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29.06.2010 3. Konformitätsaussagen und Prüfergebnisse
Frage & Antwort

3.34 Spezialfall Kaskade von Prüfbescheinigungen im Druckbehälterbau

Wir sind im Druckbehälter- und Rohrleitungsbau tätig und müssen auch die EU-Richtlinie 97/23/EG (Druckgeräte) als auch das AD 2000-Regelwerk beachten.

Üblicherweise hatten wir nur Erzeugnisse mit APZ 3.1.B auf Lager. War ein APZ 3.1A erforderlich, dann wurde der Werkstoff aufgewertet, d.h. die erforderlichen zusätzlichen Prüfungen (Zugversuch, Kerbschlagbiegeversuch, zerstörungsfreie Werkstoffprüfungen) wurden im Beisein der Abnahmegesellschaft wiederholt. Diese stellte dann ein APZ 3.1.A oder 3.1.C aus, je nachdem, was für die einzelne Prüfung im Regelwerk gefordert war.

Folgendes Beispiel:

Blech aus 1.4541 nach EN 10028-7. Nach AD-2000 Merkblatt 2 wird ein APZ 3.2 (neue Form) erforderlich. Wir verfügen über ein APZ 3.1 eines japanischen Herstellers.
Aufgrund der Anforderungen in AD-W2 sind zusätzliche Prüfungen bzw. die Bestätigung von Prüfungen durch den Abnahmebeauftragten der Abnahmegesellschaft erforderlich.
Unser Kunde fordert nun, dass der Abnahmebeauftragte des (japanischen) Herstellers bei diesen zusätzlichen Prüfungen (für das PPZ 3.2) anwesend sein muss.

Zwei Fragen:

Kann der Japaner ein Prüflabor hier bei uns beauftragen, in seinem Namen diese Prüfungen mit durchzuführen bzw. zu beaufsichtigen und die Prüfergebnisse in seinem Namen im APZ 3.2 bestätigen?
Reicht es aus, dass der Abnahmebeauftragte der Abnahmegesellschaft die Dokumentation des japanischen Herstellers überprüft und bewertet und die zusätzlichen Prüfungen alleine durchführt bzw. beaufsichtigt und bestätigt?

Antwort:

Das ist ein dicker Brocken und geht ans Eingemachte.

Zunächst muss klar sein, dass alle Abnahmebeauftragten, gleich welcher Organisation angehörend und gleichgültig, in wessen Auftrag sie tätig werden, ausschließlich die Aufgabe haben, ermittelte Prüfergebnisse zu bestätigen.
Keiner von diesen hat die Aufgabe, eine Übereinstimmungserklärung abzugeben! Das darf nur der jeweilige Hersteller.
In der Methode, wie ein Abnahmebeauftragter seine Bestätigung absichert (Teilnahme, Überwachung, Dokumentenprüfung usw.) , ist er frei.
Dieser japanische Hersteller kann natürlich schon irgendjemand hier autorisieren, in seinem Namen Prüfungen und Prüfergebnisse zu bestätigen.

Ein Abnahmebeauftragter alleine kann kein APZ 3.2 ausstellen, d.h. auch nicht das beauftragte Prüflabor des Herstellers oder der vom Besteller beauftragte oder der kraft amtlicher Vorschriften tätig werdende Abnahmebeauftragte. Sie müssen zwingend beide zusammenwirken, aber wie, ist offen.

An den von Ihnen zitierten Wiederholungsprüfungen (Prüfungen, die schon einmal gemacht wurden) braucht der Abnahmebeauftragte des Herstellers nicht persönlich teilnehmen und braucht auch nicht an der Bewertung der Prüfergebnisse mitwirken, solange diese zum gleichen Ergebnis kommen wie die ursprünglichen Prüfungen. Dies kann der AB des Bestellers oder der in den zutreffenden amtlichen Vorschriften genannte AB alleine. Er fügt seiner Dokumentation das APZ 3.1 des (japanischen) Herstellers bei und dies bildet das APZ 3.2, wobei die Übereinstimmungserklärung des Herstellers (aus Japan) in seinem Teil des Gesamtdokumentes enthalten ist.

Allerdings gibt es dabei kein Dokument, in dem etwa die Überschrift Abnahmeprüfzeugnis EN 10204 – 3.2 steht, weil das wirklich nur der Hersteller schreiben darf.

Hilfsweise könnten Sie als Weiterverarbeiter, der wiederum eigene Eigenschaften erzeugt und deren Übereinstimmung zu erklären hat, nun folgendes machen:
a) Erstellung eines APZ 3.2 mit Ihrer Erklärung der Übereinstimmung nur derjenigen Eigenschaften mit den Anforderungen in der Bestellung, die Ihr Abnahmebeauftragter bestätigt hat,
b) Beifügung des APZ 3.1 des Herstellers des Vormaterials inkl. dessen Übereinstimmungserklärung über alle Anforderungen in Ihrer Bestellung an ihn.
c) Beifügung eines formlosen Dokumentes des Abnahmebeauftragten des Bestellers (oder des in den amtl. Vorschr. genannten AB) mit seiner Bestätigung der Prüfergebnisse der Wiederholungsprüfungen und weiterer Prüfungen oder Gegenzeichnung Ihres APZ 3.2 durch ihn.

Ganz klar ist, hier wird es in der Industrie noch sehr viel Ärger geben, bis man sich zusammengerauft hat. Auf das zuständige TC 9 von ECISS, das der Träger von EN 10204 ist, darf man dabei nicht setzen, weil es sich in dieser Neufassung in die Nesseln gesetzt hat! Wahrscheinlich werden sich wieder einmal Gerichte und Gutachter damit befassen müssen, wenn sich zwei Vertragspartner nicht einigen können.

Produktkonformität und Prüfbescheinigungen
Ing. Ingolf Friederici

Ing. Ingolf Friederici

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Über den Experten

Ingolf Friederici, Experte für Managementsysteme, Konformitätsfragen und zugehörige Normen, führt seit vielen Jahren Seminare und Workshops durch, schwerpunktmäßig als unternehmensindividuell gestaltete Inhouse-Veranstaltungen.

Im expert Verlag, Tübingen, erschien kürzlich sein Buch "Konformität von Produkten - Gesetzliche Anforderungen, Konformitätsbewertungen, Konformitätsdokumente, Prüfbescheinigungen".

Rückfragen beantwortet Herr Friederici gern auch telefonisch unter Tel. 036601 / 556544.

ingolf.friederici@gmail.com