachtet werden, für viele Unternehmen als interner Leitfaden und Bewertungsmaßstab für ihre Qualitätsbemühungen (Quality bzw. Self-Assessment, Selbstbewertung), denn die Anforderungen gehen über diejenigen der Zertifizierungsnorm für Qualitätsmanagementsysteme, DIN EN ISO 9001:2008, hinaus und können somit als Maßstäbe für ein Unternehmen auf seinem Weg in Richtung Total Quality Management eingesetzt werden [Malorny 99]. Damit leisten der Deming Prize in Japan, der Malcolm Baldrige National Quality Award in den USA, der EFQM Excellence Award in Europa und der davon abgeleitete deutsche Ludwig-Erhard-Preis einen wesentlichen Beitrag zur Verbreitung von Qualität als Führungskonzept und Unternehmensphilosophie. Mit der neuen DIN EN ISO 9004:2009 wird jedoch auch seitens der internationalen Normung ein Leitfaden für solche Organisationen angeboten, die sich beim Streben nach ständiger Leistungsverbesserung weiterentwickeln wollen.

Die Auszeichnungen weisen trotz der Übereinstimmung in wesentlichen Punkten einige spezifische Unterschiede auf, die aus den jeweiligen Kriterienmodellen resultieren und nachfolgend kurz dargestellt werden. Dabei sei noch darauf hingewiesen, dass es sich hier nur um generelle Aussagen handelt. Die Kriterien der Qualitätsauszeichnungen verändern sich teilweise von Jahr zu Jahr, sodass eine verbindliche Aussage nur von den entsprechenden Trägerorganisationen erfolgen kann und dort aktuell eingeholt werden sollte.

Deming Prize

Der Deming Prize ist die älteste Auszeichnung für Unternehmen und Organisationen, der ein umfassendes Qualitätsverständnis zugrunde liegt. Er wurde erstmals 1951 von der Japanese Union of Scientists and Engineers (JUSE) verliehen. In Anerkennung seiner Verdienste um die japanische Wirtschaft wurde die Auszeichnung nach W. Edwards Deming, einem der Begründer der weltweiten Qualitätsbewegung, benannt.

Der Deming Prize ist besonders auf umfassende Qualitätsanstrengungen im gesamten Unternehmen ausgerichtet und zielt damit direkt auf Total Quality Management als unternehmensweit wirksames Qualitätskonzept ab. Wichtigster Aspekt ist dabei das wirkungsvolle und auch wirtschaftliche Erreichen von Unternehmens- und Qualitätszielen, um Produkte und Dienstleistungen zur vereinbarten Zeit, zu einem angemessenen Preis und mit einer vom Kunden akzeptierten Qualität zu erstellen. Eine zentrale Bedeutung wird auch der Ständigen Verbesserung, der Einführung von Qualitätszirkeln sowie der konsequenten Anwendung statistischer Methoden in allen Unternehmensbereichen beigemessen [JUSE 96].

Der Deming Prize wird in folgenden Kategorien vergeben:

  • Deming Prize for Individuals (an Einzelpersonen)
  • Deming Application Prize
    • for Companies (an Unternehmen allgemein)
    • for Small Companies (an Kleinbetriebe)
    • for Divisions (an Bereiche eines größeren Unternehmens)
    • for Overseas Companies (an ausländische Firmen)
  • Quality Control Award for Factories (an Unternehmen)
  • Japan Quality Medal (seit 1969 an Unternehmen, die vor mindestens fünf Jahren bereits den Deming Application Prize gewonnen haben, aber ihr Qualitätsengagement nochmals deutlich verbessert haben

Hinsichtlich der möglichen Teilnehmer an der Ausschreibung unterscheidet sich der Deming Prize von anderen nationalen Qualitätsauszeichnungen dadurch, dass sich nicht nur Unternehmen des eigenen Landes, sondern seit 1986 auch ausländische Firmen sowie öffentliche und gemeinnützige Organisationen um den Deming Application Prize und die Japan Quality Medal bewerben können.

