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18.09.2020 IATF 16949
Frage & Antwort

Was sind Besondere Merkmale

In internen Diskussionen und Gesprächen mit unseren Kunden werden immer wieder ganz unterschiedliche Auffassungen vertreten, was besondere Merkmale sind und was nicht. Konstrukteure vertreten beispielsweise oft den Standpunkt, dass alle Merkmale auf der Zeichnung wichtig sind, da sie ja andernfalls nicht auf der Zeichnung aufgeführt wären.

Antwort:

Erstens: die produktbezogenen besonderen Merkmale. Diese werden im Allgemeinen als kritische besondere Merkmale bezeichnet. Manche Unternehmen bezeichnen diese Gruppe von besonderen Merkmalen auch CC-Merkmale.

Zweitens: die prozessbezogenen besonderen Merkmale. Diese werden in manchen Unternehmen als SC Merkmale (significant characteristics) bezeichnet. Hierbei handelt es sich in der Regel nicht um Merkmale am Produkt, sondern um Produktionsprozessparameter.

Die erste Gruppe kann weiter unterteilt werden in zulassungs- oder zertifizierungs-relevante Merkmale (BM Z) und in sicherheitsrelevante Merkmale (BM S). Die zulassungsrelevanten Merkmale basieren auf der Straßenverkehrszulassungsordnung (StVZO). Diese stehen somit schon von vornherein fest und werden den betreffenden Lieferanten vom OEM über das Lastenheft, die Zeichnung oder die Spezifikation vorgegeben. Sofern der betreffende Lieferant selbst Entwicklungsverantwortung hat, kann es auch sein, dass diese Merkmale am konkreten Produkt vom Lieferanten festgelegt werden. Die sicherheitsrelevanten Merkmale sind zusätzliche, vom OEM festgelegte Merkmale, welche - wie der Name schon sagt - aus Sicherheitsgründen festgelegt wurden.

Um die Qualität und Konformität zur StVZO für jedes einzelne Fahrzeug auch im Nachhinein nachweisen zu können, fordert das Kraftfahrt-Bundesamt (KBA) eine 15-jährige Archivierung der entsprechenden Qualitätsnachweise. Man spricht in diesem Zusammenhang daher oft auch von dokumentationspflichtigen Merkmalen (D-Merkmalen) oder Bauteilen (D-Teilen).

Bei der zweiten Gruppe - den prozessbezogenen besonderen Merkmalen - handelt es sich in der Regel um Prozessparameter, welche einen direkten oder indirekten Einfluss auf die sogenannten „4 F“ haben können (BM F). Diese 4 F sind typischerweise Form, Fit, Funktion und Performance. Es kann sich bei diesen Merkmalen nicht um Produktmerkmale handeln, da kein Konstrukteur Produkte entwickeln würde, die nicht weiterverarbeitet werden können oder nicht die geforderte Leistung oder Funktion aufweisen. Es kann sich also nur um Prozessparameter handeln, die in der laufenden Serie ggf. einen Einfluss auf die oben genannten „4 F“ haben können.

Die Prozessparameter, die einen potenziellen Einfluss auf die 4 F haben können, werden im Rahmen der Erstellung der Prozess-FMEA ermittelt, um eventuelle Fehlfunktionen des produzierten Produktes in Bezug auf die 4 F entweder zu vermeiden oder zumindest zu erkennen. Die verursachenden Prozessparameter müssen in der laufenden Serie entsprechend überwacht, beziehungsweise gelenkt werden. Diese besonderen Merkmale (Prozessparameter) sollten in der Prozess-FMEA daher auch entsprechend gekennzeichnet werden. Falls die betreffenden Prozessparameter nicht direkt überwacht und gelenkt werden können, kann es sein, dass die 4 F mittels Überwachung, bzw. Lenkung korrelierender Produktmerkmale abgesichert werden müssen. Das sollte aber die Ausnahme sein, da bei dieser Vorgehensweise erst N.i.O.-Teile produziert werden müssen, bevor korrigierend in den Prozess eingegriffen wird.

Allen besonderen Merkmalen ist gemein, dass sie in der laufenden Serie überwacht, dokumentiert, bzw. gelenkt werden müssen. Aus diesem Grund müssen die außerhalb der Design-FMEA bereits vorab definierten und festgelegten besonderen Merkmale mit Zulassungs-, bzw. Sicherheitsrelevanz, als auch die sich aus der Prozess-FMEA heraus ergebenden Prozessparameter im Produktionslenkungsplan (PLP) aufgeführt und gekennzeichnet werden.

Im PLP können selbstverständlich auch weitere Lenkungsmaßnahmen (an nicht besonderen Merkmalen) aufgeführt sein. Der weit verbreitete Rückschluss, dass alle Merkmale/Prozessparameter, die im PLP aufgelistet sind, auch in den entsprechenden FMEAs auftauchen müssten, ist erstens nirgendwo gefordert und zweitens logisch unzulässig.

Die offizielle Definition von besonderen Merkmalen aus Abschnitt 3 der IATF 16949 lautet: „Produktmerkmale (erste Gruppe) oder Produktionsprozessparameter (zweite Gruppe), die Auswirkungen auf die Sicherheit oder Einhaltung behördlicher Vorschriften (erste Gruppe), die Passform, die Funktion, die Leistung oder die weitere Verarbeitung des Produktes (zweite Gruppe) haben können.“ (Das entspricht exakt meinen oben stehenden Ausführungen.)

Konstrukteure, die sagen, dass alle Merkmale auf der Zeichnung wichtig sind, haben aus ihrer Sicht also gar nicht mal Unrecht. Denn die Konstrukteure sind typischerweise nicht die Personengruppe, die die besonderen Merkmale am Produkt festlegt. Wie oben erwähnt, werden die produktbezogenen besonderen Merkmale außerhalb des Unternehmens, nämlich entweder vom OEM (BM S) oder vom Kraftfahrt-Bundesamt (BM Z) festgelegt. Die prozessbezogenen BM F werden vom P-FMEA-Team festgelegt.

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Über den Experten

Hartmut Ide

Hartmut Ide hatte leitende Funktionen als Qualitätsmanager in der Autoindustrie inne. Seit 2008 arbeitet er als Berater für IQC - Ide Quality Consulting GmbH. Vom VDA QMC wurde er zum Mastertrainer IATF 16949 berufen. Für DGQ, VDA QMC und andere Organisationen ist er als Trainer und Prüfer für Auditoren und im QM-Bereich im Einsatz. Für das deutsche IATF Oversight Office übersetzte er den Standard IATF 16949 ins Deutsche.