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19.11.2018

Weniger schwere Naturkatastrophen im ersten Halbjahr 2018

Zwar haben einzelne Ereignisse für Betroffene hohe Schäden verursacht, etwa im Agrarsektor durch Ernteausfälle wegen der Trockenheit in Europa, insgesamt zieht Munich Re für das erste Halbjahr 2018 jedoch eine positive Bilanz.

430 relevante Naturkatastrophen wurden im ersten Halbjahr 2018 in der NatCatSERVICE-Datenbank registriert, mehr als im langfristigen Durchschnitt (250) und im Vorjahr (380).

Die Gesamtschäden von 33 Mrd. US-Dollar betrugen etwa die Hälfte des Vorjahreswertes und des preisbereinigten Durchschnitts der vergangenen 30 Jahre (65 Mrd. US-Dollar und 68,3 Mrd. US-Dollar). Der Anteil der versicherten Schäden lag bei 17 Mrd. US-Dollar, das ist zwar weniger als im Vorjahr aber ähnlich hoch wie im Schnitt der ersten sechs Monate der vergangenen 30 Jahre (17,5 Mrd. US-Dollar).

Winterschäden prägen die Schadenbilanz

Stürme und Kältewellen in Europa und Nordamerika im Winter haben die Statistik der ersten Jahreshälfte geprägt: Schadenträchtigstes Ereignis war Wintersturm Friederike, der Mitte Januar mit Windgeschwindigkeiten bis zu 150 km/h im Flachland und 200 km/h in den Bergen über Großbritannien, Nordfrankreich, die Beneluxländer und Deutschland hinweg zog.

Tausende Gebäude und Autos wurden beschädigt. In Deutschland wurde der Zugfernverkehr eingestellt, da umgestürzte Bäume vielerorts die Oberleitungen umgerissen hatten. Der Gesamtschaden betrug 2,2 Mrd. € (2,7 Mrd. US$), davon waren wegen der hohen Versicherungsdichte in Europa gegen Sturmschäden 1,7 Mrd. € (2,1 Mrd. US$) versichert. Etwa zwei Drittel der Schäden entfielen auf Deutschland.

Wenige Wochen zuvor hatte in denselben Regionen bereits Wintersturm Eleanor (in Deutschland Burglind genannt) einen Schaden nahe der Milliardengrenze verursacht.

Insgesamt betrugen die Winterschäden in Europa 3,9 Mrd. € (4,8 Mrd. US$), davon waren 2,9 Mrd. € (3,6 Mrd. US$) versichert. In Nordamerika brachte die Bilanz des Winters in der ersten Jahreshälfte einen Schaden von 3,8 Mrd. US$ mit einem versicherten Anteil von 2,7 Mrd. US$.

Gewitter und Dürre in Europa

Zu einer ungewöhnlichen Wetterkombination kam es im Mai und Anfang Juni in Zentraleuropa: Im Süden und Westen Deutschlands sowie in Frankreich bildeten sich in feuchtwarmen Luftmassen Serien von sehr langsam ziehenden Gewittern, die vielerorts Sturzfluten auslösten. Verantwortlich waren extreme Niederschläge, die häufig die Kanalisation überlasteten. Der Gesamtschaden durch die Unwetter belief sich auf rund 1,6 Mrd. €, auf die Versicherer entfielen gut 900 Mio. €.

Insgesamt nehmen die Schäden durch Schwergewitter in Deutschland selbst nach Bereinigung um den Wertezuwachs zu. Während bei Schäden durch Sturm oder Hagel der größte Teil von Versicherern getragen wird, liegt der versicherte Anteil bei Sturzflutschäden meist deutlich unter 50%.

Gleichzeitig kam es in Nordostdeutschland, Dänemark sowie Teilen Polens, Skandinaviens, des Baltikums und der Balkanländer zu sehr hohen Temperaturen und starker Trockenheit. Folge ist, dass in vielen betroffenen Regionen die Getreideernte sehr schlecht ausfallen wird. Vielerorts werden Einbußen bis hin zu Totalausfällen befürchtet. Die Schadenssummen lassen sich allerdings erst nach Abschluss der Ernte bestimmen.

Schwerer Vulkanausbruch in Guatemala

In Guatemala kamen bei einem schweren Ausbruch des Vulkans Fuego Anfang Juni mehr als 100 Menschen ums Leben, viele werden noch vermisst. Bei dem Ausbruch wälzten sich so genannte pyroklastische Ströme die Hänge des 3.700 Meter hohen daueraktiven Vulkans hinunter. Die Wolken aus Asche und Gesteinsbrocken sind mehrere hundert Grad heiß und können Geschwindigkeiten von weit über 100 km/h erreichen.

Oman von stärkstem Wirbelsturm getroffen

Der Oman wurde Ende Mai vom stärksten jemals auf der arabischen Halbinsel registrierten tropischen Wirbelsturm getroffen: Am 25. Mai traf Zyklon Mekunu mit Windgeschwindigkeiten von 185 km/h nahe der drittgrößten Stadt Salala auf Land, damit entsprach der Sturm der dritthöchsten von fünf Kategorien der Saffir-Simpson-Skala.

Hinzu kamen gewaltige Niederschlagsmengen: Über drei Tage fiel mit etwa 300-600 mm so viel Regen wie durchschnittlich in etwa 4-8 Jahren. Der Gesamtschaden dürfte nach ersten Schätzungen einen hohen dreistelligen Millionenbetrag erreichen, rund ein Drittel davon könnte auf die Versicherer entfallen. 30 Menschen kamen ums Leben.

Erdbeben in Japan

Noch unklar sind die Schäden aus einem Erdbeben der Magnitude 5,5, das am 18. Juni die südjapanische Präfektur Osaka erschütterte. Das Epizentrum des Bebens befand sich bei der Stadt Hirakata. Die Erschütterungen des Bebens, das sich in geringer Tiefe von rund 13 Kilometern ereignete, war in den Großstädten Osaka und Kyoto stark zu spüren.

Mehrere tausend Gebäude wurden beschädigt. Die Stromversorgung für 170.000 Haushalte war zwischenzeitlich unterbrochen. Wegen der hohen Baustandards im sehr erdbebengefährdeten Japan hielten sich die Beschädigungen insgesamt aber in Grenzen.

Redaktion QZ
qz <AT> hanser.de

Munich Re

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