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16.10.2020

Industrieversicherung wird erheblich teurer

Globale Lieferketten verursachen hohe Kosten

Für Unternehmen ist es eine Nachricht zur Unzeit: In der größten Wirtschaftskrise seit dem Zweiten Weltkrieg steigen die Versicherungskosten. Als Grund nennen die Versicherungen ihre hohen Auszahlungen an ihre Kunden.

© Fotolia.com/fotomek

Unternehmen rund um den Globus müssen in diesem Jahr trotz angespannter Lage erheblich mehr für ihre Versicherungen bezahlen. Der Hauptgrund: Viele Versicherer haben in den vergangenen Jahren im Geschäft mit Industrie- und Gewerbekunden Verluste eingefahren. «Es wurde über Jahre in der Industrieversicherung kein Geld verdient», sagt Thomas Olaynig, Geschäftsführer des weltweit tätigen Industrieversicherungsmaklers Marsh in Deutschland. «Die Versicherer erhöhen ihre Preise stark und reduzieren die Kapazitäten drastisch.»

Für das zweite Quartal beziffert Marsh den durchschnittlichen Preisanstieg in Europa auf 15 Prozent. In den vergangenen Jahren sind die Schäden ganz erheblich gestiegen. «Die eigentlichen Sachschäden machen inzwischen einen viel geringeren Anteil als die durch Betriebsunterbrechung verursachten Schäden», sagt Hans-Jörg Mauthe, Regionalchef für Mittel- und Osteuropa bei der Allianz- Industrieversicherungstochter AGCS in München.

«Das liegt unter anderem an den globalen Lieferketten», sagt Mauthe.
«Eine Naturkatastrophe in Asien kann zur Folge haben, dass die Produktion in vielen europäischen Werken unterbrochen wird.»

Alles gut versichert –Risiko geteilt

Der Oberbegriff Industrieversicherung beinhaltet mehrere Teilbereiche, die nicht nur für Industrieunternehmen gedacht sind. Dazu gehört die Sachversicherung für Fabriken ebenso wie in jüngerer Zeit die Cyberversicherung gegen Hackerangriffe. Großkunden werden üblicherweise in Konsortialverträgen versichert, um das finanzielle Risiko auf mehrere Versicherungen zu verteilen.

Vor allem die Autoindustrie - und damit deren Versicherer - leidet an einem speziellen Problem: die stetig steigende Zahl der Rückrufe.
«Eine fehlerhafte Schraube, die entgegen der Spezifikation korrodiert, kann zum Rückruf von mehreren hunderttausend Fahrzeugen führen», sagt Mauthe.

Dies kann extrem teuer werden, etwa wenn ein Zulieferer mehrere Autohersteller mit dem identischen Produkt beliefert. Eine überschlägige Rechnung: Ein Werkstattbesuch schlägt pro Fahrzeug leicht mit 1000 Euro zu Buche. Wird eine halbe Million Fahrzeuge zurückgerufen, bedeutet das Kosten von einer halben Milliarde Euro.

Häufige Anklagen treiben Kosten in die Höhe

Gestiegen sind aber auch die rechtlichen Risiken. Dies betrifft sowohl Entschädigungsklagen gegen Unternehmen als auch die Manager-Haftpflicht, die im Versicherungsjargon D&O (Directors & Officers) genannt wird. Vorstände und Geschäftsführer werden häufig verklagt, in vielen Fällen von den eigenen Aufsichtsräten.

Sei es in den vergangenen Jahren noch überwiegend die Sachversicherung gewesen, «so ist es jetzt vor allem in der D&O-Versicherung zu einer ganz massiven Verhärtung gekommen», berichtet Olaynig. «Auch die Haftpflichtsparte ist stark betroffen, auch Cyber wird im Durchschnitt etwas teurer.» Laut AGCS-Manager Mauthe gibt es besonders große Sprünge in Großbritannien, aber auch im asiatisch-pazifischen Raum und in den USA.

Besonders teuer war in Deutschland in der D&O-Versicherung beispielsweise das Jahr 2018. Die Schäden überstiegen die Einnahmen der Versicherer in diesem Bereich erheblich, wie aus einer Übersicht des Gesamtverbands der deutschen Versicherungswirtschaft (GDV) hervorgeht.

Die Folge ist, dass manche Versicherer sich aus riskanten Bereichen des Geschäfts mit großen Firmenkunden zurückziehen oder niedrigere Deckung anbieten. «Wir haben einen Kapazitätsrückgang in einigen Bereichen, zum Beispiel in der D&O-Versicherung», sagt Mauthe.

Corona wird teuer für Versicherungen

Und nun kommt Corona dazu. «Die Trendumkehr begann schon vor zwei Jahren», sagt Marsh-Geschäftsführer Olaynig. «Aber in diesem Jahr erleben wir vor dem Hintergrund der allgemeinen wirtschaftlichen Lage und in Kombination mit Corona für die Fälligkeiten zum 1. Januar 2021 nochmal eine viel stärkere Marktdynamik.»

Versicherer und Makler wissen natürlich, dass viele ihrer Kunden in diesem Jahr unter Umsatzeinbrüchen leiden. Doch auch ein Versicherungsunternehmen kann in einem Geschäftsbereich nicht dauerhaft mehr ausgeben als es einnimmt. «Ich sehe im Moment, so leid mir das für unsere Kunden tut, keine Anzeichen einer raschen Trendumkehr», sagt Olaynig.

Corona bedeutet für viele Versicherer eine immense Zusatzbelastung.
Nach einer Schätzung der britischen Versicherungsbörse Lloyd's of London könnte Covid-19 für die Branche in diesem Jahr weltweit Kosten von fast 110 Milliarden Dollar bedeuten - und dies, obwohl es für Pandemien bislang nur in geringem Umfang Versicherungsangebote gibt.

Staat soll kooperieren

Pandemien sind im Branchenjargon «Kumulschäden»: Ereignisse, die kumuliert Heerscharen von Kunden gleichzeitig treffen und deswegen immense Kosten verursachen. Da dies für eine Versicherung den Ruin bedeuten kann, ist die Branche bei der Absicherung von Kumulrisiken extrem vorsichtig.

Mehrere Versicherer, darunter der weltgrößte Rückversicherer Munich Re, haben deswegen Vorschläge gemacht, wie Staat und Versicherungswirtschaft die Risiken teilen könnten. In Deutschland ist daraus bislang nichts Konkretes geworden. «Bei uns hat der Dialog, der alle an einen Tisch bringt, leider noch nicht stattgefunden», sagt Olaynig. «Da sehe ich vor allem das Bundesfinanzministerium in der Pflicht.»

Redaktion QZ
qz <AT> hanser.de

dpa

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