nach oben
Meine Merkliste
Ihre Merklisteneinträge speichern
Wenn Sie weitere Inhalte zu Ihrer Merkliste hinzufügen möchten, melden Sie sich bitte an. Wenn Sie noch kein Benutzerkonto haben, registrieren Sie sich bitte im Hanser Kundencenter.

» Sie haben schon ein Benutzerkonto? Melden Sie sich bitte hier an.
» Noch kein Benutzerkonto? Registrieren Sie sich bitte hier.
Ihre Merklisten
Wenn Sie Ihre Merklisten bei Ihrem nächsten Besuch wieder verwenden möchten, melden Sie sich bitte an oder registrieren Sie sich im Hanser Kundencenter.
» Sie haben schon ein Benutzerkonto? Melden Sie sich bitte hier an.
» Noch kein Benutzerkonto? Registrieren Sie sich bitte hier.

« Zurück

Ihre Vorteile im Überblick

  • Ein Login für alle Hanser Fachportale
  • Individuelle Startseite und damit schneller Zugriff auf bevorzugte Inhalte
  • Exklusiver Zugriff auf ausgewählte Inhalte
  • Persönliche Merklisten über alle Hanser Fachportale
  • Zentrale Verwaltung Ihrer persönlichen Daten und Newsletter-Abonnements

Jetzt registrieren
Merken Gemerkt
09.08.2019 IATF 16949
Frage & Antwort

Prüfmerkmale im Produktionslenkungsplan (PLP)

Müssen alle Produkt- und Prozessmerkmale, die im Fertigungsprozess überwacht und geprüft werden, im Produktionslenkungsplan enthalten sein? Oder ist es möglich diese in separaten Arbeitsanweisungen festzulegen und zu lenken?

Antwort:

Das amerikanische „Control“ wird ausschließlich mit der Tätigkeit „Lenken“ korrekt ins Deutsche übersetzt. Im Gegensatz zum „Steuern“, „Prüfen“ oder „Kontrollieren“ wird beim Lenken ein vollständiger (geschlossener) Regelkreis aufgebaut, was sich darin äußert, dass bei der Feststellung von Fehlern (Prüfergebnissen außerhalb der Toleranz) seitens der Fertigung korrigierend eingegriffen wird. Darum beinhaltet der Produktionslenkungsplan (PLP) – im Gegensatz zu einem einfachen Kontroll- oder Prüfplan – die Spalte Reaktionsplan.

Den PLP haben wir hier in Deutschland den Amerikanern zu verdanken. Er ist ein, wenn nicht DAS Ergebnis des APQP. Der PLP ist eine Unterlage für den jeweiligen Arbeitsplatz in der Produktion. Dem Mitarbeiter werden mit dem PLP vier wesentliche Informationen an die Hand gegeben:
• Wichtige, in diesem Fertigungsschritt zu erreichende Produktmerkmale. Diese kommen aus der Zeichnung, bzw. der Produkt-FMEA und werden ggf. als „Besondere Merkmale“ deklariert. Auf keinen Fall müssen per se alle Merkmale der Zeichnung in der Fertigung gelenkt werden, aber doch mindestens all jene Merkmale, die in der Produkt-FMEA in der Spalte „Entdeckungsmaßnahme“ aufgelistet sind. Es sei denn, dass das betreffende Produktmerkmal über die Lenkung eines Prozessparameters sichergestellt werden kann. (Wenn Prozessparameter x im Bereich a bis b ist, ist das Produktmerkmal y nachweislich (Vorserie) innerhalb der Spezifikation.) Die Erkenntnisse der Produkt-FMEA sind daher ein wesentlicher Input für die Prozess-FMEA.
• Wichtige, in diesem Fertigungsschritt einzuhaltende Produktionsprozessparameter. Diese kommen in aller Regel aus der Prozess-FMEA und werden von der Organisation (als Experte des Produktionsprozesses) festgelegt, nicht vom Kunden. Es handelt sich typischerweise ebenfalls um „Besondere Merkmale“, die aber in der Spalte „K“ nicht per se mit dem vom Kunden gewünschten Symbol zur Kennzeichnung besonderer Merkmale deklariert werden müssen. Alle Prozessparameter, die in der Prozess-FMEA in der Spalte „Entdeckungsmaßnahme“ aufgelistet sind, müssen sich im PLP wiederfinden.
• Die an diesem Arbeitsplatz zur Lenkung der o.g. Merkmale/Parameter durchzuführenden Prüfungen (Prüfplan). Dies sind die eigentlichen Lenkungsmaßnahmen.
• Anweisungen, wie sich der Mitarbeiter im Falle der Nichterreichung der o.g. Produktmerkmale oder Prozessparameter zu verhalten hat (Reaktionsplan = Schließen des Regelkreises).

Damit werden die Forderungen in Abschnitt 8.5.1.1 der IATF 16949 verständlich.

