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28.03.2019

Droht Stau auf deutschen Flughäfen?

Bei einem Modellversuch in München mit neuen Gepäck-Scannern müssen nicht einmal mehr die Laptops aus dem Koffer genommen werden. Doch bislang stehen die neuen Anlagen mit Überholmöglichkeiten für schnellere Passagiere noch fast nirgendwo. Der größte deutsche Flughafen in Frankfurt beispielsweise will zum Sommer neun Spuren mit der neuen Technik einsatzbereit haben - 180 Spuren arbeiten hingegen weiter im hergebrachten Takt.

Erneute Verspätungen und Flugausfälle sind auch in der kommenden Reisesaison keineswegs ausgeschlossen, denn am deutschen Himmel wird es noch enger. Nach dem Rekordwert von 3,4 Millionen Flugbewegungen aus dem Vorjahr erwartet die Deutsche Flugsicherung (DFS) für 2019 eine weitere Steigerung um bis zu vier Prozent im deutschen Luftraum.

Der erste Härtetest für die im internationalen Vergleich langsamen Passagierkontrollen an den deutschen Flughäfen steht in dem kommenden Wochen mit der Reisewelle zu Ostern an. Mit Modellversuchen in Hamburg und Frankfurt hat die aufsichtsführende Bundespolizei bewiesen, dass sie mit verbesserten technischen Anlagen deutlich mehr Passagiere pro Stunde überprüfen kann.

Sicherheitskräfte sind teuer

Ungelöst bleibt die Frage nach dem Einsatz der privaten Sicherheitskräfte, die an den Flughäfen von der Bundespolizei mit hoheitlichen Aufgaben zur Personenkontrolle beliehen sind. Im Winter haben sie mit Hilfe der Gewerkschaft Verdi ihre Streikmacht erneut bewiesen und deutlich höhere Gehälter durchgesetzt. Die Kosten steigen an dieser Stelle des Systems, ohne dass damit ein effizienterer Personaleinsatz verbunden wäre. Der Aufwand aber wird über Sicherheitsgebühren an die Fluggesellschaften weitergereicht, die ihrerseits die Passagiere zur Kasse bitten.

Die großen Flughäfen wollen die privaten Dienstleister selbst steuern und sie mit Bonus- und Maluszahlungen zu einem flexibleren Personaleinsatz bewegen, erklärt der Chef des Frankfurter Betreibers Fraport, Stefan Schulte. Weil dafür das Luftsicherheitsgesetz geändert werden müsste, fehlt aber auch hier bislang der Haken.

Flugsicherung hat zu wenig Personal

Bereits beim vorangegangenen Luftfahrt-Gipfel im Oktober war allen Beteiligten klar, dass die Personalengpässe bei der Deutschen Flugsicherung (DFS) 2019 anhalten. Für die erwarteten Verkehrsmengen sind laut DFS-Chef Klaus-Dieter Scheurle mindestens 90 Lotsen zu wenig an Bord. Vor allem im Center Karlsruhe, das den oberen Luftraum steuert, fehlen so viele Lotsen, dass Verkehr schon in untere Lufträume verlagert wird - dem höheren Kerosinverbrauch zum Trotz.

Die bundeseigene DFS, die gerade mit Software-Problemen kämpft, hat nun ihre Ausbildungskapazitäten hochgeschraubt, verhandelt mit der Hausgewerkschaft GdF über weitere Überstunden und hat einige Lotsen aus Nachbarländern abgeworben. Die Lücken sind so schnell allerdings nicht zu schließen, denn von der Einstellung eines Lotsenschülers bis zum eigenverantwortlichen Einsatz vergehen vier bis fünf Jahre. Die GdF rechnet daher für den Sommer mit noch schlechteren Pünktlichkeitswerten.

Redaktion QZ
qz <AT> hanser.de

dpa

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