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30.07.2019

Digitalisierung verschiebt globale Healthcare-Ausgaben um bis zu 4,4 Bio. US-Dollar

7,5 Prozent niedrigere Ausgaben pro Patient erfordern Effizienzsteigerungen und neue Geschäftsmodelle für Pharmaunternehmen, zudem treibt die schnell wachsende Konkurrenz durch Technologiefirmen den Wandel im Gesundheitssektor voran.

Der Einzug digitaler Technologien in den Healthcare-Bereich birgt enorme finanzielle Potentiale, stellt die Pharmabranche jedoch auch vor große Herausforderungen: Zwar prognostiziert eine aktuelle Umfrage unter 120 Managern der weltweit größten Pharmaunternehmen einen Zuwachs des globalen Healthcare-Marktvolumens um 10%, von 10,6 Bio. US-Dollar 2018 auf 11,6 Bio. US-Dollar bis 2030.

Rückgang der Bevölkerung lässt Ausgaben pro Patient sinken

Allerdings wird auf Grund des künftig stark wachsenden Anteils der Bevölkerung mit Zugang zur Gesundheitsversorgung ein Rückgang der Ausgaben pro Patient um 27,5% erwartet. Auf dieser Basis könnten innerhalb der nächsten Dekade die operativen Nettomargen in der Pharmaindustrie von aktuell 25% signifikant abfallen. Das zeigt die „Future of Health“-Studie von Strategy&, der Strategieberatung von PwC.

Hinsichtlich des Wachstums im gesamten Gesundheitsmarkt erwarten die befragten Pharmaführungskräfte im Vergleich zu 2018 vor allem in den Bereichen Diagnostik (+524%), Prävention (+244%) und digitale Gesundheit (+205%) bis 2030 massive Ausgabenverschiebungen. Der Anteil der medizinischen Versorgung an den Gesamtausgaben im Healthcare-Sektor wird dagegen um fast 16% schrumpfen.

Dies entspricht einem Rückgang von rund 1,2 Bio. US-Dollar auf der globalen Ebene bis 2030. Für den deutschen Markt beträgt der Rückgang in der medizinischen Versorgung 28 Mrd. US-Dollar, während der Präventionsbereich um 39 Mrd. US-Dollar und digitale Gesundheitsangebote um 32 Mrd. US-Dollar zulegen werden.

Fokus auf Prävention

Unter den befragten Pharmamanagern ist sich die große Mehrheit sicher, dass der Wandel für die eigene Branche unmittelbar bevorsteht. 96% stimmen der Aussage zu, dass das Gesundheitswesen künftig den informierten und selbstbestimmten Menschen in den Mittelpunkt stellt sowie auf präventive, personalisierte und in den Alltag integrierte digitale Angebote setzen wird.

Krankheiten werden damit nur noch teilweise behandelt, weil sie durch den Fokus auf Präventionsmaßnahmen gar nicht oder erst weitaus später entstehen. Dieses neue Ökosystem wird sich nach Ansicht der Manager auf Basis innovativer Organisations- und Geschäftsmodelle und veränderter regulatorischer Anforderungen entwickeln.

Mehr als zwei Drittel (68%) der Teilnehmer an der Umfrage erwarten, dass diese Zukunftsvision bis spätestens 2030 zur neuen Normalität wird. 75% erkennen darin eine Chance für ihre Unternehmen, sofern die Pharmabranche dazu bereit ist, den Umbruch aktiv und umfassend zu gestalten. Bislang verfolgen allerdings erst 25% einen ganzheitlichen strategischen Ansatz, um sich diesen Herausforderungen zu stellen.

Regulatoren als Bremser

Auch die befragten Pharmamanager sehen Technologieunternehmen als Treiber des Wandels, wohingegen Regulatoren eindeutig als Bremser bewertet werden. Von ihren eigenen Organisationen zeichnen die Befragten ein zwiespältiges Bild:

So betrachten sie vor allem den Aufbau eines digitalen Bewusstseins sowie einer entsprechenden Unternehmenskultur als größte interne Herausforderung (70%), gefolgt von der Entwicklung aktuell noch fehlender Kompetenzen (47%) und der Überwindung struktureller Hemmnisse (35%).

Extern bereiten vor allem regulatorische und gesetzliche Hürden die größten Sorgen (71%), noch vor der Frage nach der Verfügbarkeit und den Zugriffsrechten auf notwendige Datensets (37%) sowie ethischen Belangen (22%).

Redaktion QZ
qz <AT> hanser.de

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