Dem Beurteilungsprozess zum Deming Prize liegt kein formales Bewertungsmodell zugrunde, wie es bei anderen Qualitätspreisen regelmäßig der Fall ist. Stattdessen gibt die Japanese Union of Scientists and Engineers (JUSE) eine Checkliste mit Hauptkriterien heraus, die in ihrer Bedeutung erläutert werden. Unterschiedliche Bewertungsgewichtungen der einzelnen Kriterien gibt es nicht. Alle Bewerber, die 70 von maximal 100 erreichbaren Punkten erzielt haben, werden ausgezeichnet. Bewerber, die diesen an spruchsvollen Mindeststandard nicht erfüllt haben, können sich im folgenden Jahr erneut bewerben und werden dann nur in denjenigen Kriterien geprüft, in denen die Punktzahl nicht ausreichend war.

Nachfolgend wird die Checkliste für den Deming Application Prize mit stichpunktartig gefassten Erläuterungen zu den Hauptkriterien wiedergegeben [JUSE 96]:

  1. Unternehmenspolitik
    • Bedeutung von Qualitätsaspekten für Politik und Strategie
    • Prozess zur Festlegung von Qualitätspolitik und -zielen
    • Einbeziehung der Mitarbeiter in die Zielfestlegung
    • Gewichtung der Qualitätsziele zu anderen Unternehmenszielen
    • Klarheit und Verständlichkeit der Qualitätsziele
    • Durchgängige Umsetzung der Ziele auf allen Ebenen
    • Vorbildfunktion und aktive Führungsrolle des Managements
  2. Organisation
    • Angemessenheit und Wirksamkeit organisatorischer Regelungen
    • Eindeutige Festlegungvon Verantwortlichkeiten
    • Klare Schnittstellenregelungen zwischen Bereichen
    • Mitwirkungs- und Beteiligungsmöglichkeiten für Mitarbeiter
    • Unterstützungder Zusammenarbeit von Abteilungen
    • Umfang abteilungsübergreifender Teamarbeit
    • Ausgestaltung der Beziehungen zu verbundenen Unternehmen
  3. Information
    • Umgang mit internen und externen Informationen
    • Weitergabe von Informationen zwischen Bereichen/Werken
    • Datengewinnung, Ableitung von Informationen
    • Verwaltung, Schutz und Nutzung von Daten/Informationen
    • Einsatz statistischer Analysen und Auswertungen
  4. Standardisierung/Normung
    • Inhalt und praktische Anwendung von Normen und Regelwerken
    • Angemessenheit und Einhaltung
    • Vorgehen zur ständigen Aktualisierung
    • Gewinnung und Pflege von technologischem Wissen
  5. Personalentwicklung, Aus- und Weiterbildung
    • Systematische Personalplanung und -entwicklung
    • Vermittlung von qualitätsrelevantem Wissen
    • Gründlichkeit der Ausbildung für die praktische Anwendung
    • Orientierung an statistischen Methoden
    • Ausbildung der Mitarbeiter in der Qualitätszirkel-Arbeit
    • System für Verbesserungsvorschläge
  6. Qualitätssicherungsaktivitäten
    • Qualitätssicherung in allen Phasen des Produktlebenszyklus
    • Produktsicherheit und Einhaltung gesetzlicher Bestimmungen
    • Prozessüberwachung und Ständige Verbesserung
    • Untersuchungen zur Prozessfähigkeit
    • Wirkungsvolle Prüfungen und Messungen in den Prozessen
    • Regelmäßige Überprüfung des Qualitätsmanagementsystems
    • Einsatz statistischer Methoden
    • Durchführung von Qualitätsuntersuchungen und Audits
  7. Steuerung, Überwachung und Regelung
    • Steuerungssysteme für Qualität, Kosten und Mengen
    • Zyklische Überwachung und Regelung der Qualitätsaktivitäten
    • Einsatz statistischer Methoden, z. B. Qualitätsregelkarten
    • Steuerungssysteme für Fertigungs- und Geschäftsprozesse
  8. Verbesserungsaktivitäten
    • Prozess der Ständigen Verbesserung im gesamten Unternehmen
    • Anwendung statistischer Methoden
    • Gezielte Identifikation von Verbesserungspotenzialen
    • Durchführung von Qualitäts- und Prozessanalysen
    • Analyse und Bewertung realisierter Verbesserungen
    • Stabilisierung über Regelungs- und Kontrollmechanismen
  9. Ergebnisse
    • Leistungsfähigkeit des gesamten Unternehmens
    • Messung finanzieller und nicht finanzieller Geschäftsergebnisse
    • Wirksamkeit von Erfolgen hinsichtlich Kundenzufriedenheit
    • Instrumente und Verfahren zur Erfolgsmessung
    • Bewertung nicht monetär messbarer Erfolge
    • Auswirkung der Geschäftstätigkeit auf die Gesellschaft
  10. Zukunftsplanung
    • Perspektiven für die zukünftige Entwicklung
    • Reaktionen auf Veränderungen der Rahmenbedingungen
    • Schaffung von Voraussetzungen für Neuerungen
    • Anpassung an wechselnde Kundenanforderungen
    • Förderung von Plänen für die Zukunft
    • Zukünftige Entwicklungen des Qualitätsmanagements
    • Umsetzung der langfristigen Pläne des Unternehmens

