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27.04.2020 IATF 16949
Frage & Antwort

Automotive und anderer Branchen im selben Betrieb

Welche Maßnahmen muss ein IATF-zertifiziertes Unternehmen treffen, um in der selben Produktionsstätte auch Artikel für andere Industriezweige herstellen zu können. Die anderen Artikel müssen den Anforderungen der ISO 9001 entsprechen, nicht aber der IATF16949.

Ist es erlaubt hier eine Prozesslandschaft für den Non-Automotive Bereich zu implementieren, welche sich dem Scope der IATF-Zertifizierung entzieht. Welche physichen Vorkehrungen müssen in der Produktion getroffen werden?

Antwort:

Das von Ihnen angesprochene Thema ist in Abschnitt 5.2 der Zertifizierungsvorgaben eindeutig geregelt:

Wenn nur ein Teil des Produktionsstandorts ausschließlich Produkte für die Automobilindustrie herstellt, kann das Zertifizierungsaudit nach IATF 16949 nur auf diesen Teil begrenzt werden, wenn folgende Bedingungen erfüllt sind:
- Freigabe dieser Aufteilung des Unternehmens durch das zuständige IATF Oversight Office vor Auditdurchführung,
- alle automobilspezifischen Produktionsprozesse sind von anderen Produktionsprozessen physisch getrennt (z. B. separates Gebäude, feste Absperrung zwischen Produktionslinien/-maschinen usw.),
- Mitarbeiter, die in automobilspezifischen Produktionsprozessen arbeiten, sind diesen fest zugeordnet.

Sind Automotive Produktionsprozesse in Produktionsbereichen integriert, in denen Non-Automotive Produktionsprozesse ausgeführt werden, kann diese Regelung nicht angewendet werden und der gesamte betreffende Produktionsbereich muss sich der IATF-Zertifizierung stellen.

Niemand kann Ihnen andererseits verbieten, im Automotive-Produktionsbereich auch Artikel für andere Industriezweige herzustellen. Welche Prozesslandschaft Sie welchem Produktionsbereich (Automotive / Non-Automotive) zuordnen, spielt dabei keine Rolle, da dies ohnehin die Entscheidung der Organisation ist. Ein Zertifizierungsauditor hat sich hier nicht einzumischen. Laut Abschnitt 4.4.1 der ISO 9001 muss die Organisation die Prozesse bestimmen, die für das QM-System benötigt werden, sowie deren Anwendung innerhalb der Organisation festlegen – nicht der Zertifizierungsauditor. (Hierbei ist aber zu beachten, dass die IATF 16949 knapp 30 Prozesse zwingend vorgibt, was die ISO 9001 weitgehend offen lässt.)

Für die Produktion von Non-Automotive-Artikeln in einem nach IATF 16949 zertifizierten Bereich müssen Sie keine andere Gesellschaft gründen. Non-Automotive-Artikel dürfen ohne Weiteres auf denselben Produktionseinrichtungen produziert werden, wie die Automotive-Artikel. Da Sie dann aber Ihr gesamtes QM-System auf IATF 16949 ausrichten müssen, gelten dann für die Non-Automotive-Artikel streng genommen aber auch die Automotive-spezifischen Forderungen, wie ein Produktionslenkungsplan, Fähigkeitsnachweise für die Messsysteme usw. Meines Erachtens können Sie hier aber den Joker nutzen, den Ihre Kunden gegenüber den IATF 16949-Forderungen immer haben; und zwar: „sofern mit dem Kunden nicht anders abgestimmt“.

Sie formulieren in den betreffenden dokumentierten Informationen (Prozessbeschreibungen usw.) die Erfüllung der IATF-Forderung mit dem Nebensatz „wenn vom Kunden gefordert“. Ein Beispiel: „Sofern vom Kunden gefordert, dürfen für die geplanten Überprüfungen der physikalischen Eigenschaften der Serienprodukte nur externe Prüflabore beauftragt werden, welche nach ISO/IEC 17025 oder einer vergleichbaren nationalen Norm akkreditiert sind.“ Im Zusammenhang mit den Automotive-Artikeln muss das dann natürlich auch nachweislich so getan und eingehalten werden; für Non-Automotive-Artikel aber eben nicht, da diese Kunden das (in meinem Beispiel) so nicht vorgegeben haben. Der IATF-Zertifizierungsauditor wird sich bei seinen Stichproben immer auf die Automotive-Artikel konzentrieren und sich einen Non-Automotive-Artikel ggf. als weiterführendes Beispiel ansehen, aber nicht zur Bewertung heranziehen.

Will sagen; wenn eine IATF 16949-Forderung bei einem Non-Automotive-Artikel nicht erfüllt wird, ist dies kein Grund für eine Abweichung in einem Zertifizierungsaudit nach IATF 16949 – sofern Sie es in Ihrer internen QMS-Dokumentation entsprechend legitimiert haben. Andernfalls wäre es eine Abweichung von Ihrer eigenen internen Vorgabe, was immer eine Abweichung im Zertifizierungsaudit darstellt, da das QM-System nachweislich nicht wirksam umgesetzt wurde.

Fazit: Eine Nichterfüllung einer IATF 16949-Forderung führt im Audit regelmäßig nicht zu einer Abweichung, wenn anderslautende Kundenvorgaben oder eine dokumentierte Erlaubnis des Kunden vorliegen. Die Automotive-Kunden können alle IATF 16949-Forderungen überstimmen, außer Kraft setzen oder entsprechende Abweichungen von den Vorgaben erlauben. Daher ist es auch so wichtig, dass dem Auditor - intern wie extern - alle kundenspezifischen Vorgaben bekannt sind, da diese bewertungsrelevant sind.

IATF 16949

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Über den Experten

Hartmut Ide

Hartmut Ide hatte leitende Funktionen als Qualitätsmanager in der Autoindustrie inne. Seit 2008 arbeitet er als Berater für IQC - Ide Quality Consulting GmbH. Vom VDA QMC wurde er zum Mastertrainer IATF 16949 berufen. Für DGQ, VDA QMC und andere Organisationen ist er als Trainer und Prüfer für Auditoren und im QM-Bereich im Einsatz. Für das deutsche IATF Oversight Office übersetzte er den Standard IATF 16949 ins Deutsche.