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25.07.2018

Verunreinigte Blutdrucksenker weit verbreitet

Auch ein Blutdruckmittel ist unter Verdacht, es wurde kürzlich vom Markt genommen. Über Verbreitung und Gefährlichkeit wird gestritten. Patientenvertreter sehen die Politik in der Pflicht. Nach Angaben der Hochdruckliga sind in Deutschland 20 bis 30 Millionen Menschen von Bluthochdruck betroffen. Die Folgen wie Herzinfarkt und Schlaganfall können lebensgefährlich sein.

Bis zu 900 000 Patienten bundesweit könnten einem Zeitungsbericht zufolge allein im Vorjahr Blutdruckmittel eingenommen haben, die mit einer potenziell krebserregenden Substanz verunreinigt waren. Das geht aus einer Antwort der Bundesregierung auf eine Anfrage der Grünen hervor, die dem Berliner «Tagesspiegel» (Samstag) vorlag.

Bei den Blutdrucksenkern handelt es sich um Medikamente mit dem Wirkstoff Valsartan. Anfang Juli hatten Aufsichtsbehörden in Europa einen Vertriebsstopp und vorsorglichen Rückruf für viele dieser Präparate angeordnet. Eugen Brysch vom Vorstand der Deutschen Stiftung Patientenschutz spricht von kriminellen Machenschaften mit Pharmaprodukten und sieht die Politik in der Pflicht.

2017 seien etwa neun Millionen Packungen Valsartan-haltiger Arzneimittel verordnet worden, teilte die Parlamentarische Staatssekretärin im Gesundheitsministerium, Sabine Weiss, laut «Tagesspiegel» mit. «Da rund 40 Prozent der Chargen von dem Rückruf betroffen sind, könnten auf Grundlage der oben genannten Verordnungszahlen zirka 900 000 Patientinnen und Patienten betroffen sein.»

Allerdings bestehe nach Einschätzung der Europäischen Arzneimittelagentur (EMA) «kein akutes Gesundheitsrisiko». Die Grünen im Bundestag kritisierten indes den Umgang der Behörden mit dem Thema: Die Aussage der EMA beruhige wenig, sagte die Pharmaexpertin der Fraktion, Kordula Schulz-Asche, der Zeitung. Schließlich seien die Medikamente bereits seit sechs Jahren verunreinigt, und die Risiken einer langfristigen Einnahme könnten bislang nicht abgeschätzt werden.

Brysch von der Stiftung Patientenschutz sieht die Politik in der Pflicht. «Die kriminellen Machenschaften mit Pharmaprodukten nehmen in Deutschland ungeahnte Dimensionen an», sagte er der Deutschen Presse-Agentur. «Doch Schwerpunkt-Staatsanwaltschaften für einen sicheren Patientenschutz fehlen. Das muss sich rasch ändern. Die Justizminister sind gefordert.»

Nach dem Valsartan-Rückruf hatten Gesundheitsbehörden Mitte Juli eine Umstellung auf unbedenkliche Arzneimittel empfohlen. Betroffene sollten mit ihrem Arzt oder Apotheker Rücksprache halten, welche Mittel von dem Rückruf betroffen sind, so das Bundesinstitut für Arzneimittel und Medizinprodukte (BfArM) in Bonn. Gegebenenfalls könnten sie dann auf ein anderes Valsartan-haltiges Medikament umgestellt werden. Auf keinen Fall aber sollten die Arzneimittel einfach so ohne Rücksprache mit dem Arzt abgesetzt werden.

Redaktion QZ
qz <AT> hanser.de

dpa

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