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22.03.2018

Viele Unternehmen nicht fit für Arbeit 4.0

In rund 70 Prozent der größeren Betriebe werden Arbeitsdruck, psychische Belastungen und Defizite bei der Weiterqualifizierung als problematisch wahrgenommen. Dies könnte Gesundheit und Zukunftsperspektiven der Beschäftigten gefährden, wie eine Untersuchung der Hans-Böckler-Stiftung zeigt.

Wenn sie nach den wichtigsten Herausforderungen der nächsten Jahre gefragt werden, nennen fast drei Viertel der Arbeitnehmervertreter eine angemessene Personaldecke. 70 Prozent der Betriebsräte halten es für notwendig, den permanent hohen Arbeitsdruck zu verringern, der an vielen Arbeitsplätzen herrscht.

Die Belegschaft für die Digitalisierung zu qualifizieren, halten 69 Prozent für dringend geboten, aber auch eine bessere Vereinbarkeit von Arbeit und Privatleben. Dass der betriebliche Gesundheitsschutz an die neuen digitalen Bedingungen wie mobiles Arbeiten und ständige Erreichbarkeit angepasst werden muss, meinen 58 Prozent.

Defizite bei flexiblen Arbeitszeitmodellen

Doch große Teile der deutschen Wirtschaft erscheinen in dieser Hinsicht nicht auf der Höhe der Zeit. Danach hapert es vor allem an einer ausreichenden Personaldecke, an flexiblen Arbeitszeitmodellen, welche die Vereinbarkeit von Beruf und Familie unterstützen, und am Gesundheitsschutz. Drei Viertel der Betriebe führen die gesetzlich vorgeschriebenen Gefährdungsabschätzungen nicht wie gefordert durch.

Zu wenig Home Office

Dabei stehen Beschäftigte der Digitalisierung durchaus offen gegenüber: Zwei Fünftel der befragten Arbeitnehmervertreter verbinden die neuen Technologien mit positiven Auswirkungen. 38 Prozent sind der Meinung, dass Beschäftigte mehr Möglichkeiten haben, eigenverantwortlich zu arbeiten.

Die Chancen, die der digtale Wandel im Hinblick auf Flexibilität und die Vereinbarkeit von Beruf und Familie bietet, bleiben allerdings zum Teil ungenutzt: Nur 13 Prozent der Betriebe erlauben ihren Beschäftigten beispielsweise, zu Hause zu arbeiten. Allenfalls im IT-Sektor scheint sich das Home Office durchzusetzen, ein allgemeiner Trend in diese Richtung sei aber nicht zu erkennen.

Riskante Rationalisierung und Leistungskontrolle

In bestimmten Branchen dominiert der Studie zufolge eine kritische Sicht auf die Folgen der Digitalisierung. Bei Banken und Versicherungen etwa befürchtet jeder dritte Betriebsrat negative Auswirkungen wie zunehmende Rationalisierung, Standardisierung und Leistungskontrolle. Tatsächlich sind weite Teile der digitalen Arbeitswelt bislang kaum reguliert und bieten wenig Schutz vor Überwachung und Datenmissbrauch.

Arbeitsintensität steigt, Zufriedenheit sinkt

Dass bei den betrieblichen Rahmenbedingungen noch erheblicher Verbesserungsbedarf besteht, zeigt sich auch daran, dass laut 78 Prozent der Befragten die Arbeitsintensität in den vergangenen fünf Jahren gestiegen ist. Besonders stressig sind Dienstleistungen, etwa im Bereich Erziehung, Gesundheit und Schule.

Im Durchschnitt aller Branchen berichten 56 Prozent der Betriebsräte, dass die Arbeitszufriedenheit gesunken ist. Was den aktuellen Zustand angeht, diagnostizieren 73 Prozent Personalmangel, 60 Prozent dauerhaften Zeitdruck. 76 Prozent geben an, dass es in ihrem Betrieb keine ganzheitlichen Gefährdungsbeurteilungen gibt – obwohl beispielsweise die systematische Erfassung psychischer Belastungen seit Jahren gesetzlich vorgeschrieben ist.

Redaktion QZ
qz <AT> hanser.de

Hans-Böckler-Stiftung

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