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24.03.2010 3. Konformitätsaussagen und Prüfergebnisse
Frage & Antwort

3.31 Prüfbescheinigungen auf Grundlage spezifischer Prüfungen (3.1-Zeugnis)

Ich habe mir Ihre Ausführungen bezüglich des o.g Themengebietes angeschaut. Jetzt glaube ich verstanden zu haben, dass gemäß letzter Revision der Norm DIN EN 10204 der Hersteller der Aussteller des Zeugnisses ist, der Abnahmebeauftragte nur die Konformität der durchgeführten spezifischen Prüfungen bestätigt.

Dazu habe ich 2 Fragen:

a) Wenn der Abnahmebeauftragte auch in Vertretung des Herstellers unterschreiben soll (wie es voraussichtlich in vielen Firmen Standardvorgenehnsweise werden wird), müsste dieser dafür ermächtigt werden. Gibt hierzu ein allgemeingültiges Formblatt?

b) Ich habe mit sehr vielen Firmen gesprochen (insbesondere Stahlhersteller). Keinem meiner Ansprechpartner diesbezüglich war die neue Vorgehensweise bekannt (Unterschrift: Hersteller + Abnahmebeauftragter). Haben Sie diese Erfahrungen auch gemacht und wenn ja, wird es diesbezüglich eine offizielle Klarstellung der Norm geben?

Vielen Dank im Voraus
Mit freundlichen Grüßen

Antwort:

In allen drei Sprachfassungen steht für 3.1, dass der Hersteller dieses Abnahmeprüfzeugnis herausgibt, isssued, declare, und der Abnahmebeauftragte die Bescheinigung bestätigt, validated, validé.

Das ist in der Tat neu, aber völlig logisch, wenn man bedenkt, dass der Hersteller auch 2.1 und 2.2 herausgibt und bestätigt.

Grundgedanke ist eben, dass für alle Prüfbescheinigungen nach EN 10204 der Hersteller die uneingeschränkte Konformitätsverantwortung bezüglich der Konformität der Produkte mit den Anforderungen in der Bestellung trägt. Dies entspricht auch allen anderen Konformitätsdokumenten in der EU (siehe Maschinenrichtlinie u.a..), siehe auch EN 1655 und EN ISO/IEC 17050, wo jeweils die alleinige Verantwortung des Herstellers/Anbieters die Grundlage ist. Logischerweise muss dies auch bei EN 10204 so gelten, sonst würde die Norm allgemeinen Grundsätzen widersprechen.

Leider ist die Ausgabe Januar 2005 so verhunzt worden, dass bei dem Abnahmeprüfzeugnis 3.2 der Hersteller wieder nicht als Herausgeber und Bestätiger der allgemeinen Konformität genannt ist, sondern nur die beiden Abnahmebeauftragten. Da sind auch die drei Sprachfassungen nicht in Übereinstimmung:

Bescheinigung, in der sowohl ...als auch ... Abnahmebeauftragten bestätigt wird, dass die gelieferten Erzeugnisse die in der Bestellung festgelegten Anforderungen erfüllen,...

Document prepared by both... and in which they declare that... are in compliance with ...

Document préparé à la fois par ... et soit par le ... et dans lequel ils déclarent ... sont conformes ...

Im Deutschen wird von bestätigen gesprochen, im englischen und Französischen jedoch von erklären, während das bei 3.1 wieder anders heißt.

Versuche, Klarstellungen beim zuständigen DIN NMP 892 und dem Expertengremium zu erreichen, sind leider fehlgeschlagen, weil man zwar erkannt hat, dass die Norm offenbar einige nicht gerade schlüssige Festlegungen enthält, aber eine rasche Überarbeitung im europäischen Normungsgremium für derzeit aussichtslos hält. Außerdem vertreten die Experten aus der Stahlindustrie, und das sind ja die Hauptträger der Norm und ihrer Historie, die Meinung, es habe sich hinsichtlich der Verantwortungen nichts geändert. Dies aber ist eine offenbare Falschauslegung, denn in der früheren Ausgabe von 1995 heißt es bei 3.1 und 3.2: herausgegeben und bestätigt von einem ...Sachverständigen .... In der 2005-Ausgabe lautet das aber herausgegeben vom Hersteller, und dies ist eindeutig etwas völlig anderes!

Noch einmal zurück zu 3.2:

In der 1995er-Ausgabe stand für das 3.2 Ein Abnahmeprüfzeugnis, das aufgrund ... (von zwei Sachverständigen bestätigt ist) ..., heißt Abnahmeprüfprotokoll 3.2.

Das bedeutet, dass es sich lediglich um eine spezielle Form des Abnahmeprüfzeugnisses handelt (2 Bestätigungen), während alle anderen Bedingungen gleich sind.

Und das muss ja auch für die 2005er-Ausgabe weiter gelten. Hier hat man aber die Einleitung leider völlig falsch formuliert und den Hersteller quasi vergessen. Eigentlich hätten die beiden ersten Absätze aus 3.1 unverändert übernommen werden müssen, dann wäre klar gewesen, dass er auch bei 3.2 die Gesamtkonformität bestätigt.

Aber so ist das Leben. Ich hoffe, dass die Diskussion um diese Unklarheiten sich verstärken und Druck auf die Normung ausgeübt wird, eine astreine Klarstellung zu veröffentlichen.

Hinsichtlich der Frage, ob ein Abnahmebeauftragter den Hersteller rechtsverbindlich vertreten darf (und also in Doppelfunktion ein Abnahmeprüfzeugnis unterschreiben kann), gibt es keine Probleme. Das geht unter der Voraussetzung, dass er die nach den jewiligen Gepflogenheiten des Unternehmens die juristische Person rechtsverbindlich vertreten darf und dazu bedarf es einer schriftlichen Beauftragung, z.B. als Prokurist, Handlungsbevollmächtigter, andere Vollmachten, zusätzlich zu seiner Bestellung als Abnahmebeauftragter.

Produktkonformität und Prüfbescheinigungen
Ing. Ingolf Friederici

Ing. Ingolf Friederici

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Über den Experten

Ingolf Friederici, Experte für Managementsysteme, Konformitätsfragen und zugehörige Normen, führt seit vielen Jahren Seminare und Workshops durch, schwerpunktmäßig als unternehmensindividuell gestaltete Inhouse-Veranstaltungen.

Im expert Verlag, Tübingen, erschien kürzlich sein Buch "Konformität von Produkten - Gesetzliche Anforderungen, Konformitätsbewertungen, Konformitätsdokumente, Prüfbescheinigungen".

Rückfragen beantwortet Herr Friederici gern auch telefonisch unter Tel. 036601 / 556544.

ingolf.friederici@gmail.com