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15.10.2020

Homeoffice – aber sicher

Gefährdungsbeurteilung ist Pflicht

Etwa 36 % der abhängig Beschäftigten haben im Sommer 2020 im Homeoffice gearbeitet, also ca. 15 Mio. Menschen. Zwei Drittel können sich vorstellen, auch zukünftig mehrere Tage pro Woche zuhause zu arbeiten. Einen Rechtsanspruch darauf gibt es derzeit noch nicht. Der Gesetzgeber hat nun einen Gesetzesentwurf auf den Weg gebracht: Die neuen Regelungen sollen auch für mobiles Arbeiten Sicherheit und Gesundheit der Beschäftigten gewährleisten. Die Gefährdungsbeurteilung gehört in jedem Fall zu den Grundpflichten des Arbeitgebers.

© Fotolia/Robert Kneschke

© Fotolia/Robert Kneschke

Homeoffice, Telearbeit, mobiles Arbeiten

Beim mobilen Arbeiten wird eine Bildschirmtätigkeit außerhalb der Betriebsstätte ausgeübt, z.B. im Restaurant, Zug oder Hotel. Telearbeit stellt dabei einen Sonderfall dar. Denn die Arbeitsstättenverordnung definiert Telearbeitsplätze als „vom Arbeitgeber fest eingerichtete Bildschirmarbeitsplätze im Privatbereich der Beschäftigten, für die der Arbeitgeber eine mit den Beschäftigten vereinbarte wöchentliche Arbeitszeit und die Dauer der Einrichtung festgelegt hat“ (§ 2 Abs. 7 ArbStättV).

Obwohl Homeoffice häufig synonym benutzt wird, bedeutet es lediglich die „sporadische, nicht einen ganzen Arbeitstag umfassende Arbeit mit einem PC oder einem tragbaren Bildschirmgerät (zum Beispiel Laptop, Tablet) im Wohnbereich des Beschäftigten …“ (Quelle: Ausschuss für Arbeitsstätten, ASTA).

Rechtliche Grundlagen und neue Gesetzesinitiative

Für mobiles Arbeiten gelten die Forderungen aus Arbeitsschutzgesetz (u.a. Gefährdungsbeurteilung, Unterweisung) und Arbeitszeitgesetz (u.a. Pausen- und Ruhezeiten). Nur für Telearbeit gelten bisher weitergehende Anforderungen, die sich aus der Arbeitsstättenverordnung ergeben.

Zu den Pflichten des Arbeitgebers gehört auch, Angebotsvorsorge zu organisieren und Wunschvorsorge zu ermöglichen. U.a. gilt die Arbeitsmedizinische Regel AMR 14.1 „Angemessene Untersuchung der Augen und des Sehvermögens“. Ergebnis der Angebotsvorsorge kann dann z.B. sein, dass spezielle Sehhilfen notwendig sind. Die Kosten dafür trägt der Unternehmer. Einen Rechtsanspruch auf mobiles Arbeiten gibt es bisher nicht. Aktuell entscheidet der Arbeitgeber, ob er den Wunsch seiner Beschäftigten nach mehr Flexibilität erfüllen will.

Der Gesetzgeber hat nun eine Gesetzesinitiative auf den Weg gebracht. Für das sog. „Mobile-Arbeit-Gesetz“ werden v.a. folgende Inhalte diskutiert:

  • Gesetzlicher Anspruch auf jährlich mind. 24 Tage Arbeit (Untergrenze) an einem außerbetrieblichen Arbeitsplatz
  • Zwingende betriebliche Gründe für eine Ablehnung
  • Mitbestimmungsrecht von Gewerkschaften, Betriebs- und Personalräten
  • Digitale Arbeitszeiterfassung
  • Gefährdungen am mobilen Arbeitsplatz beurteilen

Ziel ist vorrangig, verbindliche Regeln für mobiles Arbeiten festzulegen und Versicherungslücken bei Unfällen zu schließen.

Ergonomische Gestaltung

Idealerweise ist der Bildschirmarbeitsplatz zuhause genauso ausgestattet wie im Unternehmen, dazu gehören u.a. PC, separate Tastatur, Maus und Bildschirm sowie geeigneter Schreibtisch und Bürostuhl. Wesentlich ist auch ein schneller und leistungsfähiger Internetzugang. In Regionen mit schlechter Versorgung sind ggf. z. B. Mobilfunk- oder Satellitenverbindungen erforderlich. Ein verschlüsselter Zugang ins Firmen-Netzwerk gewährleistet die geforderte Datensicherheit. Weitere Faktoren für die ergonomische Gestaltung des heimischen Arbeitsplatzes sind Bewegungsfläche, Tageslicht und Sichtverbindung nach außen, Bildschirme frei von störenden Reflexionen und Blendungen sowie ausreichende Beleuchtung (mind. 500 lux).

