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23.07.2018

Zahlreiche Wissenschaftspublikationen in unseriösen Zeitschriften

Die Zahl von wissenschaftlichen Veröffentlichungen in zweifelhaften Online-Fachzeitschriften hat in den vergangenen Jahren deutlich zugenommen. Mehr als 5000 deutsche Wissenschaftler hätten schon Forschungsergebnisse bei unseriösen Verlagen publiziert. Diese achteten die grundlegenden Regeln der wissenschaftlichen Qualitätssicherung nicht.

Weltweit seien rund 400 000 Forscher betroffen, ergaben Recherchen, an denen sich nationale und internationale Medien beteiligten. Wenn die Zahl von 5000 Wissenschaftlern zutreffe, so die wissenschaftliche Informationsplattform Science Media Center, «dann hätte rund 1,3 Prozent des wissenschaftlichen Personals an deutschen Universitäten und Fachhochschulen statistisch gesehen mindestens einmal in einer mutmaßlichen Raubzeitschrift publiziert».

Bundesforschungsministerin Anja Karliczek (CDU) verlangte eine gründliche Untersuchung der Fehlentwicklungen bei wissenschaftlichen Veröffentlichungen. Dies sei «im Interesse der Wissenschaft selbst», erklärte sie. Die Ministerin fügte aber hinzu: «Mir ist wichtig, dass es nicht zu vorschnellen Verurteilungen Einzelner kommt. Die überwältigende Mehrheit der Wissenschaftlerinnen und Wissenschaftler in Deutschland arbeitet nach den Grundsätzen guter wissenschaftlicher Praxis.» Sie sprach sich dafür aus, jeden Einzelfall unter die Lupe zu nehmen.

Geld für wissenschaftliche Publikationen

In den Medienberichten (u.a. Süddeutsche Zeitung Magazin) hieß es, das Phänomen solcher unseriöser Zeitschriften («Predatory Journals») sei schon seit Jahren bekannt.

Deutsche Hochschulen und Forschungsgesellschaften hätten bereits mehrfach davor gewarnt. Neu sei jedoch das rasant steigende Ausmaß.
So hat sich die Zahl solcher Publikationen bei fünf der größten unseriösen Verlage den Recherchen zufolge seit 2013 weltweit verdreifacht, in Deutschland sogar verfünffacht.

Diese Verlage nutzen den Angaben zufolge den Publikationsdruck, der auf Wissenschaftlern lastet, und sprechen diese per E-Mail an. Die Betroffenen publizierten Ergebnisse gegen Zahlung teilweise hoher Gebühren in den Internet-Journalen, die von Unternehmen in Südasien, der Golfregion, Afrika oder der Türkei herausgegeben werden.

Qualität statt Quantität

Die Firmen behaupteten zwar, Forschungsergebnisse wie international üblich vor Veröffentlichung anderen erfahrenen Wissenschaftlern zur Prüfung vorzulegen. Den Recherchen zufolge geschehe dies jedoch meist nicht. Zudem hätten auch Wissenschaftler offenbar gezielt die Dienste solcher Verlage genutzt, um Forschungsbeiträge schnell zu veröffentlichen.

Die Deutsche Forschungsgemeinschaft (DFG) wollte die Berichte nicht kommentieren. Bei der DFG hieß es, man setze sich mit solchen Entwicklungen derzeit im Rahmen der Überarbeitung der «Empfehlungen zur Sicherung guter wissenschaftlichen Praxis» auseinander. Im übrigen habe die DFG mit der Initiative «Qualität statt Quantität» bereits 2010 Maßnahmen gegen die Publikationsflut in der Wissenschaft ergriffen.

Redaktion QZ
qz <AT> hanser.de

dpa

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