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21.06.2017

Europa hat beim Internet der Dinge derzeit die Nase vorn

Viele US-amerikanische IT-Unternehmen diskutieren über die Möglichkeiten des Internets der Dinge. Ihre europäischen Wettbewerber hingegen haben sich längst positioniert und schicken sich an, die Führungsrolle bei dieser Zukunftstechnologie zu übernehmen. Zu diesem Ergebnis kommt die Studie „Finding Europe’s Edge in the Internet of Things“, für die Bain & Company weltweit mehr als 500 Führungskräfte in unterschiedlichen Branchen befragt hat.

Danach sind viele europäische IT-Unternehmen bereits aus der Experimentierphase heraus und machen das Internet der Dinge für ihre Kunden nutzbar. Zu den Innovationstreibern gehört unter anderem die deutsche Automobilindustrie. Rund 2,6 Milliarden Euro haben Audi, BMW und Daimler für den Kauf des Digital-Mapping-Spezialisten HERE von Nokia investiert. Damit wollen die drei deutschen Premiumautobauer an Google und Apple vorbeiziehen. Zudem sichern sie sich mit dieser Akquisition den Zugang zu einer bahnbrechenden Technologie für das autonome Fahren. Darüber hinaus sind sie zahlreiche Partnerschaften eingegangen und haben ihre Mobilitätsdienste ausgebaut.

Sicherheitsaspekt von entscheidender Bedeutung

Laut Studie sind europäische Führungskräfte generell mehr auf Sicherheit bedacht als ihre US-amerikanischen Kollegen. So sind in Europa für 39 Prozent der Kunden Sicherheitsbedenken das größte Hindernis bei der Nutzung von Technologien rund um das Internet der Dinge. In den USA sind es lediglich 27 Prozent. Ähnlich verhält es sich in Bezug auf Compliance.

Probleme bei diesem Thema bewerten 22 Prozent der Europäer als kritisch, aber nur 8 Prozent der US-Amerikaner. Das Bewusstsein für sicherheitsrelevante Fragen könnte zu einem entscheidenden Wettbewerbsvorteil für europäische Unternehmen werden. Es eröffnet ihnen die Chance, kostengünstige Lösungen für ein breites Spektrum an Regularien zu entwickeln und damit sicherheitsbewusste Kunden weltweit zu überzeugen.

Nicht auf frühen Erfolgen ausruhen

Ob Analysemöglichkeiten, Qualitätsverbesserung oder Abfallreduktion: Die Europäer sehen derzeit deutlich mehr Potenzial im Internet der Dinge als die US-Amerikaner. Und das aus gutem Grund. Bain schätzt, dass diese Zukunftstechnologie weltweit bereits rund 80 Milliarden US-Dollar an M&A-Investitionen und mehr als 30 Milliarden US-Dollar an Venture-Capital-Beteiligungen ausgelöst hat.

Die Beispiele von Nokia und Apple zeigen jedoch, wie wichtig es für Vorreiter ist, sich nicht auf ihrem Vorsprung auszuruhen. Lange galt Nokia als Technologieführer und entwickelte als eines der ersten Unternehmen ein Smartphone. Den Weltmarkt aber eroberte dann jedoch das iPhone, und es setzt bis heute Maßstäbe. Auch die deutschen Autobauer haben sich schon einmal den Rang ablaufen lassen. Bereits seit Jahren experimentieren sie im Bereich der Elektromobilität, doch es ist Branchenneuling Tesla, der derzeit die Enthusiasten begeistert und Zukunftsvisionen vorantreibt.

Internet der Dinge ist Chefsache

Die europäischen Anbieter sollten jetzt schnell aktiv werden und ihren Wettbewerbsvorsprung nutzent. Die heutigen Vorreiter sind prädestiniert, ihre Kunden weltweit für das Internet der Dinge zu sensibilisieren und ihnen die vielfältigen Möglichkeiten dieser Technologie aufzuzeigen. Diese reichen von der Analyse des eigenen Geschäfts hinsichtlich neuer Wachstumsmöglichkeiten über die Steigerung der Kundenzufriedenheit bis hin zu völlig neuen Produkten und Dienstleistungen. Unternehmen, die das Internet der Dinge zukunftsorientiert anwenden, erlangen neue Fähigkeiten und neues Know-how und haben somit gute Aussichten auf eine kontinuierliche Technologieführerschaft.

Redaktion QZ
qz <AT> hanser.de

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