Malcolm Baldrige National Quality Award (MBNQA)

Der Malcolm Baldrige National Quality Award wurde 1987 vom US-amerikanischen Kongress zur Verbesserung der Wettbewerbsfähigkeit der Wirtschaft per Gesetz ins Leben gerufen. Damit wurde Produkt- und Servicequalität als ein Anliegen von nationaler Bedeutung erkannt. Benannt wurde der Award nach dem 1987 verstorbenen Handelsminister Malcolm Baldrige, der sich um die Gestaltung und politische Durchsetzung der Auszeichnung verdient gemacht hat. Die Preisverleihung erfolgt seit 1988 jährlich durch den Präsidenten der USA, wodurch das hohe Ansehen dieser Auszeichnung unterstrichen wird. Die Entwicklung des Malcolm Baldrige Award erfolgt unter Federführung des National Institute of Standards and Technology (NIST).

Ziel des Malcolm Baldrige Award ist es, das Gedankengut des Total Quality Management zu verbreiten. Dazu heißt es in den Ausschreibungsunterlagen: „Es wird beabsichtigt, das Bewusstsein für Qualität als entscheidenden Wettbewerbsfaktor zu stärken, die Notwendigkeit für hervorragende Qualität bewusst zu machen und Informationen über erfolgreiche Qualitätskonzepte und die Vorteile, die aus ihrer Einführung herrühren, publik zu machen“ [NIST 97].

Der Malcolm Baldrige Award fokussiert stark auf Kundenzufriedenheit als wesentliches Qualitätsmerkmal und enthält mit der Betonung von Wettbewerbervergleichen (Benchmarking) ein starkes Konkurrenzelement. In diesem Sinne wird er auch nur an jeweils maximal zwei Bewerber in drei Kategorien verliehen:

  • Produzierende Unternehmen
  • Dienstleistungsunternehmen
  • Kleine Unternehmen mit weniger als 500 Vollzeitbeschäftigten

Dem Beurteilungsprozess für den Malcolm Baldrige Award liegt ein Kriterienmodell zugrunde, das auf einem umfassenden Verständnis von Qualität beruht. Dieses Modell wurde 1997 deutlich weiterentwickelt und besteht aus sieben Haupt- und 20 Einzelkriterien mit expliziten Gewichtungsfaktoren (vgl. Bild 1) [NIST 97]. Aufgrund des hohen Detaillierungsgrades wird der Kriterienkatalog von vielen Unternehmen auch als interner Leitfaden zur Selbstbewertung (Quality Assessment, Self-Assessment) auf dem Weg der Umsetzung von Total Quality Management benutzt.

