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29.10.2010 3. Konformitätsaussagen und Prüfergebnisse
Frage & Antwort

3.36 Ist in einer Umstempelbescheinigung die Angabe von Hersteller und APZ-Nr. des Rohmaterials erforderlich?

Sehr geehrter Herr Friederici,

in mehreren Ihrer Beiträge verweisen Sie darauf, dass in einer Umstempelbescheinigung auf das Abnahmeprüfzeugnis des Herstellers Bezug genommen werden muss. ( Weitergabe von Prüfbescheinigungen durch einen Händler und Prüfbescheinigungen nach EN 10204). Diese Forderung habe ich weder in der EN 10204 noch in der Druckgeräterichtlinie, nach der wir im wesentlichen fertigen, wiedergefunden. Wir vergeben für das eingekaufte Rohmaterial eine eigene Chargennummer, die im Zuge der Umstempelung auf das Material gestempelt wird. Diese Chargennummer wird in der Umstempelbescheinigung aufgeführt und außerdem auch auf dem Original-APZ vermerkt. Damit ist eine Rückverfolgbarkeit auf das Rohmaterial mit seinen im APZ genannten Eigenschaften sichergestellt. Da diese - neue - Chargennummer auch als Verwaltungsnummer dient, ist eine einfache Handhabung gewährleistet. Genügt diese Vorgehensweise den Vorschriften der EN 10204 und der Druckgeräterichtlinie? Oder ist in einer Umstempelbescheinigung die Angabe von Hersteller und APZ-Nr. des Rohmaterials erforderlich? Wo finde ich diese Forderung in der Norm wieder?

Im voraus vielen Dank für Ihre Antwort.

Antwort:

Wieder einmal eine scheinbar einfache Frage, aber der Teufel steckt im Detail.

Als Bauteil- oder Gerätehersteller verwenden Sie Ausgangsmaterial wie z.B. Baustähle in verschiedenen Erzeugnisformen wie Rohre, Bleche, Rundstangen usw. Da Sie das Material nicht selbst hergestellt haben, fungieren Sie letztlich gegenüber Ihrem Kunden als "Händler". Damit müssen Sie auch die Pflichten und Möglichkeiten des Händlers aus Abschn. 6 der EN 10204 beachten und erfüllen. Sie müssen Ihrer eigenen Dokumentation die Originalzeugnisse 2.1, 2.2. 3.1 oder 3.2 des Werkstoffherstellers (oder Kopien davon) - ohne sie zu verändern - an ihren Kunden weitergeben (sofern der sie überhaupt haben will). Da Sie die Originalstempelung des Herstellers bei der Vereinzelung des Material, z.B. Blechabschnitte, nicht genau übertragen können, können Sie stattdessen richtigerweise eine eigene Kennzeichnung anbringen und in dem dazugehörigen Umstempelnachweis die Originalkennzeichnung abbilden, z.B. das korrekte Herstellerzeichen, die Schmelzen-Nr. und die Werkstoffbezeichnung oder Werkstoff-Nr. usw. (Übrigens sollten Sie Ihre eigene Kennnummer auf keinen Fall als "Schmelzen"- oder "Chargen"-Nr. bezeichnen, denn Sie haben ja überhaupt keine Schmelze oder Charge produziert.) Daraus folgt zunächst nicht zwingend, dass Sie in dem Umstempelnachweis auch den Materialhersteller nennen müssen. Sie müssen aber einen Zusammenhang zwischen Ihrer neuen Kennzeichnung und dem - mitzuliefernden APZ des Materialherst5ellers bilden und ja auch dieses Zeugnis mitliefern oder evtl. in Ihrer eigenen an den Kunden gerichteten Dokumentation erwähnen, dass die Originalzeugnisse bei Ihnen zur Verfügung stehen. Es steht also doch etwas über Ihre Problem in der EN 10204.

Nun zur Druckgeräterichtlinie. Hier muss man sich mit dem Anhang I Abschn. 4.3 befassen:

Der Hersteller des Druckgeräts muss die geeigneten Maßnahmen ergreifen, um sicherzustellen, dass der verwendete Werkstoff den vorgegebenen Anforderungen entspricht. Insbesondere müssen die für alle Werkstoffe vom Werkstoffhersteller ausgefertigte Unterlagen eingeholt werden, durch die die Übereinstimmung mit einer gegebenen Vorschrift (auch mit Normen) bescheinigt wird.

