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17.03.2020

Deutschland kommt bei Frauenförderung am Arbeitsplatz nicht vom Fleck

Deutschland rutscht beim „Women in Work Index“ auf Rang 21 von 33 OECD-Ländern ab. Gleichzeitig stagniert die Lohnschere hierzulande bei über 21 Prozent. Immerhin steigt der Anteil der weiblichen Führungskräfte auf 22,5 Prozent, so die Unternehmensberatung PricewaterhouseCoopers.

Deutschland tritt bei der Förderung von Frauen im Arbeitsmarkt auf der Stelle, während andere Länder aufholen. Beim „Women in Work Index 2020“, den die Wirtschaftsprüfungs- und Beratungsgesellschaft PricewaterhouseCoopers (PwC) zum Internationalen Frauentag am 8. März veröffentlicht hat, fällt Deutschland um drei Plätze zurück und liegt nur noch auf Rang 21 von 33 OECD-Ländern.

Mit einem Indexwert von 62,8 Punkten kann sich Deutschland gegenüber dem Vorjahr (62,6 Punkte) nur marginal verbessern. Spitzenreiter ist zum siebten Mal in Folge Island mit 79,3 Punkten, vor Schweden (77,7 Punkte) und Slowenien (74,6 Punkte). Ebenfalls unter den Top 10 und damit weit vor Deutschland stehen Neuseeland, Luxemburg, Norwegen, Dänemark, Polen, Finnland und Belgien. Grundlage des „Women in Work Index 2020“ sind Zahlen aus 2018.

Lohnschere stagniert bei 21 Prozent

Besonders ausgeprägt ist hierzulande die „Gender Pay Gap“, also der Einkommensunterschied zwischen Männern und Frauen – und Deutschland gelingt es nicht, diese Lohnschere zu verkleinern.

2018 verdienten Frauen in Deutschland rund 21,3 Prozent weniger als ihre männlichen Kollegen. Damit lag die „Gender Pay Gap“ sogar minimal höher als im Vorjahr und auf dem gleichen Niveau wie im Jahr 2000 (21,0 Prozent). Deutschland ist beim Thema Lohngleichheit eines der Schlusslichter unter den 33 OECD-Ländern. Noch größer ist die Einkommenslücke zwischen Mann und Frau nur in Israel, Japan, Estland und Korea. Zum Vergleich: Beim Spitzenreiter Luxemburg beträgt der Einkommensunterschied nur 3,9 Prozent.

Frauenanteil in Führungspositionen steigt auf 22,5 Prozent

Bei der Vertretung von Frauen in Vorstand, Aufsichtsrat und anderen Führungspositionen konnte sich Deutschland hingegen leicht verbessern: Frauen besetzten 2018 immerhin 22,5 Prozent der deutschen Chefsessel, ein Plus von knapp 2 Prozentpunkten. Aber auch bei der Frauenquote ist der Abstand zu den Spitzenreitern in der OECD riesig: In Island sind Frauen auch dank einer gesetzlichen Quote mit 45,2 Prozent in den Chefetagen präsent. In Frankreich liegt der Anteil von Frauen in Führungspositionen bei 41,2 Prozent.

Weniger als zwei Drittel der berufstätigen Frauen arbeiten Vollzeit

Immerhin gehen heute deutlich mehr Frauen in Deutschland einer bezahlten Arbeit nach als noch vor 20 Jahren. Die Beteiligung von Frauen am Arbeitsmarkt ist in Deutschland seit dem Jahr 2000 konstant gestiegen – von 63,3 Prozent auf 74,3 Prozent im Jahr 2018. Bei den Männern liegt dieser Wert seit Jahren zwischen 82 und 83 Prozent. Allerdings arbeiten weniger als zwei Drittel der berufstätigen Frauen in Deutschland (63,4 Prozent) Vollzeit. In Tschechien sind es 92,0 Prozent, in der Slowakei 93,1 Prozent und in Ungarn sogar 94,6 Prozent.

Wirtschaft profitiert von Frauenförderung

Die Förderung von Frauen in der Arbeitswelt ist auch aus volkswirtschaftlicher Sicht sinnvoll: Die PwC-Studie hat errechnet, dass sich das Bruttoinlandsprodukt um 7,7 Prozent steigern ließe, wenn Deutschland Beschäftigungsquoten von Frauen wie in Schweden erreichte. Das entspricht einem Plus von 260 Milliarden Euro. In allen OECD-Ländern zusammen liegt das Potenzial bei sechs Billionen US-Dollar.

Nur 30 Prozent Frauen im Technologiesektor

Insbesondere im Tech-Sektor sind Frauen noch deutlich unterrepräsentiert: In den G7-Ländern stellen Frauen nur 30 Prozent der Belegschaft in der Technologie-Industrie. Im „Women in Technology Index“, den PwC in der diesjährigen Studie erstmals erstellt hat, schneidet Kanada am besten ab, vor Frankreich und den USA. Deutschland liegt immerhin auf Rang 4 vor Großbritannien, Italien und Japan.

Die Studie kommt zu dem Ergebnis, dass durch Künstliche Intelligenz und neue Technologien wie Robotik, Drohnen und autonomes Fahren einerseits Arbeitsplätze für Frauen wegfallen könnten, aber auch neue Jobs entstehen werden. Im Gesundheitswesen und im sozialen Bereich, dem größten Arbeitgeber für Frauen in der OECD, werden künftig mehr Frauen arbeiten. In anderen Bereichen, etwa im Handel, könnte die Zahl der weiblichen Beschäftigten in Folge der Einführung neuer Technologien dagegen abnehmen.

Zur Berechnung des „Women in Work Index 2020“

Der Index setzt sich aus fünf Indikatoren zusammen. Grundlage sind Zahlen aus 2018:

  • „Gender Pay Gap”, also Verdienstunterschiede zwischen Mann und Frau
  • Partizipation von Frauen am Arbeitsmarkt
  • Lücke zwischen der Partizipation von Frauen und Männern am Arbeitsmarkt
  • Arbeitslosenquote bei Frauen
  • Anteil der berufstätigen Frauen, die Vollzeit arbeiten

Redaktion QZ
qz <AT> hanser.de

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