Bild 1. Das Modell des Malcolm Baldrige Award

Bild 1. Das Modell des Malcolm Baldrige Award

Das Kriterienmodell des Malcolm Baldrige Award basiert auf Grundprinzipien (Core Values), die von vielen Fachleuten als die Säulen des Qualitätsmanagements angesehen werden [Nakhai/Neves 94]. Darüber hinaus ist das Modell auch stark auf Aspekte allgemeiner Unternehmensführung ausgerichtet, um den Gedanken an ganzheitliche Unternehmensqualität, Wettbewerbsfähigkeit und ausgezeichnete Unternehmensführung (Business Excellence) noch deutlicher in den Vordergrund zu stellen.

Nachfolgend wird der Kriterienkatalog für den Malcolm Baldrige Award 1998 wiedergegeben [NIST 97]:

Tabelle 1. Kriterienkatalog für den Malcolm Baldrige Award 1998

Tabelle 1. Kriterienkatalog für den Malcolm Baldrige Award 1998

Die Bewertung nach dem Modell des Malcolm Baldrige Award erfolgt für die ersten sechs Hauptkriterien über einen zweidimensionalen Ansatz. Dabei wird einerseits die Angemessenheit der verfolgten Konzepte und Maßnahmen zur Erfüllung der Modellforderungen erfasst, andererseits wird auch der Umfang der Anwendung berücksichtigt. Diese beiden Aspekte stehen gleichberechtigt nebeneinander und zielen darauf ab, dass hohe Bewertungsergebnisse nur dann erreicht werden können, wenn ein zielführendes und systematisches Vorgehen im gesamten Unternehmen zur Anwendung kommt. Der Bewertung des Hauptkriteriums „Geschäftsergebnisse“ liegt formal ein eindimensionaler Ansatz zugrunde, da lediglich die Qualität der Ergebnisse (realisiertes Leistungsniveau und erkennbare Trends) betrachtet wird. Doch findet hier auch die Bedeutung der erbrachten Leistungen für das Unternehmen Eingang in die Bewertung [Zink 98].

EFQM Excellence Award (EEA)

Vor dem Hintergrund der verstärkten Qualitätsförderung in Japan und in den USA wurde auch eine europäische Qualitätsauszeichnung geschaffen und 1992 erstmals verliehen. Entwickelt wurde diese Auszeichnung von der European Foundation for Quality Management (EFQM) in Zusammenarbeit mit der European Organization for Quality (EOQ) und der Kommission der Europäischen Gemeinschaft [Peacock 92]. Die EFQM mit Sitz in Brüssel ist ein 1988 gegründeter Zusammenschluss von Unternehmen, die das Ziel verfolgen, die Position europäischer Firmen auf dem Weltmarkt zu stärken. Dazu sollen die Bedeutung von Qualität als Erfolgsfaktor und die Akzeptanz von Total Quality Management in den Unternehmen verbreitet werden. Die Auszeichnung – seit 2006 EFQM Excellence Award (EEA) genannt statt bisher European Quality Award (EQA) – wird an solche Unternehmen verliehen, die besondere Anstrengungen auf dem Gebiet von Total Quality Management vorzuweisen haben. Für alle anderen Unternehmen soll er ein Ansporn sein, es diesen „Quality Leaders“ gleichzutun [Zink 04].

Grundlage für den EEA ist das EFQM-Modell für Excellence (vgl. Bild 2) [EFQM 10]. Es wurde zunächst als stark qualitätsbezogenes Modell eingeführt und in den Jahren 1998 und 1999 grundlegend verändert, um auch die erweiterte Ausrichtung auf hervorragende Leistungen im Wettbewerb auszudrücken.

