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07.06.2019 IATF 16949
Frage & Antwort

Prozessaudits in der Produktion / Gruppierung der Prozesse

Im Kapitel 9.2.2.3 fordert die Norm die Auditierung aller Produktionsprozesse. Ich stelle mir die Frage, in welcher Tiefe die IATF die Prozessauditierung in der Produktion versteht.

Ist eine selbst gewählte Gruppierung nach bspw. Produktfamilien oder Fertigungsarten (z.B. Kunststofffertigung, Zerspanung, Montage etc.) zulässig oder gibt es konkrete Vorgaben, wie granular die Auditierung der Produktionsprozesse zu erfolgen hat? Trotz dreijährigem Auditzyklus kann eine hohe Granularität die Kapazität zur Auditdurchführung überschreiten.

Antwort:

Auf den ersten Blick hat Ihr Zertifizierungsauditor Recht. In der IATF 16949 steht im Abschnitt 9.2.2.3: "Die Organisation muss alle Produktionsprozesse ... auditieren." Aber in 8.5.1.1 taucht auch das Wort "alle" auf: "Die Organisation muss für ... alle zu liefernden Produkte ... Produktionslenkungspläne erstellen." Dieses "alle" wird im selben Abschnitt dann relativiert: "Produktionslenkungspläne für Produktfamilien sind ... zulässig, sofern die Teile der Produktfamilie aus einem gemeinsamen Fertigungsprozess stammen."

Laut IATF geht es bei den Prozessaudits darum, einerseits die Wirksamkeit und Effizienz zu ermitteln (prozessspezifisch). Kennzahlen, wie diese, werden seitens der Fertigung typischerweise ohnehin regelmäßig erfasst. Andererseits geht es um die Auditierung der wirksamen Anwendung und Umsetzung von prozessbezogenen Risikoanalysen (wie FMEA), Produktionslenkungsplänen und dazugehörenden Dokumenten (auch prozessspezifisch). Dieses muss man also nicht für jedes Produkt hinterfragen. Offensichtlich geht es um die Bewertung der tatsächlichem Wirksamkeit des QMS in der operativen Umsetzung. Da VDA 6.3 nicht zwingend gefordert ist, könnte sich Ihr "Prozessaudit" auch nur darauf beschränken und die Anforderung könnte mit der vorhanden Kapazität vielleicht doch erfüllt werden - ähnlich einem Layerd Process Audit (LPA).

Es kommen noch die kundenspezifischen Anforderungen hinzu. VW fordert in der Formel-Q-Fähigkeit von seinen Lieferanten dann leider doch die Durchführung von Selbstaudits nach VDA 6.3 (P5, P6, P7); und zwar mindestens 1x pro Jahr für alle Prozessschritte der durch den Kunden beauftragten Produktgruppen. Wie Sie sehen, ist hier aber auch von Produktgruppen die Rede. Auch wenn ein Prozessschritt an mehreren unterschiedlichen Teilenummern und auf mehreren parallelen, gleichartigen Maschinen durchgeführt wird, bleibt es bei einem Prozessschritt, bzw. Prozess (Anzahl: 1).

Darauf aufbauend würde ich genau wie Sie argumentieren, dass es bei den Prozessaudits doch - wie der Name schon sagt - um die Prozesse an sich geht und nicht um die Produkte oder die produktspezifischen Werkzeuge oder Maschinenparameter. Sie sollten also Ihre Fertigungsbereiche in Gruppen/Familien aufteilen; z.B. Kunststofffertigung, Zerspanung, Montage. Dann machen Sie eine Aufstellung, welche Teile in diesen Bereichen für welche IATF-OEMs hergestellt werden. Und dann können Sie m.E. schon sagen: Dieses Jahr führen wir ein Prozessaudit im Produktionsprozess "Zerspanen" durch; und zwar repräsentativ am BMW-Teil 123456, welches auf Maschine 15 gefertigt wird. Kommendes Jahr werden wir im Produktionsprozess "Zerspanen" stellvertretend ein Prozessaudit am FORD-Teil 789012 durchführen, welches auf Maschine 8 hergestellt wird.

Sie haben nun m.E. zwei Möglichkeiten: Entweder stark abgespeckte, kurze Prozessaudits (in Anlehnung an LPA) oder (für VW-Teile) Definition von Prozess- und Produktfamilien. Für klassische (aufwändige) Prozessaudits nach VDA 6.3 für alle Produkte und alle von diesen durchlaufenen Produktionsprozesse alle 3 Jahre werden Sie nachvollziehbar nicht genügend Kapazität haben. Sie würden dann auch einzelne Prozesse sehr häufig auditieren, womöglich einmal pro Woche, weil Sie in diesem Prozess ganz viele unterschiedliche Teile herstellen. Das kann so nicht gemeint sein. Eine offizielle Klarstellung durch die IATF - in Form einer FAQ - wäre zugegebenermaßen sicherlich hilfreich.

IATF 16949

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Über den Experten

Hartmut Ide

Hartmut Ide hatte leitende Funktionen als Qualitätsmanager in der Autoindustrie inne. Seit 2008 arbeitet er als Berater für IQC - Ide Quality Consulting GmbH. Vom VDA QMC wurde er zum Mastertrainer IATF 16949 berufen. Für DGQ, VDA QMC und andere Organisationen ist er als Trainer und Prüfer für Auditoren und im QM-Bereich im Einsatz. Für das deutsche IATF Oversight Office übersetzte er den Standard IATF 16949 ins Deutsche.