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07.05.2013

Deutschland – Russland: Politik und Wirtschaft harmonieren noch nicht

Hannover Messe 2013

Bundeskanzlerin Angela Merkel kritisierte auf der gemeinsamen Pressekonferenz mit dem russischen Präsidenten Wladimir Putin russische Razzien gegen Nichtregierungsorganisationen.

Bundeskanzlerin Angela Merkel kritisierte auf der gemeinsamen Pressekonferenz mit dem russischen Präsidenten Wladimir Putin russische Razzien gegen Nichtregierungsorganisationen.

Russland war in diesem Jahr mit 160 ausstellenden Unternehmen offizielles Partnerland der weltgrößten Industrieschau, der Hannover Messe. Begleitet wurde das Ausstellungsprogramm durch den russisch-deutschen Wirtschaftsgipfel am 8.  April. Für genau diesen Tag hatte die DGQ in das Business Forum 1 der Messereihe „Global Business & Markets“ zu einer Podiumsdiskussion über das Thema „Qualität Made in Germany – auch in 20 Jahren noch Erfolgsfaktor für die deutsche Wirtschaft“ eingeladen. Aufgrund der aktuellen weltpolitischen Entwicklung hatte das Kanzleramt jedoch kurzfristig eine Pressekonferenz zu dem Termin und an dem Ort der geplanten DGQ-Veranstaltung einberufen. Dabei ging es neben der Finanzkrise in Zypern und den Krisenlagen in Nordkorea und Syrien um Übergriffe der russischen Regierung auf die Zivilgesellschaft. Angela Merkel kritisierte Kontrollen gegenüber deutschen Nichtregierungsorganisationen in Russland. Im Beisein des russischen Präsidenten Wladimir Putin sagte die Bundeskanzlerin, Nichtregierungsorganisationen müssten in Russland „gut und frei“ arbeiten können. Putin wies die Kritik mit der Behauptung zurück, vergleichbare Gesetze gebe es in den USA schon seit 1938. Das umstrittene russische „Agentengesetz“ war 2012 im Schnellverfahren durch das Parlament gebracht worden. Demnach müssen sich Nichtregierungsorganisationen als „ausländische Agenten“ registrieren lassen, wenn sie keine Strafen riskieren wollen. Deutschland hoffe, so Merkel weiter, dass die Arbeit der Stiftungen in Russland künftig nicht mehr behindert werde. Zudem wünsche sich Deutschland in Russland eine „lebendige Zivilgesellschaft“. Die Stiftungen könnten weiterarbeiten, betonte Putin.

Deutliches Qualitätsgefälle

Auf die Messe bezogen, betonte der russische Präsident deren große Bedeutung für den Ausbau der gegenseitigen Wirtschaftsbeziehungen. „Russland ist herzlich willkommen auf der Hannover Messe, auch im Namen der Bundesregierung“, antwortete Merkel mit Hinweis auf den „zunehmenden Wohlstand und eine wachsende Wirtschaft“ in Russland. Die Wirtschaftsbeziehungen beider Länder seien „hervorragend“, was das Wachstum des Warenaustauschs betrifft (mehr als 80 Milliarden Euro im Jahr 2012). Russland sei somit ein wichtiger strategischer Partner, mit dem man intensivste Kontakte pflege, hob die Kanzlerin hervor. Auch Putin betonte, die Wirtschaft seines Landes fühle sich in Hannover wie zu Hause.

Rund 200 Journalisten drängten sich während der Pressekonferenz im Business Forum 1 der Hannover Messe.

Rund 200 Journalisten drängten sich während der Pressekonferenz im Business Forum 1 der Hannover Messe.

Doch so üppig der gegenseitige Warenfluss auch sprudelt, so deutlich ist ein Qualitätsgefälle festzustellen. Denn Russland ist noch weit davon entfernt, als Produktionsstandort ebenso attraktiv zu sein wie als Absatzmarkt. Der größte Flächenstaat besitzt keinen innovativen Mittelstand wie Deutschland. Die industrielle Wertschöpfung ist klein und bezogen auf den Export – außer Erdöl und Erdgas – oft nicht konkurrenzfähig. So kann etwa der russische Werkzeug- und Anlagenbau oft nicht mit der Qualität deutscher Produkte konkurrieren. Zwar hat das Russland von heute nichts mehr mit der Mangelwirtschaft und Service-Wüste der letzten Sowjetjahre zu tun, jedoch führen ausufernde Korruption, Oli­garchen-Konglomerate und die wachsende Einmischung des Staates in die Wirtschaft zu fundamentalen Problemen.

Wichtigster Wettbewerbsfaktor

Für ein Produktionsland sei künftig der wichtigste Wettbewerbsfaktor „eine durch qualifizierte Mitarbeiter getriebene Innovationskultur“. Das hatte eine Umfrage der Beratungsgesellschaft Deloitte unter 550 Vorstandsvorsitzenden international tätiger Konzerne ergeben. Deloitte-Partner Thomas Doebler stellte das Ergebnis der Befragung einen Tag nach der deutsch-russischen Pressekonferenz auf dem Siemens-Abend der Hannover Messe vor. Entscheidend für die Innovationskultur eines Landes seien demnach die „Qualität und Verfügbarkeit von Forschern und Ingenieuren mit der Beherrschung und Weiterentwicklung moderner Produktionsprozesse und -technologien“, und damit verbunden gut ausgebildete Fachkräfte sowie die Qualität der Schulen und Universitäten.

Unternehmensinformation

DGQ Deutsche Gesellschaft für Qualität

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Fax: 069 95424-133

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