Es wurde zunächst als stark qualitätsbezogenes Modell eingeführt und in den Jahren 1998 und 1999 grundlegend verändert und 2003 erneut behutsam überarbeitet, um auch die erweiterte Ausrichtung auf hervorragende Leistungen im Wettbewerb auszudrucken. Ende September 2009 veröffentlichte die EFQM in Brüssel die Revision des bisherigen EFQM-Modells. Das neue, aktuelle EFQM-Modell 2010 ist – wie bisher auch – in neun Hauptkriterien unterteilt und als ein Total Quality Management-Modell zu verstehen, das alle Managementbereiche abdeckt. Es hat zum Ziel, den Anwender zu exzellentem Management und exzellenten Geschäftsergebnissen zu fuhren. Dabei betrachtet das
Modell sowohl die Ergebnisse in Form von vier Ergebniskriterien als auch das, was zu diesen Ergebnissen führt, nämlich fünf sogenannte Befähigerkriterien. Diese Kriterien sind weiter unterteilt in insgesamt 32 Teilkriterien, zu denen es noch entsprechende Erläuterungen gibt.

Bild 2. Das EFQM-Modell für Excellence 2010

Bild 2. Das EFQM-Modell für Excellence 2010

Um den EFQM Excellence Award können sich alle europäischen Unternehmen bzw. Organisationen jährlich in vier grundlegenden Kategorien bewerben [EFQM 10]:

  • Large Organisation and Business Unit: An einzelne Unternehmen oder eigenständige Unternehmenseinheiten, die als unabhängige Profit Center geführt werden, einen eigenen Umsatz größer 50 % erzielen, mehr als 250 Beschäftigte haben und einen eigenen Namen sowie eigene Markennamen.
  • Operational Unit of a Large Organisation: An wesentliche Unternehmensteile mit mehr als 250 Beschäftigten, die sich nicht als selbstständige Unternehmen bewerben können, jedoch als unabhängige Geschäftseinheiten (Cost Center) geführt werden, beispielsweise Fabriken, Montagewerke, Forschungsbereiche oder andere Funktionseinheiten.
  • Public Sector (Large or Small): An öffentliche Dienstleistungsbetriebe, die nicht gewinnorientiert arbeiten und nicht dem Unternehmenssteuerrecht unterliegen.
  • Small and Medium Sized Enterprise (SME): An gesamte Unternehmen (Independent SME) oder unabhängige Tochtergesellschaften (Subsidiary SME), die weniger als 250 Mitarbeiter beschäftigen.

Die jährliche Vergabe der Auszeichnung erfolgt dann in vier Stufen, die auf jede der vorstehend genannten Unternehmenskategorien angewendet werden können [EFQM 10]:

  • Award Winner EEA: 
Ausgezeichnet wird ein Unternehmen bzw. eine Organisation je Kategorie. Es muss jedoch nicht jährlich in jeder Kategorie der EFQM Excellence Award vergeben werden.
  • Prize Winner: 
Die Preise können an mehrere Unternehmen, die hervorragende Leistungen auf dem Gebiet des Qualitätsmanagements erbracht haben, verliehen werden. Basis für die Beurteilung bilden die 2003 eingeführten „Grundkonzepte der Excellence“ (The Fundamental Concepts of Excellence), die acht wesentliche Erfolgsfaktoren für Organisationen benennen. Dies sind [EFQM 03a]:
    • Ergebnisorientierung,
    • Ausrichtungaufden Kunden;
    • Führung und Zielkonsequenz;
    • Management mittels Prozessen und Fakten;
    • Mitarbeiterentwicklung und -beteiligung;
    • Kontinuierliches Lernen, Innovation und Verbesserung;
    • Entwicklung von Partnerschaften;
    • Soziale Verantwortung.
  • Finalist: 
Es können mehrere Finalisten in allen Kategorien ausgezeichnet werden, deren Unternehmen bzw. Organisationen bereits einen hohen Grad der Excellence erreicht haben.
  • Recognised for Excellence in EEA: 
Alle Bewerber um den EEA können diese Anerkennung erhalten, wenn sie bereits messbare Fortschritte auf ihrem Weg zu Excellence gemacht haben. Der Schwerpunkt liegt auf der Anerkennung von erfolgreichen Anstrengungen sowie einer strukturierten Vorgehensweise bei der Identifizierung von Stärken und Verbesserungspotenzialen [EFQM 05].
Bild 3. Levels of Excellence – Stufen der Excellence

