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Auszug aus
Gerhard Gietl, Werner Lobinger

Leitfaden für Qualitätsauditoren

07/2012, 304 Seiten, € 39,99
ISBN: 978-3-446-42702-0
Recht / Normen - ISO 9001:2000

Management von Auditprogrammen

Revision der DIN EN ISO 19011:2011

Die überarbeitete Ausgabe der ISO 19011 ist seit Dezember 2011 veröffentlicht und beinhaltet Leitlinien für Audits von Managementsystemen. Zusammen mit der ISO/IEC 17021 - die Anforderungen an Stellen enthält, die Managementsysteme auditieren und zertifizieren - ist sie die maßgebliche Norm zur Gestaltung und Ausrichtung von Audits.

Neben einer Vielzahl von Änderungen, wie etwa die Erweiterung des Anwendungsbereiches von Qualitäts- und Umweltaudits auf weitere Disziplinen (zum Beispiel die Arbeitssicherheit), betont die ISO 19011 in Abschnitt 5 vor allem das Management eines Auditprogramms.

Mit diesem Begriff können viele Anwender der ISO 9001 wenig anfangen. Zwar wird die Planung eines Auditprogramms in der ISO 9001 gefordert, doch mündet die Umsetzung letztendlich nur in einen Auditjahresplan der regelt, welche Abteilung durch wen und wann auditiert wird.

Dabei gehört zum Management eines Auditprogramms noch vieles mehr, wie die Definition des Begriffs Auditprogramm der ISO 19011 zeigt:

„Festlegungen für einen Satz von einem oder mehreren Audits, die für einen spezifischen Zeitraum geplant und auf einen spezifischen Zweck ausgerichtet sind.“

Anmerkung: Ein Auditprogramm schließt alle Tätigkeiten ein, die für die Planung, Organisation und Durchführung von Audits erforderlich sind.

Das Auditprogramm ist nicht nur eine 1-Jahres- oder 3-Jahresplanung von Audit-Anzahl und -Umfängen. Zum Auditprogramm gehören sämtliche Aktivitäten zum Steuern und Lenken des Auditprozesses. Es setzt sich in einem nach ISO 9001 zertifizierten Unternehmen aus verschiedenen Festlegungen in Dokumenten zusammen:

Auditprogramm  ©Werner Lobinger

Auditprogramm ©Werner Lobinger

Die ISO 19011 regt die Definition einer oder mehreren Personen als Verantwortliche (häufig der Qualitätsbeauftragte) für das Management eines Auditprogramms an. Dieser Auditprogramm-Manager sollte über ein allgemeines Verständnis der Auditprinzipien, der Kompetenz von Auditoren und der Anwendung von Auditmethoden verfügen. Weiterhin sollte er über Managementfähigkeiten sowie über technisches und geschäftliches Verständnis hinsichtlich der zu auditierenden Tätigkeiten und, falls zutreffend, Erwartungen der interessierten Parteien verfügen.

Der Beitrag des Auditprogramms zum Geschäftserfolg soll im Vordergrund des Handelns stehen. Audits sollen ein Hilfsmittel zur Steuerung und Überwachung vor allem von Managementsystemen sein. Managementsysteme sind aber auch nicht Selbstzweck, sondern sollen einen Beitrag zum Unternehmenserfolg bzw. den Zielsetzungen der Organisation liefern. Deswegen ist es notwendig, das Auditwesen als Steuerungsinstrument in das Unternehmen zu integrieren und z. B. die Zielsetzungen, den Umfang der Audits, die Kompetenz der Auditoren, den Detaillierungsgrad, die Inhalte etc. aktiv zu leiten und zu lenken. Ähnlich dem Management eines Prozesses kann auch das Auditprogramm gelenkt werden. In Anlehnung an die Turtle-Systematik aus der Automobilindustrie zeigt folgende Übersicht wesentliche Aspekte des Auditprogramm-Managements:

Management eines Auditprogramms (aus "Leitfaden für Qualitätsauditoren", Gerhard Gietl, Werner Lobinger; Carl Hanser Verlag)

Management eines Auditprogramms (aus "Leitfaden für Qualitätsauditoren", Gerhard Gietl, Werner Lobinger; Carl Hanser Verlag)

Dieser Gesamtansatz des Auditprogramm-Managements wird in der ISO 19011 mit den Anregungen zur Ursachenanalyse unterstützt. In der Norm 19011 wird aufgefordert, nicht nur Normkonformitäten oder Verbesserungspotenziale im Audit zu identifizieren, sondern die Ursachen zu ergründen. Damit wird die Identifikation geeigneter und wirksamer Korrekturmaßnahmen unterstützt.

Mit einer Ausrichtung an den Unternehmenszielen kann das Auditwesen ein effizientes Hilfsmittel sein und verkommt nicht zu einem notwendigen Übel, das ausschließlich und allein zur Aufrechterhaltung eines Zertifikates dient. Auf diese Weise stellt sich die notwendige Akzeptanz bei allen Beteiligten langfristig von selbst ein.

Auszug aus
Gerhard Gietl, Werner Lobinger

Leitfaden für Qualitätsauditoren

07/2012, 304 Seiten, € 39,99
ISBN: 978-3-446-42702-0

Dipl. Ing. (FH) Werner Lobinger ist Geschäftsführer und Inhaber der Firma VIA Management Consulting. Das Beratungs- und Trainings-Unternehmen konzentriert sich auf Managementsysteme und ihren Beitrag zum wirtschaftlichen Erfolg des Unternehmens. Werner Lobinger verfügt über langjährige Erfahrung in der Einführung und Optimierung von Managementsystemen und ist Autor einiger Fachbücher mit dem Schwerpunkt Qualitäts- und Prozessmanagement.

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