nach oben
Meine Merkliste
Ihre Merklisteneinträge speichern
Wenn Sie weitere Inhalte zu Ihrer Merkliste hinzufügen möchten, melden Sie sich bitte an. Wenn Sie noch kein Benutzerkonto haben, registrieren Sie sich bitte im Hanser Kundencenter.

» Sie haben schon ein Benutzerkonto? Melden Sie sich bitte hier an.
» Noch kein Benutzerkonto? Registrieren Sie sich bitte hier.
Ihre Merklisten
Wenn Sie Ihre Merklisten bei Ihrem nächsten Besuch wieder verwenden möchten, melden Sie sich bitte an oder registrieren Sie sich im Hanser Kundencenter.
» Sie haben schon ein Benutzerkonto? Melden Sie sich bitte hier an.
» Noch kein Benutzerkonto? Registrieren Sie sich bitte hier.

« Zurück

Ihre Vorteile im Überblick

  • Ein Login für alle Hanser Fachportale
  • Individuelle Startseite und damit schneller Zugriff auf bevorzugte Inhalte
  • Exklusiver Zugriff auf ausgewählte Inhalte
  • Persönliche Merklisten über alle Hanser Fachportale
  • Zentrale Verwaltung Ihrer persönlichen Daten und Newsletter-Abonnements

Jetzt registrieren
Merken Gemerkt
Führung - EFQM | Führung - Business Excellence

EFQM Modell 2020 – Eine Chance für Excellence?

Bibliometrische Analyse und Diskussion im Lichte der Organisationsforschung

Kann die neueste Revision des EFQM Modells dem Thema „Excellence“ in Deutschland neuen Schwung verleihen und die Attraktivität des Bewertungsansatzes insgesamt (wieder) erhöhen? Eine bibliometrische Analyse der HTW Dresden zeigt, dass die Bedeutung des EFQM Excellence Modells – gemessen an der Publikationszahl in Deutschland – in den letzten Jahren kontinuierlich abgenommen hat. Ob und inwieweit die neueste Revision des Excellence Modells (EFQM 2020) diesen Negativtrend stoppen bzw. umkehren kann, wird im Lichte der Organisationsforschung diskutiert.

Evolutionäre Entwicklung des EFQM Excellence Modells durchläuft einschneidenden Wendepunkt

Seit seiner erstmaligen Veröffentlichung im Jahr 1991 revidierte die EFQM das Excellence Modell in regelmäßigen Abständen (Bild 1). Dabei konzentrierten sich die Änderungen jeweils auf ein oder mehrere Kernbestandteile des Modells: Grundkonzepte, Bewertungskriterien und/ oder -vorgehen (RADAR). Durch die kontinuierliche Überprüfung und Anpassung des Modells soll vor allem den wirtschaftlichen und gesellschaftlichen Entwicklungen Rechnung getragen werden. Gleichzeitig geht die Zielstellung dahin, mehr Organisationen für das Thema „Excellence“ zu begeistern.

Bild 1. Revisionen des EFQM Modells © HTW Dresden

Mit der neuesten Revision EFQM 2020 kommt es zu einer radikalen Neuausrichtung des Modells. So werden die Kernbestandteile des Modells grundlegend verändert: Statt 8 Grundkonzepte gibt es in Zukunft „nur“ noch drei Dimensionen, welche mithilfe von 7 Haupt- und 23 Teilkriterien bewertet werden. Das bekannte Schaubild (und bisheriger Markenkern) des EFQM-Modells mit 9 Befähiger- und Ergebniskriterien wird es in dieser Form nicht mehr geben. In den Vordergrund rückt die Darstellung der Dimensionen des EFQM Modells: „Ausrichtung“, „Realisierung“ und „Ergebnisse“.

Die Neuerungen des EFQM Modells führen zu einem regelmäßigen Echo in Wissenschaft und Praxis. So werden die Revisionen des Modells in einschlägigen Fachzeitschriften vorgestellt und diskutiert. Dadurch soll die Aufmerksamkeit und das Interesse an dem Produkt „EFQM Excellence Modell“ generell hoch gehalten werden. Gleichzeitig gibt es regelmäßig Pressemitteilungen, z.B. anlässlich großer Events wie die jährlich stattfindende EFQM Excellence Award-Preisverleihung.