Bild 3. Levels of Excellence – Stufen der Excellence

Darüber hinaus vergibt die EFQM bereits für den ersten Schritt zu Excellence eine Urkunde: Erfolgreiche Absolventen müssen eine erste Selbstbewertung nach dem EFQM-Modell durchgeführt, daraus Stärken und Verbesserungspotenziale abgeleitet und für mindestens drei relevante Verbesserungspotenziale Maßnahmenpläne entwickelt und umgesetzt haben. Dieser Schritt auf dem Weg zu Excellence ist nicht an den Jahresrhythmus des EEA gebunden, sondern kann zu jedem beliebigen Zeitpunkt durchlaufen werden. Er ist gleichzeitig die unterste Stufe (Committed to Excellence) im EFQM-Programm „Levels of Excellence – Stufen der Excellence“. Levels of Excellence wurde als europäisches Anerkennungsprogramm ins Leben gerufen. Es bietet einen durchgängigen europäischen Standard für Organisationen und Organisationseinheiten aller Größen und Branchen und ihrer unterschiedlichen Reifegrade. Es dient dazu, auf Erreichtes zurückzublicken und zu noch größeren Leistungen in der Zukunft anzuspornen. Basierend auf dem EFQM-Modell für Excellence und den acht Grundkonzepten der Excellence stellt sich das Programm Levels of Excellence der EFQM in drei Blickrichtungen dar – internationaler, nationaler und regionaler Fokus (vgl. Bild 3) [EFQM 05a].

Die einzelnen Kriterien des EFQM Excellence Award ähneln stark denen des Malcolm Baldrige National Quality Award. Es werden allerdings durch eine stärkere Akzentuierung des Themenbereichs der gesellschaftlichen Verantwortung, der Aspekte der Lebensqualität, des Umweltschutzes und des Ressourcenschutzes mit in die Bewertung einbezieht, sowie durch die im Zuge der Überarbeitung veränderten Kriterien etwas andere Schwerpunkte gesetzt.

Nachfolgend werden die Kriterien für den EFQM Excellence Award in der Fassung für das Jahr 2010 wiedergegeben [EFQM 10]: Wie bisher auch, können insgesamt 1000 Punkte erreicht werden [EFQM 10]:

Tabelle 2. Kriterien für den EFQM Excellence Award in der Fassung für das Jahr 2010.

Im Beurteilungsprozess für den EFQM Excellence Award werden die eingereichten Unterlagen von speziell ausgebildeten Assessoren bewertet und anschließend einer Jury vorgelegt, die darüber entscheidet, in welchen Unternehmen Audits durchgeführt werden. Die Preisträger werden in einem Schlussreview ermittelt. Zur Neufassung des EFQM-Modells für 2000 gehörte auch eine überarbeitete Bewertungsmethode, die sich aus mehreren Schritten zusammensetzt und nach ihren Anfangsbuchstaben „RADAR“ genannt wird:

