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22.05.2018

Wieder mehr Betrugs- und Korruptionsfälle in deutschen Unternehmen

Nachdem der Anteil von Unternehmen, die innerhalb der letzten zwei Jahre einen größeren Betrugs- oder Korruptionsfall registrierten, 2016 noch auf 14 Prozent gesunken war, liegt er in diesem Jahr mit 18 Prozent wieder höher.

Trotz der gestiegenen Zahl entdeckter Delikte halten Deutschlands Manager Korruption in Deutschland nicht für ein generelles Problem: Keiner der befragten deutschen Manager hält Korruption hierzulande für weit verbreitet. In Ländern wie Brasilien (96 Prozent), Kolumbien (94 Prozent) oder Nigeria (90 Prozent) sind korrupte Methoden nach Meinung der dortigen Manager dagegen an der Tagesordnung. Im weltweiten Durchschnitt liegt der Anteil bei 38 Prozent.

Deutsche lehnen Fälschungen ab, persönliche Geschenke sind OK

Bargeldzahlungen oder eine absichtliche Falschdarstellung von Finanzergebnissen zur Sicherung des Unternehmenserfolges lehnen deutsche Manager durchgehend ab. Im globalen Durchschnitt sieht das anders aus: Da würden 13 Prozent der Manager Barzahlungen leisten und fünf Prozent Finanzergebnisse falsch darstellen.

Unterhaltungsdienstleistungen (16 Prozent) oder persönliche Geschenke (2 Prozent) halten aber auch manche deutsche Manager für gerechtfertigt. Weltweit ist der Anteil mit 21 Prozent beziehungsweise 11 Prozent allerdings höher.

Zu diesen Ergebnissen kommt eine Studie der Prüfungs- und Beratungsgesellschaft Ernst & Young (EY), für die über 2.550 Finanzvorstände, Leiter der Revision, der Rechtsabteilung und des Compliance-Managements aus 55 Ländern befragt wurden, davon 50 aus Deutschland.

Entdeckung von Korruption wegen verbesserter Compliance-Kultur

In Ländern, in denen überwiegend Kommissar Zufall bei der Entdeckung von Betrugs- und Korruptionsfällen beteiligt sei, liege die Dunkelziffer von Compliance-Fällen bedeutend höher als in Ländern mit einer stärker ausgeprägten Compliance-Kultur.

Jüngere eher zu unethischem Verhalten bereit

Dass ein ethisches und mit Recht und Gesetz zu vereinbarendes Geschäftsgebaren keine Selbstverständlichkeit ist, zeigt insbesondere die höhere Bereitschaft der jüngeren Generation zu unethischem Verhalten: Jeder fünfte Befragte unter 35 Jahren weltweit würde Geldzahlungen leisten, um das Unternehmen über einen Wirtschaftsabschwung zu retten. Unter den Managern über 35 Jahren sagt das nur jeder Achte.

Betrug und Korruption zweitgrößtes Risiko für Unternehmenserfolg

36 Prozent sind der Ansicht, das Betrug und Korruption das größte Risiko für den Geschäftserfolg darstellen. Damit ist es aus Managersicht zusammen mit dem makroökonomischen Umfeld das zweitgrößte Risiko. Lediglich Cyber-Attacken (56 Prozent) werden von noch mehr Befragten als großes Risiko für den Unternehmenserfolg gewertet.

International haben mehr Unternehmen klare Strafen

Allerdings hinkt Deutschland im internationalen Vergleich – trotz der hohen Aufdeckungsquote – noch bei der Sanktionierung von Verstößen hinterher: In sieben von zehn Unternehmen gibt es klare Sanktionen bei einem Verstoß gegen die unternehmenseigenen Compliance-Regeln. International sanktionieren knapp acht von zehn Unternehmen derartige Verstöße.

So wurden in den vergangenen zwei Jahren in 54 Prozent der deutschen Unternehmen Mitarbeiter, die sich nicht an die Compliance-Regeln hielten, sanktioniert. Weltweit ist der Anteil mit 57 Prozent leicht höher. Besonders kompromisslos zeigten sich die japanischen und US-amerikanischen Unternehmen, von denen 80 beziehungsweise 76 Prozent Mitarbeiter bei Compliance-Verstößen sanktionierten.

Redaktion QZ
qz <AT> hanser.de

Ernst & Young (EY)

Weiterführende Information
Unternehmensinformation

Ernst & Young GmbH Wirtschaftsprüfungsgesellschaft

Flughafenstraße 61
DE 70622 Stuttgart
Tel.: 711 9881-0
Fax: 711 9881-550

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