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08.01.2020

Qualität deutscher Lebensmitteln kaum erkennbar

In der Debatte um Billigangebote für Lebensmittel fordern die Verbraucherzentralen mehr Informationen für Kaufentscheidungen. «Der Preis ist keine Orientierung für Qualität», sagt Klaus Müller, Chef des Verbraucherzentrale Bundesverbands (vzbv).

Es stimme nicht mehr, dass teure Lebensmittel automatisch gut seien und preiswerte schlecht. Nötig sei deswegen, Verbrauchern das Leben zu erleichtern, sie nicht für dumm zu verkaufen und deutlich zu machen, wo es unterschiedliche Produkt- und Prozessqualitäten gebe. «Dann werden wir auch eine ausdifferenzierte Zahlungsbereitschaft erleben.»

Zu Lockpreisen etwa für Fleisch ist ein Treffen bei Kanzlerin Angela Merkel mit Handelsunternehmen geplant. Mehr Wertschätzung für Lebensmittel ist auch ein Thema bei der Agrar- und Ernährungsmesse "Grüne Woche" in Berlin. Hintergrund ist, dass viele Verbraucher in Umfragen mehr Umwelt- und Tierschutz wünschen.

Kaufanreize für teure Lebensmittel fehlen

Verbraucherschützer Müller kritisierte: «Wenn jahrzehntelang der Handel, aber auch viele Landwirtschaftsfunktionäre gesagt haben, jedes Stück Fleisch, jedes Obst und Gemüse ist gleich gut, dann haben sie Verbrauchern einen Sinn und auch eine Zahlungsbereitschaft für unterschiedliche Qualitäten aberzogen.»

Zudem halte der Markt in seiner Anonymität keine Informationen bereit, wie gut ein Tier gelebt habe oder mit wie viel Pflanzenschutzmitteln Getreide angebaut worden sei. Man müsse aber beispielsweise erkennen, ob Obst und Gemüse verlässlich aus der Region kommen. Sinnvoll sei auch das geplante staatliche Tierwohl-Kennzeichen für Fleisch aus besserer Tierhaltung.

Höhere Preise nur gegen bessere Qualität

Der vzbv-Chef mahnte, man könne auch nur dann höhere Preise durchsetzen, wenn die Landwirtschaft bessere Qualität liefere. Dies betreffe etwa sauberes Trinkwasser, Artenvielfalt und Klimaschutz.

Müller betonte zugleich: «Die Preise für Lebensmittel haben gerade in Deutschland in den letzten Jahrzehnten ganz stark dazu beigetragen, dass das Leben für viele Menschen mit kleinem Geldbeutel bezahlbar geblieben ist.» Dafür gebühre auch den Bauern Anerkennung und Dank. Diese «soziale Dimension» dürfe man bei allem Verständnis für die Landwirte nicht aus dem Blick lassen.

Redaktion QZ
qz <AT> hanser.de

dpa

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