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20.11.2015

Geld macht doch glücklich – jedenfalls im Job

Macht Geld glücklich? Eine Studie des Professors Christian Bayer vom Institut für Makroökonomik und Ökonometrie der Universität Bonn liefert neue Antworten auf diese vieldiskutierte Frage. Prof. Bayer untersuchte in der Arbeit gemeinsam mit seinem Kollegen Prof. Falko Jüssen von der Bergischen Universität Wuppertal, welchen Einfluss Einkommensanstiege und Arbeitspensum auf die Lebenszufriedenheit haben. Die Ergebnisse wurden im „American Economic Journal“ vorgestellt.

Sie kamen zu eindeutigen Ergebnissen: Mehr Geld macht tatsächlich glücklicher – aber nur, wenn das Gehalt auch dauerhaft steigt. Eine vorübergehende Erhöhung hat keinen nennenswerten Einfluss auf das Glücksgefühl des Mitarbeiters; auch dann nicht, wenn sie hoch ausfällt. Ein permanenter Anstieg des Einkommens sorgt dagegen für ein deutlich erhöhtes Wohlbefinden beim Gehaltsempfänger, auch wenn die Summe auf dem Konto nur geringfügig zunimmt. Auch Überstunden wirken sich auf das individuelle Glückniveau aus – allerdings negativ.

Wer ständig mehr arbeiten muss, wird unglücklicher

Als zweiten wichtigen Einflussfaktor der Arbeitswelt auf das persönliche Glück identifizierten die Forscher die Stundenzahl, die Angestellte ableisten. „Wer ständig mehr arbeiten muss, wird unglücklicher“, sagt Prof. Bayer, der am Hausdorff Center for Mathematics und am Institut für Makroökonomik und Ökonometrie der Universität Bonn lehrt und forscht. „Dieses Ergebnis steht im Widerspruch zu vielen anderen Studien, die zu dem Schluss kommen, dass es schon zufriedener macht, überhaupt eine Beschäftigung zu haben als keine.“ Die neue Untersuchung deutet daraufhin, dass Erwerbslose eher unter dem Einkommens- als unter dem Beschäftigungsverlust an sich leiden.

Neuer Ansatz zur Analyse entwickelt

Für ihre Untersuchungen entwickelten die mathematischen Ökonomen einen neuen Ansatz zur Analyse der relevanten Faktoren im Zusammenhang von Arbeitswelt und persönlichem Glücksempfinden. Während frühere Studien zu diesem Thema nur statische Modelle zugrunde legten, bezogen Prof. Bayer und Prof. Jüssen auch die Dynamik der Einkommensentwicklungen mit ein.

Wie sich herausstellte, war genau das ein entscheidender Schritt hin zu einem besseren Verständnis der Auswirkungen von Einkommenshöhe und Arbeitszeit auf das Wohlbefinden. Denn dauerhafte Gehaltserhöhungen beeinflussen die Zufriedenheit des Arbeitnehmers völlig anders als ein nur vorübergehendes Mehreinkommen. Bisherige Forschungen hatten diesen Unterschied unberücksichtigt gelassen und alle Einkommensveränderungen gleich behandelt.

Die Glücksformel: Dauerhaft mehr Geld bei gleicher Arbeitszeit

Die Studie belegt auch, dass ein funktionierender Finanzmarkt wichtig ist, um die Auswirkungen von Einkommensschwankungen und Mehrarbeit auf das Wohlbefinden abzudämpfen. „Unsere Ergebnisse zeigen, dass Gehalt und Arbeitszeiten mehr zum Glück oder Unglück des Arbeitenden beitragen können, als bisher angenommen“, sagt Prof. Bayer. Die Formel für eine höhere Lebenszufriedenheit laute demnach: dauerhaft mehr Geld bei gleichbleibender Stundenzahl.

Redaktion QZ
qz <AT> hanser.de

Literaturhinweis

Christian Bayer, Falko Jüssen (2015): Happiness and the Persistence of Income Shocks. American Economic Journal

https://www.zuliefermarkt.de/news/uebersicht/artikel/1217277

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