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28.01.2013

"Gelesen, gelacht, gelocht"?

Interview: Mit Compliance Management Regelverstöße im Unternehmen verhindern

Compliance Management will Schäden durch Regelverstöße in Unternehmen verhindern. Die Ursachen für zunehmendes Fehlverhalten sind vielfältig: Teilweise herrscht eine Duldungskultur, die zwar Regeln auf dem Papier anerkennt, sie jedoch in der Praxis nicht umsetzt. Ferner kommt zum wachsenden Umsatzdruck zuweilen eine zersplitterte Managementstruktur als Folge der fortschreitenden Globalisierung. Weniger direkte Führung und oftmals auch die größere Selbstständigkeit weit voneinander entfernt liegender Unternehmensbereiche oder ausländischer Tochtergesellschaften spielen ebenfalls eine Rolle.
Vor diesem Hintergrund hat die DGQ das Training "Compliance Management in der Praxis" entwickelt. Es findet erstmals am 22. April 2013 statt und behandelt die Entwicklung und Umsetzung wirksamer Schutzmaßnahmen gegen Compliance-Verstöße. Die Redaktion sprach mit Dr. Mark Zimmer, einem ausgewiesenen Compliance-Experten von Gibson, Dunn & Crutcher LLP, München, der als DGQ-Trainer die Trainingsinhalte wesentlich mitgestaltet hat.

QZ: Herr Zimmer, Berichte zur Dringlichkeit von Compliance Management im Zusammenhang mit Konzernen nehmen in den überregionalen, aber auch in regionalen Medien einen wachsenden Anteil ein. Ist Compliance eine neue Mode oder warum sticht das Thema so plötzlich ins Auge? Und was steckt eigentlich dahinter?

Zimmer: Ja, es ist eine Mode, aber inzwischen nicht mehr so neu. Bereits seit nunmehr fast zehn Jahren beschäftigen sich deutsche Großunternehmen mit Anti-Korruptions-Compliance. Die Bedeutung wurde durch die Korruptionsskandale um Siemens, Daimler, MAN und Ferrostaal in den letzten sechs Jahren dramatisch verdeutlicht. Dort kam es jeweils zu Bußgeldern in dreistelligen Millionenbeträgen. In Kartellsachen gibt es diese enormen Risiken schon viel länger, deshalb bezeichnet man das Kartellrecht auch als "Mutter der Compliance".

QZ: Handelt es sich dabei um ein typisches Phänomen, das ausschließlich Großunternehmen im Sinne von Global Playern betrifft?

Dr. Mark Zimmer, Rechtsanwalt und Fachanwalt für Arbeitsrecht

Dr. Mark Zimmer, Rechtsanwalt und Fachanwalt für Arbeitsrecht

Zimmer: Nicht ausschließlich, aber in erster Linie waren bisher international tätige Großunternehmen betroffen. Das zeigt sich besonders deutlich am Beispiel von Daimler und Siemens, die damals an der New Yorker Börse notiert waren und daher unter das US-amerikanische Anti-Korruptionsgesetz fielen. Deshalb wurden sie von der amerikanischen Börsenaufsicht und dem Justizministerium verfolgt. Allerdings trifft es auch Mittelständler. Der typische deutsche Nischenproduzent, der in viele Länder exportiert, ist besonders gefährdet.

Wohl stellvertretend für viele andere Mittelständler hat der niedersächsische Röhrenproduzent Vietz vor zwei Jahren im Handelsblatt offen zugegeben, bei Exporten in bestimmte Länder Schmiergelder bezahlt zu haben. Zwei Tage später durchsuchte die Staatsanwaltschaft das Unternehmen.

QZ: Mit welchen Auswirkungen muss denn nun ein sogenannter Hidden Champion, der vornehmlich aus dem Mittelstand kommt, rechnen, wenn er sich nicht Compliance-konform verhält?