Publikationszahlen zeigen: Bedeutsamkeit von EFQM nimmt tendenziell ab

Zur Beurteilung der Wichtigkeit und Aktualität eines Themas werden in der Wissenschaft bibliometrische Analysen durchgeführt. Je nach Studiendesign werden dabei themenbezogene Publikationen zahlenmäßig und/ oder inhaltlich ausgewertet. Im einfachsten Fall wird der wissenschaftliche Output zu einem bestimmten Themengebiet analysiert. Als Indikator dient die Anzahl der veröffentlichten Publikationen, welche unter ausgewählten Suchbegriffen in Datenbanken verzeichnet sind. Dabei gilt „Quantität vor Qualität“, d.h. der inhaltliche Wert/ Umfang einer Publikation bezogen auf das Themengebiet spielt zunächst eine untergeordnete Rolle. Erst im Zuge einer Resonanzanalyse, bei der die Texte (manuell) überprüft werden, lässt sich die themenbezogene Relevanz bestimmen.

Wie eine aktuelle Studie der HTW Dresden zum Thema „Excellence“ herausfand, nimmt die absolute Anzahl der Veröffentlichungen zu „EFQM“ im deutschsprachigen Raum kontinuierlich ab (Bild 2). Dabei zeigen sich deutliche zyklische Schwankungen, die z.T. mit den Revisionen des EFQM-Modells in Verbindung stehen. Auf Grundlage der erhobenen Daten lassen sich ebenfalls Prognosewerte für die Zukunft bestimmen. In die Zeitreihenanalyse fließen sowohl Trends als auch (zyklische) Schwankungen der Vergangenheit ein. Danach setzt sich – statistisch gesehen – der negative Trend langfristig fort. Nur für das Jahr 2020 wird ein sprunghafter Anstieg der Publikationszahlen erwartet.

Bild 2. Zeitreihenanalyse zu „EFQM in Deutschland“ © HTW Dresden

In der vorliegenden Studie wurde die „Datenbank für Hochschulen“ WISO verwendet. Gesucht wurde nach verschiedenen Begriffspaarungen in Verbindung mit EFQM, z.B. „Excellence Model“ und „Quality Award“ (siehe Excel-File). Für den Zeitraum von 2009 bis 2019 ergaben sich ca. 1.000 Treffer. Darin enthalten sind alle in Deutschland veröffentlichten Publikationen der letzten elf Jahre, in dem mindestens einer vorgegebener Suchbegriffe mindestens einmal im Text vorhanden ist. Die Art der Publikationen betrifft zum überwiegenden Teil Zeitschriftenartikel und Presseberichte (96 %). Bei den Branchen sind vor allem Automobilindustrie und Gesundheitswesen vertreten (75%).

Die Aussagefähigkeit der gewonnenen Studienergebnisse unterliegt – methodenbedingt – gewissen Einschränkungen, die an dieser Stelle kurz benannt werden sollen:

  • Zum einen wurden in der vorliegenden Studie nur zitationsfähige Zeitschriften und Publikationen in Deutschland berücksichtigt. Soziale Medien, z.B. Internetforen, welche für die fachbezogene Information & Kommunikation immer wichtiger werden, blieben bei der Analyse außen vor. Hier sind weiterführende Forschungen notwendig. Erste wichtige Hinweise zur Aktualität eines Themas finden sich z.B. bei Google Trends, welche die Entwicklung von „EFQM“ seit 2004 zeigt.
  • Zum anderen handelt es sich um eine rein (chart-)technische Analyse, bei der die Fundamentaldaten zum Untersuchungsobjekt weitestgehend ausgeblendet werden. So waren die Revisionen des EFQM Modells in der Vergangenheit eher inkrementeller Natur und führten zu einem begrenzten Widerhall in Wissenschaft und Wirtschaft. Mit der radikalen Neuausrichtung des EFQM Modells wird ein wesentlich stärkerer Impuls gesetzt, welcher die Fachwelt in Zukunft stärker beschäftigt.

Effizienz- und Legitimitätssteigerung können die Bedeutung von EFQM nachhaltig erhöhen

Im Bereich der Organisationsforschung finden sich eine Reihe von Erklärungsansätzen/ -theorien zu der Entstehung, Verbreitung und dem Niedergang von Managementkonzepten. Beispielhaft zu nennen sind die (Neue) Institutionenökonomik, welche die Transaktionskosten bei der Anwendung von Konzepten in den Fokus der Betrachtung stellt, sowie die Neo-Institutionalistische Theorie, welche der Frage nachgeht, warum bestimme Abläufe/ Strukturen in Organisationen eingeführt, d.h. institutionalisiert, werden, und andere nicht.