  • Results (Ergebnisse) spiegeln den Grad der erreichten Exzellenz wider. Sie sollen positive Trends über Jahre aufweisen, also Nachhaltigkeit auf dem Weg, die gesetzten Ziele zu erreichen. Der erreichte positive Stand muss sich dabei ursächlich auf den Einsatz von Total Quality Management in der Organisation zurückführen lassen.
  • Approach (Vorgehen) beschreibt die geplante Vorgehensweise unter Angabe der Gründe. Basis sind die umfassenden Kundenbedürfnisse (Stakeholder Needs). Die Prozessorientierung dient dabei der Unterstützung von Politik und Strategie.
  • Deployment (Umsetzung) soll systematisch in allen Bereichen der Organisation erfolgen.
  • Assessment (Bewertung) der Vorgehensweise und des Standes der erreichten Ergebnisse sowie Initiierung von weiteren Verbesserungsmöglichkeiten.
  • Review (Überprüfung) des Umsetzungsweges und der erzielten Ergebnisse im Vergleich zu anderen Unternehmen (Benchmarking), um entsprechende Lernaktivitäten einleiten zu können.

Die Bedeutung des EFQM Excellence Award wird durch die Tatsache gemindert, dass bisher noch keine europäische Autorität für die Vergabe der Auszeichnung gefunden wurde, die in allen Ländern der Europäischen Union (Europäische Gemeinschaft) ein gleichermaßen hohes Ansehen genießt. Eine solche Autorität stellt z. B. der Präsident der USA in den USA dar, der den Malcolm Baldrige National Quality Award überreicht. Zur Imagebildung der Auszeichnung ist dieses nicht unerheblich.

Ludwig-Erhard-Preis (LEP)

Der Ludwig-Erhard-Preis als Deutscher Qualitätspreis für Spitzenleistungen im Wettbewerb wurde erstmalig 1997 ausgelobt. Er schließt die Lücke zwischen einzelnen Landespreisen (Bayern, Berlin-Brandenburg, Nordrhein-Westfalen, Sachsen, Sachsen-Anhalt, Schleswig-Holstein, Thüringen) und dem Europäischen Qualitätspreis (EFQM Excellence Award). Gleichzeitig ist er in Verbindung mit anderen nationalen Qualitätsauszeichnungen, insbesondere dem Deming Prize (Japan) und dem Malcolm Baldrige National Quality Award (USA), zu sehen.

Benannt ist die Auszeichnung nach dem deutschen Wirtschaftsminister und Bundeskanzler Ludwig Erhard (1897–1977), dem „Vater des Wirtschaftswunders“ in der Zeit nach dem Zweiten Weltkrieg. Der Ludwig-Erhard-Preis steht unter der Schirmherrschaft des Deutschen Bundespräsidenten und ist eine Initiative des Vereins Deutscher Ingenieure – Gesellschaft Systementwicklung und Projektgestaltung (VDI-GSP) sowie der Deutschen Gesellschaft für Qualität (DGQ). Weitere Träger sind die Spitzenverbände der deutschen Wirtschaft: Bundesvereinigung der Deutschen Arbeitgeberverbände (BDA), Bundesverband der Deutschen Industrie (BDI), Bundesverband des Deutschen Groß- und Außenhandels (BGA), Deutscher Industrie- und Handelstag (DIHT), Hauptverband des Deutschen Einzelhandels (HDE) und Zentralverband des Deutschen Handwerks (ZDH). Die Geschäftsführung der Initiativgemeinschaft Ludwig-Erhard-Preis teilen sich VDI-GSP (ungerade Jahre) und DGQ (gerade Jahre).

Mit dem Ludwig-Erhard-Preis werden vorbildliche Unternehmen und Institutionen in Deutschland ausgezeichnet, die durch hervorragende Leistungen nachweislich Spitzenpositionen im internationalen Wettbewerb erzielt haben. Damit sollen Organisationen angeregt werden, sich mit den Besten zu messen, um ihre Wettbewerbs- und Innovationsfähigkeit langfristig zu sichern. Mit dieser Zielsetzung fördert der Ludwig-Erhard-Preis die Auseinandersetzung mit den Ideen des umfassenden Qualitätsmanagements im Sinne von Total Quality Management (TQM) als ganzheitlichem Ansatz der Unternehmensführung. Angesprochen ist damit ein breiter Adressatenkreis, zu dem nicht nur Unternehmen aller Branchen und Größen gehören, sondern beispielsweise auch Behörden, Gesundheits- und Bildungseinrichtungen. Die Bewerbungsabsicht zum Ludwig-Erhard-Preis ist mit einem Bewerbungsformular zu erklären, das in der jeweils aktuellen Bewerbungsbroschüre enthalten ist. Die Bewerbungsunterlagen müssen in deutscher Sprache abgefasst sein und dürfen nicht mehr als 75 Seiten umfassen.