Grundsätzlich ist Smartphone oder Tablet nur für eine kurze Bearbeitung geeignet. Und während für längeres Arbeiten ein Notebook und zusätzlich Tastatur, Maus, Bildschirm und geeignete Möbel erforderlich sind, reicht für stundenweises Arbeiten häufig ein Notebook ohne eine derartige zusätzliche Ausstattung aus.

Gefährdungsbeurteilung und Unterweisung

Arbeitgeber müssen nach § 5 ArbSchG eine Gefährdungsbeurteilung durchführen, dies gilt auch für mobiles Arbeiten. Dabei werden Arbeitsstätte, Arbeitsmittel, Arbeitsverfahren, Arbeitszeit und Arbeitsumgebung systematisch untersucht und auf Gefährdungen für die Beschäftigten hin überprüft. Die Gefährdungsbeurteilung muss dokumentiert werden. Ziel der Beurteilung ist es, Gefährdungen zu vermeiden und Arbeitsbedingungen nachhaltig zu verbessern.

Für den Telearbeitsplatz muss die Gefährdungsbeurteilung bei der erstmaligen Beurteilung der Arbeitsbedingungen und des Arbeitsplatzes erfolgen (§ 1 ArbStättV) und vor Aufnahme der Tätigkeiten dokumentiert werden (§ 3 ArbStättV). Dabei muss angegeben werden, welche Gefährdungen am Arbeitsplatz auftreten können und welche Maßnahmen durchgeführt werden, um eine Gefährdung auszuschließen oder zu minimieren. Dies kann z.B. ein zusätzlicher Bildschirm zum Notebook sein.

Auch Unterweisungen sind unternehmerische Pflicht (§ 12 ArbSchG). Inhalte können z.B. sein:

  • Regelungen zu Arbeitszeiten und Erreichbarkeit;
  • Arbeits- und Ruhepausen;
  • Ansprechpartner im Unternehmen z. B. zu Fragen zur Arbeitssicherheit oder zu besonderen Situationen;
  • Hinweise zur ergonomischen Arbeitsplatzgestaltung und Nutzung der bereitgestellten Arbeitsmittel (z. B. Anordnen von Bildschirm, Tastatur, Maus);
  • Hinweise zur ergonomischen Sitzhaltung und zum dynamischen Sitzen (häufig wechselnde Sitzpositionen)

Werkzeug für die Praxis

Arbeitgeber müssen mobile Arbeit sicher, gesund und rechtssicher gestalten. Chancen ortsflexibler Beschäftigung sind bessere Vereinbarkeit von Familie und Beruf, eine Reduzierung des CO 2-Ausstoßes durch weniger Verkehr - und aktuell Gesundheitsprävention, indem das Infektionsrisiko bez. SARS-CoV-2 verringert wird.

QUMsult liefert mit der Gefährdungsbeurteilung Homeoffice/ Telearbeit eine webbasierte Lösung für Beschäftigte und Unternehmer: Gefährdungsfaktoren und Schutzmaßnahmen, zugeschnitten auf den Bildschirmarbeitsplatz zuhause, sind bereits vorausgewählt. Zu relevanten Fragen liefert die Anwendung Mustertexte als Antworten, und zwar auf der Grundlage geltender Vorschriften. Es können auch Bilder eingefügt werden.

Für Beschäftigte kostenlos

Beschäftigte im Homeoffice können ihren Bildschirmarbeitsplatz eigenständig und webbasiert beurteilen. Sie erhalten die Zugangsdaten und können sofort beginnen: Die Anwendung liefert relevante Informationen, Anwender profitieren von einem sicheren und gesundheitsgerechten Arbeitsplatz zuhause.

Für Unternehmen

Arbeitgeber können nach einem kostenlosen Test eine Lizenz für das Modul Gefährdungsbeurteilung erwerben und ihren Mitarbeitern im Homeoffice zur Verfügung stellen. Damit erfüllen sie ihre Pflicht als Arbeitgeber und gewährleisten sicheres und gesundheitsgerechtes Arbeiten, auch zuhause.

Als Ergebnis erhalten Nutzer eine rechtskonforme Dokumentation der Gefährdungsbeurteilung ihres Telearbeitsplatzes, die Beschäftigte ihrem Arbeitgeber vorlegen können bzw. die Unternehmern als Nachweis dient, dass geltende Vorschriften eingehalten und umgesetzt werden.

Redaktion QZ
qz <AT> hanser.de

Unternehmensinformation

QUMsult GmbH & Co. KG

Eisenbahnstr. 41
DE 79098 Freiburg
Tel.: 0761 29286-10
Fax: 0761 29286-77

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