Aus dieser Bestimmung in der Richtlinie hat man in EN 10204 Anhang ZA Bild ZA.1 eine Grafik dargestellt, aus der hervorgehrt, für welche Druckgerätebauteilearten welche Prüfbescheinigungen nach EN 10204 erforderlich sind. Diese Grafik gibt es als Bild 1 auch in DIN EN 764-5 (siehe spätere Ausführungen zu dieser Norm.

Die Folgerung ist also, dass der Druckgerätehersteller im Besitz der Prüfbescheinigungen des Materialherstellers sein muss. Der Zwang zur Weitergabe an den Kunden bzw. Betreiber eines Druckgerätes ist in der Richtlinie nur verklausuliert zu erkennen, als es da im Anhang I Abschn. 3.2 Abnahme heißt: 3.2.1 Schlussprüfung: Druckgeräte müssen einer Schlussprüfung unterzogen werden, bei der durch Sichtprüfung und Kontrolle der zugehörigen Unterlagen zu überprüfen ist, ob die Forderungen dieser RL erfüllt sind. ...

Zu den zu überprüfenden Parametern gehört u.a. auch die Erfüllung der Anforderungen an den Werkstoff, wie sie in Anhang I Abschn. 7.5 konkret festgelegt sind Mindestbruchdehnung 14%, Kerbschlagarbeit ISO-V-Probe mind. 27J bei max 20°C (unabhängig von anderen, besseren Werten in der zuständigen Werkstoffnorm). Dazu müssen ja wohl leider die Zeugnisse des Materialherstellers vorliegen!

Hinweis: In der Druckgeräterichtlinie ist nicht geregelt, welche Prüfdokumente an den Endkunden/Betreiber gehen müssen! Dies wohl deshalb, weil ja der Druckgerätehersteller dem Endkunden/Betreiber eine Konformitätserklärung übergeben muss und das CE-Kennzeichen anbringen muss.

Schlußfolgerung: In einem Umstempelnachweis müssen sowohl die bisherige Kennzeichnung (durch den Materialhersteller) als auch die neue Kennzeichnung (durch den Materialverarbeiter = quasi in "Händlerfunktion") gegenüber gestellt werden. Der Begriff "Schmelzen- oder Chargen-Nr. darf nicht mehr für die neue Kennzeichnung verwendet werden, da es keine neue Schmelze/Charge gibt. Es macht keinen Sinn, im Umstempelnachweis den Materialhersteller nicht zu nennen, da ja dessen Zeugnisse weitergegeben bzw. zur Verfügung gehalten werden müssen.

Einige interessante Hinweise gibt es auch noch in DIN EN 764-5 Druckgeräte, Prüfbescheinigungen für metallische Werkstoffe und Übereinstimmung mit der Werkstoffspezifikation. Ich kann Ihnen (und anderen Betroffenen) leider nicht ersparen, sich diese wichtige Norm zu besorgen. Dort finden Sie die Untermauerung zu meinen Ausführungen in Abschn. 6.1 Prüfbescheinigungen und Kennzeichnung und Abschn. 6.2 Abgetrennte Werkstoffteile, Übertragung der Kennzeichnung durch Werkstoffhändler (und das sind Sie quasi auch)

Produktkonformität und Prüfbescheinigungen
Ing. Ingolf Friederici

Ing. Ingolf Friederici

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Über den Experten

Ingolf Friederici, Experte für Managementsysteme, Konformitätsfragen und zugehörige Normen, führt seit vielen Jahren Seminare und Workshops durch, schwerpunktmäßig als unternehmensindividuell gestaltete Inhouse-Veranstaltungen.

Im expert Verlag, Tübingen, erschien kürzlich sein Buch "Konformität von Produkten - Gesetzliche Anforderungen, Konformitätsbewertungen, Konformitätsdokumente, Prüfbescheinigungen".

Rückfragen beantwortet Herr Friederici gern auch telefonisch unter Tel. 036601 / 556544.

ingolf.friederici@gmail.com