Die generellen Aussagen der beiden Theorien lassen sich sehr gut auf die im Zusammenhang mit dem EFQM Excellence Modell gewonnenen Studienergebnisse übertragen. Als Ausgangspunkt dienen die zwei grundsätzlichen Ziele bei der Einführung von (neuen) Managementkonzepten:

  • Effizienzsteigerung: Die Entscheidung, ob das EFQM Modell im Unternehmen angewendet wird oder nicht, basiert auf Kosten-Nutzen-Überlegungen der verantwortlichen Manager. Dabei wird die Anwendung des Modells als Transaktion gesehen, deren finanzielle Wirkung zu beurteilen ist. Während die Kosten relativ einfach zu bestimmen sind, z.B. Kosten für Qualifikationen, lässt sich der finanzielle Nutzen meistens nur indirekt ermitteln, z.B. Kosten für vermiedene Reklamationen. In diesem Zusammenhang sind häufig Opportunitätskostenbetrachtungen anzustellen. - In beiden Punkten, also sowohl bezogen auf die Ergebnishöhe als auch die -bewertung, gestaltete sich die Entscheidungsfindung für oder gegen das EFQM Modell in der Vergangenheit eher schwierig. Entscheidungsträger begründeten ihre Ablehnung häufig mit der hohen Modellkomplexität und dem langen Umsetzungszeitraum. Beide Kritikpunkte wurden in der neuesten Revision des EFQM Modells aufgegriffen. So soll die radikale Verschlankung der Bewertungsdimensionen und -kriterien einen unmittelbar positiven Effekt auf das Effizienzkalkül der Entscheider bewirken.
  • Legitimitätssteigerung: Neben der Sicherstellung der Wirtschaftlichkeit von Managementkonzepten liegt ein besonderes Augenmerk auf dem mit der Einführung verbundenen Legitimations- bzw. Reputationsgewinn. So stellen sich auch bei der Anwendung des EFQM Modells viele Entscheidungsträger zunächst die Frage, ob und inwieweit das „Streben nach Excellence“ in der Branche bzw. bei wichtigen Stakeholdern, z.B. Kunden, anerkannt bzw. honoriert wird. Ist dies nicht gegeben, dann sinkt die Anwendungswahrscheinlichkeit i.d.R. deutlich. - Wie einschlägige Untersuchungen zeigen, entsprechen erfolgreiche Managementkonzepte dem „Zeitgeist“ und geben Antworten auf die dringlichsten Fragen der Unternehmenstätigkeit. Im Rückblick betrachtet, standen die Gründung der EFQM und die Auslobung des EQA im Zeichen der TQM-Offensive der 1980er Jahre. Die Fokussierung auf Qualität ist zwar nach wie vor gegeben, jedoch stellt sie für viele Unternehmen nicht mehr das „dringlichste Problem“ dar. Vielmehr bestimmen Themen wie Digitalisierung & Klimawandel die heutige Agenda.

Es wird deshalb spannend sein zu sehen, ob die EFQM 2020 in Zukunft einen konkreten Beitrag zur Lösung dieser Herausforderungen liefern kann und von den Verantwortlichen in den Unternehmen auch als solches wahrgenommen wird. Wenn ja, dann wird die Anzahl der Publikationen, die sich mit dem (Erfolgs-)Modell EFQM beschäftigen, sicherlich eher zu- als abnehmen. Wie prognostiziert, ist für 2020 zunächst von einem signifikanten Anstieg der Publikationszahlen auszugehen.

Prof. Dr. Swen Günther, geb. 1977, ist Professor für Prozess- und Innovationsmanagement an der HTW Dresden. Bis 2015 war er Manager und Lieferanten-Auditor bei Procter & Gamble.

Literaturhinweis

Moll, A. (2019): Spitzenleistung ohne Excellence?, QZ 11/ 2019, S. 36-39

Pollmar, L.-M. (2020): Die Revision des EFQM Modells 2020 (BA), HTW Dresden

Diese Beiträge könnten Sie auch interessieren
DIN EN ISO 9001:2015

Zum ISO 9001:2015 Special

Prozesswelt

Serie zum Thema Prozesse, veröffentlicht von QM-Experten deutscher Unternehmen gemeinsam mit der N5 GmbH und der Fachzeitschrift QZ

Zur Prozesswelt