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08.05.2020

Wider das Wachstumsdogma

Wie Corona die Richtung ändern könnte

Lockdown, Börsenschock, Hunderttausende in Kurzarbeit, Millionen in Existenznot: Die Viruskrise bringt nicht nur medizinisch, sondern auch wirtschaftlich und sozial enorme Probleme.
Von positiven Effekten zu sprechen, mag da vermessen erscheinen. Doch manch einer sieht die Chance, gerade jetzt die Gelegenheit für ein Umsteuern zu ergreifen. Nach dem Motto: Wenn (fast) nichts mehr geht, lässt sich Neues denken und erproben. Vorstellungen von Ökonomie und Alltag könnten sich ändern.

Immer weiter wachsen - auf wessen Kosten?

Müssen Umsätze und Gewinne von Firmen, müssen Leistungen von Volkswirtschaften unbedingt ständig zunehmen? Nein, meinen Kritiker wie etwa der Ökonom Niko Paech von der Uni Siegen. Sein Gegenmodell einer «Post-Wachstumsökonomie» mutet derzeit noch radikal an: Rückbau globaler Lieferketten, Schrumpfung der Industrie - stattdessen regionale Wertschöpfung, Sharing-Modelle und mehr Selbstversorgung.
Doch so sinnvoll mehr Genügsamkeit teils erscheinen mag: Verzicht auf wirtschaftliche Stärke ist nicht immer die Lösung. «Ohne Wachstum ist es auch schwierig, Schrumpfen kann nicht das Ziel sein», sagt der Präsident des Deutschen Instituts für Wirtschaftsforschung, Marcel Fratzscher. «Dann haben wir Arbeitsplatz- und Wohlstandsverluste.»

Umwelt, Ressourcen, Klima

Befürworter eines sozial-ökologischen Wandels betonen, die Pandemie ermahne uns, die Umweltfolgen unseres Wirtschaftens zu drosseln. Der Eingriff in die natürlichen Reservoirs mancher Viren und Ökosysteme kann das Überspringen von Erregern aus dem Tierreich begünstigen. So geraten auch die Konsequenzen einer extensiven Landwirtschaft und globaler Handelsströme in den Fokus.
Die Politökonomin Maja Göpel etwa entwirft Szenarien, wie man aus übermäßiger Ressourcennutzung aussteigen und Kreislaufsysteme aufbauen könnte, die ohne einen zu hohen Naturverbrauch auskommen.
Mit mahnenden Worten stehen Forscher und Klimaaktivisten nicht allein da.
Bundestagspräsident und Ex-Finanzminister Wolfgang Schäuble sagte dem «Tagesspiegel»: «Noch immer ist nicht nur die Pandemie das größte Problem, sondern der Klimawandel, der Verlust an Artenvielfalt - all die Schäden, die wir Menschen und vor allem wir Europäer durch Übermaß der Natur antun.»

Guter Markt, schlechter Staat?

Lange hielten Wirtschaftsakteure und -wissenschaftler den Staat für bevormundend und bürokratisch. Es mag sein, dass einige Hilfen nun kompliziert zu beantragen sind. Im Pandemie-Schock erlebt der Staat aber eine Renaissance. «Ich würde schon sagen, dass die Corona-Krise so etwas wie der letzte Sargnagel für den Neoliberalismus ist», meint Fratzscher. «Nun sehen wir: Der Staat ist die letzte Instanz, wenn es darauf ankommt. Der Markt kann in entscheidenden Bereichen nicht mehr allein funktionieren.» Das habe sich bereits in der Finanzkrise 2008/2009 abgezeichnet.
Der Staat habe die Möglichkeit, Finanzierungshilfen an ökologische Ziele zu koppeln.

Die Gesellschaft hilft sich auch selbst

Corona-Mittel fließen aber nicht nur von oben nach unten. Bürger, Haushalte, Vereine und Firmen nehmen einen großen Teil ihres Schicksals selbst in die Hand.
Es gibt private und soziale Initiativen - Nachbarschaftshilfe beim Einkaufen, Crowdfunding für Gastronomen, Musiker und Künstler, Unternehmensspenden mit medizinischem Material. «Das zeigt, dass wir eine recht intakte gesellschaftliche Struktur haben», sagt Dullien.

Zufriedenheit contra Profitstreben

Dass nicht jeder immer nur egoistisch handelt, sieht man deutlich. Gängige Wirtschaftsmodelle basieren aber noch auf der Annahme, wir strebten stets nach möglichst viel Nutzen und Wohlstand und die Wirtschaft nur nach möglichst hohen Gewinnen bei minimalen Kosten. Lässt sich das Bild noch halten? «Eigentlich geht es um mehr», räumt Fratzscher ein.

«Das Problem ist nur, dass der Grad der Erreichung weiterer Ziele wie Glück oder Zufriedenheit schwer zu messen ist», sagt er. Paech sieht eine psychische Grenze erreicht und meint «die Reizüberflutung, die Beschleunigung, den Leistungsstress, die Unmöglichkeit, all das, was man sich kaufen kann, genuss- und sinnstiftend auszuschöpfen». Das alles werde in der aktuell «entschlackten Gegenwart» neu überdacht.

Gesundheitssystem

Ein Umdenken könnte sich auch im Gesundheitswesen zeigen. «Es ist gut, im medizinischen System Wettbewerb zuzulassen», sagt Fratzscher.
«Aber man sollte gleichzeitig sicherstellen, dass es hohe Qualität in der Grundversorgung gibt.» Auch das oft niedrige Gehalt systemrelevanter Jobs ist ein Thema. Und manche glauben, die Zeit für das bedingungslose Grundeinkommen sei nun reif.

Wer bekommt was, wer verliert was?

So wie ungleiche Verteilung von Einkommen oder Vermögen das wirtschaftliche Wachstum belasten kann, so können die Lasten der Krise schwache Gruppen zusätzlich schwächen und die Polarisierung der Gesellschaft verschärfen. Fratzscher warnte jüngst, die Hilfen für Familien, deren Kinder während der Pandemie zu Hause bleiben müssen, fielen zu gering aus. Einige Bildungsforscher glauben zudem, «Homeschooling» vertiefe den Abstand zwischen guten und förderbedürftigen Schülern, die digitale Angebote nicht so gut nutzen können oder wenig Unterstützung aus dem Elternhaus bekommen.

Wer Existenzängste hat, kann es als zynisch empfinden, wenn das Herunterfahren der Wirtschaft mit auf seine Kosten geht. «Viele Leute werden ungeduldig», beobachtet Dullien. «Wenn die Krise sich weiter fortsetzt, kommt der Staat an seine finanziellen Grenzen», ergänzt Paech. «Um Menschen zu helfen, bedarf es mehr als finanzieller Unterstützung, nämlich Hilfe zur Selbsthilfe, um genügsamer und damit krisenrobuster leben zu können.» Das bedeute Lernen aus der Krise.

Redaktion QZ
qz <AT> hanser.de

dpa

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