Alle Bewerber unterziehen sich dem gleichen Bewertungsverfahren, das auf dem Modell zum Ludwig-Erhard-Preis basiert. Dieses Modell hat inhaltlich das Umsetzungsmodell für Total Quality Management der European Foundation for Quality Management (EFQM) übernommen, das auch der Bewertung für den Europäischen Qualitätspreis (EFQM Excellence Award) zugrunde liegt. Unterschiede beschränken sich auf kleinere formale Abweichungen wie die Bezeichnung der Elemente (Hauptkriterien) und die Beschreibung der Unterkriterien [Zink 98].

Das Bewertungsverfahren selbst ist in mehrere Schritte unterteilt. Dabei wird zunächst vom Bewerber eine Selbstbewertung (Self-Assessment) auf der Basis des Kriterienmodells zum Ludwig-Erhard-Preis durchgeführt. Auf dieser Basis wählt eine unabhängige Jury die besten werber als Finalteilnehmer aus. Diese werden dann einer zusätzlichen Vor-Ort-Bewertung durch unabhängige, speziell ausgebildete Assessorenteams unterzogen. Die von den Assessoren erstellten, abschließenden Bewertungsberichte dienen einer Jury zur Festlegung des Gewinners des Ludwig-Erhard-Preises. Weitere überdurchschnittlich erfolgreiche Bewerber werden ebenfalls ausgezeichnet. In der unabhängigen Jury zur Preisvergabe sind neun Führungskräfte aus Groß- und mittelständischen Unternehmen, Banken, Universitäten sowie der Ludwig-Erhard-Stiftung vertreten.

Die Preisverleihung findet jährlich im November in Berlin statt und ist eingebettet in eine Forumsveranstaltung, auf der das Bewertungsmodell des Ludwig-Erhard-Preises sowie die Konzepte erfolgreicher Unternehmen einer breiten Fachöffentlichkeit vorgestellt werden.

Auszug aus
Gerd F. Kamiske, Jörg-Peter Brauer

Qualitätsmanagement von A - Z

09/2011, 404 Seiten, € 31,99
ISBN: 978-3-446-42812-6
S. 170-186
Literaturhinweis

JUSE – Japanese Union of Scientists and Engineers (Hrsg.):
The Deming Prize Guide for Overseas Companies.
Tokyo/Japan: JUSE Press.

United States Department of Commerce; NIST – National Institute of Standards and Technology (Hrsg.):
Malcolm Baldrige National Quality Award – Award Criteria.
Gaithersburg/MD/USA.

EFQM – European Foundation for Quality Management (Hrsg.):
The EFQM Excellence Award Application Form.
Eindhoven/Niederlande.

DGQ – Deutsche Gesellschaft für Qualität; VDI – Verein Deutscher Ingenieure(Hrsg.):
Bewerbungsbroschüre Ludwig-Erhard-Preis.
Frankfurt/Main und Düsseldorf.

Kamiske, G.F., Brauer, J.-P. (2011): Qualitätsmanagement von A bis Z. Wichtige Begriffe des Qualitätsmanagements und ihre Bedeutung. Hanser Verlag, München, S.170-186

DIN EN ISO 9001:2015

Zum ISO 9001:2015 Special

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Serie zum Thema Prozesse, veröffentlicht von QM-Experten deutscher Unternehmen gemeinsam mit der N5 GmbH und der Fachzeitschrift QZ

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