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06.08.2018

Wirtschaftskriminalität: Datenangriffe nehmen zu

Knapp jedes dritte Unternehmen in Deutschland war in den letzten beiden Jahren Opfer von Wirtschaftskriminalität, wobei die Betroffenheit mit der Größe des Unternehmens zunimmt. Vier von fünf Unternehmen sehen generell ein hohes bis sehr hohes Risiko mit Blick auf wirtschaftskriminelle Vorfälle in Deutschland.

Die häufigsten Deliktarten sind mit knapp sechs von zehn Betrug und Untreue. Auch hier sind große Unternehmen besonders stark betroffen (knapp drei Viertel der Unternehmen). Diebstahl und Unterschlagung trifft im Schnitt vier von zehn Unternehmen. Aber auch Datendelikte sind weiter auf dem Vormarsch: Inzwischen erwischt es schon jedes dritte befragte Unternehmen, vor zwei Jahren war es noch jedes vierte.

Das sind Ergebnisse der Studie „Wirtschaftskriminalität in Deutschland 2018“, für die im Auftrag von KPMG 702 Unternehmen befragt wurden.

Jede zweite Tat nur zufällig entdeckt

Über die Hälfte der Taten ist nur durch Zufall ans Licht gekommen. Vor allem bei kleinen Unternehmen hat die zufällige Entdeckung drastisch zugenommen. Gleichwohl werden sechs von zehn wirtschaftskriminellen Handlungen nach wie vor aufgrund offener Hinweise durch Unternehmensinterne aufgedeckt.

Whistleblower: eine starke Waffe gegen Wirtschaftskriminalität

Zwei von drei Befragten verfügen inzwischen über ein Hinweisgebersystem zur Meldung von Verdachtsfällen; bei den Finanzdienstleistern sind es sogar 95 Prozent. Knapp sechs von zehn Unternehmen nutzen dafür Briefkästen oder Postfächer. Etwa über die Hälfte hat eine eigene E-Mail-Adresse eingerichtet, an die Mitarbeiter Verdachtsfälle melden können.

Vor allem kleinere Unternehmen haben aber offenbar große Probleme bei der Umsetzung: So beklagt jedes zweite von ihnen eine unzureichende Meldekultur.

Angriffe von außen nehmen zu

War in der letzten Befragung vor zwei Jahren das Verhältnis zwischen internen und externen Tätern in etwa ausgeglichen, kommen heute sechs von zehn Angriffen von außen. Bei Datendelikten ist der Anteil externer Täter explosionsartig von 30 Prozent auf 76 Prozent gestiegen.

Geldwäschedelikte werden in fast allen Fällen von externen Tätern verübt. Hinter dem Verrat von Geschäfts- und Betriebsgeheimnissen stecken in acht von zehn Fällen interne Täter, bei Diebstahl und Unterschlagung liegt der Anteil der internen Täter bei drei Viertel.

Misstrauen wächst – Gefahr für die weitere Geschäftsentwicklung

Das Thema Wirtschaftskriminalität wird zunehmend bei der Bewertung von Geschäftsbeziehungen berücksichtigt. So hat das Misstrauen gegenüber Unternehmen, von denen wirtschaftskriminelle Handlungen ausgingen, abermals zugenommen.

Inzwischen schließt fast die Hälfte aller Befragten eine Geschäftsbeziehung mit solchen Unternehmen grundsätzlich aus. Mehr als vier von zehn greifen zwar nicht zu derart drastischen Maßnahmen, stellen aber gleichwohl Bedingungen für eine Fortsetzung der Geschäftsbeziehung. Dazu zählen insbesondere eine unabhängige Sachverhaltsaufklärung (88 %), die Entlassung des Täters oder der Täter (78 %) und die Einführung eines wirksamen Compliance Management Systems (76 %).

Positiver Trend bei Prävention

Noch ist die Investitionsbereitschaft von Unternehmen mit Blick auf die Bekämpfung von Wirtschaftskriminalität gering. Gleichwohl fällt ein positiver Trend ins Auge: Die vorangegangenen Studien ergaben einen eher reaktiven Ansatz beim Umgang mit Wirtschaftskriminalität.

Inzwischen wappnen sich die Unternehmen lieber frühzeitig gegen wirtschaftskriminelle Sachverhalte, statt erst nach einem Vorfall zu reagieren. Die diesjährige Studie zeigt erstmals, dass die Investitionen in die Prävention deutlich höher ausfielen als diejenigen in Aufdeckung, Aufklärung und Reaktion.

Redaktion QZ
qz <AT> hanser.de

KPMG

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