Die Organisation muss Folgendes in den Produktionslenkungsplan aufnehmen:
a) Maßnahmen, die zur Steuerung und Überwachung des Fertigungsprozesses eingesetzt werden, einschließlich der Verifizierung von Einrichtvorgängen,
b) Erst-/Letztteilvergleich, soweit anwendbar,
c) Methoden zur Überwachung der Lenkung der besonderen Merkmale, sowohl für jene, die vom Kunden vorgegeben wurden, als auch für jene, die von der Organisation selbst festgelegt wurden,
d) vom Kunden geforderte Informationen, falls zutreffend,
e) festgelegte Reaktionspläne für den Fall, dass fehlerhafte Produkte entdeckt wurden oder der Prozess als statistisch instabil (nicht beherrscht) oder als nicht fähig bewertet wurde.
8.6.2) Umfang und Häufigkeit der Requalifikationsprüfungen nicht zu vergessen.

Zu Ihrer Frage 1:
Die Vollzähligkeit in der Verpackungseinheit scheint mir auf den ersten Blick kein qualitätsrelevantes Merkmal des Produktes zu sein. Dieses Merkmal muss daher m.E. nicht im PLP aufgeführt sein. Es sei denn, dass dieses Merkmal qualitätsrelevant ist, wie z.B. in der Lebensmittelindustrie; wenn die Organisation 100 Gramm Gummibärchen auf die Tüte schreibt und es dann nur 98 Gramm sind, stellt das in diesem Fall sehr wohl einen Qualitätsmangel dar. Bei Teilen für Autos scheint mir dies nicht so kritisch zu sein.

Zu Ihrer Frage 2:
• Prüfpläne allein ersetzen aus den o.g. Gründen nicht den PLP, da der Regelkreis nicht geschlossen ist.
• Werkzeugstücklisten haben überhaupt nichts mit den Inhalten und der Intention des PLP zu tun.
• Einstellblätter entsprechen hinsichtlich ihres Inhalts und ihrer Intention einem Teil des Betrachtungsumfangs des PLP. Sie sind für sich allein aber hinsichtlich der zwingend vorgegebenen Inhalte (Spalten) des PLP (s. Anhang A der IATF 16949) sicherlich nicht vollständig.
• Da die Mitarbeiter in Deutschland typischerweise gut qualifiziert sind, fällt es in D oft schwer, den Sinn des PLP zu verstehen. Die Mitarbeiter erfahren bei uns typischerweise mittels Arbeitsanweisungen oder Fertigungsaufträgen, was man von ihnen erwartet. Ihnen ist normalerweise auch klar, dass sie den Meister oder Schichtführer informieren müssen, wenn zu überwachende Merkmale oder Parameter aus dem Ruder laufen. Der zum vorgenannten Punkt noch fehlende Aspekt des PLP wäre in der Praxis also ebenfalls abgedeckt.

Aus den o.g. Gründen müssen nicht alle Produkt- und Prozessmerkmale, die im Fertigungsprozess überwacht und geprüft werden, per se im Produktionslenkungsplan enthalten sein, sondern nur die, mit denen die Qualitätseigenschaften des Produkts gelenkt werden – egal, ob mittels direkter Prüfung des Qualitätsmerkmals am Produkt oder Überwachung eines damit korrelierenden Prozessparameters. Es schadet aber auch nicht. Diese Produkt- und Prozessmerkmale werden vermutlich nicht grundlos überwacht und geprüft; offensichtlich haben sie eine Qualitätsrelevanz. Manche Unternehmen haben sogar die einzelnen Arbeitsschritte in den PLP aufgenommen und ersetzen damit die Arbeitsanweisungen für die betreffenden Arbeitsplätze.

Zusammenfassend nutzen diese Überlegungen aber alle nichts, denn die IATF 16949 fordert im Abschnitt 8.5.1.1 eindeutig: Die Organisation muss für den relevanten Produktionsstandort und für alle zu liefernden Produkte auf den Ebenen System, Sub-System, Bauteil und/oder Material Produktionslenkungspläne (gemäß Anhang A) erstellen. Sicherlich ein Tribut, das wir dem internationalen Anspruch zollen müssen.

IATF 16949

Unser Experte beantwortet Ihre Fragen zum Automobilstandard IATF 16949


Stellen Sie unserem Experten Ihre Frage!


Über den Experten

Hartmut Ide

Hartmut Ide hatte leitende Funktionen als Qualitätsmanager in der Autoindustrie inne. Seit 2008 arbeitet er als Berater für IQC - Ide Quality Consulting GmbH. Vom VDA QMC wurde er zum Mastertrainer IATF 16949 berufen. Für DGQ, VDA QMC und andere Organisationen ist er als Trainer und Prüfer für Auditoren und im QM-Bereich im Einsatz. Für das deutsche IATF Oversight Office übersetzte er den Standard IATF 16949 ins Deutsche.