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10.09.2019

Unternehmen fehlt Strategie zur digitalen Ethik

Nur 50 Prozent der Unternehmen halten sich für gut aufgestellt. Ganzheitliche Konzepte fehlen, die meisten Firmen beschränken sich auf Datenschutz. Die größten Hindernisse sind fehlendes Personal und mangelndes Bewusstsein.

Digitale Ethik zählt laut Analysten zu den Top-Technologiethemen des Jahres 2019 – doch der Trend ist in vielen deutschen Unternehmen noch nicht angekommen: Lediglich jede zweite Firma sieht sich selbst in puncto digitale Verantwortung als gut oder sehr gut aufgestellt.

Noch kritischer schätzen die Unternehmen ihren allgemeinen Stand der Digitalisierung ein – nur 33 Prozent geben sich gute Noten. Ausgesprochen zufrieden sind die Entscheider dagegen mit ihrer Aufstellung hinsichtlich Datenschutz und Datensicherheit, wie 82 Prozent bestätigen. Das sind zentrale Ergebnisse einer Erhebung zum Thema „Digitale Ethik“ der Wirtschaftsprüfungs- und Beratungsgesellschaft PwC, für die 300 Unternehmen ab einer Größe von 50 Mitarbeitern befragt wurden.

Größte Hürden: Mangelnde Kompetenz, fehlendes Bewusstsein

Wie gut Unternehmen im Bereich digitale Ethik abschneiden, ist aber auch branchenabhängig. So stuft sich etwa die Pharmaindustrie, traditionell eine stark regulierte Branche, als gut aufgestellt ein, wie 74 Prozent der Befragten bestätigten. Schlusslicht ist hingegen die Konsumgüterbranche mit lediglich 42 Prozent Zustimmung.

Die größten Herausforderungen sehen die Unternehmen darin, dass ihnen das Personal mit den entsprechenden Kompetenzen fehlt (56 Prozent) und dass es innerhalb der Organisation an Bewusstsein für die Bedeutung des Themas mangelt (51 Prozent).

Digitale Ethik ist Aufgabe der Führungsebene

Dass digitale Ethik direkten Einfluss auf das eigene Unternehmen hat, sehen die Befragten durchaus. So wirkt sich Digitalethik etwa bereits auf den Umgang mit sensiblen Informationen wie Mitarbeiter- oder Kundendaten (85 Prozent) und die IT-Sicherheit (78 Prozent) aus.

Immerhin 62 Prozent bestätigen einen Einfluss auf die Unternehmenskultur, und 59 Prozent beziehen Fragen der digitalen Verantwortung auch bei strategischen Entscheidungen ein. Den Wert der Transparenz gegenüber Mitarbeitern, Kunden und anderen Stakeholdern bekräftigen 59 Prozent der Entscheider.

Zu dieser Einschätzung passt auch, dass das Thema innerhalb der Organisation hoch angesiedelt ist: Mit digitaler Verantwortung befasst sich vor allem die Führung auf C-Level, wie 59 Prozent der Befragten bestätigen. Einen speziellen Beauftragten für digitale Ethik haben bisher allerdings nur 19 Prozent der Unternehmen eingestellt.

Die Unternehmen verkennen Chancen und Risiken einer umfassenden digitalen Ethik

Obwohl die Unternehmen die Relevanz der digitalen Ethik erkennen, agieren sie bislang in der Praxis eher zögerlich. Die Mehrheit setzt zwar die Richtlinie zum Datenschutz und Umgang mit personenbezogenen Daten um (78 Prozent) und hat Richtlinien zur Transparenz im Hinblick auf digitale Themen formuliert (57 Prozent).

Doch genau die fehlt den meisten Unternehmen: Lediglich 24 Prozent verfügen über ausformulierte Standards zu Fragen der digitalen Ethik, die als Leitplanke bei Unternehmensentscheidungen dienen können, und ein ebenso geringer Anteil hat eine ausformulierte Digitalstrategie mit Ausführungen zur digitalen Verantwortung. Wenn es um die Einhaltung der Regelungen geht, vertrauen 75 Prozent darauf, dass die Mitarbeiter Verstöße melden können. 67 Prozent setzen auf Anlagen zum Arbeitsvertrag und 54 Prozent auf interne Schulungen.

Den größten Einfluss hat der Gesetzgeber

Unternehmen, die gegen ethische Grundsätze verstoßen, laufen Gefahr Kunden – und damit Marktanteile – sowie Mitarbeiter zu verlieren. Den größten Einfluss bei der Etablierung eines digitalen Wertegerüstes hat dennoch der Gesetzgeber, das bestätigen 73 Prozent der Unternehmen. Erst an zweiter Stelle nehmen Kunden (68 Prozent), an dritter Stelle Mitarbeiter (60 Prozent) Einfluss.

Redaktion QZ
qz <AT> hanser.de

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