Zimmer: Die Verfolgungsbehörden werden immer professioneller. Noch vor wenigen Jahren war Bestechung im Ausland für die meisten Staatsanwälte ein Brief mit sieben Siegeln. Inzwischen haben ihre Kollegen aus den oben genannten Großverfahren Vorarbeit geleistet, auf die zurückgegriffen wird. Ich musste mal einer Mandantin mit lediglich 500 Mitarbeitern in Deutschland während einer Razzia beistehen. Deren Zulieferer von Computerteilen hatte einige Mitarbeiter aus der mittleren Ebene zu WM-Spielen oder einem Hotelaufenthalt eingeladen. Das fiel bei der steuerlichen Betriebsprüfung auf und war Anlass für eine unangenehme Durchsuchung. Das Gleiche habe ich bei der Neuvergabe eines Reinigungsauftrags für ein relativ kleines Werk erlebt. Von Entwarnung kann also keine Rede sein.

QZ: Gibt es gezielte Maßnahmen, die ein Mittelständler ergreifen kann, um sich vor möglichen Versäumnissen in Sachen Compliance zu schützen?

Zimmer: Natürlich! Das Wichtigste ist die Information der Entscheidungsträger über die enormen Risiken bei Compliance-Verstößen.

QZ: Wo können sich mittelständische Unternehmen überhaupt Hilfe für diesen Bereich holen?

Zimmer: Inzwischen gibt es etliche Kanzleien, die sich mit Compliance beschäftigen. Das wird sich für die meisten Unternehmen in Einzelfällen lohnen. Die breite Masse der Unternehmen sollte jedoch unbedingt für eine hinreichende Schulung von Schlüsselkräften sorgen. Dazu reicht es häufig, einige Multiplikatoren im Unternehmen extern schulen zu lassen. Dann können diese das Licht in die Firma tragen und dort ihrerseits andere Kollegen erleuchten. Als Einstieg bietet sich die Schulung zum Compliance-Management-Beauftragten an.

QZ: Wer könnte in den Unternehmen der Verantwortliche für das Thema Compliance sein?

Zimmer: Zuerst muss die Geschäftsleitung verdeutlichen, dass sie das Thema Compliance wichtig findet – tone from the top –, sonst nimmt es ja keiner darunter ernst. Wenn sich das Unternehmen keinen hauptamtlichen Compliance-Beauftragten leisten will oder kann, wird üblicherweise einem Mitarbeiter aus Rechts- oder Personalabteilungen, Qualitätsmanagement, Controlling oder Vertrieb der Compliance-Hut aufgesetzt.

QZ: Die DGQ verfolgt diese Thematik seit geraumer Zeit und hat dazu mithilfe von Experten ein Lösungspaket zum Compliance-Management-Beauftragten entwickelt. Sie sind einer der Trainer dieser neuen Seminarreihe. Welche Inhalte werden dort vermittelt und worin liegt der Nutzen für die Teilnehmer?

Zimmer: Wir zeigen zunächst in einer Tour d’Horizon, welche potenziellen nennenswerten Risiken es gibt und bei welchen Indikatoren die roten Lampen angehen sollen. Dabei verdeutlichen wir die entscheidenden Fragen auch in Planspielen und Dilemma-Situationen. Ferner erläutern wir den Teilnehmern ganz praktisch, wie sie ein Compliance-Management-System in ihrer Firma aufbauen können. Auch der Einsatz und Nutzen von IT-Tools wird vorgestellt. Hiermit werden die Regeln in das Tagesgeschäft effektiv umgesetzt. Sonst heißt es nämlich zu oft: "Gelesen, gelacht, gelocht" – und das darf nicht mehr passieren.

Unternehmensinformation

DGQ Deutsche Gesellschaft für Qualität

August-Schanz-Str. 21a
DE 60433 Frankfurt
Tel.: 069 95424-0
Fax: 069 95424-133

Internet:www.dgq.de
E-Mail: info <AT> dgq.de



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